Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schadsoftware TDL4: Kriminelle rüsten Armee der Zombie-Rechner auf

Von

Sicherheitsexperten sind alarmiert: Sie beobachten ein neues Bot-Netz, das unter anderem für Spam-Attacken eingesetzt wird, mindestens 4,5 Millionen Computer sind betroffen. Die Software ist noch raffinierter programmiert, offenbar investieren Kriminelle viel Geld in technische Innovation.

Gangsta Bucks: Die Betreiber dieser Seite bezahlten einige Zeit für TDL4-Infektionen Zur Großansicht

Gangsta Bucks: Die Betreiber dieser Seite bezahlten einige Zeit für TDL4-Infektionen

Hamburg - Trojan Downloader 3, kurz TDL3, gehört zu den berüchtigtsten Schadprogrammen im Web. Die Software befällt Computer, umgeht Sicherheitsschranken, löscht konkurrierende Schadprogramme und lässt sich aus der Ferne über verschlüsselte Kommandos fernsteuern.

Auf diesem Wege lassen sich ohne Wissen der Computerbesitzer sogenannte Bot-Netze konstruieren - gigantische Rechnerarmeen, die für den Versand von Spam-Mails oder für die berüchtigten DDoS-Attacken auf fremde Server genutzt werden. Die TDL3-Betreiber haben daraus ein Geschäft gemacht. Sie vermieten ihre Armee von Zombie-Rechnern an den Meistbietenden weiter.

Vor einigen Monaten machten die Experten beim Antivirussoftware-Hersteller Kaspersky eine merkwürdige Entdeckung: Plötzlich tauchten auf Rechnern modifizierte TDL3-Versionen auf. Die Programme waren derart gut angepasst, dass es dafür nur eine Erklärung geben konnte: Die TDL3-Entwickler vermieteten ihre Schadsoftware nicht mehr, sie verkauften auch den wertvollen Quelltext an andere Kriminelle weiter.

Nun ist auch klar, warum TDL3 auf den Grabbeltisch kam: Die Macher hatten längst ein besseres Produkt im Portfolio. Ihre neue Schadsoftware TDL4 soll allen bisher bekannten Schadprogrammen im kriminell-kommerziellen Einsatz überlegen sein, urteilen zwei Kaspersky-Mitarbeiter in einer jüngst veröffentlichten Analyse.

Warnung vor dem "unzerstörbaren Bot-Netz"

TDL4 dient demselben Zweck wie der Vorgänger, arbeitet aber wesentlich raffinierter. Das Urteil der Kaspersky-Forscher Sergey Golovanov und Igor Soumenkov: TDL4 sei "derzeit die raffinierteste Bedrohung" im Netz, die Schöpfer würden an einem "unzerstörbaren Bot-Netz" arbeiten.

Bislang gehören zum TDL4-Netz mindestens 4,5 Millionen Zombie-Rechner weltweit - wahrscheinlich sind es inzwischen weit mehr. Auf diese Zahl kommen die Kaspersky-Experten durch die Auswertung von Datenbanken mehrerer Vermittlungsrechner des Bot-Netzes in Moldawien, Litauen und den Vereinigten Staaten. Die Zahlen sind auf dem Stand vom ersten Quartal 2011, da befanden sich die meisten infizierten Rechner in den USA.

Kein Wunder: Für infizierte US-Rechner bezahlen die Bot-Netz-Betreiber mehr als für Computer in anderen Staaten. Der Kurs für 1000 Neuinfektionen schwankt laut den Kaspersky-Analysten je nach Computer-Standort zwischen 20 und 200 Dollar. Die Infizierungsdienstleister nutzen meist Porno- und Raubkopieseiten zum Einschleusen der TDL4-Software auf Zielrechner. Interessantes Detail: Für infizierte Rechner in Russland zahlen die Betreiber nicht.

