Schöpfer des Sopa-Gesetzentwurfs: Copyright-Krieger beim Copyright-Bruch ertappt

Von Carolin Neumann

Ein gefundenes Fressen für alle Sopa-Kritiker: Der Autor des umstrittenen Internetkontrollgesetzes, der US-Abgeordnete Lamar Smith, nahm es noch vor Kurzem selbst nicht so genau mit dem Urheberrecht. Ein Magazin ruft nun zur Jagd auf andere Unterstützer des Entwurfs auf.

Abgeordneter Lamar Smith: Hintergrundbild ohne korrekte Quellenangabe Zur Großansicht
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Abgeordneter Lamar Smith: Hintergrundbild ohne korrekte Quellenangabe

Lamar Smith entwickelt sich auf überraschende Weise zum Internetstar: Der Kongressabgeordnete aus Texas, der für einen US-Gesetzentwurf namens Stop Online Piracy Act (Sopa) verantwortlich ist, hat sich jetzt selbst beim Copyright-Bruch ertappen lassen. Ein Autor des Magazins "Vice" hat auf der Website des Politikers gestöbert und herausgefunden, dass dort noch kurz vor der Geburt des umstrittenen Gesetzentwurfs ein Hintergrundbild nicht korrekt genutzt wurde.

Inzwischen hat die Seite einen neuen Anstrich bekommen. Doch Jamie Lee Curtis Taete schreibt auf vice.com, er habe den Fotografen der zuvor verwendeten Landschaftaufnahme aufgespürt und mit ihm gesprochen. Demnach ist das Bild eines von vielen, die er unter einer Creative-Commons-Lizenz ins Netz gestellt hat. Einer Lizenz, die zwar eine freie Verwendung erlaubt - aber nur mit Nennung des Urhebers.

"Ich kann keine Nennung der Quelle erkennen", zitiert "Vice" den Fotografen, "also könnte ich dem Sopa-Entwurf zufolge vor Gericht ziehen und etwas gegen www.texansforlamarsmith.com unternehmen." Eine scheinbare Lappalie, die aber die Ausmaße des Anti-Piraterie-Gesetzes deutlich macht. Sopa würde die juristische Grundlage liefern, sogenannte Schurkenseiten umstandslos aus dem Netz zu filtern und so angeblich rechtswidrige Inhalte zu entfernen. Eine Stellungnahme des Abgeordneten stand zunächst noch aus.

Hexenjagd auf Sopa-Unterstützer

Doch selbst wenn Sopa-Vater Smith es schaffen sollte, sich aus der peinlichen Situation hinauszumanövrieren - Taete dürfte mit seinem Fund etwas ins Rollen gebracht haben. Einen weiteren wahrscheinlichen Sünder macht das Magazin sogleich in einem der ersten Unterstützer des Gesetzesentwurfs, dem Abgeordneten Lee Terry aus Nebraska, aus, auf dessen YouTube-Kanal für ein Werbevideo Ausschnitte aus Nachrichtensendungen zusammengepuzzelt wurden.

Die Copyright-Verletzung ist zwar in diesem Fall nicht eindeutig erwiesen, "Vice" will aber wohl ohnehin eher zeigen, wie schnell potentiell Inkriminierendes bei den Verfechtern des Urheberrechts zu finden ist - und ruft jetzt zur Hexenjagd auf Sopa-freundliche Politiker auf. Mit den richtigen Werkzeugen, etwa der "Wayback Machine" von archive.org und etwas Zeit ließen sich die Heuchler schnell identifizieren, so die Botschaft.

Hierzulande haben wir zuletzt etwa am Beispiel GuttenPlag Wiki gesehen, was eine aufgebrachte Meute mit einem bisschen Internet-Know-How erreichen kann. Es ist gut möglich, dass Sopa und seinen Befürwortern Ähnliches bevorsteht. Die notwendige Wut ist auf jeden Fall vorhanden, wie zunehmende Proteste von Unternehmen sowie Privatleuten zeigen.

Protect-IP-Schöpfer reagiert auf Gesetzeslücke

Lamar Smith selbst hat übrigens - in einem schönen Beispiel für schlechtes Timing - am Tag der Copyright-Enthüllung in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters seine Position zu dem Gesetz nochmals bekräftigt. Trotz der harschen Kritik auch von großen Unternehmen wie Google oder Facebook werde er am Stop Online Piracy Act festhalten.

