Schleichwerbung Macs für die Guten, Windows für Bösewichte

Hollywood und seine Klischees. Schon immer sind gut und böse in amerikanischen Kino- und Fernsehproduktionen recht einfach auseinander zu halten. Der neuste Hinweis: Achte auf die Computer-Marke!

Von Jochen A. Siegle


"Commander Billy Boy Gates": Microsoft hängt das Image des ewig bösen Buben an
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Wie der Amerikaner Dean Browell nun herausgefunden haben will, gibt es neue Merkmale der Anti-Helden in der Traumfabrik: Sie sind Windows-User.

Browell ist ein passionierter "Macspotter". Schon vor Jahren hat er sich dem skurrilen Hobby verschrieben, jeden "Auftritt" seiner Lieblingsrechner im Kino und Fernsehen zu dokumentieren. Regelmäßig beliefert der hauptberufliche Webdesigner aus Virginia auch einschlägige Mac-Publikationen mit seinen wichtigsten Spottings.

Im Zuge seiner "Recherchen" ist Browell nun am Fernsehschirm einem erstaunlichen Mac-Phänomen auf die Spur gekommen: In der populären amerikanischen Krimiserie "24" - mit Kiefer Sutherland als Agent Bauer in der Hauptrolle - arbeiten die Bösewichte ausschließlich mit Windows-Rechnern. Die CIA-Agenten, sprich die "Guten", nutzen dagegen nur Macs.

Zufall? Wohl kaum. Auch wenn die Produktionsgesellschaft das natürlich vehement abstreitet. Dabei gingen die TV-Macher von Fox sogar so weit, den einzigen CIA-Agent mit Windows-Rechner in der Serie sterben zu lassen: Nach einigen Episoden wurde dieser als Verräter enttarnt und beging Selbstmord.

Apple gilt schon seit Jahren als Meister der Schleichwerbung in Hollywood-Produktionen. Die Liste der Blockbuster mit Product-Placements von Macintosh-Rechnern reicht von der "You've Got Mail"-Schnulze über "Meet Joe Black" bis etwa "Mission Impossible". Im Fernsehen sind die Apple-Rechner regelmäßig in der Comedyserie "Friends", "Beverly Hills 90210" oder "Akte X" zu sehen. Wie die Entertainmentfirmen immer wieder versichern, natürlich ganz zufällig.

Seitens Apple sieht man kaum Verwerfliches in der "kreativen Produktplatzierung" von Apple-Rechnern in TV-Serien und Spielfilmen. Suzanne Forlenza, Apples Managerin für Product Placement, nimmt für ihre Marke sogar in Anspruch, dass diese "schließlich etwas über die Figur im Film aussagt."

Ob das im Fall von "24" zutrifft, sei mal dahin gestellt. Macspotter Browell setzt schon Haus und Hof darauf, dass sich der weitere Plot der Serie am Rechner der Protagonisten ablesen lässt. Jüngst stieg in "24" etwa eine von Bauers Vertrauten auf einen Dell-Laptop um - Browell befürchtet bereits das Schlimmste für die Agentin. +++

"Aqua XP": Mac-Feeling für den Windows-PC

"Aqua XP": Mac-Feeling für den Windows-PC

Echt falsche Macs

Windows-Bösewichte hin, Mac-Heroen her. Individuelle "Desktop Themes" machen's möglich, einem Windows-Rechner das Outfit eines echten Apples zu verpassen. "EclipseOSX v4.40" and "MacOSX Aqua 3.2" sind etwa solche Hintergrund-Programme, die jedem Microsoft-Betriebssystem ein wenig Mac-Look und -Feeling einhauchen können.

Apple sind diese Programme jedoch ein mächtiger Dorn im Auge. Die Rechtsabteilung des Computerherstellers hat daher die Website ThemeXP.org dazu aufgefordert, die zwei grafischen Mac-Simulierer aus dem Netz zu verbannen. Aus Furcht vor einer Klage des Rechnerpioniers ist ThemeXP dieser Forderung auch prompt nachgekommen.

Mit den Designs "RottenApple" oder "Aqua Whistler" stehen jedoch noch zwei weitere "Themes" zum Download bereit, deren optische Anleihen an das Mac-Betriebssystem OS X nicht zu verleugnen sind. Die Firma mit dem Apfellogo scheint sich daran überraschenderweise nicht zu stören.

Eine etwa mit "RottenApple" aufgepeppte Windows-Kiste wäre übrigens keine schlechte Tarnung für TV-Bösewichte. +++

Transparenz in der Politik: Dass die Satire-Website die Enron-Parteispenden aufdeckt, schmeckt den Republikanern gar nicht

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US-Konservative ohne Humor

Wenig Humor verstehen derzeit George W. Bushs Gefolgsleute in Texas. Die republikanische Partei, auch "Grand Old Party" (GOP) genannt, droht dort dem Betreiber einer Parodien-Website mit rechtlichen Schritten, sollte dieser das Online-Angebot nicht vom Netz nehmen.

Sehr zum Unmut der Politiker verspottet Kelly Fero seit Anfang des Jahres unter der Domain www.EnronOwnsTheGOP.com zahlreiche republikanische Parteiobere, die Gelder in fünf- und sechsstelliger Höhe vom Milliardenpleitier Enron bezogen haben sollen.

Auch optisch gleicht die Persiflage deutlich der Internetseite des texanischen GOP-Ablegers www.TexasGOP.org - bis auf pikante Details wohlgemerkt: Zahlreiche Logos der texanischen GOP, darunter ein blau-rot-weißer Elefant, wurden um das Enron-Firmenemblem erweitert. Zudem ziert die Homepage der Hinweis "...brought to you by Enron".

Die Republikaner argumentieren nun, der unliebsame Website-Klon würde nicht nur Markenrechte der Partei verletzten, sondern die Öffentlichkeit verwirren und müsse daher aus dem Netz verschwinden.

Geht es nach Fero, bleiben die Konterfeis der GOP-Politiker - darunter etwa Rick Perry oder Generalstaatsanwalt John Cornyn, die 227.000 US-Dollar beziehungsweise 193.000 US-Dollar von Enron angenommen haben sollen - so lange auf der Site, bis die Politiker dieses Geld Personen zukommen lassen, die die Enron-Pleite in den finanziellen Ruin stürzte.

Fero, selbst politisch aktiver Demokrat in Texas, betont außerdem, die Site sei rein privater Natur, privat finanziert und einwandfrei als Karikatur zu erkennen - und damit rechtens. Amerikanische Rechtsexperten sehen das ähnlich. Das Washingtoner Center for Democracy and Technology geht etwa davon aus, dass eine Klage der GOP aussichtslos sein dürfte, da das Web-Angebot des Cyber-Robin-Hoods bereits durch seinen Domainnamen als Persiflage zu erkennen sei.

Jochen A. Siegles Cyberbytes erscheinen wöchentlich exklusiv bei SPIEGEL ONLINE



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