TDL4 löscht andere Schadprogramme

Viele Informatiker teilen die Einschätzung der Kaspersky-Analysten: Mit TDL4 hat die Bot-Netz-Infrastruktur eine neue Qualität erreicht. Der Informatiker Thorsten Holz, Professor für Embedded Malware an der Ruhr-Universität Bochum, urteilt: "Die Autoren haben viele Features zusammengepackt und eine ausgefeilte Schadsoftware entwickelt. Komplett neu ist das allerdings nicht, die einzelnen Blöcke der Schadsoftware sind bekannt und wurden auch vorher schon benutzt."

Die Schadsoftware TDL4...

  • ...nutzt ein eigenes verschlüsseltes Dateisystem,
  • ...bootet mit dem Rechner, ist also schon aktiv, bevor das Betriebssystem vollständig geladen ist,
  • ...kann andere Schadsoftware löschen - die Urheber bekämpfen so die Konkurrenz,
  • ...hat vollen Zugriff auf das System, um sich vor Sicherheitsprogrammen zu tarnen - ein sehr ausgefeilter Ansatz,
  • ...kommuniziert verschlüsselt über ein dezentrales Peer-to-Peer-Netzwerk mit Kommandorechnern. Die verschleierten Kommunikationswege erschweren Analysen und Angriffe - Forscher können nicht so einfach ermitteln, von wo aus die Zombie-Armee gerade gesteuert wird.

Sascha Pfeiffer, Sicherheitsberater beim Softwareanbieter Sophos, beurteilt die "Tarn- und Verschlüsselungsmechanismen" von TD4 im Vergleich zum Vorgänger als "erheblich aufwendiger". Das alles bedeutet aber nicht, dass das TDL4-Bot-Netz "nahezu unbesiegbar" ist, wie nun einige Medien berichten. Sophos-Sicherheitsberater Pfeiffer beschreibt das eigentliche Problem: "Es wird erheblich länger dauern, von TDL4 befallene Rechner zu identifizieren und zu reinigen. Das bereitet uns Sorgen. Je länger das dauert, umso mehr Schaden können Kriminelle anrichten, die TDL4 für ihre Aktivitäten mieten."

Viel Geld für Schadsoftware-Entwicklung

Mit Hochdruck fahnden die Experten nach dem richtigen Gegenmittel. So gibt es Methoden, um Peer-to-Peer-Steuernetze zu stören. Und dass TDL4 die Steuerungskommunikation verschlüsselt, macht das Netzwerk nicht unsichtbar, wie der Dresdner Informatiker Stefan Köpsell ausführt. "Verschlüsselung versteckt prinzipiell nur die Kommunikationsinhalte, nicht aber, dass Kommunikation stattfindet. Insofern gehe ich davon aus, dass der Bot sehr wohl anhand seiner Kommunikationsmuster erkennbar ist."

Die Ideen der Forscher zeigen, wie der Wettbewerb zwischen den Anbietern von Schadsoftware und den Sicherheitsdienstleistern funktioniert: Letztlich geht es bei allen Innovationen darum, den Zeitraum auszudehnen, in dem ein Zombie-Netzwerk ungestört Geld einbringt. Die Geschäfte laufen augenscheinlich so gut, dass die Innovationskraft der Schattenwirtschaft wächst. "Der technische Wettbewerb mit den Autoren von Schadsoftware ist in den vergangenen Monaten um einiges härter geworden. Da ist mehr Geld im Markt, die Schadprogramme werden aufwendiger", sagt Sicherheitsberater Pfeiffer.

Die eigentliche Monetarisierung der Zombie-Rechner überlassen die Betreiber eines solchen Netzwerks anderen. Die Online-Schattenwirtschaft ist da arbeitsteilig organisiert: Einige Anbieter verkaufen infizierte Rechner, andere die Software-Infrastruktur und wieder andere mieten diese verteilten Rechenzentren, um mit kriminellen Methoden Geld zu verdienen. TDL4 hat seit Anfang des Jahres etwa 30 Schadprogramme solcher Mieter auf die Zombie-Computer nachgeladen. Darunter waren Spam-Schleudern, Programme, die Werbung einblenden und Erpressungssoftware, die mit der Löschung aller Daten droht, sollte man nicht Schutzgeld transferieren.