Anders als Smith lässt sich der Mann hinter der Sopa-Schwester "Pipa" (Protect IP Act), die im Senat verhandelt wird, durchaus vom Protest der Menge beeindrucken. Der demokratische Senator Patrick Leahy kündigte in einer Pressemitteilung weitere Untersuchungen an. Laut "Wall Street Journal" reagiert er damit auf eine Schwäche des Blockiervorhabens: Das von der Internet-Domainverwaltung Icann konzipierte Sicherheitssystem DNSSEC sei nicht in der Lage, zwischen von Hackern gesperrten Seiten und solchen, die aufgrund des Protect IP Act blockiert werden, zu unterscheiden. Spezialisten befürchten demnach Sicherheitslücken für Nutzer. Schon vor Monaten hatten Fachleute dies in einem Artikel angemahnt. Für Sopa dürften die gleichen Bedenken gelten.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Hexenjagd?
marthaimschnee 13.01.2012
Hexen sind üblicherweise Personen, denen vorgeworfen wird, daß sie etwas tun, was sie eben nicht tun. Das ist da nicht der Fall! Die Verfechter sind aktiv dabei, mit PIPA und SOPA nicht nur die Grundsätze "Im Zweifel für den Angeklagten" und das "Recht auf ein faires Verfahren" für digitale Güter abzuschaffen, sie wollen auch noch "Erst schießen, dann fragen" als Gesetz festschreiben. Und schließlich sollen die Bedürfnisse weniger gegen die Bedürfnisse vieler mit völlig unverhältnismäßigen Mitteln (Straßensperren) geschützt werden.
2. .
Methados 13.01.2012
Zitat von marthaimschneeHexen sind üblicherweise Personen, denen vorgeworfen wird, daß sie etwas tun, was sie eben nicht tun. Das ist da nicht der Fall! Die Verfechter sind aktiv dabei, mit PIPA und SOPA nicht nur die Grundsätze "Im Zweifel für den Angeklagten" und das "Recht auf ein faires Verfahren" für digitale Güter abzuschaffen, sie wollen auch noch "Erst schießen, dann fragen" als Gesetz festschreiben. Und schließlich sollen die Bedürfnisse weniger gegen die Bedürfnisse vieler mit völlig unverhältnismäßigen Mitteln (Straßensperren) geschützt werden.
sehr schön auf den punkt gebracht !
3. Jammern unangebracht
passover 13.01.2012
Die Bedürfnisse der Wenigen sind aber so immens wichtiger als die Bedürfnisse der Vielen, weil sie eben den Großteil des Geldes besitzen. Und um die Interessen des Geldes umzusetzen sind auch Kriege völlig legal, und Sie lamentieren über Straßensperren? Freiheit muss geschützt werden und die enormen Möglichkeiten des Internets machen es eben auch enorm wichtig das es geschützt, der Zugang wenn möglich nur auf eben Wenige begrenzt wird. Diese Wenigen müssen aber genau die Wenigen sein die das Geld besitzen denn nur wer schon alles hat und nichts mehr braucht hat stets nur das Wohl der Allgemeinheit im Sinn und nicht die eigene Tasche wie es bei einem von den Vielen der Fall wäre.
4.
quasimono 13.01.2012
Zitat von passoverDiese Wenigen müssen aber genau die Wenigen sein die das Geld besitzen denn nur wer schon alles hat und nichts mehr braucht hat stets nur das Wohl der Allgemeinheit im Sinn und nicht die eigene Tasche wie es bei einem von den Vielen der Fall wäre.
Deswegen haben die Wenigen ja so viel, weil sie nur die Allgemeinheit im Sinn haben, richtig? Eigentlich ist es doch exakt umgekehrt. Die meisten von denen, welche sehr viel haben, leben mit dem Problem noch mehr haben zu wollen. Irgendwann kann man den Rachen garnicht mehr voll bekommen. Und wenn die Kohle schon aus allen Löchern rausquillt, dann muss es Macht sein. Immer mehr Macht. Das sich viele Reiche ihr Geld illegal dem Steuersystem entziehen und somit der (gierigen) Allgemeinheit schaden, sollte als Beispiel genügen, um zu zeigen, dass Ihre These falsch ist. Back to Topic: Willkommen im Club Lamar Smith, alter Pirat!
5. Tja...
Sique 13.01.2012
Zitat von Methadossehr schön auf den punkt gebracht !
... und trotzdem sachlich falsch.
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Zur Autorin
  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.


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