Shirts für Nerds: Hemden mit Botschaft

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Blass, pickelig, kommunikationsgestört? Das Image von Geeks und Nerds ist verbesserungsbedüftig. Und überholt, denn in Wahrheit sind die angeblich introvertierten Ex-Cordhosenträger Mode-Trendsetter, die versiert und humorvoll kommunizieren - nur eben nicht immer verbal, sondern per T-Shirt.

Nerdshirts: Schräg ist chic Fotos

Vorurteile gegen Geeks und Nerds halten sich hartnäckig. Seit den Anfängen der PC-Ära glaubt man die digital beseelten Männer (in Vorurteilen wie Natur kommen weibliche Nerds kaum vor) daran erkennen zu können, dass sie blass und bebrillt seien, bis über den Bauchnabel hochgezogene Cordhosen trügen. Ansonsten seien sie sozial gestört und stünden auf jeder Party irgendwo im Halbdunkel an die Wand gelehnt und beobachteten stumm, wie normale Menschen miteinander in Kontakt treten und vielleicht sogar eine Balzphase einleiten. Wir Tech-Freaks wissen das natürlich besser: Natürlich kommunizieren wir, aber vor allem per T-Shirt.

Spott beiseite: Nerdy ist das neue sexy, Geeky ist sogar hip und Intelligenz kein Grund mehr, zu vereinsamen. Eine Figur wie der Physiker und Über-Nerd Sheldon Cooper aus der Comedyserie "Big Bang Theory" (seit Jahren eines der erfolgreichsten Comedy-Formate weltweit, nur in Deutschland wie üblich zu absoluter Unzeit am Nachmittag ins Nirvana versendet) ist nicht nur gestört und genial, reptilhaft und rechthaberisch, asexuell, total verkopft und zugleich versponnen. Er ist auch eine Mode-Ikone erster Güte, der Fans zurecht eigene Webseiten widmen, auf denen seine schrillen Outfits als die coolsten T-Shirts überhaupt gefeiert werden. Was Sheldon trägt, ist in jeder Metropole hochgradig Club-kompatibel, auch wenn man ihm selbst das Grundkonzept des Tanzens wahrscheinlich mit logischen Argumenten erklären müsste.

Das klänge dann vielleicht so:
"Warum sollte ich rhythmisch meine Füße heben?"
"Weil es in bestimmten Kontexten eine nicht zu vermeidende soziale Konvention zur irritationsfreien Aufrechterhaltung sozialer Kontakte darstellt."

Krumm, krummer, nerdy: Hauptsache, um die Ecke gedacht

Sowas versteht jeder Nerd, vor allem aber versteht er im Gegensatz zu den Programmplanern von ProSieben, warum es nur für Erwachsene, die ganz bestimmt nicht um 14 Uhr fernsehen, lustig ist: Nerd-Humor kann zwar pubertär daherkommen, ist für echte Pubertierende aber weitgehend unverständlich, wenn nicht sogar peinlich. Er kann viel mit Superhelden und Science Fiction zu tun haben, ist aber immer hintersinnig.

Vor allem aber kommunikativ - Nerd-Shirts sind hochgradig individuell, signalisieren aber die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, die sich durchaus als elitär versteht. Shirts wie "Nein, ich werde Ihren PC nicht reparieren" sind die plakative Variante, in der Regel geht es subtiler zu.

Wenn da einer über die Straße läuft, auf dessen T-Shirt ganz klein "root" steht, "wtf?" oder "rtfm", dann sind auch das eindeutige Signale. "i > u" ist eine Demonstration des Selbstbewusstseins, "There's no place like 127.0.0.1" ein Ausdruck der Heimatverbundenheit und die Kombination eines griechischen Pi mit der Lautfolge "geon" zumindest nicht doof, auch wenn man keine Vögel mag (Hardcore-Geeks ziehen die Variante Pi plus "mp" vor).

Spiel mit den Vorurteilen, die die Szene auch selbst pflegt

Denn der Vögel Brüllen, ist auf einem deutschen Nerd-Shirt zu lesen, ist zusammen mit Frischluft und Sonnenlicht natürlich Programmierers größter Feind: Nerd-Humor ist gern selbstreferentiell, nimmt sich selbst auf die Schippe.

Noch lieber sind dem Nerd aber Anspielungen auf Insidercodes, die ihrer ganz spezifischen Popkultur entstammen. Der Schriftzug "meh." auf einem T-Shirt ist nur jemanden verständlich, der die Simpsons auswendig kennt. Da hat er gelernt, dass "meh." soviel wie "von mir aus, ist mir egal" heißt: Die dämliche Silbe ist vor allem unter US-Teenagern längst als voll korrekte Vokabel verankert.

Und natürlich gehören die Simpsons so wie "Futurama", "Star Trek" und "Star Wars", "Firefly" oder "The Big Lebowski", so wie Spider-Man und Batman, Godzilla und das Spaghettimonster, so wie Graphic Novels von Alan Moore oder der "Sandman", so wie halb vergessene Superhelden wie Flash oder die Grüne Laterne, so wie Indie-Musik und frühe Computerspiele fest zum kulturellen Kanon der Geeks und Nerds. Aus diesem reichhaltigen Fundus kann man zitieren, wie andere Leute aus der Bibel oder literarischen Klassikern schöpfen.

