Netzwelt-Ticker: Buchautoren klagen gegen Google Books

Von Carolin Neumann

Darf ein Unternehmen Buchbestände ohne Rücksprache mit den Autoren digitalisieren? Eine neue Klage rückt die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Google Books wieder in den Fokus. Außerdem im Überblick: Facebooks Anti-Spam-Maßnahmen und Hilfe beim Googlen in China.

Google Books (Screenshot): Die "unglücklichen Autoren" dürfen gemeinsam klagen Zur Großansicht

Google Books (Screenshot): Die "unglücklichen Autoren" dürfen gemeinsam klagen

Es kommt Bewegung in den seit Jahren schwelenden Streit zwischen Urhebern und dem Internetkonzern Google wegen dessen Massendigitalisierung von Büchern. Ein Bundesrichter in den USA hat in dieser Woche entschieden, eine Sammelklage von Autoren und Fotografen gegen Google Books zuzulassen.

Die Parteien, darunter im Namen der Urheber der Interessenverband Authors' Guild, streiten sich bereits seit 2005 darüber, ob Google Bibliotheksbestände weltweit für sein Books-Angebot digitalisieren darf. Eine vor einigen Jahren getroffene außergerichtliche Vereinbarung wurde später gekippt, die Autoren-Vereinigung nahm den Kampf folglich wieder auf.

Der Konzern selbst gibt sich nach wie vor selbstbewusst, bei seiner anhaltenden Digitalisierung amerikanischem Urheberrecht zu folgen. Nach dem jetzigen Urteil ist der Weg frei für einen Prozess, der dieser Frage neuerlich nachgehen soll. Google hatte sich zuletzt gegen eine Sammelklage gewehrt und argumentiert, die Authors' Guild könne nicht für alle ihre Mitglieder sprechen, wenn doch mehr als die Hälfte bekanntermaßen für eine Verbreitung ihrer Werke per Google Books sei. Doch das Gericht schmetterte auch diese Einwände ab: Die "unglücklichen Autoren" hätten trotzdem das Recht, sich zusammenzuschließen. Es wäre überdies unfair, von Urhebern zu verlangen, allein gegen Google vorzugehen.

Facebook führt Zeitverzögerung ein, lässt Beiträge im Vorhinein programmieren

Facebooks Entwicklerblog zeigt: Neue Regelungen sollen den Nutzern im Zeitalter des "frictionless sharing", des automatischen Teilens, ein bisschen Kontrolle zurückgeben. Die Änderungen beziehen sich auf Applikationen, die Nutzer mit ihrem Konto verknüpfen und ihnen - oft unbedacht - die Genehmigung erteilen, ohne erneute Nachfrage Aktivitäten über ihre Timeline zu teilen. Unter anderem sollen nun Nachrichten wie "X hat Y gelesen" (oder geschaut) erst von den Apps veröffentlicht werden dürfen, wenn ein Nutzer den Inhalt mindestens zehn Sekunden angeschaut hat; Videos, die unter zehn Sekunden lang sind, müssen komplett gesehen werden.

Mit einer weiteren Neuerung macht es Facebook Betreibern von Fanseiten leicht: Beiträge können jetzt auch im Voraus geplant, also mit einem Datum für eine spätere Veröffentlichung versehen werden.

Mehr Nutzerfreundlichkeit für chinesische Googler

Google möchte seine Nutzer in China künftig warnen, bevor es zu Problemen mit der Suche kommen könnte. Denn Google-Nutzer auf dem chinesischen Festland kämpfen offenbar seit Jahren mit gelegentlichen Ausfällen der Suchmaschine, wenn sie nach bestimmten Begriffen suchen.

Im offiziellen Google-Such-Blog berichtet Senior Vice President Alan Eustace von Beschwerden, die Suche sei unbeständig und unzuverlässig. Er beschreibt Fälle, in denen Suchanfragen nicht nur zu Fehlern führen, sondern den Nutzer für eine Minute oder länger von Google ausschließen. Laut Blog-Eintrag führen ganz alltägliche chinesische Zeichen, die in einem bestimmten Kontext eine andere Bedeutung haben können, zu den Fehlermeldungen. Als Beispiel wird unter anderem das Zeichen Jiang genannt, was gleichzeitig "Fluss" bedeute und ein üblicher Nachname sei. Dass zum Beispiel der ehemalige Präsident Jiang Zemin auch diesen Namen trägt, wird nicht erwähnt.

Nun bekommt ein chinesischer Internetnutzer beim Suchen möglicherweise problematischer Zeichen eine farbige Warnung unter dem Suchfenster angezeigt. Dort steht, dass die eingetippte Anfrage dazu führen könnte, dass die Verbindung zu Google vorübergehend unterbrochen wird. Daraufhin haben User die Wahl, lieber nach anderen Begriffen zu suchen - oder das Risiko einzugehen mit der Option "search anyway".

