Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Samwer-Investment: "Facebook ist StudiVZ um Lichtjahre voraus"

Mit ihrem Facebook-Investment wollen die Samwer-Brüder das soziale US-Netzwerk in Europa zum Erfolg führen. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt Alexander Samwer, warum er an den Erfolg glaubt und wie er das einstige Samwer-Ziehkind StudiVZ aus dem Feld schlagen will.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben eben eine strategische Partnerschaft angekündigt ...

Samwer: ... ja, wir haben diese Woche in Facebook investiert. Ein sehr signifikantes Investment. Wir sind damit neben Microsoft in den USA und Li Ka Shing in Asien der wichtigste Facebook-Partner - für die Expansion in Europa. Darauf sind wir sehr stolz, versprechen uns sehr viel davon.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Samwer: Facebook ist neben Google das meistversprechende, innovativste Internet-Unternehmen. Wir sehen wahnsinniges Potential, sowohl bei der internationalen Expansion als auch bei der Ausweitung der Plattform, der Öffnung für externe Entwickler.

SPIEGEL ONLINE: Ein "sehr signifikantes Investment" – heißt das in der Größenordnung von Microsoft, die einen Anteil von 1,6 Prozent erwarben und dafür 240 Millionen Dollar bezahlten?

Samwer: Es ist nicht ganz die Größenordnung. Wir können zu den finanziellen Details nichts Genaues sagen, weil wir mit Facebook Stillschweigen vereinbart haben.

SPIEGEL ONLINE: Geht es nur um ein Investment oder darum, im Unternehmen mitzureden?

Samwer: Wir glauben natürlich an ein erfolgreiches Investment. Facebook hat ja keinen offenen Investorenkreis, sondern wählt für Expansionsregionen gezielt Partner aus, die den Erfolg begleiten und maßgeblich steigern sollen. Genau das wollen wir hier in Europa machen: Facebook mit unserem Netzwerk und unserer Erfahrung im Unternehmensaufbau begleiten. 60 Prozent der Nutzer von Facebook leben ja schon jetzt außerhalb der USA.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben vor einiger Zeit in Deutschland in StudiVZ investiert, das Facebook sehr ähnlich ist. Machen Sie jetzt Ihrem eigenen Kind Konkurrenz?

Samwer: StudiVZ gehört jetzt zum Holtzbrinck-Verlag, nicht mehr zu uns. Das ist ein offener Wettbewerb der besten Ideen - das beste Unternehmen wird gewinnen. Facebook hat eine sehr starke technische Plattform und ein starkes Wachstumsmomentum.

SPIEGEL ONLINE: StudiVZ ist in Deutschland unbestrittener Marktführer. Hat Facebook überhaupt noch eine Chance, wo doch ein Plattformwechsel für den Nutzer hohe soziale Kosten bedeutet?

Samwer: Wir sehen das sehr langfristig. Soziale Netzwerke sind keine Mode, sondern so etwas wie die Fernsehsender der Zukunft. Leute verbringen dort sehr viel Zeit, finden interessante Inhalte, die Freunde und Bekannte generieren. Wir spüren jetzt schon den Sog durch die Facebook-Öffnung für externe Entwickler: Es gibt mehr als 7000 Anwendungen, manche haben Millionen Nutzer, sind für sich eine Attraktion. Dieses System wird sich in allen Kernmärkten durchsetzen. Das ist ein bisschen wie mit Microsoft Windows: Wenn auf einem Betriebssystem die meiste Software läuft, wird es sich durchsetzen. Wenn auf Facebook eine riesige Entwicklergemeinschaft Anwendungen programmiert, so kreativ, dass keiner damit konkurrieren kann – dann ist das fast unschlagbar.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt da eine Gegeninitiative von Google.

Samwer: Google hat nach Facebooks Öffnung schnell seine eigene OpenSocial-Initiative gestartet. Aber bis jetzt ist da nichts Ernsthaftes entgegengesetzt worden.

SPIEGEL ONLINE: Mitglied von OpenSocial ist auch LinkedIn, das Business-Netzwerk, das mit dem deutschen OpenSocial-Mitglied Xing konkurriert - und in dem auch Geld der Samwer-Brüder steckt. Zugleich wird Facebook mehr und mehr zur Business-Plattform. Machen Sie sich selbst Konkurrenz?

Samwer: Die Differenzierung ist klar: LinkedIn ist ein klar definiertes professionelles Karrierenetzwerk, wo Jobsuche und Recruiting eine wichtige Rolle spielen. Facebook ist ein allgemeines, ganz breit aufgestelltes Social Network. Sicher wird dort auch der eine oder andere Business-Kontakt geknüpft. Trotzdem ist das eine ein Massenmarkt, das andere Karrierenetzwerk. Wir sehen keinen nennenswerten Konflikt.

SPIEGEL ONLINE: Macht Holtzbrinck gerade einen schweren Fehler, weil StudiVZ die Öffnung für externe Entwickler von Facebook nicht nachvollzogen hat?

Samwer: StudiVZ wird sich sicher auch öffnen oder einer Initiative anschließen. Daran geht kein Weg vorbei, weil die damit freigesetzte Kreativität so stark ist. Facebook ist schon jetzt Lichtjahre voraus. In den USA gibt es Fonds, die nur in Facebook-Anwendungen investieren. Und auch ein Entwickler überlegt sich natürlich: Mache ich das für 60 Millionen bei Facebook - oder für ein nationales Netzwerk mit einem Bruchteil davon?

SPIEGEL ONLINE: Und wenn das alles doch nur eine Mode ist?

Samwer: Das ist es nicht. Soziale Netzwerke bedienen viele elementare menschliche Bedürfnisse: Kontakt halten, Dates ausmachen, Unterhaltung, Kontakte knüpfen, Menschen und Länder kennenlernen, Austausch über gemeinsame Interessen. Die Leute sehen immer weniger fern, verbringen immer mehr Zeit im Internet, und dort ist die Attraktivität von Social Networks ungeschlagen - in denen gut Werbung plaziert werden kann.

SPIEGEL ONLINE: Haben sie ein Facebook-Profil?

Samwer: Ja. Ich habe zwei Jahre in Harvard studiert, kurz nachdem Facebook entstanden ist, und habe das dort kennengelernt. Aus dieser Zeit stammt mein Account. Heute ist er natürlich aktualisiert. Ich sehe selbst, wie sich das entwickelt hat: erst ein lokales Uni-Netzwerk - und heute melden sich darüber alte Freunde aus Hongkong oder Italien wieder.

Das Interview führte Christian Stöcker

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: