China: Elite-Uni arbeitet mit Militärhackern zusammen

Campus der Jiaotong-Universität: Ausgangspunkt für Cyberattacken? Zur Großansicht
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Campus der Jiaotong-Universität: Ausgangspunkt für Cyberattacken?

Über Jahre haben Computerexperten einer Universität bei Shanghai mit einer Cyberwar-Einheit der chinesischen Armee zusammengearbeitet. Das sollen Dokumente beweisen, die jetzt im Web aufgetaucht sind. Bisher hatte die Uni entsprechende Vorwürfe zurückgewiesen.

Forscher der Jiaotong-Universität in Shanghai haben jahrelang mit der Einheit 61398 der chinesischen Volksbefreiungsarmee zusammengearbeitet. Das sollen Berichten der Nachrichtenagenturen AFP und Reuters zufolge Dokumente beweisen, die jetzt im Netz aufgetaucht sind. Demnach haben die Wissenschaftler gemeinsam mit Mitglieder jener Armeeabteilung verschiedene Forschungsartikel zu Themen der Computersicherheit verfasst.

Der Einheit 61398 gehört zur dritten Abteilung des chinesischen Generalstabs und ist China-Experten zufolge das Gegenstück zur NSA, dem US-Geheimdienst für elektronische Überwachung. Sie sei verantwortlich für die technische Aufklärung, also unter anderem das Belauschen von Telefongesprächen und Internetverkehr, heißt es. Eben dieser Einheit wurde von westlichen Computerexperten schon mehrfach vorgeworfen, für Spähangriffe und Cyberattacken gegen Computereinrichtungen in den USA und Kanada verantwortlich zu sein.

Im Februar hatte das US-Sicherheitsunternehmen Mandiant einen detaillierten Bericht über Hackerangriffe aus China vorgelegt in dem es hieß, fast alle von China ausgehenden Attacken der letzten sechs Jahre könnten nach Shanghai zurückverfolgt werden. Für die Cyber-Angriffe auf die "New York Times" und andere US-Medien Anfang des Jahres sei die Einheit 61398 jedoch nicht verantwortlich.

Defensive Forschungsprojekte

Die Jiaotong-Universität gilt als Elite-Lehranstalt, an der die künftige politische und wirtschaftliche Führung des Landes ausgebildet wird. Unter anderem absolvierte der ehemalige chinesische Staatspräsident Jiang Zemin dort sein Ingenieurstudium.

Die nun aufgetauchten Papiere belegen, dass Mitarbeiter der Jiaotong School of Information Security Engineering (SISE) mit Mitgliedern der Einheit 61398 an einem "System zur Überwachung von Einbruchsversuchen in Computersystemen" zusammengearbeitet haben. Auch die übrigen gemeinsamen Forschungsprojekte drehten sich um Netzwerksicherheit und das Aufspüren von Cyberangriffen. Auf den ersten Blick eher defensive Themen.

Forscher wussten nichts von Verbindungen zur Armee

An einem der Papiere hat Forscher Chen Yi-qun von der Volksbefreiungsarmee mit Xue Zhi von der Jiaotong-Universität zusammengearbeitet. Nach Angaben auf der Website der Universität hat Xue Zhi auch Chinas führende "Plattform für Cyberattacken und Netzwerkinfiltration" entwickelt. Professor Fan Lei, der ebenfalls mit Chen zusammenarbeitete, sagte Reuters, er habe mit Chen geforscht, weil dieser seinerzeit als Jungakademiker an der Uni tätig war. Dass Chen gleichzeitig Mitglied der Volksbefreiungsarmee war, habe er nicht gewusst.

