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"Second Life"-Gründer Rosedale: "Es darf nicht so oft abstürzen"

"Second Life" hat ein Jahr Hype hinter sich - und erlebt nun den Rückschlag. Firmen ziehen sich zurück, die Anmeldungen stagnieren. Ein Gespräch mit dem Gründer Philip Rosedale über Zukunftspläne, Achterbahngefühle, Absturznöte - und den Konkurrenten Google.

SPIEGEL ONLINE: Im vergangenen Jahr erlebte ihre virtuelle Welt "Second Life" einen außerordentlichen Hype. Nun dreht sich der Wind - ist die Party vorbei?

Philip Rosedale: Bei jedem neuen Medium - das gilt auch für das Web und davor für das Internet selbst - gibt es einen vorhersagbaren Zyklus von Medienhype und Gegenbewegung. Wir haben in der ersten Hälfte von 2007 viel Aufmerksamkeit bekommen, danach dann eher besorgte und negative Aufmerksamkeit. Neue Anwendungsgebiete wie Voice Chat, Business-Anwendungen wie Kollaboration und Ausbildung werden in den kommenden Quartalen wieder mehr positives Medienecho auslösen. Aber es ist ein bisschen wie Achterbahnfahren. Darf ich Sie etwas fragen? Wofür benutzen sie SL denn im Moment?

SPIEGEL ONLINE: Im Augenblick fast gar nicht. Der letzte längere Aufenthalt hatte mit einem Projekt von Architekturstudenten der TU Darmstadt zu tun, die ein interaktives Kunstwerk konstruiert hatten, ich war als Berater involviert.

Rosedale: Ein interaktives Kunstwerk? Können Sie mir einen Link schicken?

SPIEGEL ONLINE: Es ist eine Maschine, die Skulpturen herstellt. Sie stellt Fragen über Ihre Vorstellung von "Heimat" und formt eine Skulptur in Abhängigkeit von den Antworten, die man dann mitnehmen kann. Das war faszinierend - aber das Wachstum von SL hat nachgelassen, große Unternehmen ziehen sich zurück...

Rosedale: Wie in Ihrem Beispiel - die wirklichen Business-Anwendungen in SL haben mit Kollaboration zu tun, und die wachsen schnell. Mehr als 400 Universitäten sind in SL vertreten, unsere Mailingliste zum Thema Bildung hat 4000 Mitglieder. Es gab in der ersten Hälfte des Jahres 2007 vielleicht mehr Enthusiasmus und stärkeres Wachstum, aber das Kernwachstum von Nutzungsmöglichkeiten und Anwendungen ist immer noch sehr stark. Die Medien haben sich sehr auf Marketing konzentriert ...

SPIEGEL ONLINE: Aber Marketing hat sich in SL als Flop erwiesen, oder?

Rosedale: Dafür ist es zu früh, glaube ich. Wir sind immer noch ein System, das täglich 200.000 Menschen benutzen. Das ist zwar eindrucksvoll und schafft eine Wirtschaft mit einer Million Dollar Umsatz am Tag, in der die Menschen Geld verdienen können. Aber es sind nicht genügend Menschen, um dort Produkte aus der realen Welt zu vermarkten.

SPIEGEL ONLINE: Eine ganze Reihe von Mitbewerbern steht in den Startlöchern - Sonys Playstation "Home", Raph Kosters "Metaplace", ein deutsches Start-up namens "Twinity" und mehrere andere.

Rosedale: Sonys "Home" erlaubt kein Herstellen von nutzergenerierten Inhalten und gehört deshalb nicht in die gleiche Kategorie. Ich glaube nicht, dass sie mit SL konkurrieren möchten, sondern mit Xbox live. Ich kann natürlich nicht für Sony sprechen, aber ich glaube, das Ziel ist, einen reizvollen Lobbybereich zu schaffen, in dem man sich zwischen zwei Spielen treffen kann, um so mehr Menschen zum spielen zu bringen. Nur die Optik erinnert an SL und - es ist verblüffend und schmeichelhaft für uns, aber es liegt nun ein gewisser Nachrichtenwert darin, sich mit SL zu vergleichen. Die übrigen - wenn sie das Erzeugen von Inhalten erlauben, ähneln sie SL vielleicht mehr. Es beschäftigt mich schon, dass sie aus unseren Fehlern werden lernen können - aber wir werden auch von dem lernen, was sie machen. Sie werden sehen: Wir können auf solche Veränderungen sehr schnell reagieren.

SPIEGEL ONLINE: Womit machen Sie Ihren Hauptumsatz?

Rosedale: Mit den monatlichen Gebühren, die man für sein Stück virtuelles Land bezahlen muss. Wir wachsen organisch, und wir machen ein bisschen Profit.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
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1. Weitere Fragen an LindenLab
ckaul, 29.01.2008
Auch wir haben Linden Lab einige Fragen gestellt die demnächst auf SLinfo veröffentlicht werden: http://www.slinfo.de/phpbb/viewtopic.php?t=12337
2. First life
huebi, 29.01.2008
Manche Leute sollten sich um ihr First Life kümmern und manche Redakteure nicht jedem Hype kilometerweise hinterrennen. Ein paar Meter tuns auch.
3. okay
chak82 29.01.2008
Fand den Artikel ganz interessant. Besser als schon wieder was von Überwachungsstaat und p2p Kriminalität. Was Leute tun sollten... naja, würd ich mal den Leuten überlassen. Das "kümmer-dich-um-dein-first-life-Argument" ist wohl auch reichlich ausgelutscht.
4. Endlich ist der Hype vorbei...
Lars Heine, 29.01.2008
... und es wird vernünftiger über SL geredet. Für die die Drin sind, war es ja die ganze zeit faszinierend. Ich bin selber noch gespannt welche Anwendungen sich noch entweickeln werden.
5. Welche noch
huebi, 29.01.2008
Zitat von Lars Heine... und es wird vernünftiger über SL geredet. Für die die Drin sind, war es ja die ganze zeit faszinierend. Ich bin selber noch gespannt welche Anwendungen sich noch entweickeln werden.
Wieso noch? Gab es schon je eine, ausser sinnlos Zeit totzutreten? Oder mit seinem Avatar unter dem Deckmäntlichen der Anonymität Dinge tun zu können, die man sich sonst nie trauen würde?
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"Second Life": Der Chef, sein Avatar und der "Skulpturator"
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