SCO und Microsoft Freundlicher Helfer im Hintergrund?

Was kann sich ein junges Unternehmen besseres wünschen, als wohlmeinende Förderer? Microsoft soll mit einer Empfehlung bei einer Venture-Capital-Firma dafür gesorgt haben, dass SCO das Geld nicht ausging. So ausgestattet macht SCO juristisch Jagd auf Linux-Firmen.


Auch, wenn er lächelt: Dieser Mann ist kein Freund von Pinguinen
[M] DPA

Auch, wenn er lächelt: Dieser Mann ist kein Freund von Pinguinen

Es gibt Unternehmen, die machen ihr Geld, indem sie entwickeln, produzieren und verkaufen. Es gibt andere, die machen ihr Geld, weil andere entwickeln, produzieren und verkaufen.

Die SCO Group würde gern zur zweiten Gruppe gehören, glaubt sie doch, im Besitz einiger Nutzungsrechte zu sein, die sich vor Gericht in Geld umwandeln lassen: SCO behauptet, einige von der Firma gehaltene Unix-Copyrights würden durch aktuelle Linux-Versionen verletzt. Seit einem Jahr versucht SCO nun, IBM mit juristischen Mitteln um eine Milliarde Dollar zu erleichtern. In den letzten Monaten ließ das Unternehmen weniger hoch angesiedelte Klagen gegen DaimlerCrysler, Novell und Autozone folgen, weitere Linzenzgebühr-Forderungen und eventuell Gerichtsverfahren werden erwartet.

SCO gehört darum nicht unbedingt zu den beliebteren Unternehmen: So gut wie jede größere IT-Firma setzt derzeit auch auf Linux als Alternative zu Microsoft-Software. Gäbe es ein Ranking der meistgehassten Web-Unternehmen, hätte SCO derzeit gute Chancen auf eine Top-Position. Das fand beispielsweise auch der Autor des MyDoom-Virus: Ziel seiner ersten Denial-of-Service-Attacke war SCO (Microsoft attackierte er im zweiten Anlauf).

Fördert Microsoft SCO?

Relativ unberührt von Debatte und Getümmel zwischen Linux- und SCO-Lager stand bisher Microsoft, mittelbarer Nutznießer jeder Entscheidung gegen das Linux-Lager. Schon früh argwöhnten Microsoft-Kritiker zwar, es könne anrüchige Querverbindungen zwischen SCO und Microsoft geben. Dafür ließen sich aber bisher keine konkreten Hinweise finden.

Was es allerdings gab, gibt nun BayStar Capital, die Finanzierungsfirma, die SCO im Oktober 2003 mit 50 Millionen Dollar versorgte, zu, war zumindest eine freundliche Empfehlung: Demnach habe Microsoft SCO und BayStar erst zusammen gebracht.

Das Ganze hätte den Charakter eines Tipps gehabt. Solche Dinge geschehen immer wieder, wenn ein junges Unternehmen beispielsweise nach Startkapital sucht. Davon aber konnte bei SCO keine Rede sein: Zum Zeitpunkt der willkommenen Millionen-Infusion stand SCO bereits seit rund acht Monaten mit IBM vor Gericht. Sowas kostet natürlich, da braucht man Geld.

Direkt von Microsoft sei aber weder zu BayStar, noch zu SCO Geld geflossen. Das versichert auch Microsoft und darüber hinaus, dass es "keine direkte oder indirekte finanzielle Beziehung" zwischen Microsoft und BayStar gäbe.

Lizenzzahlung als Schützenhilfe?

Was es allerdings gab, war eine Zahlung von Microsoft an SCO im Mai letzten Jahres: Zwei Monate nach Beginn des Prozesses gegen IBM zahlte Microsoft als bis dahin einziges IT-Großunternehmen Lizenzgebühren in nicht bekannter Höhe für die Nutzung von SCOs umstrittenen Patenten. Branchenanalysten vermuteten - angelehnt an ähnliche Lizenz-Deals - eine Zahlung in Höhe von rund 10 Millionen Dollar.

Wichtiger war zu diesem Zeitpunkt aber, dass überhaupt jemand zahlte, ohne sich vor Gericht nach Kräften zu wehren: SCOs Aktien schossen nach Bekanntwerden der Nachricht um satte 38 Prozent nach oben. Ein Signal für die Branche entdeckten Analysten damals darin und vermuteten, dass nun andere folgen würden.

Doch der Effekt blieb kleiner als erhofft. Vereinzelte Unternehmen zahlten, um präventiv Lizenzforderungen zu vermeiden. Ob diese Zahlungen an Rückzahlungsbedingungen gebunden sind, sollte SCO seine Prozesse verlieren, ist nicht bekannt.

Das "Finanzierungs-Memo": Indiz für Microsofts Rolle?

Seitdem haben SCOs Forderungen viel an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Alle Beklagten fechten SCOs Forderungen an, ob diese sich gerichtlich durchsetzen lassen, erscheint zunehmend zweifelhaft. Stattdessen gerät SCO selbst immer stärker in die Kritik: Haarklein dokumentieren SCO-Gegner, wann und wo dem Unternehmen Gelder zugeflossen sind. Die Linux-Verfechter der Open Source Initiative sind sich mittlerweile sicher, das Microsoft von Anfang an im Hintergrund dafür gesorgt habe, dass Kapitalgeber auf SCO aufmerksam wurden.

Anfang März erhielt die Open Source Initiative eine E-Mail mit einem Memo, das Einzelheiten über die Finanzierung von SCO enthielt. Die angebliche Quelle: Ein "Leck" bei SCO.

Demnach habe Microsoft "86 Millionen Dollar eingebracht, BayStar mitgezählt". SCO bestätigte am 4. März, dass das Memo authentisch sei, bestand aber darauf, dass sein Inhalt fehlinterpretiert werde: Es gehe darin keineswegs um ein direktes Involvment von Microsoft in die Finanzierung von SCO. Die E-Mail gehe vielmehr auf einen externen Berater zurück, der im Rahmen eines Auftrages Kenntnis von SCO-Interna erhalten, bestimmte Dinge aber missverstanden habe.

Eine direkte Beteiligung an der Finanzierung von SCO kann man Microsoft tatsächlich nicht vorwerfen. Direkte Querverbindungen zwischen dem Softwareriesen und den kapitalgebenen Firmen sind bisher zumindest nicht nachweisbar. Was bleibt, sind Tipps und Empfehlungen unter Freunden, man könnte sich doch einmal dieses nette Unternehmen etwas näher ansehen, das sich so hartnäckig in die Waden diverser Microsoft-Konkurrenten verbissen hat. Besonders vorteilhaft sieht auch das nicht aus.

Frank Patalong



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