Bislang hatte die Universitätsleitung stets Vorwürfe bestritten, die Lehranstalt sei an Netzspionage oder Cyberangriffen beteiligt. Nach der Veröffentlichung des Mandiant-Berichts im Februar hatte ein Sprecher der Universität erklärt, die Universitätsleitung sei "schockiert und betroffen von den grundlosen Beschuldigungen". Zu den neuen Vorwürfen, die Uni arbeite mit der Einheit 61398 der Volksbefreiungsarmee zusammen, hat sich die Universität bisher nicht geäußert.

mak

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Unser Taeglich China bashing
hinzkunz001 25.03.2013
Danke Spon ich dachte schon China ist nun friedlich, gefuehlte 24std kein Artikel gegen China, danke das man mich wieder daran errinnert. Soweit ich weiss ist es bei uns auch so das wenn man Arzt werden will sich beim Bund verpflichten kann und dann noch X jahre dortbleibt. Nun koennte in D die schlagzeile so aussehen. Bundeswehr zahlt Arzt studium um moeglichst viele Soldaten Fit fuer den dienst zu bekommen. In dem China fall ist es doch normal das man die hilfe von Unis nimmer denn dort sind ja experten wenn es um ein bestimmtes fach geht, um aufzuholen. Das heisst wenn das Militaer beschliesst es braucht eione solche abteilung, kann man ja nicht welche als experten bestimmen, die muessen das lernen, und wo lernt man soetwas...genau in der Uni. Schauen Sie einmal in den USA, auch dort wurden die ersten hacker von Studenten und profs einer Uni unterrichtet, nun muss man das nicht mehr da das Militaer selber experten in den reihen hat. Wie war der Artikel noch vom BND der nun auch hacker haben will? Stabnd dort nicht auch das man welche anstellen will? Das ein Militaer sich bei einer privat organisation bedient ist doch normal.
2.
Methados 25.03.2013
Zitat von sysopÜber Jahre haben Computerexperten einer Universität bei Shanghai mit einer Cyberwar-Einheit der chinesischen Armee zusammengearbeitet. Das sollen Dokumente beweisen, die jetzt im Web aufgetaucht sind. Bisher hatte die Uni entsprechende Vorwürfe zurückgewiesen. Shanghai: Elite-Uni arbeitet mit chinesischen Armee-Hackern zusammen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/shanghai-elite-uni-arbeitet-mit-chinesischen-armee-hackern-zusammen-a-890708.html)
und? die chinesen machen es halt richtig und bilden an den unis gleich ihre leute aus. und wir bekommen nicht einmal 130 "hacker" zusammen weil diese ja zu teuer wären. wer am ene gewinnt, sollte klar sein.
3.
theflix 25.03.2013
Spiegel Artikel vor wenigen Tagen: Neue Stellen seien bereits genehmigt, derzeit arbeite man intensiv an der Rekrutierung von Experten, die aber schwierig zu finden seien. Deswegen müsse der BND hohe Honorare für die Kooperation mit Hackern zahlen und auch Expertisen von Software-Unternehmen einkaufen, die sich auf Anti-Viren-Programme spezialisiert haben. Um die Situation zu verbessern, will der Dienst jetzt gezielt bereits an Universitäten nach geeigneten Kandidaten für die Arbeit beim BND suchen.
4. Das Chinabashing
nebenjobber 25.03.2013
scheint sich allerdings nur in Ihrem Kopf abzuspielen. Nennen Sie doch bitte mal eine Textstelle in der Spoon hetzt, unsachlich wird oder durch eben jenes Verhalten das bestätigt, was Sie als Bashing bezeichnen. Dürfte schwer fallen.
5. ne....
hinzkunz001 25.03.2013
Zitat von nebenjobberscheint sich allerdings nur in Ihrem Kopf abzuspielen. Nennen Sie doch bitte mal eine Textstelle in der Spoon hetzt, unsachlich wird oder durch eben jenes Verhalten das bestätigt, was Sie als Bashing bezeichnen. Dürfte schwer fallen.
alleine die Ueberschrift ist schon irrefuehrend und soll etwas bestimmtes sugerieren. In D zum BND hiess es...es wird wohl teuer. Obwohl der BND das gleiche macht. Es kommt auf die presentation an.
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