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Angeklickt So liest die NSA auch Ihre E-Mails

ScareMail-Logo: Schlüsselwörter für die NSA-Überwachung
Ben Grosser

ScareMail-Logo: Schlüsselwörter für die NSA-Überwachung

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Bombe, Virus, Angriff: Eine kleine Software packt Sätze voller höchst verdächtiger Begriffe in E-Mails. Mit dem unverständlichen Gebrabbel will der Digitalkünstler Ben Grosser Geheimdienste nerven und gegen Überwachung protestieren. Das könnte sogar funktionieren.

Ein paar Klicks, schon erweitert ScareMail die eigenen Nachrichten um furchterregende Sätze. Das Programm baut automatisch Schlüsselwörter in Sätze aus dem Roman "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury. Die Wörter stammen aus einer Liste des Department of Homeland Security, mit der Mitarbeiter in sozialen Netzwerken stöbern.

Mit einer Mischung aus Entsetzen und Trotz widmen sich nun Künstler der NSA-Affäre. Zum Beispiel hat DJ Hennessy Youngman einen Mix paranoider Musik veröffentlicht, ein IT-Berater verkauft E-Mail-Adressen mit der Endung @nsa.org, und der Rapper MoTrip singt in seinem Lied "Guten Morgen NSA": "Was ihr macht, ist nicht legal, nein, ich bin nicht der Staatsfeind, meine Taten sollten euch doch eigentlich egal sein."

Nun ist der NSA offenbar wenig egal - und Netzkünstler Ben Grosser will genau das für ScareMail nutzen. Die automatischen Filter der Geheimdienste sollen auf die verdächtigen E-Mails anspringen. Zumindest theoretisch könnte ScareMail die Internetüberwachung der NSA deutlich komplizierter machen: "Wenn jeder ScareMail nutzen würde, könnte das ein guter, neuer Schutzmechanismus sein", sagt Grosser. Ein Agent, der in den Datenbanken nach einem der Schlüsselbegriffe sucht, würde dann in nutzlosen Ergebnissen untergehen.

Doch genau hier liegt das Problem: "Die meisten, die ScareMail kennen, benutzen es nicht", sagt Grosser. Zehntausende haben sich das Programm auf seiner Website angesehen, kaum jemand nutzt es. Offenbar ist die Vorstellung, ins Visier der NSA zu geraten, nicht besonders attraktiv. Aber nur mit Millionen von Nutzern könnte ScareMail seine volle Wirkung entfalten.

Gut möglich, dass die NSA-Profis dann einen Filter entwickeln könnten, der alle von ScareMail bearbeitete E-Mails erkennt. "Wahrscheinlich sind meine Programmierkenntnisse als Künstler nicht ganz so gut wie die der Hunderten oder Tausenden NSA-Programmierer", sagt Grosser. Nur könnte der Geheimdienst die ganzen E-Mails wohl trotzdem nicht einfach wegwerfen: Im Rauschen könnten sich ja wichtige Hinweise verstecken.

"Aktuell gerät man wohl eher in den Fokus der Geheimdienste, wenn man ScareMail nutzt", sagt Grosser, der seine Browser-Software Anfang Oktober auf einer Konferenz in New York präsentiert hat. Mittlerweile soll ScareMail rund 1400 Nutzer haben.

Selbstporträt von Ben Grosser: Spaß und Angst mit Digitalkunst
Ben Grosser

Selbstporträt von Ben Grosser: Spaß und Angst mit Digitalkunst

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11 Leserkommentare
eliasgoldinger 31.10.2013
swnf 31.10.2013
Gott 31.10.2013
Hugh 31.10.2013
kaiser443355 01.11.2013
Mierscheid 01.11.2013
tom-pex 01.11.2013
tom-pex 01.11.2013
spon-facebook-1686590422 02.11.2013
mitbestimmender wähler 02.11.2013
mitbestimmender wähler 02.11.2013

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