Washington - Die Polizei von Washington hielt es für nötig, zu entwarnen - auch wenn "The Onion" ein alteingesessenes und durchaus bekanntes Satireangebot ist. Die Polizei der US-Hauptstadt wies einen Bericht der Satireseite zurück, wonach Kongressabgeordnete eine Gruppe von Schulkindern als Geiseln genommen hätten. In dem Bericht und begleitenden Beiträgen auf Twitter hieß es am Donnerstag, bewaffnete Kongressmitglieder drohten mit der Tötung der Schüler, sollten sie nicht zwölf Billionen Dollar (8,8 Billionen Euro) in bar erhalten. Sie seien mit Schrotflinten und halbautomatischen Waffen ausgerüstet.
Dazu wurde ein manipuliertes Foto präsentiert, das angeblich den Präsidenten des US-Abgeordnetenhauses, John Boehner, zeigt. Auf dem Bild hält Boehner einem Kind eine Waffe an den Kopf. "The Onion" berichtete auch, dass der Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, eine Waffe abgefeuert habe und eine schwarze Strumpfhose über dem Kopf trage. Eine Polizeisprecherin sagte, die Berichte seien falsch, die Lage im Kapitol normal.
"Zieht das zurück"
Tatsächlich werden bei "The Onion" täglich ähnlich grenzwertige Geschichten veröffentlicht. Im konkreten Fall dürfte das Problem in erster Linie dadurch entstanden sein, dass es mehrere Tweets zum Thema gab, die sich durchaus bedrohlich anhörten: "Zeugen berichten von Schreien und Schüssen aus dem Kapitol." Das klang so echt, dass der eine oder andere womöglich darauf hereinfiel - und gar nicht so genau hinsah, wer eigentlich der Absender dieses Tweets war. Hunderte Twitterer reichten die Nachricht per "Retweet" weiter.
In solchen Fällen geht in der Retweet-Lawine der ursprüngliche Absender unter Umständen irgendwann verloren und nur noch die Falschmeldung pflanzt sich im Weitererzähl-Web fort. Andere Twitterer reagierten irritiert auf den Witz: "Zieht das zurück", forderte einer "das ist nicht lustig, Leute", kommentierte ein anderer. Viele bekannten, an sich durchaus Fans der bösen Satireseite zu sein, über diese Art von Scherz aber nicht lachen zu können.
Die Tweets und auch die Langfassung der Geschichte sind bislang aber unverändert online. Wer die Langfassung liest, wird keinerlei Zweifel haben, dass es sich dabei um eine bitterböse Satire zum Thema Überschuldung der USA handelt. Ein Tweet aber ist viel leichter misszuverstehen.
Erst vor einigen Wochen hatte eine Hackergruppe für ungleich mehr Aufsehen gesorgt, als sie kurz vor dem Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 via Twitter verkündete, es sei ein Flugzeug am Ground Zero in New York abgestürzt. Die vermeintliche Nachricht entfaltete damals ungleich größere Wucht - denn die Hacker bedienten sich des offiziellen Accounts des US-TV-Senders NBC, den sie zuvor übernommen hatten.
cis/dapd
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