Selbstverpflichtung: US-Provider wollen Web-Piraten ausbremsen

Die amerikanischen Internet-Anbieter kommen den Inhalte-Anbietern entgegen. Künftig wollen sie Kunden verwarnen, die bei illegalen Downloads ertappt werden. Aktiv werden sie aber nur auf Wunsch der Rechteinhaber und bis zu sechs Mal, bevor Behörden informiert werden.

Netzwerkkabel: Bei wiederholten Copyright-Verstößen wird der Netzzugang langsamerZur Großansicht
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Netzwerkkabel: Bei wiederholten Copyright-Verstößen wird der Netzzugang langsamer

Frankreichs Three-Strikes-Regelung macht Schule. In der Fünften Republik werden ertappte Raubkopierer bereits nach drei Verstößen vom Internet abgeschnitten - eine Maßnahme, die nicht nur einige Nutzer stört, sondern sogar in den Augen der Vereinten Nationen zweifelhaft ist. Die USA planen nun auch ein Strikes-System, wollen das Ganze aber etwas moderater handhaben, wie unter anderem die " New York Times" berichtet.

Gemeinsam bringen amerikanische Medienkonzerne und die Internet-Service-Provider das System an den Start, das der Online-Piraterie einen Schlag versetzen soll: Bei Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen - zum Beispiel durch Urheberrechtsverletzungen - soll der Nutzer künftig eine warnende E-Mail erhalten. Ab dem fünften, spätestens aber sechsten sogenannten Strike wird die Internetverbindung gedrosselt. Unter Umständen leiten die Provider Informationen an die ermittelnden Behörden weitergeleitet.

Das Grundgerüst für dieses System gibt es bereits: ArsTechnica weist darauf hin, dass den Unterschied zu vorher lediglich die Zusage der Internetprovider macht. Wenn bislang ein Rechteinhaber einen Hinweis an den Service-Provider schickte, war dieser nicht in der Pflicht, die Nachricht weiterzuleiten; Warnungen an den Nutzer hatten selten Konsequenzen. Nun sind die Internetprovider - darunter Riesen wie AT&T und Verizon - an Bord und werden damit faktisch zu "Copyright Cops", schreibt das Blog Tech.Blorge. Die Initiative allerdings muss weiterhin von den Rechteinhabern ausgehen, welche die IP-Adresse eines Copyright-Piraten herausfinden und ihre bis zu sechs Warnungen an den Provider weiterleiten.

Dieser möglicherweise wegweisenden, aber doch recht handzahmen Vereinbarung waren jahrelange Verhandlungen mit Hollywood und der Musikindustrie vorausgegangen. Dass jetzt mehreren Verstößen nicht automatisch eine Sperre nach französischem Vorbild folgt, dürften die Konzerne als Misserfolg betrachten. Zumal es den Internetprovider mit ihrer Zusage nicht darum geht, die Industrie zu hofieren; es war unwahrscheinlich, dass sie sich auf Netzsperren als Bestrafung ihrer zahlenden Kundschaft eingelassen hätten. Und so betont die ungeahnte Allianz laut Arstechnica auch einen anderen Effekt ihrer Kooperation: Bildung. Ziel sei es, Urheberrechtsverletzungen zu stoppen, nicht zu bestrafen. "Kein ISP möchte Kunden verlieren oder zusehen, wie ein Kunde wegen eines Missverständnisses Ärger bekommt."

Zwischen den Zeilen machen die Konzerne damit aber auch deutlich: Das Alarmsystem wird sie nicht daran hindern, weiter munter gegen Netz-Piraten zu klagen. Denn zwischen der freundlichen Warnung von Eltern, deren Kinder möglicherweise unwissentlich illegal Filme schauen, und dem Effekt einer Millionen-Klage gegen notorische Copyright-Sünder besteht dann doch noch ein großer Unterschied.

