Navigationssystem Russland will GPS-Bodenstationen abschalten

Die Navigation durch das GPS-System könnte bald ungenauer werden. Die russische Regierung will elf Bodenstationen abschalten, sollten Verhandlungen mit den USA keine Einigung bringen.

Galileo-Satellit (Simulation): Satellitengestützte Navigation könnte ungenauer werden
AP / ESA / P. Carril

Galileo-Satellit (Simulation): Satellitengestützte Navigation könnte ungenauer werden


Moskau - Russland hat angekündigt, den Betrieb der insgesamt elf GPS-Stationen zu stoppen, die sich auf russischem Territorium befinden. Vizepremier Dmitrij Rogosin sagte laut der Nachrichtenagentur Ria Nowosti: "Ab dem 1. Juni setzen wir den Betrieb der GPS-Stationen aus." Rogosins Aussage bezieht sich auf ein Abkommen mit den USA, das auf das Jahr 1993 zurückgeht und 2001 erweitert wurde. Darin, so Rogosin, seien auch Vereinbarungen über die Errichtung von Bodenstationen für das russische GPS-Pendant Glonass auf amerikanischem Boden enthalten. Die Amerikaner hätten das der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos jedoch bislang verweigert.

Nun würden für die kommenden drei Monate Verhandlungen zwischen Moskau und Washington anstehen. Blieben die Gespräche ergebnislos, würden die GPS-Stationen in Russland ab dem 1. September endgültig außer Betrieb gesetzt.

Für Privatpersonen soll eine solche Abschaltung keine Probleme mit sich bringen. Igor Marinin, Chefredakteur der Fachzeitschrift Nowosti Kosmonawtiki, wird mit der Einschätzung zitiert, die von den Bodenstationen gelieferte Zielgenauigkeit werde nur vom Militär für Präzisionslenkwaffen benötigt: "Weder Autofahrer, noch Touristen, noch private Nutzer werden etwas merken."

Die Bodenstationen erhöhen die Genauigkeit

Bodenstationen haben grundsätzlich den Zweck, als Korrekturmechanismus die Genauigkeit des Navigationssatellitensystem zu erhöhen. Ein GPS- oder Glonass-Empfänger bestimmt seine Position, indem er die Signale von mindestens drei Satelliten empfängt und zusammenrechnet. Doch diese Signale werden durch Turbulenzen in der äußeren Atmosphäre abgelenkt, von Stunde zu Stunde unterschiedlich stark.

Die so verzögerten Signale verändern die vom Empfänger berechnete Position. Referenzstationen am Boden, wie sie Roskosmos in Nordamerika bauen will, empfangen die Satellitensignale an einem exakt verorteten Standort. Weil diese Position bekannt ist, lässt sich die Abweichung der empfangenen Daten genau ermitteln.

Dass US-Geheimdienste die Errichtung von Glonass-Stationen auf US-Territorium nach Kräften behinderten, ist seit dem vergangenen Jahr bekannt. Als Begründung wurde damals die Sorge vor Spionage angeführt. Außerdem sei Glonass Teil des russischen Zielerfassungssystems für Lenkwaffen.

Rogosins Ankündigung erfolgte nun zeitgleich mit der Ankündigung, dass sich Russland an der Internationalen Raumstation ISS nur noch bis 2020 beteiligen will.

meu

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Layer_8 14.05.2014
1. Technologie
Zitat von sysopAP / ESA / P. CarrilDie Navigation durch das GPS-System könnte bald ungenauer werden. Die russische Regierung will elf Bodenstationen abschalten, sollten Verhandlungen mit den USA keine Einigung bringen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/russland-will-gps-stationen-abschalten-verhandlungen-mit-den-usa-a-969292.html
Erst das mit der ISS und jetzt so. Ich weiß nicht, ob das gut ist für die Sowjets, äh, Russen, sich wieder aus dem technologischen Fortschritt auszuklinken. Mal sehen, wer den längeren Atem hat. 25 Jahre nach dem Ende des Arbeiter- und Bauernparadieses ist dort anscheinend vergessen, dass auch technologisches Halbwissen dessen Fall beschleunigt hat. Nur Megabombenraketen, nebenbei auch für bemannte Raumfahrt benutzbar, reicht halt nicht. Und China? Die werden sich auch hüten, dass andere an ihren zweifellosen technologischen Fortschritten als Trittbrettfahrer uneingeschränkt teilhaben können. Russland will sich offensichtlich wieder in einen Arbeiter- Bauern- und Soldatenstaat zurückentwickeln.
huettenfreak 14.05.2014
2. Logisch
Dass man den Amis im Falle eines militärischen Konflikts nicht selbst noch genaue Koordinaten liefern möchte ist verständlich.
mail-sms 14.05.2014
3. Amerikaner haben keine GPS-Stationen in Russland
Was die Russen abschalten wollen sind Wetterstationen mit GPS-Anschluss. Typisch russische Propaganda um beim Volk Stärke zu zeigen, nach dem Motto "wir schalten den Amerikanern ihr GPS ab!". Peinlich irgendwie.
willibald2013 14.05.2014
4.
Kleiner Fehler im Artikel: ein GPS-Empfänger benötigt mindestens 4 sichtbare Satelliten, um die Position bestimmen zu können. 3 Satellitenbeobachtungen für die 3 unbekannten Koordinaten, einen weiteren für den sogenannten Uhrenfehler, die Differenz zwischen der Atomuhr an Bord des Satelliten und der (lokalen) Zeit des Empfängers. Diese wird benötigt um die Laufzeit des Signals bestimmen zu können, woraus dann letztendlich sog. "pseudoranges" zu den Satelliten und daraus die Position bestimmt werden kann.
voevoda 14.05.2014
5. Tja, wie du mir, so ich dir
Haben die Amis wirklich gedacht, sie können im Genuss von Bodenstationen in Russland bleiben, während sie den Russen dasselbe auf US-Boden verweigern? Manchmal erscheint mir, als seien die Amerikaner von ihrer Exceptionalism-Erwartungshaltung verblendet.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.