Sicheres Internet: DNSSEC soll Phishing unmöglich machen

Die Internet-Netzwerkverwaltung Icann hat auf dem Hackerkongress Black Hat ihre Domain-Absicherung DNSSEC präsentiert. Das neue, endlich einsatzbereite Verfahren soll den Internetverkehr sicherer machen und Phishern, Botherdern und anderen Cyberkriminellen das Leben erschweren.

Rod Beckstrom, Chef der Internet-Domainverwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers ( Icann), ist nicht unbedingt als Euphoriker bekannt. Auf der Black-Hat-Konferenz in Las Vegas aber ließ er seine Begeisterung spüren: Mit den Domain Name System Security Extensions, kurz DNSSEC genannt, soll es in Zukunft für Kriminelle viel schwieriger werden, mit gefälschten Internetseiten die Netz-Nutzer aufs Glatteis zu führen, sie dazu zu bringen, Viren herunterzuladen oder persönliche Informationen preiszugeben. Als DNSSEC Mitte Juli auf der Rootebene des Internet aktiviert wurde, habe man im Kreis der Ingenieure und Informatiker die Sektkorken knallen hören - und so etwas geschehe in diesen Kreisen nicht gerade häufig.

Die offen zur Schau gestellte Freude über den - so Beckstrom - "historischen Schritt" muss man Nicht-Informatikern und Nicht-Kriminellen erst einmal erklären: Es geht darum, auf der Ebene des Domain-Adresssystems eine Sicherung einzuführen, die effektiv verhindert, dass der Datenverkehr zwischen Netz-Nutzer und Webserver manipuliert wird.

Dazu wird der Adresse des Webservers quasi ein virtueller verschlüsselter Ausweis zugefügt, der Auskunft über Echtheit und Integrität übermittelter Daten geben kann. Webserver und Empfänger weisen sich gegenseitig aus, Seiten-Fälschungen werden zuverlässig erkannt. DNSSEC soll es also im Kern ermöglichen, jeder Internetadresse einen geheimen Identifizierungscode zu geben. Dieser Code sorgt dafür, dass der Nutzer zweifelsfrei erkennen kann, ob die Seite echt ist. Technisch soll es künftig möglich sein, auch Suchmaschinen so zu programmieren, dass sie dem Nutzer jederzeit mitteilen, ob eine gefundene Seite echt ist oder nicht.

Dinge wie die Online-Banking-Attacke, vor der am Mittwoch Bundeskriminalamt und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnten, würden damit wahrscheinlich unmöglich gemacht. Zumindest ist bisher keine Methode bekannt, mit der DNSSEC-gesicherte Domains manipuliert werden könnten.

DNSSEC: 20 Jahre Suche nach der richtigen Methodik

Damit dies so bleibt, präsentierte die Icann ihr DNSSEC-Programm und eine ganze Reihe von Tools zur Implementierung der Sicherheitsschlüssel auf Webservern auf der bekanntesten Hackerkonferenz Black Hat. DNSSEC-Verfechter Dan Kaminsky, selbst einst ein prominenter Hacker, lud dazu ein, einen Crack des neuen Sicherheitssystems zu probieren: Nur Bugs und Lecks, die man kennt, kann man auch beheben und stopfen.

Die Idee zu DNSSEC ist alles andere als neu, die Entwicklung lief seit rund 20 Jahren. Bereits seit längerer Zeit sind rund ein Dutzend Top-Level-Domains versuchsweise DNSSEC-gesichert, seit dem 15. Juli ist das System auf der Rootebene des Internet aktiv - auf den 13 Nameservern also, die die Grundstruktur des gesamten Internet bilden. Jetzt, hofft Icann-Chef Beckstrom, sollen innerhalb der nächsten zwölf Monate die Domains abgesichert werden, über die mindestens 50 Prozent des Internetverkehrs laufen. Mit der Aktivierung des neuen Systems sei das Internet zwar noch nicht sicher geworden, aber die Voraussetzungen bestünden nun, es zu einem erheblich sichereren Ort zu machen - DNSSEC kann man nicht einfach anschalten, seine Implementierung ist ein Prozess.

Bis diese Veränderung der Netzstrukturen flächendeckend greift, werden wohl noch Jahre vergehen. Bei der deutschen Domainverwaltung Denic läuft seit mehreren Monaten eine Testphase, die bis Anfang 2011 beendet sein soll. Die Einführung der Protokollerweiterung auf Ebene einer Top-Level-Domain wie .com, .net oder .de ist keine profane Sache: Verfahren und eingesetzte Werkzeuge müssen akribisch abgestimmt werden, um die Integrität des Absicherungsverfahrens zu gewährleisten.

pat/AFP

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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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