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insgesamt 22 Beiträge
takeo_ischi 08.07.2011
Nun kauft man sich also lieber die Provider, bevor man sich ernsthaft mit seinen Kunden und deren Wünschen beschäftigen müsste. Armseelig ist das. So wird eben die Contentindustrie auf Dauer den kürzeren ziehen. Selber schuld.
Zitat von sysopDie amerikanischen Internet-Anbieter kommen den Inhalte-Anbietern entgegen. Künftig wollen sie Kunden verwarnen, die bei illegalen Downloads ertappt werden. Aktiv werden sie*aber nur auf Wunsch der Rechteninhaber und bis zu sechs Mal, bevor Behörden informiert werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,773140,00.html
Nun kauft man sich also lieber die Provider, bevor man sich ernsthaft mit seinen Kunden und deren Wünschen beschäftigen müsste. Armseelig ist das. So wird eben die Contentindustrie auf Dauer den kürzeren ziehen. Selber schuld.
daherm 08.07.2011
die können sich dann ja einfach ein neues Internet runterladen wo dann alle Raubkopierer und Geiz-ist-geil Heinis zusammen sein können. Ach Mist, geht ja nicht. Diebe sind so selten produktiv und das wär wohl ein langweiliges [...]
die können sich dann ja einfach ein neues Internet runterladen wo dann alle Raubkopierer und Geiz-ist-geil Heinis zusammen sein können. Ach Mist, geht ja nicht. Diebe sind so selten produktiv und das wär wohl ein langweiliges Nezt.
Fradiavolo 08.07.2011
Ich glaub eben diese "Heinis" haben das Internet gross gemacht. Am Anfang war alles kostenlos. Die Geschäftsleute kamen erst später. Und die haben bis heute nicht begriffen das Internet so zu nutzen, dass es nicht [...]
Zitat von dahermdie können sich dann ja einfach ein neues Internet runterladen wo dann alle Raubkopierer und Geiz-ist-geil Heinis zusammen sein können. Ach Mist, geht ja nicht. Diebe sind so selten produktiv und das wär wohl ein langweiliges Nezt.
Ich glaub eben diese "Heinis" haben das Internet gross gemacht. Am Anfang war alles kostenlos. Die Geschäftsleute kamen erst später. Und die haben bis heute nicht begriffen das Internet so zu nutzen, dass es nicht nötig ist die eigene Kundschaft zu kriminalisieren.
TheNameless 08.07.2011
Das ursprüngliche Netz bestand nur aus solchen "langweiligen" Leuten die Informationen frei (bei Bedarf nach entsprechender Security Clearance) untereinander teilten. Mit erfolgter Kommerzialisierung des Netzes seit [...]
Zitat von dahermdie können sich dann ja einfach ein neues Internet runterladen wo dann alle Raubkopierer und Geiz-ist-geil Heinis zusammen sein können. Ach Mist, geht ja nicht. Diebe sind so selten produktiv und das wär wohl ein langweiliges Nezt.
Das ursprüngliche Netz bestand nur aus solchen "langweiligen" Leuten die Informationen frei (bei Bedarf nach entsprechender Security Clearance) untereinander teilten. Mit erfolgter Kommerzialisierung des Netzes seit Ende der 90er wird uns von der Media-Lobby suggeriert das es okay ist für digitale Kopien genauso viel zu bezahlen wie für gedruckte Hardcopy Exemplare. Von strittigen (Software-)Patentregelungen und deren blockierenden Auswirkungen auf Innovation mal ganz zu schweigen. Aber sie scheinen sich ja bereits ihre Meinung "gebildet" zu haben, allerdings werden sie damit wohl nie an den Erfindungsreichtum der Geiz-ist-geil Heinis heran kommen. Zu schade eigentlich... mein Tipp an sie: mal auf Youtube ein paar Nutzervideos anschauen. Da gibt es einige die sehr originell gemacht sind trotz und zum Teil gerade wegen eines Recyclings vorher veröffentlichter Inhalte. Das heisst - sofern die GEMA ihnen das Anschauen der Videos erlaubt.
Silverhair 08.07.2011
Die "Geiz-ist-geil" Klientel sitzt immer noch auf der Seite der Anbieter - bisher bezahlen immer noch die Kunden und die Werbeindustrie die Kosten des internet's, und kein einziger "Inhaltsanbieter" beteiligt [...]
Zitat von dahermdie können sich dann ja einfach ein neues Internet runterladen wo dann alle Raubkopierer und Geiz-ist-geil Heinis zusammen sein können. Ach Mist, geht ja nicht. Diebe sind so selten produktiv und das wär wohl ein langweiliges Nezt.
Die "Geiz-ist-geil" Klientel sitzt immer noch auf der Seite der Anbieter - bisher bezahlen immer noch die Kunden und die Werbeindustrie die Kosten des internet's, und kein einziger "Inhaltsanbieter" beteiligt sich daran! Und, die "Heinis" haben überhaupt erst das Internet gebaut und ihm zu seinem Erfolg verholfen! - Noch um 1995 meinten über 90% Aller Unternehmen das Internet eine nette Spielerei wäre und sich darum "seriöse" Unternehmen nicht kümmern müßten! Hätten die sog. Inhaltsanbieter da mal Investiert hätten sie jetzt einen besseren Stand, aber "Geiz ist Geil" und die Kunden zahlen schon dafür das sie teuer ziemlich wertlose Produkte downloaden klappt da eben auch nicht mehr!
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  • Freitag, 08.07.2011 – 10:00 Uhr
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Zur Autorin
Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.






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