Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Sexismus in der Tech-Szene: Der Elefant im Tal der weißen Männer

Ehemalige Reddit-Chefin Ellen Pao: Klagen gegen Investmentfirma Zur Großansicht
REUTERS

Ehemalige Reddit-Chefin Ellen Pao: Klagen gegen Investmentfirma

Das Silicon Valley hat ein Sexismus-Problem, will eine neue Umfrage mit erschreckenden Zahlen belegen. Befragte Frauen seien in der Mehrheit ein- oder mehrmals im Job belästigt worden.

Ein Geschäftskunde bittet sie während eines Treffens, sich auf seinen Schoß zu setzen. Schließlich solle er ja ihr Produkt kaufen. Ihre Firma unternimmt nichts. Auf einer Firmenkonferenz beschließen die männlichen Kollegen, baden zu gehen, in Unterwäsche. Die Frauen bleiben am Ufer zurück. Der neue Chef macht ihr auf einer beruflichen Reise Avancen. Sie lehnt ab. Danach wird sie nie wieder zu Geschäftsreisen eingeladen.

Solche Erzählungen von Frauen finden sich zuhauf in der Umfrage "Elephant in the Valley". Über 200 Tech-Frauen, viele davon mit langer Branchenerfahrung, erzählen darin von ihren Erlebnissen mit Sexismus, Belästigung und Diskriminierung im kalifornischen Silicon Valley, darunter auch Mitarbeiterinnen großer Tech-Firmen wie Apple und Google. "Wir haben bemerkt: Vielen Frauen passieren ähnliche Dinge am Arbeitsplatz. Den meisten Männern sind die täglichen Probleme von Frauen im Job aber gar nicht bewusst", schreiben die sieben Autorinnen, allesamt selbst im Silicon Valley tätig, auf einer eigens eingerichteten Webseite.

Erniedrigende Kommentare, Kritik an "unweiblichem" Auftreten

60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie schon einmal im Beruf sexuell belästigt gefühlt hätten. Aus Angst vor Karrierenachteilen hätten 39 Prozent dieser Frauen aber geschwiegen. 84 Prozent der Befragten geben außerdem an, sie hätten schon einmal zu hören bekommen, sie träten "zu aggressiv" auf. 87 Prozent gaben an, von männlichen Kollegen erniedrigende Kommentare zu hören bekommen zu haben und drei Viertel wurden im Bewerbungsgespräch zu Familienstand und Kindern befragt.

Repräsentativ ist die Studie nicht, dafür wurden nicht genügend Frauen befragt. Außerdem nahmen überwiegend Frauen teil, die schon mitten im Berufsleben stehen. Die meisten der Befragten hatten über zehn Jahre Berufserfahrung, drei Viertel waren über 40 Jahre alt. Trotzdem wirft das, was die Frauen erzählen, ein Schlaglicht auf das Klima an einem Ort, der vielen als fortschrittlichster der Welt gilt.

Dass das Silicon Valley aber nicht in allen Bereichen so fortschrittlich ist und ein Problem mit Frauen und Minderheiten hat, wird schon seit mehreren Jahren kontrovers diskutiert. Tatsächlich wird das Valley überwiegend von weißen Männern regiert. Egal ob Google, Facebook, Apple oder Twitter: Frauen machen nur rund 30 Prozent der Belegschaft aus, belegen Zahlen aus dem Jahr 2014. In den Führungsebenen der Unternehmen dünnt sich ihre Zahl noch weiter aus. Latinos und Schwarze sind ebenso unterrepräsentiert.

Den Anstoß für die Umfrage hatte der jüngste Sexismusskandal um eine der größten Investmentfirmen des Valleys gegeben, schreiben die Autorinnen: In einem viel beachteten Prozess hatte Ex-Reddit-Chefin Ellen Pao gegen die Investmentfirma Kleiner Perkins geklagt und 16 Millionen Dollar Entschädigung gefordert. Denn ihr ehemaliger Arbeitgeber habe ausschließlich Männer gefördert. Pao verlor.

gru

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. In Deutschland ...
scharfekante 12.01.2016
wäre der Prozentsatz der belästigten und benachteiligten Frauen noch höher. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass wir eine Bundeskanzlerin haben.
2. Was die Zahl der Frauen und Minderheiten angeht,
fareast 12.01.2016
ist das aber nur die halbe Wahrheit. Wenn ich in USA Absolventen fuer technische Jobs suche, verteilen sich die Bewerber in etwa wie folgt: - 40 % indischer Abstammung/Inder - 30 % ostasiatischer Abstammung/Chinesen - 28 % Weisse Ausserdem habe ich ca. 95% maennliche Bewerber. Wie man da auf einen hoeheren Prozentsatz an Frauen und Minderheiten kommen soll, verstehe ich nicht so ganz.
3. Repräsentative Studien
FocusTurnier 12.01.2016
Na ein solcher Artikel passt doch geradezu in die Situation..... Bevor man aber wieder überall das böse Patriarchat wittert, sollte man mal einen Blick über den Tellerrand werfen: "Rund die Hälfte der 2400 befragten Angestellten gaben an, schon einmal eine unerwünschte, potenziell belästigende Verhaltensweise erlebt zu haben – Frauen und Männer in ähnlichem Ausmass. " http://www.nzz.ch/schweiz/jeder-zweite-wird-belaestigt-1.18197847 oder "Männer werden kaum als Opfer wahrgenommen" http://www.sueddeutsche.de/karriere/sexuelle-belaestigung-am-arbeitsplatz-maenner-werden-kaum-als-opfer-wahrgenommen-1.1846785 Aber solange es um böse weiße Männer geht, ist den Medien derzeit wohl kein Artikel zu plump.
4. Kann...
fatherted98 12.01.2016
...man sich in der Nerd Scene kauf vorstellen. Ob das wohl so alles stimmt?
5. Fortschrittlichster Ort der Welt?
maipiu 12.01.2016
Fortschrittlich sind da nur die Computer. Davor sitzt immer noch der alte Adam. Frauen sollten nicht darauf hoffen, dass Männer ihr Problem mit dem Sexismus auch nur ansatzweise verstehen. Einfühlungsvermögen ist ja überhaupt nicht gefragt. Da müssten sie ja mal in den Spiegel schauen und sich fragen, mit welchem Recht sie sich die Freiheiten nehmen, unverschämte Kommentare abzusondern. Sie müssten sich mal überlegen, wie sie selbst es fänden, so behandelt zu werden. Aber ich weiß jetzt schon, was nun für Kommentare nun kommen über rüpelnde Frauen, die Männer belästigen und die Frauen sich doch bloß nicht so anstellen sollen. Schließlich seien die Sprüche ja als Kompliment gemeint. Und am Ende seien sie ja selber Schuld, so wie sie rumlaufen usw. Na, danke schön.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Anzeige


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: