New York/Huizhou - Als die 14-jährige Wu Xiaofang (Name geändert) die Treppen hinunterfällt, verweigert die Firma HEG Electronics ihr den Besuch eines Krankenhauses und zieht ihr die sechs Fehltage direkt vom Lohn ab. Das ist nur einer der schweren Vorwürfe, den die Organisation China Labor Watch in einem Bericht (PDF) gegen den koreanischen Elektronikhersteller Samsung erhebt. HEG baut Telefone und DVD-Player im Auftrag von Samsung zusammen.
Kinderarbeit sei gängig in den Unternehmen, heißt es in dem Bericht. Formal seien Kinder unter 16 Jahren als Studenten angemeldet. Die Firma kontrolliere angeblich so gut wie nie die Echtheit der Dokumente. Im Gegenteil: Als HEG von den Kinderarbeitern erfahren habe, habe das Unternehmen nur dafür gesorgt, dass die Minderjährigen außerhalb des Fabrikgeländes untergebracht wurden. Versuche, die Kinderarbeit zu unterbinden, habe es keine gegeben, so China Labor Watch. In dem Bericht werden sieben konkrete Fälle von Kinderarbeit festgehalten - ein exemplarischer Auszug, wie es heißt. HEG ist in der "Industriellen Hightech-Entwicklungszone" Huizhou Zhongkai in der Provinz Guangdong angesiedelt. In Guangdong hat auch der Apple-Zulieferer Foxconn seinen Sitz, der vor einiger Zeit wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken in die Kritik geraten war, seitdem jedoch Besserung gelobt hat.
China Labor Watch ist eine in New York ansässige Organisation, die sich bereits seit Jahren mit den Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken befasst. Auch als Foxconn wegen der dortigen Bedingungen in die Kritik geriet, spielte China Labor Watch eine Rolle. Ihr Gründer Li Qiang ist ein Überzeugungstäter: "Was die Firmen wirklich an China interessiert, das sind die niedrigen Arbeitskosten", sagte er vor einiger Zeit dem "manager magazin".
Der Bericht zu HEG Electronics ist 31 Seiten lang und beinhaltet das Einmaleins der Verletzung von Rechten, die Arbeiter eigentlich haben sollten. Im Falle von HEG sind das hauptsächlich Studenten, die 60 Prozent der gesamten Arbeiterschaft stellen, in den Sommer- und Winterferien streckenweise sogar 80 Prozent. Die Studenten erhalten dem Bericht zufolge keine Arbeitsverträge, sind also nicht über ihre Rechte informiert. Die Kluft sei riesig zwischen dem, wie der Arbeitalltag aussehen sollte, und dem, was tatsächlich passiere, so China Labor Watch.
Zum Beispiel besagten die Richtlinien der Firma, dass am Tag nur acht Stunden gearbeitet werden dürfe. In der Realität seien es elf bis dreizehn Stunden. In der Theorie würden die Arbeiter dazu ermuntert, fehlerhafte Produkte zu melden. In der Realität würden sie bestraft, wenn sie ein fehlerhaftes Produkt meldeten, müssten 64 Euro zahlen - knapp ein Drittel des Monatslohns von 183 Euro. Sollten die Kinder oder Studenten zu langsam arbeiten, würden sie schon mal angeschrien oder geschlagen. Auch ganztägiges Stehen werde als Strafmaßnahme eingesetzt.
Samsung teilt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, dass ein Inspektoren-Team am 9. August nach China reisen werde, um eine Inspektion durchzuführen. In diesem Jahr wäre das nach Firmenangaben somit die dritte Inspektion - in den ersten beiden seien keine Unregelmäßigkeiten entdeckt worden. Sollte das dieses Mal der Fall sein, würden "direkte Gegenmaßnahmen zur Verbesserung" eingeleitet.
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