Scamming in Kanada Angeblicher Microsoft-Techniker droht am Telefon mit Mord

In Kanada ist es eine gängige Betrugsmasche: Betrüger geben sich am Telefon als Microsoft-Mitarbeiter aus und verlangen Zugriff auf die Rechner der Angerufenen. Als ein Opfer die Sache jetzt durchschaute, wurde der Anrufer aggressiv.

Betrugsmasche Scamming:  Schäden in Millionenhöhe
DPA

Betrugsmasche Scamming: Schäden in Millionenhöhe


Telefonbetrug ist in Kanada seit Jahren ein regelmäßig auftretendes Problem. Unter Kriminellen ist die Variante besonders beliebt, beliebige Menschen anzurufen und sich als der technische Support von Microsoft auszugeben. Doch wovon ein Betroffener nun berichtet, sprengt den Rahmen der üblichen Versuche der Betrüger, sich das Geld ihrer Opfer zu erschleichen.

Wie der staatliche Rundfunksender CBC am Mittwoch meldete, erhielt Jakob Dulisse aus der Provinz British Columbia vor zwei Wochen einen Anruf. Ein vorgeblicher Microsoft-Mitarbeiter forderte den Mann auf, ihm Fernzugriff auf seinen Rechner zu gewähren, um einige Sicherheitsprobleme zu beheben. Schnell war Dulisse klar, dass er es mit einem Betrüger zu tun hatte.

Während er das Gespräch aufzeichnete, fragte er den vorgeblichen Techniker, ob er wirklich von Microsoft in Kalifornien anriefe. Schließlich konfrontierte Dulisse den Mann mit dem Vorwurf, ein Betrüger zu sein.

Der Anrufer kennt die Adresse des Opfers und droht mit Mord

Der Anrufer gab daraufhin zu, tatsächlich aus Indien anzurufen und wurde bald darauf aggressiv. "Wenn du nach Indien kommst, weißt du, was wir hier mit Anglos wie dir machen? Wir schneiden sie in kleine Stücke und werfen sie in den Fluss." Dann nannte er Dulisses korrekte Wohnadresse und erklärte, er werde jemanden schicken, um ihn umzubringen. Die ganze Zeit verlangte der indische Anrufer weiterhin Zugriff auf Dulisses Rechner.

Diese aggressive Vorgehensweise sei inzwischen für Telefonbetrüger ein typisches Verhaltensmuster, zitiert CBC den IT-Journalisten Gregg Keizer: "Sie nutzen einen ganzen Sack voller schmutziger Tricks, um Leute zu erschrecken und hereinzulegen, damit sie ihnen ihr Geld geben."

Jedes Jahr würden Hunderttausende Kanadier zum Ziel derartiger Anrufe, so CBC. Der angerichtete Schaden gehe dabei in die Hundert Millionen Dollar. Die aggressive Vorgehensweise ist dabei nicht auf kanadische Opfer beschränkt. Wie etwa "Ars Technica" schon im November 2014 berichtete, werden ähnliche Ereignisse auch beispielsweise aus den USA gemeldet.

meu



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insgesamt 24 Beiträge
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sonorian 05.03.2015
1. Vorschussbetrug
Unter diesem Stichwort gibt es einen langen, sehr informativen Wikipedia-Eintrag. Hier in Kanada auch als 419-scam oder Nigerian Scam bekannt, ein sehr erfolgreicher Autor hat sogar einen Tatsachenroman unter diesem Titel geschrieben (Wil Ferguson: 419). Inzwischen wird dieses Land (warum?) mit nur rund 35 Millionen Einwohnern schon derartig überflutet von solcherlei Betrugsversuchen, dass es nun sogar in der internationalen Presse auftaucht. Vielen Dank für Ihren Bericht!
cektop 05.03.2015
2. Ist mir in D in den letzten jahren
schon 2x passiert, nothing special.
Oberleerer 05.03.2015
3.
Telefon ist sowas von 90ziger. Seit 10 Jahren geht kaum mehr jemand ans Telefon, nur wenn mal die Eltern anrufen oder die Freundin, dann ist es dringend. Es gibt aber keinerlei Grund jemand anderes in die Zeitplanung zu pfuschen und einen ein Gespräch ans Bein zu binden. Entweder man schafft seine Arbeit nicht mehr oder das Essen wird kalt oder die Zeit zum Schlafen wird knapper als sie ist. Es ist eine Frechheit, von jemanden zu verlangen zur gleichen Zeit unaufgeplant verfügbar zu sein. Deshalb kenne ich kaum mehr jemand der ans Telefon geht. Wenn also ein "MS-Mitarbeiter" eine SMS schicken will, bittesehr. Selbst Mails ließ bei 50+ Mails/halben Tag kaum noch jemand. Das erinnert an EAV in den 80ern "Mach nie die Tür auf, laß keinen rein".
Ökofred 05.03.2015
4. mir auch...
2 Anrufe dieser Art im letzten halben Jahr, und die Leute waren gar nicht schlecht.. nur wie die auf die Idee kommen, man könnte hier in D mit Englisch erfolgreich sein ist mir unklar..
bartholomew_simpson 05.03.2015
5.
Wenn man auf einen Eintrag in das Telefonbuch verzichtet, kann man sich viele Lästlinge und Schädlinge vom Leibe halten. Geht natürlich nur im privaten Bereich.
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