"SecurID"-Tokens von RSA IT-Sicherheitskonzern tauscht Millionen Passwort-Anhänger aus

Weltweit nutzen Millionen Menschen die Login-Schlüssel der Firma RSA, auch Rüstungskonzerne und Regierungen vertrauen dem System - und müssen jetzt zittern. Denn der Konzern wurde von Hackern attackiert. Nun bietet RSA seinen Kunden den Austausch der "SecurID"-Hardware an.

Wechselnder Login-Code: Fast alle 40 Millionen SecurID-Token sind betroffen
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Wechselnder Login-Code: Fast alle 40 Millionen SecurID-Token sind betroffen


Hamburg - Das System bietet offenbar keinen ausreichenden Schutz mehr: Die Sicherheitsfirma RSA bietet allen Kunden, die das "SecurID"-System nutzen, an, die Login-Schlüssel auszutauschen. Das teilte das Unternehmen am Montag mit - und gestand damit schwere Sicherheitsprobleme ein. Hacker hätten die Lücke offenbar schon für einen Angriff auf den Rüstungskonzern Lockheed Martin genutzt. Die sogenannten Tokens würden bei "praktisch allen Kunden" ausgetauscht, sagte RSA-Chef Art Coviello dem "Wall Street Journal".

"SecurID"-Tokens sind kleine Schlüsselanhänger, die laufend neue Zahlencodes generieren, mit denen sich die Nutzer in Kombination mit einem weiteren, selbstgewählten Passwort bei einem Netzwerk anmelden können. Die Zahlenketten sind - grob gesagt - vergleichbar mit den Tan-Nummern, die man vom Onlinebanking kennt. Nur dass sie eben ständig neu erzeugt werden.

Solche zweistufigen Anmeldeverfahren gelten als vergleichsweise sicher. Tausende Unternehmen sind RSA-Kunden, rund 40 Millionen Nutzer hat das System weltweit. Darunter auch Rüstungskonzerne und Regierungsbehörden.

Jetzt droht dem guten Image schwerer Schaden. RSA wurde im März selbst Ziel eines Hackerangriffs. Dabei wurden offenbar wichtige Informationen gestohlen: Wie "ArsTechnica" unter Berufung auf der Firma nahestehende Personen berichtet, konnten die Angreifer sogenannte Seed-Sequenzen oder Teile dieses Systems kopieren.

Hintergrund: Die "SecurID"-Tokens bekommen eine geheime Seed-Sequenz eingepflanzt und berechnen mit Hilfe eines nun womöglich nicht länger geheimen Algorithmus alle 30 bis 60 Sekunden eine neue Zahlenfolge. Der Server, bei dem sich die Nutzer anmelden, kennt die Seed-Sequenz ebenfalls und führt die gleiche Berechnung aus. Passen die Schlüssel zusammen, wird der Zugang zum System gewährt.

Vorläufer eines "umfassenderen Angriffs"

Schon als der RSA-Chef den Dateneinbruch öffentlich machte, sorgten sich Computerexperten um die Sicherheit geschützter Netzwerke. RSA-Chef Coviello räumte selbst ein, dass mit den gestohlenen Daten die Sicherheit des "SecurID"-Systems beeinträchtigt sein könnte. Dies könne möglicherweise der Vorläufer eines "umfassenderen Angriffs" sein, hatte Coviello erklärt.

Ende Mai wurde dann bekannt, dass Hacker in Server des Rüstungskonzerns Lockheed Martin eindringen konnten - angeblich wurde die Attacke jedoch abgewehrt, bevor Daten geklaut werden konnten. Das Unternehmen ist einer der größten Auftragnehmer des US-Militärs und baut gerade für mehr als 300 Milliarden Dollar eine neue Flotte Kampfjets. Über den Hackerangriff ließ sich selbst Präsident Barack Obama unterrichten.

Laut "ArsTechnica" könnten mit Northrop Grumman und L-3 Communications zwei weitere wichtige Rüstungsfirmen von Angriffen betroffen sein. Northrop Grumman soll in der vergangenen Woche jeglichen externen Zugriff auf sein Netzwerk gekappt haben.