Schutzgeld, Spam, Anonymisierung von Datenabfragen

Neben diesen gängigen Maschen gibt es noch speziellere Zwecke, für die Bot-Netze angemietet werden. So können Kunden über die infizierten Rechner illegale Inhalte aus dem Netz saugen und getarnt anderswohin übertragen. Sollten Ermittler den Empfänger der Daten suchen, führt die Spur zum infizierten Rechner, von dem die Abfrage kam, auf dem Schadsoftware die Daten dann unbemerkt weiter an den eigentlichen Empfänger schleuste. Sicherheitsberater Pfeiffer fasst es so zusammen: "Ein Bot-Netz wie TDL4 ist eine Art verteiltes Rechenzentrum."

Mit dem entscheidenden Unterschied, dass man TDL4 für alles Erdenkliche mieten kann, solange man zahlt. Aus diesem Grund dürfte der Wettbewerb zwischen den Bot-Netz-Entwicklern und -Bekämpfern lange Zeit weiterlaufen. Sicherheitsberater Pfeiffer sagt: "Ich glaube nicht, dass die Regeln dieses Wettbewerbs sich ändern werden, solange man mit Bot-Netzen genügend Geld verdienen kann."

Wie sich das ändern lässt? Man könnte zum Beispiel die Registrierung temporärer Wegwerf-Domains erschweren, die Geldflüsse verfolgen oder auch grundsätzlich über die Struktur von Betriebssystemen nachdenken. Informatiker Köpsell urteilt: "Gut gemachte Schadsoftware wurde und wird nicht durch Virenscanner erkannt - das war schon immer so und wird auch immer so bleiben." Er plädiert für Ursachenbekämpfung: "Sichere Betriebssysteme mit einem sinnvollen Rechtemanagement."

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. die Bedrohung wächst....
fritz_64 01.07.2011
was ich in diesem Bericht aber vermisse ist die Beschreibung wie der Besitzer des befallenen Computers mit einfachen Mitteln feststellen kann ob sein Rechner auch tatsächlich befallen ist...auffällige Verzeichnisse, diverse Regestryeintragungen und und und...sollten doch feststellbar sein wenn man Chef auf seinem Rechner ist...klar kann man das dann vielleicht nicht allein beheben...aber interessant wäre es dann doch...
2. o-o
mel80 01.07.2011
Zitat von fritz_64was ich in diesem Bericht aber vermisse ist die Beschreibung wie der Besitzer des befallenen Computers mit einfachen Mitteln feststellen kann ob sein Rechner auch tatsächlich befallen ist...auffällige Verzeichnisse, diverse Regestryeintragungen und und und...sollten doch feststellbar sein wenn man Chef auf seinem Rechner ist...klar kann man das dann vielleicht nicht allein beheben...aber interessant wäre es dann doch...
Ja das wäre doch mal interessant. Gibt es andere Quellen die darüber aufklären? Sind nur WIN-Rechner betroffen, oder gilt das gleiche für MAC's?
3. Der letzte Satz
michaelXXLF 01.07.2011
Zitat von fritz_64was ich in diesem Bericht aber vermisse ist die Beschreibung wie der Besitzer des befallenen Computers mit einfachen Mitteln feststellen kann ob sein Rechner auch tatsächlich befallen ist...auffällige Verzeichnisse, diverse Regestryeintragungen und und und...sollten doch feststellbar sein wenn man Chef auf seinem Rechner ist...klar kann man das dann vielleicht nicht allein beheben...aber interessant wäre es dann doch...
des Artikels ist der entscheidende: "SicherE BetriebssystemE mit einem sinnvollen Rechtemanagement." Wir Brauchen Vielfalt statt Monokultur, hat in der Landwirtschaft auch nicht funktioniert. Was wir nicht brauchen sind automatisch angelegte Adminaccounts ohne Paßwortschutz. [QUOTE=fritz_64;8183968]was ich in diesem Bericht aber vermisse ist die Beschreibung wie der Besitzer des befallenen Computers mit einfachen Mitteln feststellen kann ob sein Rechner auch tatsächlich befallen ist[/QOUTE] Das scheint ja gerade das "spannende" an dieser neuen Variante zu sein, daß es eben keine "einfachen Mittel" dagegen gibt. Der Benutzer soll ja nichts davon mitbekommen.
4. .
Mühsammler 01.07.2011
Zitat von fritz_64was ich in diesem Bericht aber vermisse ist die Beschreibung wie der Besitzer des befallenen Computers mit einfachen Mitteln feststellen kann ob sein Rechner auch tatsächlich befallen ist...auffällige Verzeichnisse, diverse Regestryeintragungen und und und...sollten doch feststellbar sein wenn man Chef auf seinem Rechner ist...klar kann man das dann vielleicht nicht allein beheben...aber interessant wäre es dann doch...
Klar kann man das alleine beheben: Platte partitionieren, formatieren, installieren. Die Idee, ein komplexes Betriebssystem, dass von einer modernen Highend-Malware befallen wurde, auf den Zustand vor der Infektion zurück zu bereinigen, ist eine naive Illusion, sofern man nicht den uninfizierten Zustand des Systems z.B. als Image zurückschreiben kann.
5. Ich bekomme
sensible-error 01.07.2011
Auf meinem Rechner nichteinmal mehr Windows installiert...vielleicht ist es ja besser so... Gibt es denn in diesem Forum Computerhaie, die uns da konkreter aufklären Kornen, als der Artike dies tut? Sind Linux oder MacOS auch gefährdet?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

