Schadensersatz Blogger verlangen 105 Millionen Dollar von Huffington Post

Sammelklage gegen Billig-Journalismus: Der Publizist Jonathan Tasini verlangt von der Huffington Post Schadensersatz. Wie 9000 andere Blogger auch habe er nie Geld für Artikel erhalten. Die Firma habe die Blogger über ihre Gewinnabsichten getäuscht.

Huffington Post: Viel Inhalt für wenig Geld

Huffington Post: Viel Inhalt für wenig Geld


216 Artikel hat der Publizist und Gewerkschafter Jonathan Tasini für die Huffington Post geschrieben. Sein erster Artikel erschien 2005, der jüngste Eintrag in seinem Blog auf der US-Nachrichtenseite am 10. Februar. Nun ist Tasini wieder präsent auf der Nachrichtenseite, die inzwischen zum AOL-Konzern gehört (Anfang Februar für 315 Millionen Dollar gekauft). Diesmal aber als Teil der Nachricht: Tasini verklagt die Huffington Post. Das Unternehmen hat ihn und andere Blogger nie bezahlt, deshalb fordert er in einer Sammelklage Schadensersatz in Höhe von mindestens 105 Millionen Dollar.

Die Huffington Post hat den unbezahlten Bloggern allerdings nie Honorare versprochen. Die Nachrichtenseite produziert sehr günstig. Es gibt Blogeinträge prominenter und weniger prominenter Gastschreiber (unbezahlt), gelegentlich eingestreute investigative Geschichten bezahlter Journalisten, Fotostrecken und viel Link-Verwertung durch bezahlte Content-Manager.

Vorwurf des Bloggers: "ungerechtfertigte Bereicherung"

Tasinis Klage argumentiert nun, die Huffington Post habe sich ungerechtfertigt an den Gratis-Texten der gut 9000 Blogger bereichert. Das Unternehmen habe sich lange Zeit als ein Forum für Ideen dargestellt, von Anfang an aber unbezahlte Beiträge aus Profitinteresse eingeworben. Dies sei eine Täuschung, die darauf abzielte, die unbezahlten Autoren zu schädigen. Die Huffington Post habe in vielerlei Hinsicht den wahren Wert der unbezahlten Artikel vor deren Autoren verheimlicht, so könnten Autoren nirgends ihren Anteil am Publikumserfolg ablesen. Die Huffington Post enthalte den Bloggern Informationen über die Nutzung vor.

Tasini hat 2001 für freie Journalisten einen Anspruch auf Einnahmen aus Datenbank-Abrufen ihrer Artikel bei der " New York Times" eingeklagt. Er warf nun bei einer Pressekonferenz Arianna Huffington, der Gründerin der Nachrichtenseite "Heuchelei" vor und drohte: "Wir werden Arianna Huffington zur Geächteten in der liberalen Gemeinschaft machen."

Ein Sprecher Huffingtons bezeichnete die Klage gegenüber der "New York Times" als "unbegründet". Er führte aus: "Unsere Blogger verwenden unsere Plattform wie auch andere unbezahlte Gruppenblogs im Netz, um ihrer Arbeit so viel Publikum wie möglich zu verschaffen." Das sei so ähnlich wie bei Fernsehshows, da würden Gäste ja auch ohne Bezahlung auftreten, um ihre Ansichten und Ideen vor einem großen Publikum zu vertreten.

lis

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Tastenhengst, 13.04.2011
1. Meinungsmache macht glücklich.
---Zitat--- Das sei so ähnlich wie bei Fernsehshows, da würden Gäste ja auch ohne Bezahlung auftreten, um ihre Ansichten und Ideen vor einem großen Publikum zu vertreten. ---Zitatende--- Und deswegen werden auch Journalisten verhältnismäßig gering bezahlt: Weil es ein Wert an sich zu sein scheint, seine Meinung preiszugeben.
felisconcolor 13.04.2011
2. wäre noch rauszufinden
was denn die Herren und Damen Blogger für ihren webspace bei der Huffington Post bezahlt haben. Ich schüttel immer regelmässig meinen Kopf wenn ich sowas lese. da wird einem gratis Blogplatz angeboten natürlich im gegenseitigen Einvernehmen der kostenfrei Veröffentlichung. Und dann regen sich User auf wenn dann mit der Webseite doch Geld verdient wird. von etwas muss natürlich eine Webseite auch leben. Serverplatz ist zwar günstig aber noch lange nicht wirklich gratis, schon garnicht für den Seitenbetreiber/inhaber. Wer das nicht möchte, und oder die Tantiemen für seine Artikel selbst einstreichen möchte, kann dieses doch gerne tun. Und sich dann Wundern was man plötzlich an Geld dafür hinlegen muss. dafür kann man aber auch sicher sein, das der Webspace einem auch gehört und man uneingeschränkte Verfügungsgewalt darüber hat. Alles andere ist dumme Blauäugigkeit, anzunehmen alles sei gratis und franko. Und dann schreien wenn der Seitenbetreiber versucht noch ein bissel Geld für den Betrieb verdienen will. Seiten wie wordpress blog oder blogpost oder huffington post sind wohl eher die Ausnahmen, die noch Geld damit machen können. Ich selbst betreibe Server und schreibe auch mein eigenes Blog. Glauben sie mir, den Break even point habe ich mit beiden Dingen noch nicht erreicht. Es kostet halt alles Geld. Oh Wunder
lokisflatmate 29.05.2013
3.
na ja, es geht hier schon um mehr als "ein bissel Geld" …
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.