Schnäppchendienste: Nicht jeder Groupon lohnt sich

"Sushi satt" zum halben Preis, ins Kino für drei Euro oder ein Musical-Besuch 70 Prozent billiger: Groupon-Dienste im Internet machen es möglich. Die neuen Rabattdienstleister bieten viel Ware für wenig Geld. Manches Schnäppchen hält aber nicht, was es verspricht.

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Groupon-Angebot: Nicht alles, was als Schnäppchen erscheint, ist auch eines

Beim Sonntagsbrunch für zwei zahlt er 15 statt 29 Euro, die Luxus-Autowäsche gibt es zum halben Preis: Niklas aus Osnabrück freut sich über Schnäppchen wie diese. Der Student hat einige Groupon-Dienste im Internet getestet. "Ein paar Euro habe ich schon gespart", sagt er. Aber nicht immer sind die vermeintlichen Schnäppchen ein gutes Angebot, warnt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Der Verbraucher sollte nicht vergessen, den Preis mit anderen Anbietern zu vergleichen", rät der Experte.

Der Begriff "Groupon" setzt sich aus dem englischen Wort für Gruppe ("group") und dem französischen Wort für Gutschein ("coupon") zusammen - es handelt sich also um einen klassischen Gruppenrabatt. Diese neuen Dienste kommen wie so viele Internetinnovationen aus den USA. Seit Anfang 2010 buhlen etliche Online-Gutscheindienste um die Gunst der deutschen Konsumenten, beispielsweise Groupon, Westdeal und Dealticket.

Das Prinzip ist einfach: Die Schnäppchen gibt es nur, wenn genügend Käufer mitmachen. Auch wenn der Preisnachlass der gesamten Gruppe gewährt wird, löst jeder Kunde den Gutschein ganz individuell ein, erklärt Michael Hensch vom Couponing-Portal DailyDeal.de.

Die Angebote reichen von Restaurantgutscheinen über Kurztrips in Wellness-Oasen bis hin zu Kinobesuchen. "Der Nutzer bekommt jeden Tag neue Angebote", sagt Daniel Glasner, Geschäftsführer von Groupon.de in Deutschland. Im Vergleich zum eigentlichen Preis soll die Ersparnis bis zu 90 Prozent betragen.

Kauf per Vorkasse

Um einen Gutschein zu ergattern, wählt der Nutzer zuerst seine Stadt aus, da die Schnäppchen überwiegend von lokalen Anbietern stammen. Nach der Ortswahl ist das jeweilige Tagesangebot zu sehen. Bei Interesse wird der "Kaufen"-Button gedrückt. Spätestens an dieser Stelle muss sich der Nutzer registrieren. "Die Anmeldung ist leicht, allerdings gebe ich neben meinem Namen und der Adresse auch meine Bankdaten an", erklärt Niklas.

Wenn sich ausreichend Interessenten für ein Angebot finden, steht der "Deal". Der fällige Betrag wird vom Konto oder der Kreditkarte abgebucht. "Den Gutschein bekomme ich dann als PDF zugeschickt", beschreibt der Student das Prozedere. Kommt eine Aktion nicht zustande, zahlt der Interessent auch nicht.

Viele Einschränkungen, wenige Vergleichsmöglichkeiten

Die Zeitschrift "Computerbild" nahm fünf große deutsche Anbieter unter die Lupe (Ausgabe 16/2010). Der Test offenbarte einige Stolpersteine: Vor allem beim Datenschutz und der Einlösung der Gutscheine gebe es Probleme, stellten die Tester fest. Für alle Angebote gelten laut dem Test Einschränkungen. Zum einen seien die Gutscheine meist nur befristet gültig oder an festen Terminen einlösbar. Zum anderen ließen sie sich häufig nur in einigen teilnehmenden Filialen einer Kette einlösen.

Verbraucherschützer Gollner kritisiert zudem die kurze Laufzeit der Angebote. Meist liege diese bei nur einem Tag: "Der Verbraucher wird gezwungen, sich schnell zu entscheiden und hat keine Zeit für Vergleiche." Diese Zeit sollte man sich nehmen, sagt Niklas. "Manchmal spart man weniger, als man im ersten Moment denkt."

Zu diesem Ergebnis kommt auch "Computerbild". Die Rabattangaben seien oft übertrieben. Als Maßstab würden Tages- oder Filialpreise angesetzt. So habe ein bundesweiter Autovermieter einen Kleinwagen für 19 statt 39 Euro Tagesmiete angeboten. So üppig war der Rabatt jedoch nicht: Bei einer etwas weiter entfernten Filiale kostete ein vergleichbarer Wagen 27,28 Euro. Häufig gilt laut der Zeitschrift zudem ein Mindestbestellwert, der die Einsparungen schmälern kann.

Mängel beim Datenschutz

Auch bei den Datenschutzbestimmungen sollten Verbraucher genau hinsehen. Laut "Computerbild" übertragen einige Anbieter die Daten ihrer Kunden unverschlüsselt. Nutzer sollten auf eine sichere SSL-Übertragung achten. Verbraucherschützer Gollner weist zudem darauf hin, dass Datenschutzbestimmungen sich jederzeit ändern können.

Ein Rückgaberecht hat aber jeder: "Für uns gelten dieselben Bedingungen wie für alle E-Commerce-Anbieter, also 14 Tage", sagt Michael Hensch von DailyDeal. Wem die virtuellen Gutscheindienste zu unsicher sind, dem blieben als Alternative die Gutscheine aus Zeitungen und dem Einzelhandel, sagt Gollner: "Dort muss ich keine private Daten offenbaren und habe mehr Zeit zum Vergleichen."

Marina Leunig, dpa

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