Schwulen-Outer Rogers: Blogger gegen die Bigotten

Von Marc Pitzke, New York

Schwule Schwulenhasser sind sein Ziel. Der Blogger Mike Rogers hat schon 33 Politiker geoutet, viele Karrieren gekippt, zuletzt US-Senator Craig - widerlegen konnte ihn noch keiner. Schon droht er die Veröffentlichung weiterer Namen an.

Mike Rogers vergießt keine Träne um Larry Craig, den über die Toiletten-Affäre gestürzten republikanischen Noch-Senator. "Er tut mir schon leid, aber er hat sich das selbst eingebrockt", sagt der schwule Polit-Aktivist und Blogger aus Washington. "Ich bedauere nur seine Frau und seine drei Kinder."

Rogers macht eine effektvolle Pause. "Adoptivkinder."

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Schließlich war es ja auch Rogers, der Craigs Karrierekiller-Skandal angestoßen hatte. Man erinnert sich: Craig, ein erzkonservativer Moralapostel, hatte sich auf einem Flughafenklo beim mutmaßlichen Anbandeln mit einem Undercover-Cop erwischen lassen. Er unterschrieb ein Geständnis, widerrief es dann wieder, kündigte aber trotzdem auf Druck der Partei an, seinen Posten aufzugeben. Bei all dem dementierte er beharrlich, schwul zu sein.

"Die Craig-Story hat der verrückten rechten Bewegung einen schweren Schlag versetzt", freut sich Rogers im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Denn er ist einer von ihnen. Der alte Rancher aus Idaho."

Ein perfektes Opfer also für Rogers, der bisher 33 US-Abgeordnete, Senatoren und andere Politiker geoutet hat - 30 Republikaner und drei Demokraten. Die "Washington Post" nannte Rogers dieser Tage den im US-Kongress womöglich "meistgefürchteten Mann".

Siehe Larry Craig. Der rechtfertigte seinen Zwischenfall auf der Toilette nachträglich mit "schweren Angstzuständen" über die Berichte "hinsichtlich meines Privatlebens". Darüber kann Rogers nur lachen. "Mir ist es egal, ob jemand schwul ist", sagt er. "Aber wenn jemand schwul ist und nach außen hin gegen Schwule hetzt, dann schreibe ich darüber."

Eskapaden mit Kongressboten

Craig hatte vehement gegen die Schwulenehe und Schwule im Militär agitiert. Dass hinter seiner konservativen Fassade möglicherweise mehr stecken könnte, hatte Rogers schon im Sommer 2004 gehört. Da habe sich ein Mann bei ihm gemeldet und behauptet, mit Craig Sex gehabt zu haben.

Mehr als zwei Jahre hielt Rogers, 43, das Gerücht still zurück. In der Zeit sammelte er weitere Erkenntnisse. Anonyme Quellen lieferten ihm neue Indizien. Schließlich outete er Craig im Oktober 2006 auf seinem Blog "BlogActive" und in einer Radioshow – auf dem Höhepunkt eines anderen Schwulensex-Skandals um einen Republikaner, den damaligen Abgeordneten Mark Foley.

"Senator", schrieb Rogers damals an Craig, "haben Sie in den vergangenen zehn Jahren sexuelle Zusammentreffen mit einem oder mehreren Männern gehabt?" Craig dementierte. Obwohl sogar "USA Today" die Geschichte aufgriff, ging sie unter im Trubel um Foley und dessen E-Mail-Eskapaden mit minderjährigen Kongressboten.

Nur Craigs Heimatblatt "Idaho Statesman" blieb dran. Ein Reporter folgte der Fährte fünf Monate lang und stieß auf drei weitere Männer, die angaben, Sex mit Craig gehabt zu haben. Im Juni konfrontierte Rogers Craig mit den Vorwürfen; dieser stritt abermals alles ab. Kurz darauf ereignete sich die unselige Toiletten-Episode.

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  • Montag, 17.09.2007 – 06:02 Uhr
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