Scotland Yard: Hacker stellen belauschten Telefon-Mitschnitt ins Netz
Erst bombardierten sie eine britische Anti-Terror-Hotline mit Anrufen, dann stellten sie ein belauschtes Gespräch unter Ermittlern ins Web: Eine Hackergruppe hat sich angeblich Zugang zu einem Telefonsystem der Polizei verschafft.
Ist das Telefonsystem des Londoner Metropolitan Police Service geknackt worden? Das legt zumindest die Hackergruppe "Team Poison" nahe. Die Gruppe hat offenbar zunächst eine Anti-Terror-Hotline von Scotland Yard mit Hunderten Anrufen bombardiert. Einige Mitschnitte dieser Anrufe stellten sie ins Netz.
Das ist noch nicht spektakulär. Interessanter ist da schon, was einer der angeblichen Hacker gegenüber der britischen "Huffington Post" erklärte: Demnach habe man die Anrufe mit Hilfe eines Scripts automatisiert und den Polizisten eine Aufnahme des Gruppennamens vorgespielt.
Ein weiterer Mitschnitt hat es dann in sich: "Team Poison" behauptet zumindest, es handele sich dabei um die Aufnahme eines Gesprächs unter Ermittlern. In dem Telefonat berichtet offenbar ein Polizist einem anderen Offiziellen von mehr als 700 Telefonstreichen der Hacker, und das eines der Gespräche, die er mit einem der Anrufer geführt habe, im Internet veröffentlicht worden sei.
Der angeblich 17-jährige Anführer der Gruppe, "Trick", sagte der "Huffington Post", der Angriff sei einfach gewesen. Man müsse nur wissen, wie das Telefonsystem funktioniere und sich mit Phreaking auskennen. Gemeint ist das Wissen, wie man Telefonverbindungen manipulieren kann. Mit Tricks ließ sich zum Beispiel in den siebziger und achtziger Jahren kostenlos im analogen Netz telefonieren.
Phreaking war in den siebziger und achtziger Jahren unter Hackern beliebt, die Telefonprovider ergriffen schließlich Gegenmaßnahmen. Weil außerdem von analoger auf digitale Übertragungstechnik gewechselt und Verbindungen günstiger wurden, wandten sich viele Hacker anderen Techniken zu. Darauf spielt "Trick" an: "Das ist nicht schwer zu lernen, aber die meisten Neulinge in der Hackerszene schließen sich lieber Anonymous an und nutzen vorbereite Tools für Angriffe." Das habe aber mit Hacken nichts zu tun.
Wie genau "Team Poison" an den Mitschnitt gelangte, ist allerdings unklar. Scotland Yard erklärte gegenüber dem "Guardian", man wisse von Mitschnitten bei der Anti-Terror-Hotline. Man sei dabei, den Vorfall zu untersuchen und werde geeignete Maßnahmen ergreifen.
Im Februar hatten Anonymous-Aktivisten einen Mitschnitt eines Gesprächs zwischen Scotland-Yard- und FBI-Ermittlern veröffentlicht. In dem Telefonat geht es um Ermittlungen gegen das Web-Kollektiv und die Hackergruppe "LulzSec". In dem Fall hatten die Angreifer offenbar Zugang zu den E-Mails eines der Ermittler. So kamen sie wohl an die Zugangsdaten für die Telefonkonferenz.
Außerdem wurden die Namen und E-Mail-Adressen von 44 Ermittlern verschiedener Polizeibehörden in sechs Ländern veröffentlicht, die offenbar mit Anonymous oder Internetkriminalität zu tun haben. Am vergangenen Samstag hatten Aktivisten des Kollektivs die Website des britischen Innenministeriums kurzzeitig lahmgelegt, um gegen weitgehende Überwachungspläne der Regierung zu protestieren.
ore
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