Fotostrecke
Computerluder: Wissenswertes über digitale Quälgeister
Viren und Trojaner - Informationen im Netz
Vireninfos von der Behörde
bsi-fuer-buerger.de: Wer sich im Internet über Viren und andere schädliche Programme informieren will, ist auf der Seite des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) richtig. Die Behörde mit Sitz in Bonn untersucht Risiken bei der Anwendung moderner Informationstechnik wie dem Internet und entwickelt Sicherheitsvorkehrungen. Für Bürger wurde die Infoseite eingerichtet, die über Gefahren im Netz informiert. Auch für Laien verständlich ist dort erklärt, wie Cyberkriminelle agieren, was Viren, Würmer und Trojaner sind. Außerdem bekommen Bürger Tipps, wie sie sich vor Gefahren aus dem Netz schützen können.
Mittel gegen Schädlinge auf dem Rechner
trojaner-info.de: Die Seite beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema Trojaner. Nutzer können nachlesen, wie diese Computer-Schädlinge generell funktionieren, wie man sich am besten vor ihnen schützt und wie man sie entfernen kann. In der Rubrik Downloads gibt es kostenlos Programme, um Schädlinge von der heimischen Festplatte zu tilgen. Ein zuverlässiges Anti-Viren-Programm ersetzen diese Gratis-Downloads aber nicht.
Welche Würmer durchs Netz kriechen
viren-ticker.de:Sober, Bagle, Mytob - welche Schadprogramme aktuell im Netz kursieren, listet der Viren-Ticker des Bonner Fachverlags für Computerwissen auf. In kurzen Viren-Steckbriefen wird beschrieben, auf welchem Weg der Eindringling auf einen Rechner gelangt, woran er zu erkennen ist und wie er auf der Festplatte wütet, wenn er sich erst mal eingenistet hat.
Echte und unechte Viren
hoax-info.de: Mehr über Viren, die derzeit im Internet die Runde machen, liefert diese im Kooperation mit der Technischen Universität Berlin betriebene Seite. Ein Weblog bietet einen Überblick über Artikel in der Fachpresse, die sich mit der Internet-Sicherheit beschäftigen. Dazu gibt es Informationen über Hoaxes - vermeintliche Virenwarnungen per Mail - die Empfänger oft grundlos verunsichern.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: