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Sexualstraftäter: MySpace sperrt Tausende Seiten - behält Daten aber für sich

Die Profilseiten Tausender Sexualstraftäter bei MySpace werden gerade gelöscht, nachdem US-Staatsanwälte ein Ultimatum gestellt hatten. Doch die Daten der vorbestraften Nutzer weitergeben will die Firma nicht: Das verhindere die Rechtslage.

Der Ton in der Diskussion um die Identifizierung registrierter Sexualstraftäter bei MySpace verschärft sich. Am Dienstag hatten acht Generalstaatsanwälte und Justizminister verschiedener Bundesstaaten in einem offenen Brief an MySpace die Herausgabe entsprechender Daten eingefordert. Sie gaben dem Unternehmen eine Frist bis zum 29. Mai, die Kundendaten registrierter Sexualstraftäter herauszugeben und zu erklären, wie es mit deren Profilseiten umzugehen und der Polizei bei deren Arbeit zu helfen gedenke.

Selbstpräsentation junger Mädchen bei MySpace: Jagdgrund für Pädoverbrecher?

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Bereits wenig später reagierte MySpace darauf: Die Löschung "Tausender von Profilen" registrierter Sexualstraftäter habe bereits Anfang Mai begonnen. Innerhalb der zwölf Tage seit Aktivierung der Such- und Filtersoftware, so MySpace-Sprecher Hemanshu Nigam, habe man die Profile jedes Sexualstraftäters gelöscht, den man habe identifizieren können.

Die Löschaktion sei das Resultat aus der Abgleichung der Nutzerdaten mit entsprechenden staatlichen Datenbanken, die MySpace im Dezember 2006 als Reaktion auf wachsende Kritik, ein Jagdgrund für Pädoverbrecher zu sein, in Auftrag gegeben hatte.

Staatsanwälte fordern alle Kundendaten

Die Staatsanwälte erwarten jedoch mehr als nur die Streichung der entsprechenden Nutzerkonten: Sie wollen die Kundendaten überspielt bekommen. Das aber, argumentiert MySpace, sei laut Gesetz nicht möglich: Der Electronic Communications Privacy Act schreibe vor, dass dies eine gerichtliche Verfügung verlange. Auf solche Verfügungen werde MySpace gern reagieren.

Das interpretiert Richard Blumenthal, Justizminister von Connecticut und Sprecher einer Arbeitsgruppe von 50 Generalstaatsanwälten und Justizministern, als klare Abfuhr: Zum einen brauche es keine gerichtliche Verfügung, um statistisches Material über die Gesamtzahl der Sexualstraftäter bei MySpace zu überspielen. Zum anderen sei das nach den Gesetzen seines und anderer Bundesstaaten auch nicht nötig, wenn es darum gehe, die Bewährungsauflagen eines Straftäters durchzusetzen. Blumenthal kündigte an, entsprechende Verfügungen auf den Weg zu bringen, "wenn das nötig ist".

MySpace wäre es lieber, wenn registrierte Sexualstraftäter erst gar keine Möglichkeit bekämen, sich in Online-Community-Netzwerken anzumelden. Zu diesem Zweck drängt das Unternehmen auf ein Gesetz, dass Sexualstraftäter dazu verpflichten soll, sich nicht nur mit ihrer physischen Adresse bei den Behörden melden zu müssen, sondern auch ihre E-Mail-Adressen registrieren lassen zu müssen. So könnte man Mitgliedsanträge von Sexualstraftätern durch Abgleich mit entsprechenden Datenbanken bereits bei der Anmeldung ablehnen und so Kontakte zu Minderjährigen unterbinden.

pat/rts

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