Zwar betonte RSA am Montag, dass "SecurID" an sich weiterhin Sicherheit biete und der Einbruch bei Lockheed Martin keine Schwachstelle oder Gefahr für Kunden bedeute. Ausgetauscht werden die "SecurID"-Chips nun dennoch. Sollte es sich dabei um eine reine Vorsichtsmaßnahme handeln, könnte der Schritt allerdings nach hinten losgehen: Die gefühlte Sicherheit erhöht ein Austausch von Millionen Code-Generatoren sicher nicht.

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Fackus 07.06.2011
1. 2 Artikel heute - ein Problem
Der eine: Der RSA-Hack. Der andere: Die neuen Apple-Gimmicks. Passt doch gut zusammen: Apple verkauft der breiten Masse all das Zeugs, was gerade diese breite Masse datenschutzmässig niemals in den Griff kriegt - kostenloser Onlinespeicher inclusive. Derweil werden die Knackmethoden immer ausgefuchster. Wer unter diesen Umständen noch in irgendeiner Weise an Sicherheit im Netz denkt, dem ist nicht mehr zu helfen. Die Bequemlichkeit all der online-Banker und -bezahler wird sich auf breiter Front rächen. Grins - selber schuld.
citizengun 07.06.2011
2. -
Eigenständige Keygeneratoren für autonome Schlüsselpaare sind eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Das man so etwas offiziell nicht zu kaufen bekommt, hängt einfach mit der (US)-Gesetzeslage bzw. allgemein mit Staatsinteressen zusammen. Dumm gelaufen aber das Unternehmen kann wohl nicht anders.
Waffelbäcker 07.06.2011
3. .
SPON: "Hintergrund: Die "SecurID"-Tokens bekommen eine geheime Seed-Sequenz eingepflanzt und berechnen mit Hilfe eines öffentlich bekannten Algorithmus alle 30 bis 60 Sekunden eine neue Zahlenfolge." Noch mal bei Ars nachlesen! Der Algorithmus ist eigentlich geheim. Nur durch den RSA-Hack im März wurde er (oder Teile davon) öffentlich. Richtig wird der Satz so: "... mit Hilfe eines JETZT öffentlich bekannten Algorithmus..."
SunSailor 07.06.2011
4.
Na ja, solange die DigiPass-Geräte nicht betroffen sind... Wäre schlimm, wenn ich für WoW einen unsicheren Tokengenerator hätte *g*
tobilechat 07.06.2011
5. Hacker, gibt es Jemanden, dem man mehr Vertrauen kann in der IT-Szene?
Zitat von sysopWeltweit nutzen Millionen Menschen die Login-Schlüssel der Firma RSA, auch Rüstungskonzerne und Regierungen vertrauen dem System - und müssen jetzt zittern. Denn der Konzern wurde von Hackern attackiert. Nun bietet RSA seinen Kunden den Austausch der "SecureID"-Hardware an. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,767020,00.html
Ich mag Hacker, die sind mir sympathisch. Die holen uns in unserem IT-Wahn immer wieder auf den Boden der Tatsachen. Selbst Sicherheitsfirmen dieser Branche bekommen immer wieder vor Augen geführt, dass es 100%ige Sicherheit hier nicht gibt. Aber ist es wirklich sinnvoll, dieses Wissen von Sicherheitslücken öffentlich zu machen? Hacker müssen der Retter sein, wenn denn ein Mal die große Cyberbombe fällt. Sie müssen gefährliche, kriminelle Unternehmen in Sekundenbruchteilen lahmlegen können, am besten das gesamte Computernetz, wenn es eines Tages nötig sein sollte. Wer legt die USA lahm, falls diese austicken, wer Deutschland, China, Japan, Iran, Russland etc.? Sollten Hacker Firmen ihr Wissen wirklich weitergeben und ihnen zeigen, wie unsicher Information Technology ist? Eigentlich würde es ja reichen, dem Planeten den Strom abzustellen. Irgendwann würde dann auch der letzte Computer ausgehen.
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