Netzwelt-Ticker: Buchautoren klagen gegen Google Books
Darf ein Unternehmen Buchbestände ohne Rücksprache mit den Autoren digitalisieren? Eine neue Klage rückt die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Google Books wieder in den Fokus. Außerdem im Überblick: Facebooks Anti-Spam-Maßnahmen und Hilfe beim Googlen in China.
Es kommt Bewegung in den seit Jahren schwelenden Streit zwischen Urhebern und dem Internetkonzern Google wegen dessen Massendigitalisierung von Büchern. Ein Bundesrichter in den USA hat in dieser Woche entschieden, eine Sammelklage von Autoren und Fotografen gegen Google Books zuzulassen.
Die Parteien, darunter im Namen der Urheber der Interessenverband Authors' Guild, streiten sich bereits seit 2005 darüber, ob Google Bibliotheksbestände weltweit für sein Books-Angebot digitalisieren darf. Eine vor einigen Jahren getroffene außergerichtliche Vereinbarung wurde später gekippt, die Autoren-Vereinigung nahm den Kampf folglich wieder auf.
Der Konzern selbst gibt sich nach wie vor selbstbewusst, bei seiner anhaltenden Digitalisierung amerikanischem Urheberrecht zu folgen. Nach dem jetzigen Urteil ist der Weg frei für einen Prozess, der dieser Frage neuerlich nachgehen soll. Google hatte sich zuletzt gegen eine Sammelklage gewehrt und argumentiert, die Authors' Guild könne nicht für alle ihre Mitglieder sprechen, wenn doch mehr als die Hälfte bekanntermaßen für eine Verbreitung ihrer Werke per Google Books sei. Doch das Gericht schmetterte auch diese Einwände ab: Die "unglücklichen Autoren" hätten trotzdem das Recht, sich zusammenzuschließen. Es wäre überdies unfair, von Urhebern zu verlangen, allein gegen Google vorzugehen.
Facebook führt Zeitverzögerung ein, lässt Beiträge im Vorhinein programmieren
Facebooks Entwicklerblog zeigt: Neue Regelungen sollen den Nutzern im Zeitalter des "frictionless sharing", des automatischen Teilens, ein bisschen Kontrolle zurückgeben. Die Änderungen beziehen sich auf Applikationen, die Nutzer mit ihrem Konto verknüpfen und ihnen - oft unbedacht - die Genehmigung erteilen, ohne erneute Nachfrage Aktivitäten über ihre Timeline zu teilen. Unter anderem sollen nun Nachrichten wie "X hat Y gelesen" (oder geschaut) erst von den Apps veröffentlicht werden dürfen, wenn ein Nutzer den Inhalt mindestens zehn Sekunden angeschaut hat; Videos, die unter zehn Sekunden lang sind, müssen komplett gesehen werden.
Mit einer weiteren Neuerung macht es Facebook Betreibern von Fanseiten leicht: Beiträge können jetzt auch im Voraus geplant, also mit einem Datum für eine spätere Veröffentlichung versehen werden.
Mehr Nutzerfreundlichkeit für chinesische Googler
Google möchte seine Nutzer in China künftig warnen, bevor es zu Problemen mit der Suche kommen könnte. Denn Google-Nutzer auf dem chinesischen Festland kämpfen offenbar seit Jahren mit gelegentlichen Ausfällen der Suchmaschine, wenn sie nach bestimmten Begriffen suchen.
Im offiziellen Google-Such-Blog berichtet Senior Vice President Alan Eustace von Beschwerden, die Suche sei unbeständig und unzuverlässig. Er beschreibt Fälle, in denen Suchanfragen nicht nur zu Fehlern führen, sondern den Nutzer für eine Minute oder länger von Google ausschließen. Laut Blog-Eintrag führen ganz alltägliche chinesische Zeichen, die in einem bestimmten Kontext eine andere Bedeutung haben können, zu den Fehlermeldungen. Als Beispiel wird unter anderem das Zeichen Jiang genannt, was gleichzeitig "Fluss" bedeute und ein üblicher Nachname sei. Dass zum Beispiel der ehemalige Präsident Jiang Zemin auch diesen Namen trägt, wird nicht erwähnt.
Nun bekommt ein chinesischer Internetnutzer beim Suchen möglicherweise problematischer Zeichen eine farbige Warnung unter dem Suchfenster angezeigt. Dort steht, dass die eingetippte Anfrage dazu führen könnte, dass die Verbindung zu Google vorübergehend unterbrochen wird. Daraufhin haben User die Wahl, lieber nach anderen Begriffen zu suchen - oder das Risiko einzugehen mit der Option "search anyway".
Auch das noch:
- Ein seltener Erfolg für Research In Motion (RIM): Der Blackberry Messenger darf nach einem Gerichtsurteil weiter unter BBM firmieren. Doch an der düsteren Zukunft für den kanadischen Hersteller ändert das nichts - laut "New York Times" denkt RIM nun ernsthaft über einen Verkauf nach, zumindest in Teilen.
- Auf der beliebten Zitat-Website Easybib zitieren Studierende am meisten YouTube, Google und Wikipedia - ein Zeichen von Faulheit oder eher für die unangefochtene Weisheit der Masse?
- Laut Torrentfreak hat Megaupload erstmals einen Antrag gestellt, um die Klage gegen das Filesharer-Imperium fallen zu lassen. Die Justiz habe sich bei ihrem Vorgehen gegen Gründer Kim Dotcom und seine Firma nicht an die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit gehalten.
- Kickstarter antwortet auf einen Techcrunch-Artikel: Ja, wir verstecken misslungene Projekte - aber für einen guten Zweck.
- Sie versprechen, sich zu bessern und berichten von angeblichen Maßnahmen - Angestellte und Aktivisten sagen jetzt jedoch, die Situation bei Apples umstrittenem Zulieferer Foxconn habe sich trotz aller Beteuerungen kaum verbessert.
- Bei der Vorstellung von Windows 8 hat Microsoft auch einen ersten Einblick in den Internet Explorer 10 gegeben. Wired lässt sich genauer über das "Do Not Track"-Feature aus, das im IE 10 standardmäßig aktiviert ist.
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- Freitag, 01.06.2012 – 15:46 Uhr
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- Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

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