"42" ist für einen Geek keine Zahl, sondern eine Antwort, die allein reicht, jede Religion außer Funktion zu setzen; "23" ein Mysterium, das zusammen mit der Macht, die mit uns allen sein möge, das vielleicht noch vorhandene Restbedürfnis nach Numinosem befriedigt. Wer mehr will, sucht wie der britische Hacker Gary McKinnon auf den Servern von Pentagon und Nasa nach Beweisen für dunkles Treiben in der Area 51 - oder schmückt sich mit einem entsprechenden T-Shirt: "I went to Area 51 and all I got was this stupid implant".

Denn das ist das Grundrezept für alle Nerd-Shirts, das sie von all den schrillen Fun-Shirts absetzt: Hintersinn und Selbstironie.

Zeigen Sie uns Ihre schönsten Nerd- und Geek-Shirts: E-Mail genügt!

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Nerds
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Der Begriff Nerd
Die Meinungen gehen auseinander, wo die Wurzeln des Begriffs Nerd zu suchen sind. In Wikipedia wird zum einen Dr. Seuss' Buch "If I Ran the Zoo" (1950) genannt. Dort gibt der Erzähler an, er würde "a Nerkle, a Nerd and a Seersucker, too" für seinen imaginären Zoo wählen.

Als Slangwort soll es laut "Newsweek" 1951 in Detroit verwendet worden sein, um sich dann Anfang der sechziger Jahre über ganz Amerika bis nach Schottland zu verbreiten. Damals bezeichnete es eine langweilige Person, etwas später einen sozial unfähigen Streber. Damals entstand auch die Variante Nurd, die sich möglicherweise vom rückwärts buchstabierte "drunk", betrunken, ableitete. Auch Fantasy-Autor Terry Pratchett soll "knurd" so verwendet haben. Am MIT sei von 1971 an "gnurd" weit verbreitet gewesen.

Ein anderer Ansatz sieht die Ursprünge des Wortes in der Bauchrednerpuppe Mortimer Snerd. Vielleicht ist es auch das Akronym aus "Northern Electric Research and Development"-Labors, dessen Ingenieure für das heutige Nerd-Image Pate standen. Neben Pratchett reklamierte auch Philipp K. Dick den Begriff "nurd" für sich, wie aus einem (angeblich authentischen) Brief des 1982 verstorbenen Science-Fiction-Autors hervorgehen soll.
Nerds in Filmen
In dem Moment, als der Computer die Wohnzimmer eroberte, feierte auch der Nerd im Film seinen Durchbruch. Früher in der Figur des verrückten Wissenschaftlers inkorporiert, mauserten sich die intelligenten Außenseiter zu Helden. So in "Tron" (1982), wo Hacker Flynn im Kampf gegen sein eigenes Programm über sich selbst hinauswächst.

In "War Games" (1983), in dem ein programmierender Teenager fast einen nuklearen Krieg auslöst – und schließlich kraft seines Hirnschmalzes verhindert. In "Revenge of the Nerds" (1984) versuchen ein paar Highschool-Versager den Aufstieg auf der Beliebtheitsskala.

Im selben Jahr startet die TV-Serie "Trio mit vier Fäusten" ("Riptide"), in denen der harmlos-amüsante Murray "Boz" Bozinsky (Thom Bray) mitsamt seinem Roboter zwei Macho-Privatdetektive unterstützt.

Fünf Jahre später dann sprengt der kauzige Teenager Steve Urkel die Sitcom "Alle unter einem Dach" ("Family Matters", 1989): Zunächst nur für eine Folge vorgesehen, wird er schnell zum Hauptcharakter der Serie.

Die Neunziger nahmen sich dann in vielerlei Filmen Nerd-Themen wie Hacking ("Hackers", 1995), Persönlichkeitsrechte ("Das Netz", 1995) oder virtuelle Realitäten ("eXistenZ", "Matrix", 1999) vor.

Gerade das amerikanische Indie-Kino feiert den Außenseiter: "Donnie Darko" (2001), "Napoleon Dynamite" (2004) oder "Little Miss Sunshine" (2006) sind liebevolle Porträts gesellschaftlicher Randfiguren, die sich um Anerkennung und Selbstfindung drehen.
Nerd, Geek, Dork, Dag
Eigentlich bezeichnet der Begriff "Nerd" einen hochintelligenten, aber sozial unfähigen Menschen, der all seine Energie auf geistiger Ebene verwendet und sich und sein Umfeld dabei vernachlässigt. Ein Geek ist eine etwas harmlosere, gesellschaftlich anerkanntere Form des Nerds, der viel Zeit auf ein bestimmtes Thema oder Themengebiet lenkt, heute vor allem auf das Internet, Computer oder Videospiele. Wenn wir im Deutschen von einem Nerd reden, meinen wir meist einen Geek.

Im Amerikanischen gibt es außerdem den Dork, der abschätzigste Begriff für einen Nerd. In Australien bezeichnet Dag einen Menschen, der vom Geschehen um sich herum abgeschnitten ist, sich weder modisch noch sozial verhält, dabei aber freundlich und amüsant ist.


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