Netzwelt-Ticker: Web-Verschlüsselung, Facebook-Klage, Occupy-Tweets

Von Carolin Neumann

Heute im Netzwelt-Ticker: Forscher knacken Web-Verschlüsselung; Michael Doyle verklagt Facebook wegen Besitzansprüchen auf das World Wide Web; Twitters Frist zur Herausgabe von Occupy-Wall-Street-Tweets läuft ab; erster Hadopi-Sünder mit Geldstrafe belegt.

Netz-Verschlüsselung (Symbolbild): Forscher können gesicherte Verbindungen abhören Zur Großansicht
Corbis

Netz-Verschlüsselung (Symbolbild): Forscher können gesicherte Verbindungen abhören

Die Entwickler des "Beast"-Angriffs auf die Internet-Verschlüsselungstechniken SSL/TLS haben eine neue Variante ihrer Hack-Technik entwickelt. Nun können die Forscher auch per https gesicherte Web-Verbindungen knacken. Potentiell betroffen sind unter anderem Web-Dienste wie Twitter, GMail oder Dropbox. Sie nutzen Verfahren mit deren Hilfe Server Daten in komprimierter Form an Webbrowser ausliefern, um die Ladezeiten für den Nutzer niedrig zu halten.

Der Softwarehersteller Kaspersky Lab beschreibt das Problem wie folgt: Die Methode nutze ein Datenleck in der Komprimierungstechnik, um den Datenverkehr zu belauschen. So würden Angreifer in die Lage versetzt die Login-Cookie auszulesen. Mit den so erbeuteten Informationen könnten sie sich beispielsweise Banken und Onlineshops gegenüber als der jeweilige Anwender ausgeben.

Firmenvertreter versicherten Berichten zufolge, dass etwa Google Chrome oder Mozilla Firefox für solche Attacken nicht anfällig seien. Smartphone-Browser und zahlreiche andere Applikationen, die sich bei sicherer Kommunikation auf TLS verlassen, seien jedoch betroffen. Auch Opera und weitere Browser könnten für die Angriffsmethode anfällig sein.

Wer hat das Web erfunden?

Michael Doyle gibt nicht auf: Gemeinsam mit der Universität von Kalifornien, auf deren Campus er das Konzept des "interaktiven Webs" entwickelt haben will, versucht der amerikanische Forscher erneut Besitzansprüche für das World Wide Web anzumelden. Eine neue Klage richtet sich gegen Facebook, Wal-Mart und den Disney-Konzern. Laut Reuters bezeichnete ein Facebook-Sprecher die Klage als "unbegründet", die Supermarktkette Wal-Mart ließ verlauten, man nehme die Vorwürfe sehr ernst.

Doyle und seine Firma Eolas reklamieren für sich, bereits Mitte der Neunziger das Prinzip der Interaktivität und Verlinkung, auf dem das Internet, wie wir es heute kennen, zu einem großen Teil basiert, erfunden und patentiert zu haben. Im Frühjahr schmetterte ein texanisches Gericht die Klage ab, die sich unter anderem gegen Google, Yahoo und Amazon gerichtet hatte. Dabei waren bereits zwei der Patente, die auch im aktuellen Fall aufgeführt werden, für ungültig erklärt worden. Wieso Eolas erneut auf Basis derselben Anschuldigungen gegen weitere Firmen vorgehen kann, war zunächst unklar.

Bereits in den neunziger Jahre hatte sich Doyle einen Namen mit Patentstreitigkeiten gemacht. Damals legten Eolas und Microsoft eine Klage außergerichtlich bei. Die Höhe der gezahlten Summe wurde nie bekannt. Die kalifornische Universität gab ihren Anteil jedoch vor einigen Jahren mit mehr als 30 Millionen Dollar an.

Was am Freitag sonst noch wichtig ist

  • Twitter-Informationen könnten einen Prozess gegen einen "Occupy Wall Street"-Demonstranten entscheiden. Ein New Yorker Gericht hat den Kommunikationsdienst aufgefordert, die gelöschten Tweets des beklagten Mannes herauszugeben. Twitter hatte sich, wie schon öfter in der Vergangenheit, gegen die Herausgabe von Nutzerdaten gewehrt. Eine Frist läuft am 14. September ab, dem Unternehmen droht eine Geldstrafe.
  • In Frankreich wurde das erste Urteil gegen einen Raubkopierer unter der Hadopi-Gesetzgebung gesprochen: 150 Euro Strafe muss ein 39 Jahre alter Mann zahlen, weil er Songs von Rihanna illegal heruntergeladen haben soll. Er will es selbst nicht gewesen sein und schiebt die Piraterie auf seine Ehefrau.
  • Der Anbieter eines Android-Malware-Scanners behauptet: Mehr als die Hälfte der bisher überprüften Geräte haben nicht behobene Schwachstellen.

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  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

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