Soziales Netzwerk Mail.ru übernimmt VKontakte vollständig

In Russland ist das Netzwerk populärer als Facebook: VKontakte gehört künftig vollständig dem Internetkonzern Mail.ru. Das Unternehmen investiert 1,13 Milliarden Euro und hat schon vorher die Hälfte der Anteile besessen.

VKontakte-Startseite: Das Netzwerk gehört bald komplett zu Mail.ru

VKontakte-Startseite: Das Netzwerk gehört bald komplett zu Mail.ru


Während in Deutschland Facebook vorn liegt, ist in Russland VKontakte (VK) das beliebteste soziale Netzwerk. Entsprechend begehrt ist die Kontrolle über den Dienst. Nach längeren Auseinandersetzungen hat sich diese nun der Internetkonzern und E-Mail-Dienst-Anbieter Mail.ru gesichert. Für umgerechnet 1,13 Milliarden Euro konnte der Konzern vom Moskauer Private-Equity-Fonds United Capital Partners 48,01 Prozent der Anteile am Netzwerk kaufen. Damit gehört VK nun komplett Mail.ru.

Das im Jahr 2006 gegründete VK ist vor allem in Russland und in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion verbreitet und kommt auf über 250 Millionen Mitglieder. Hinter dem Kauf steht der russische Milliardär Alischer Usmanow, der Mehrheitseigner von Mail.ru. Der enge Freund von Präsident Wladimir Putin hat nun die volle Kontrolle über das Netzwerk, dessen Mehrheit er bereits im Frühjahr übernommen hatte.

Damit ist eine Übernahmeschlacht entschieden, die vor allem mit VK-Gründer Pawel Durow ausgetragen worden war. Der einst als "russischer Mark Zuckerberg" gefeierte Unternehmer war Anfang 2014 ins Ausland gegangen. Zuvor hatte er sich lange dem Drängen des Inlandsgeheimdienstes widersetzt, Nutzerdaten preiszugeben.

"Eine Plattform für unabhängige Stimmen und Dissidenten"

Das US-Tech-Blog "Mashable" sieht die VK-Komplettübernahme kritisch, bislang habe das Netzwerk als Plattform für unabhängige Stimmen und Dissidenten gegolten. Die Menschenrechtsorganisation Freedom House wertet den Kauf als weiteren Schritt in Richtung einer zunehmenden Internetkontrolle. Die engen Verbindungen des nunmehrigen VK-Besitzers Usmanow zum Kreml würden es weniger wahrscheinlich machen, "dass das Unternehmen sich noch dem Regierungsdrängen widersetzt, um die Rechte und Privatsphäre seiner Mitglieder zu schützen".

United Capital Partners dagegen hatte dem ehemaligen VK-Chef Durow Missmanagement vorgeworfen. Seine Gründung eines unabhängigen Kurznachrichtendienstes namens Telegram sei geschäftsschädigend gewesen.

Das "Wall Street Journal" weist in einem Bericht zur Übernahme auf eine kritische Beurteilung von VK durch das Amt des Handelsvertreters der Vereinigten Staaten hin: Die für den internationalen US-Handel zuständige Behörde bewertet das Netzwerk als "berüchtigten Markt" für gestohlene Daten.

meu

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Immanuel_Goldstein 17.09.2014
1.
Es ist sonnenklar, was Putin damit will. Aber egal, noch können sich Dissidenten andere Plattformen suchen.
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