Diskussion mit Sascha Lobo Programmieren als Schulfach - ja oder nein?

Zu meiner These, Programmieren solle in der Schule kein Pflichtfach werden, hat sich im Forum von SPIEGEL ONLINE eine Diskussion mit mehr als 600 Kommentaren entwickelt. Hier bespreche ich die Reaktionen im Audiobeitrag.

Schüler beim Unterricht mit Computern
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Schüler beim Unterricht mit Computern

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Zu meiner aktuellen Kolumne "Programmieren lernen hilft nicht" gibt es diesmal einen ergänzenden Kolumnencast. Darin gehe ich auf ausgewählte - positive wie negative - Kommentare ein. Einen davon hebe ich besonders hervor, weil ein geradezu genialischer Vorschlag darin enthalten ist.

Außerdem reflektiere ich das Verhältnis zwischen der Qualität der Kolumne und Qualität der Kommentare, denke also darüber nach, ob und wie der Ton eines Artikels die Kommentare beeinflusst.

Und schließlich flechte ich zwischendurch ein, warum ich glaube, dass die Medien- und Meinungslandschaft transparenter, nachvollziehbarer, erklärender und sich erklärender werden muss.

Viel Freude beim Anhören, und auch hier bin ich dankbar für Feedback, Kritik und Anregungen:

Sascha Lobo: Programmieren als Schulfach - ja oder nein?
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Seite 1
Ein_denkender_Querulant 31.03.2017
1. Meine Meinung
Ich persönlich halte Programmieren heute für eine grundsätzliche Fähigkeit, genauso, wie man Fremdsprachen lernt. Zu meiner Schulzeit vor über 40 Jahren gab es zumindest schon ab der Oberstufe freiwillige Programmierkurse. Dazu lernt man ein paar grundsätzliche Dinge zur Logik und es fällt vermutliches vieles einfacher, was heute zum täglichen Alltag gehört. Wir müssen bei heutigen Kindern 70 Jahre in die Zukunft schauen und in wenigen Jahrzehnten werden Techniken wie autonomes Fahren und "Hilfgehilfen-Roboter" zum täglichen Umgang gehören. Und hier und da ein wenig zu Programmieren, wird, so hoffe ich, recht einfach werden, weil es sich auf Struktogramme reduzieren könnte, aus denen dann Programme selber aufgebaut werden. Ich habe gestaunt, das Fünfjährige, die noch nicht lesen und schreiben können, heute mit Fischertechnik und grafischer Programmierung für witzige Dinge schaffen. Und das mit Freude und Spaß. Ich würde daraus kein zu bewertendes Schulfach machen, aber so etwas wie einen Pflichtschein mit zwei Jahren Programmieren würde ich mir wünschen und zumindest in allen Schulen die Möglichkeiten zu schaffen, damit mindestens freiwillige Programmier-AGs entstehen können.
andneu 31.03.2017
2. Das Thema Programmieren ...
... wird völlig überschätzt. Nicht jeder wird auch in Zukunft programmieren müssen. Ganz im Gegenteil: Die Bedienungsoberflächen werden immer einfacher. Man vergleiche mal die Bedienung eines PC von heute (Windows) mit dem vor 30 Jahren (DOS-Oberfläche). Was hier passiert ist immer dann zu beobachten, wenn neue Techniken auftauchen: Die Bedeutung der Technik wird im weiteren Verlauf überschätzt. So als würde sich die aktuelle Entwicklung bis in alle Ewigkeit weiter potenzieren. In den 70'er waren wir alle im Jahr 2000 plötzlich Raumfahrer, morgen müssen dann plötzlich alle(!) Programmieren können. Heute fahren die meisten Menschen Auto. Dafür braucht man kein Maschinenbaustudium absolvieren. Und bei Computern ist - und wird das in Zukunft - nicht anders sein.
yang0815 31.03.2017
3. Netter Podcast
Interessanter Gedanke, dass man mit dem Tonfall eines Artikels (oder generell "des Miteinanders") die Reaktionen steuert. Eigentlich logisch. Kann aber auch schnell aus dem Ruder laufen. Ich stimme übrigens eher der "Magie"-Aussage zu. Wir bewegen uns immer mehr in Bereich hinein, die man nicht versteht. Meiner Ansicht nach ist es die Aufgabe der Schule (und der Eltern) die Grundlagen beizubringen, gerade in technischen Fächern. Aber auch einen Abriss über unser heutiges Wissen zu zeigen, damit Schüler Ideen für mögliche Interessen entwickeln können. Der Aussage, dass Programmieren-lernen im Informatikstudium nicht hilft, stimme ich zu. Genauso ist es aber mit Mathematik im Unterricht, hilft ebenfalls nicht beim Mathe Studium. Dort wird nicht "gerechnet" oder werden "Gleichungen gelöst", da geht es um Zahlentheorie, Topologie u.ä. Und mit allen anderen Fächern ist es wahrscheinlich ebenso. Aber, wenn ich mal einen einfachen Logikschaltkreis gebaut habe und dann weiß, dass ein Computer nichts anderes macht, nur mit Mrd von Transistoren, habe ich a) das Basiswissen. b) Erfahrung gesammelt und kann sagen ob das ein Bereich ist, der mich interessiert. c) mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Basiswissen über Technologien die erst in 20 Jahren erfunden werden. d) das Wissen um ein Gerät einzuschätzen und nicht ungefiltert den Marketingsprüchen vertrauen zu müssen. Stichwort "Wahlmaschinen"? Von Excel Makros, HTML etc halte ich wenig, selbst echte Programme schreiben würde schon zu weit gehen und halte ich auch nicht für praktikabel. Ich würde wirklich eher auf triviale Schaltkreise zielen, der Basis von allem. Ich denke die wesentliche Begründung für meine Ansichten sind, dass Wissen nicht plötzlich da ist, sondern über Jahrhunderte aufgebaut wird. Deswegen ist es am Einfachsten in jedem Fach dieses Wissen in der gleichen Reihenfolge, kondensiert, 'rüber zu bringen. Und deswegen muss man auch nicht das heutige Top-nodge Wissen unterrichten, sondern kann auf einem vernünftigen Level aufhören. Maschine Learning, Neuronale Netze sind nur clevere Algorithmen und Kombinationen davon, die auf der selben Hardware laufen (meist bzw noch).
7eggert 31.03.2017
4.
Programmieren lernen heißt nicht, eine Programmiersprache zu lernen, sondern Konzepte für strukturierten Ablauf von Problemlösungen.
ChrisTeam 31.03.2017
5. Pflichtfach ist besser
Ist ein Fach Informatik / Programmieren / Computerwissenschaft kein Pflichtfach, dann verlieren wir die Mädchen. Ich habe das in den Kommentaren zum Originalartikel auch schon betont. Das ist ein ganz wichtiges Argument dafür einen solchen Unterricht nicht nur anzubieten, sondern auch zum Pflichtfach zu machen. Es gibt keine inhaltliche Gründe, warum der Anteil der Mädchen in den Informatikkursen so gering ist, sondern eher gesellschaftliche Gründe. Und ich bin sicher, dass auch die Kanzlerin als Frau, die Förderung von Mädchen in wissenschaftlichen Feldern attraktiv findet. Ich stimme Ihr da zu: Es macht keinen Sinn 50% unserer Bevölkerung sollten wir auf einem so wichtigem Feld nicht verlieren.
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