Deutschland als Dschihadisten-Land Krudes US-Wahlkampfvideo irritiert deutsche Nutzer

Eine fremdenfeindliche Gruppe aus den USA hat ein Video über den "Islamischen Staat Deutschland" veröffentlicht. Es wird auch hierzulande beworben. Was steckt hinter der Aktion?

Screenshot aus dem Video
YouTube

Screenshot aus dem Video


Ein abwegiges Video über Deutschland unter Islamistenherrschaft sorgt derzeit bei deutschen Internetnutzern für Irritationen. Gedreht hat es die fremdenfeindliche US-Gruppe "Secure America Now".

Die Gruppe hat vermutlich auch dafür gesorgt, dass das Video als "Sponsored Post", als Werbeeinblendung, auch in den Feeds von deutschen Twitternutzern auftaucht. Etliche zeigten sich verärgert über die abstruse Werbung:

Der rund eineinhalbminütige Film beginnt mit der Begrüßung "Willkommen im Islamischen Staat Deutschland". Ein Sprecher mit deutschem Akzent erzählt auf Englisch, Deutschland sei von syrischen Flüchtlingen unterwandert worden, Dschihadisten hätten Deutschland erobert und dem "Kalifat" eingegliedert.

IS-Fahnen vor dem Brandenburger Tor

Dann werden deutsche Touristenattraktionen gezeigt: Der Schwarzwald ist vermint, das Oktoberfest frei von Schweinefleisch und Alkohol, den Berliner Dom ziert der Halbmond, an Schloss Neuschwanstein und dem Brandenburger Tor wehen Fahnen der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS).

Nachdem Nutzer ihre Verwunderung über diese Art Werbung in ihrer Twitter-Timeline geäußert hatten, wird das Posting nun offenbar nicht mehr angezeigt.

Auf der Facebook-Seite von "Secure America Now" wurde das Video mehr als 150.000 Mal aufgerufen. Zuvor hatte die als gemeinnützig eingetragene Organisation ein ähnliches Video über Frankreich veröffentlicht. Ein weiteres über die USA solle folgen, sagte ein Sprecher der rechtspopulistischen US-Internetseite "Breitbart". Die Kurzfilme sollen ihm zufolge zeigen, wie es in vier Jahren aussehen würde, sollte Demokratin Hillary Clinton die Wahl am 8. November gewinnen. Man wolle damit Wähler in umkämpften Bundesstaaten ansprechen. Warum das Video in Deutschland beworben wird, ist aber unklar.

Eine direkte Verbindung zwischen dem Video und dem Lager des republikanischen Clinton-Herausforderers Donald Trump lässt sich nicht nachweisen, auch wenn es zu Aussagen Trumps aus der Vergangenheit passen würde. Im August hatte Trump über Clinton und Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt: "Hillary Clinton will Amerikas Angela Merkel werden, und ihr wisst, was für eine Katastrophe diese massive Einwanderung für Deutschland und die Menschen Deutschlands ist." Erwähnt wird er in dem Video aber nicht.

gru/dpa

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