Schnäppchen-Dienst Groupon "Falls wir abstürzen sollten, sind wir selbst schuld"

Das Rabattportal Groupon gilt als am schnellsten wachsende Internetfirma der Welt. Mit SPIEGEL ONLINE sprach Vorstandschef Andrew Mason über seine zahllosen Konkurrenten, den deutschen Markt und den miesesten Deal aller Zeiten.

Schnäppchen-Portal Groupon: Funktionieren Rabatte auch in der Boom-Phase?

Schnäppchen-Portal Groupon: Funktionieren Rabatte auch in der Boom-Phase?


SPIEGEL ONLINE: Herr Mason, welcher Groupon-Deal war aus Ihrer Sicht der größte Flop?

Andrew Mason: Sehr enttäuscht war ich, dass eine von uns beworbene touristische Bustour in die Stadt Gary, in Indiana, keinen Anklang fand.

SPIEGEL ONLINE: Diese heruntergekommene Stahlkocherstadt am Lake Michigan? Warum sollte da jemand hinwollen?

Mason: Stimmt, Gary ist furchterregend. Aber Michael Jackson ist dort aufgewachsen. Wir dachten, deshalb wollen die Leute da vielleicht hin. Aber Fehlanzeige.

SPIEGEL ONLINE: Sie vermarkten vor allem lokale Firmen. Alleine in Deutschland haben sie jedoch inzwischen über 3,5 Millionen Mitglieder. Wie geht das zusammen? Dem Kundenansturm kann doch kein Kleinunternehmer standhalten.

Mason: Dass Unternehmen zu viele Kunden haben, ist doch ein schönes Problem. Aber im Ernst: Wir haben genau deshalb Veränderungen vorgenommen. In den USA wird unser Newsletter inzwischen personalisiert, sodass nicht alle Konsumenten das gleiche Angebot bekommen. Außerdem stellen wir im Vorfeld sicher, dass zum Beispiel ein Restaurant ausreichend Kapazitäten hat.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland haben sie auch schon Gutscheine für den Online-Schuhhändler Zalando verkauft. Sind solche großen Markenartikler-Deals die Zukunft von Groupon?

Mason: Wir machen auch das, aber Kern unseres Modells bleibt es, die Leute aus dem Haus zu locken, in richtige Läden in ihrer Stadt.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es große Unterschiede zwischen ihrem US-Geschäft und dem deutschen?

Mason: Ehrlich gesagt weniger, als ich anfangs dachte. Jeder mag gute Deals. Ein Beispiel ist Haarentfernung per Laser. Ich dachte, die Deutschen stehen da vielleicht nicht drauf. Ist aber hier genau so populär wie in den USA.

SPIEGEL ONLINE: Die Werbetexte ihres US-Newsletters sind sehr schräg und werden unter anderem von ehemaligen Kabarettisten und Komikern verfasst. Die deutschen Texte hingegen sind völlig neutral. Warum?

Mason: (Guckt streng) Deutsche sind ernsthafte Menschen. Den amerikanischen Sound auf andere Länder eins zu eins zu übertragen, das machen wir nicht.

SPIEGEL ONLINE: Welches ist der wichtigste Markt, in den sie drängen?

Mason: China. Wir überlegen gerade, wie wir das machen.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Kritiker sagen, Ihr Geschäftsmodell sei leicht kopierbar. Wissen Sie, wie viele Groupon-Klone es in China gibt?

Mason: Hab's nicht nachgezählt, aber ich höre, es sind etwa 2300.

SPIEGEL ONLINE: Auch im Westen gibt es haufenweise Groupon-Kopien. Google hat gerade eine gestartet - macht Ihnen das nicht Angst?

Mason: Eigentlich nicht. Ich glaube, falls wir so schnell abstürzen sollten, wie wir aufgestiegen sind, dann wird daran kein Wettbewerber schuld sein. Sondern wir selbst.

SPIEGEL ONLINE: Die USA stecken in der Wirtschaftskrise. Da funktionieren Rabattcoupons natürlich, aber was ist in der nächsten Boom-Phase?

Mason: Da wird es genauso gut oder besser funktionieren. Sehr viele Leute abonnieren unseren Newsletter ja nicht wegen der Schnäppchen, sondern weil sie dadurch interessante Geschäfte in ihrer Stadt entdecken können. Wenn die Wirtschaft läuft, sind die Leute vermutlich noch entdeckungslustiger.

SPIEGEL ONLINE: Wann gehen Sie an die Börse?

Mason: Wir haben mit den Bankern geredet, uns aber noch nicht entschieden.

SPIEGEL ONLINE: Mit ihrer ersten Web-Seite "The Point" wollten Sie Philanthropen und politische Aktivisten vernetzen. Jetzt verkaufen Sie Schuhe. Tut Groupon denn auch irgendetwas Gutes für die Menschheit?

Mason: Wenn es eine reine Verkaufsmaschine wäre, würde ich es nicht machen. Was ich sehr schön finde ist, dass wir Verbrauchern helfen, mal wieder rauszugehen und ihre Stadt zu erleben - statt immer nur vor dem Rechner zu hocken und online zu shoppen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind erst 30. Wenn es Groupon nicht gäbe, was würden Sie dann machen?

Mason: Eine andere Web-Seite aufziehen. Oder den ganzen Tag Videospiele zocken.

Das Gespräch führte Thomas Hillenbrand



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