Netz-Kontrolle Saudi-Arabien droht WhatsApp

Die saudi-arabischen Behörden wollen WhatsApp bis Ramadan am 9. Juli aus dem saudi-arabischen Internet werfen, sollte der Kurznachrichtendienst nicht behördlichen Auflagen nachkommen. Andere Dienstanbieter haben sich dem Druck der Zensoren bereits gebeugt.

Kurznachrichtendienst WhatsApp: auf der Abschussliste der saudischen Behörden.

Kurznachrichtendienst WhatsApp: auf der Abschussliste der saudischen Behörden.


Der englischsprachigen Nachrichtenseite Arab News erklärte Abdullah al-Darrab, der Chef der saudi-arabischen Kommission für Kommunikation und Informationstechnik (CITC), dass WhatsApp zukünftig den Nachrichtenverkehr über inländische Server schicken müsse, um im Königreich benutzbar zu bleiben.

Damit sollen die Zensoren und Regulatoren in Saudi-Arabien auf die Nachrichten zugreifen können. Die Behörden im Königreich befürchten offiziell, dass Extremisten solche Dienste zur verschlüsselten Kommunikation nutzen. Immer wieder sperren die Zensoren aber auch Angebote, weil sie moralisch anstößig, schädlich für die nationale Wirtschaft oder Sicherheit seien, oder gegen religiöses Recht verstießen.

Neben WhatsApp steht derzeit auch der Telefoniedienst Skype auf der Liste der saudi-arabischen Behörden. Vergangene Woche erwischte es bereits den Skype-Konkurrenten Viber. Der Chef des Unternehmens kündigte aber an, mit technischen Mitteln die Blockade umgehen zu wollen. Auch der Blackberry-Hersteller RIM hat sich nach langem Hin und Her dem Druck der Behörden gebeugt.

Internetanbieter, Blogger und unabhängige Medien ringen noch um ein zensur- und überwachungsfreies Dasein im saudischen Königreich. Dass Dienste nicht sofort gesperrt werden, sondern meist lange Diskussionen vorangehen, zeigt den Zwiespalt, in dem das Land steckt: Einerseits strebt Saudi-Arabien eine Öffnung hin zu liberaleren Gesellschaften an, vor allem wirtschaftlich. Gleichzeitig will es jedoch eine traditionelle Gesellschaft aufrechterhalten.

Die Kontrolle der Übermittlung ist zudem ein praktisches Problem: Internet-Dienste wie Skype sind gerade bei ausländischen Geschäftsleuten beliebt. Gerade deren Unternehmen aber wollen nicht, dass berufliche Nachrichten von saudi-arabischen Zensoren mitgelesen werden. Wie die Zensoren dem entgegenkommen wollen, ohne vermeintlich gesellschaftliche Werte aufs Spiel zu setzen, ist aber fraglich.

fko

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
amnesiac 17.06.2013
1. wird ihnen nichts nutzen,
die globale Informationsfreiheit wird über kurz oder lang alle autokratischen Gesellschaften hinwegfegen. Gegen diese aufziehenden Stürme wird auf Dauer keine Zensurbehörde ankommen und der arabische Frühling war gegen das was kommen wird, ein laues Lüftchen.
deglaboy 17.06.2013
2. Vormittelalter und 21. Jh.
Die Saudis werden sich noch kräftig verletzen mit ihrer krampfhaften Grätsche Vormittelalter und 21. Jh. zugleich haben wollen. Entweder oder. Aber da die Religion und ihre Profiteure im Wege stehen, von denen es im Lande sehr viele gibt, wird es wohl sehr weh tun.
NightToOblivion 17.06.2013
3. Fragt doch den Verbündeten
Saudi Arabien kann doch seinen engsten Verbündeten die USA fragen. Die haben doch eh schon alle Daten dank Prism.
GSchelhase 17.06.2013
4. Bitte
Zitat von sysopDie saudi-arabischen Behörden wollen WhatsApp bis Ramadan am 9. Juli aus dem saudischen Internet werfen, sollte der Kurznachrichtendienst nicht behördlichen Auflagen nachkommen. Andere Dienstanbieter haben sich dem Druck der Zensoren bereits gebeugt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/saudi-arabien-droht-nachrichtendienst-whatsapp-a-906220.html
Bitte sofort die Merkeltruppe dort hin schicken die wollen auch die totale Überwachung. In Saudi-Arabien können sie sich austoben. Dort kann auch unser Kriegsminister mit seinen Drohnen spielen.
ugwinkler 17.06.2013
5. Unlösbarer Konflikt
Man kann einen Staat nicht gleichzeitig im 6. und im 21. Jahrhundert betreiben.
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