Auch das noch:

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
Celestine Trueheart 01.06.2012
Zitat von sysopDarf ein Unternehmen Buchbestände ohne Rücksprache mit den Autoren digitalisieren? Eine neue Klage rückt die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Google Books wieder in den Fokus.
Der Autor eines Buches, das nicht mehr gedruckt wird, besitzt die vollen Urheberrechte. Daher ist jede Veröffentlichung, auch Kopieren aus den Bibliotheksbeständen, ohne Zustimmung des Autors widerrechtlich. Das Buch wird z.B. nachher überarbeitet oder aktualisiert und hat nach einer Veröffentlichung durch google keine Chance am Markt mehr. Auch können alte, in Vergessenheit geratene Bücher theoretisch [wieder] Bestseller werden, wobei der Autor beim wirtschaftlichen Erfolg leer ausgehen könnte. Google versucht, eine Lücke auszunutzen, die aber zumindest in Deutschland urheberrechtlich geschützt ist. Buchautoren verdienen gewöhnlich eh nicht allzu viel pro Buchexemplar und dürfen es nicht kampflos hinnehmen, dass ein Gigant wie google mit diesem seltsamen Versuch durchkommt.
2.
Tostan 01.06.2012
---Zitat--- Laut Blog-Eintrag führen ganz alltägliche chinesische Zeichen, die in einem bestimmten Kontext eine andere Bedeutung haben können, zu den Fehlermeldungen. ---Zitatende--- Ein übliches Problem unfähiger Zensursoftware. Gibts auch im Englischen Kontext. Zum Beispiel Internet-Foren die übereifrig anstößige Begriffe löschen und meinen zum Beispiel Cockpit löschen zu müssen.
3.
Tostan 01.06.2012
Zitat von Celestine TrueheartDer Autor eines Buches, das nicht mehr gedruckt wird, besitzt die vollen Urheberrechte. Daher ist jede Veröffentlichung, auch Kopieren aus den Bibliotheksbeständen, ohne Zustimmung des Autors widerrechtlich.
Entschuldigung, aber sie schreiben da völligen Blödsinn in meinen Augen.... Falsch. Das Private Kopieren aus Bibliotheksbeständen ist durchaus erlaubt. Nur das kommerzielle(also eine Neuveröffentlichung) nicht. Falsch. Google bearbeitet keine Bücher. Diese werden gescannt und im Suchindex verfügbar gemacht. Bei kopiergeschützten Werken sind häufig nur Fragmente online Verfügbar, man muss das Exemplar also trotzdem kaufen bzw. in einer Bibliothek ausleihen. Aber man findet durch Google Books zumindest heraus, dass in dem Werk etwas relevantes stehen könnte! Blödsinn, Googles Vorhaben, "das Wissen der Welt zu digitalisieren" ist durchaus begrüßenswert und sehr hilfreich. Einer Indizierung seines Werkes zu Recherchezwecken sollte kein Buchautor wiedersprechen dürfen. Einer Veröffentlichung relevanter Teile schon. Ein Autor sollte für seine Rechte auch arbeiten müssen. Es fehlt nur leider eine Institution analog zum Patentamt welches die geschützten Marken verwaltet, bei der jeder Autor zwangsweise seine Rechte anmelden muss um geschützt zu sein. Da muss er auch erklären, wo sein Werk erwerbbar ist(analog zu Marken, welche benutzt werden müssen damit sie geschützt sind) bzw. dass er einer neuen Veröffentlichung innerhalb der gesamten Schutzfrist unwiderruflich widerspricht(z.B. im Fall von "Mein Kampf"). Dann könnten google und andere auch viel freier agieren, weil sie sofort einen Ansprechpartner für jedes Werk hätten. In Zeiten von eBooks und Book on Demand kann jeder Autor ohne großen Kostenaufwand seine Werke verfügbar halten, es muss kein Bestseller sein, aber Kleinvieh macht auch Mist! Aber wer Werke durch nichtachtung "verwaisen" lässt, verdient meiner Meinung nach auch keinen Schutz, da soll google ruhig veröffentlichen können wie es will.
4.
ostseesegler 02.06.2012
Das amerikanische Urheberrecht ist anders als das deutsche. Hier hat häfig der Verlag die kompletten Rechte, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Copyright_law_(Vereinigte_Staaten) Davon abgesehen geht nach deutschem Recht auch viel Kulturgut verloren. Das Urheberrecht erlischt ja erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Da müßte man also im Zweifel mit Erbengemeinschaften von Erbengemeinschaften über die Rechte verhandeln. Aussichtslos und bei vielen Büchern auch das Geld nicht wert. Also sind diese Werke für das Internet erst einmal verloren...
5. widerrechtlich?!
Ha.Maulwurf 02.06.2012
Zitat von Celestine TrueheartDer Autor eines Buches, das nicht mehr gedruckt wird, besitzt die vollen Urheberrechte. Daher ist jede Veröffentlichung, auch Kopieren aus den Bibliotheksbeständen, ohne Zustimmung des Autors widerrechtlich.
So lange diese Autoren per Urheberrechtsabgabe dem unschuldigen Bürger *ungeniert und ungefragt in die Geldbörse greifen*, sollten sie mit hochrotem Kopf in der Ecke stehen und sich schämen. Glücklicherweise gibts die Piraten-Partei. Beim neuen und fairen Urheberrecht wird der demokratische Souverän ein gewichtiges Wörtchen mitreden.
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