Medienkonsum Wann ist ein Opfer relevant?

Die Nachrichtenfülle im Netz mache es unmöglich, auf jedes Katastrophenopfer gleich zu reagieren, erläuterte Sascha Lobo am Beispiel der aus dem Mittelmeer geretteten Britin. Im Podcast antwortet er auf Leserkommentare.

Gerettete Britin
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Gerettete Britin


Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #54. Seenotrettung im Mittelmeer: Die Unwucht in unserer Wahrnehmung

Sascha Lobo diagnostiziert in seiner jüngsten Kolumne eine Übermedialisierung der Gesellschaft durch das Internet und dessen Geschwindigkeit bei der Verbreitung von Nachrichten. Dadurch seien Menschen "gezwungen, konzentrische Kreise der Relevanz um sich herum zu ziehen, und damit gewissermaßen eine Art Opferrangliste zu erstellen".

Das habe dazu geführt, dass für Redaktionen wie Publikum die Rettung einer Britin, die betrunken von einem Kreuzfahrtschiff ins Mittelmeer stürzte, stärker in den Vordergrund trat als das nächste gekenterte Boot mit vielen ertrunkenen Flüchtlingen im gleichen Meer.

Lobo macht als Ursache rassistische Bewertungsmuster aus, von denen auch er selbst nicht ganz frei sei in bestimmten Situationen. In seinem Podcast zur Kolumne greift er die Reaktionen seiner Leser auf.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
lachina 26.08.2018
1.
"Das habe dazu geführt, dass für Redaktionen wie Publikum die Rettung einer Britin, die betrunken von einem Kreuzfahrtschiff ins Mittelmeer stürzte, stärker in den Vordergrund trat als das nächste gekenterte Boot mit vielen ertrunkenen Flüchtlingen im gleichen Meer. Lobo macht als Ursache rassistische Bewertungsmuster aus, von denen auch er selbst nicht ganz frei sei in bestimmten Situationen. " Eine verunglückte Britin steht mir näher , weil sie a) Frau b) Britin c) sich nicht freiwillig in Gefahr begeben hat. Würde ein schwarzer Kieler in Seenot geraten, würde der mir wieder näher stehen als die Britin. Eine lateinamerikanische Hamburgerin aber vielleicht noch näher. Und der italienische Nachbar, der Lehrer ist, vielleicht am nächsten, weil a) auch Lehrer und b) Nachbar und c) ich war in Italien und mag sein Land sehr gerne.... Die Bewertungsmuster "Nähe- Ferne" sind viel komplexer als reiner Rassismus.
spon-1292345938400 26.08.2018
2. Wer sich betrinkt begibt sich immer in Gefahr.
Entweder man fällt vom Schiff. Oder bekommt langfristig irgendwelche Zipperlein. Und man erzähle mir nicht daß dieses Mal das einzige war, an dem die gute Frau betrunken war. Vielleicht war es ja ein heilsamer Schock. In diesem Sinne: Prost!
rieberger_2 26.08.2018
3. ratio vs. irratio
Ich glaube, wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Leben zu über 80% aus irrationalen Verhalten, worunter ich auch Vorurteile und Rassismus zähle, besteht. Die Ratio sollte idealerweise der Maßstab sein. Dass das Irrationale eine dominierende und nicht zu unterschätzende Größe darstellt, zeigt die Gegenwart. Wenn rationaldenkende Menschen politische Verantwortung haben aber das Irrationale negieren, dann entstehen Zentrifugalkräfte, die das Zeug haben, die Rationalen hinwegzufegen. Ich persönlich bin ratlos, weil ich kein Rezept habe. Frei nach Asterix: zur Zeit spinnen alle.
divStar 26.08.2018
4. Es ist wie in #1 geschrieben kompliziert..
.. aber manche Dinge sind auch einfacher, als man denkt: ich kann mich eher in die Lage der Britin versetzen, die urplötzlich vom Schiff fällt und dabei betrunken ist. Das /könnte/ mir prinzipiell - wenn ich unachtsam UND betrunken auf einem Schiff je wäre - auch passieren. Bei Flüchtlingen ist es etwas anderes - auch bedingt durch die ganzen Verbrechen, die hier von den ungebetenen Gästen begangen werden. Zusätzlich nervt, dass einige Medien nicht mehr schreiben welcher ethnischen Herkunft jemand ist (wobei ich mittlerweile weiß, dass "deutsch" dazu geschrieben wird wenn es ein Deutscher Täter war - und wenn nichts steht, war es wie erwartet einer, der einer anderen Ethnie angehört). Die Britin kommt halt nicht nach Deutschland, beantragt Asyl und erhält vollumfänglich alles, was sie braucht, um hier gut und ohne Arbeit leben zu können (ich war selbst mal Asylsuchender und damals ging man mit Flüchtlingen weniger zimperlich um - das war per se nicht so schlecht, denn es motivierte keinesfalls straffällig usw. zu werden). Aber womit es gar nichts zu tun hat, ist die Hautfarbe. Ich würde immer noch und genau so über die Britin denken wenn sie eine Afro- oder Latein-Amerikanerin wäre. Da macht es für mich keinen Unterschied. Ich sehe es auch mit Flüchtlingen genau so: ich würde auch genau so denken wenn die Flüchtlinge nicht aus Afrika kämen.
toninotorino 27.08.2018
5.
Jeder, der in Not gerät, aus welchen Gründen auch immer, muss gerettet werden. Man stelle sich doch bitte vor, was es bedeutet, wenn diesbezüglich damit begonnen würde, zu unterscheiden, wer gerettet werden darf und wer seinem Schicksal überlassen bleibt. Das wäre der absolute der moralische Verfall.
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