Sicherheitslücke im Internet Explorer Der entblößte Browser

Für jeden Nutzer ist es der absolute Alptraum: Unbekannte entern den Rechner, plündern die Daten. Genau das ermöglicht das Sicherheitsleck in Microsofts Internet Explorer, einem der meistverbreiteten Webbrowser. Im Netz kursieren Programme, mit denen Angreifer die Lücke ausnutzen können.

Firefox und Internet Explorer: Vorerst lieber den linken klicken
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Firefox und Internet Explorer: Vorerst lieber den linken klicken

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Hamburg - Die Bedrohung ist real: Nachdem Microsoft Chart zeigen am Montag vor einer schweren Sicherheitslücke im Internet Explorer gewarnt und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Nutzung alternativer Browser geraten hat, wird nun klar, dass das Datenleck von jedermann ausgenutzt werden kann.

Von der Sicherheitslücke sind Rechner betroffen, die den Internet Explorer in den Versionen 6, 7, 8 oder 9 unter Windows XP, Windows Vista oder Windows 7 und den entsprechenden Server-Betriebssystemen einsetzen. Nur der Internet Explorer 10, der mit Windows 8 und Windows Server 2012 ausgeliefert wird, ist nicht betroffen.

Angreifer können die Schwachstelle beispielsweise ausnutzen, indem sie Internetnutzer auf eine präparierte Website locken und einen sogenannten Drive-by-Angriff durchführen. Von einer derart präparierten Seite könne ein beliebiger Code auf dem betroffenen System ausgeführt werden, warnt das BSI. Fremde können also die volle Kontrolle über den PC übernehmen, Benutzerkonten anlegen oder löschen, Programme installieren und Daten abschöpfen.

Die Lücke hatte am Montagmorgen offenbar zuerst das Blog Security Street veröffentlicht. Dort erklären die Autoren, die Fehlstelle sei von denselben Sicherheitsexperten entdeckt worden, die zuvor schon auf eine schwere Sicherheitslücke in Java hingewiesen hatten. Laut Security Street sind 41 Prozent der nordamerikanischen und 32 Prozent der Internetnutzer weltweit betroffen.

Der Blog-Eintrag liefert nebenbei auch einen guten Grund, der Empfehlung des BSI zu folgen: Er verweist auf eine Seite, von der man sich Software laden kann, mit deren Hilfe sich die neue Sicherheitslücke ausnutzen lässt - zumindest von denjenigen, die sich auskennen und mit einem Toolkit wie Metasploit etwas anfangen können. Es gibt Dutzende Hackergruppen, die sich darauf verstehen.

"Metasploit ist ein einfaches Programm, das kann jeder Anfänger bedienen. Um damit Angriffe durchzuführen, braucht man aber mehr Kenntnisse, muss zum Beispiel einen Server aufsetzen", sagt Toralv Dirro, Sicherheitsspezialist bei McAfee. "Für Kriminelle ist das jetzt eine wunderbare Gelegenheit. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Lücke von den professionellen Exploit-Programmen, die in der Szene verkauft werden, ausgenutzt wird."

Microsofts Workaround taugt nicht für jedermann

Dennoch kritisierte ein Microsoft-Sprecher gegenüber dem "Wall Street Journal" die Empfehlung des BSI, temporär auf andere Webbrowser auszuweichen: "Angesichts der Bedrohungslage, von der alle Browser betroffen sind, halten wir es für nicht sinnvoll, den Leuten zu empfehlen, ständig den Browser zu wechseln." Da die Sicherheitslücke nur für einzelne, gezielte Attacken genutzt wurde, gebe es "keinen Grund zur Panik". Angaben dazu, wie viele solcher gezielten Attacken es gegeben habe und wie viele Personen oder Unternehmen betroffen sind, machte Microsoft aber nicht.

Über die bevorstehende Warnung des BSI war der Konzern vorab informiert worden. Sowohl auf fachlicher Seite als auch "von Pressestelle zu Pressestelle" habe man die Kollegen in Kenntnis gesetzt, erklärte ein BSI-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Microsofts Reaktion auf die Sicherheitslücke begrüßt das BSI grundsätzlich. Das Unternehmen habe schnell reagiert und einen Workaround angeboten. Der Konzern hatte in seinem Security Bulletin empfohlen, sein Enhanced Mitigation Experience Toolkit (EMET) zu installieren, um die Bedrohung abzuwehren.

Diese Software sei durchaus ein Schutzmechanismus, der dazu beitragen könne, die Ausnutzung der Schwachstelle zu verhindern, kommentiert das BSI diesen Schritt. Eine Sicherheitsgarantie sei durch Microsofts Tool aber nicht gegeben. Aus Sicht des BSI seien außerdem tiefere IT-Kenntnisse erforderlich, um EMET einzusetzen; Kenntnisse, über die ein normaler Internetnutzer in der Regel nicht verfüge.

Die Telekom sperrt die Angreifer aus

Bei großen Unternehmen, die Tausende PC-Arbeitsplätze betreiben, sieht das freilich anders aus. Zum einen sind sie viel stärker gefährdet, weil sich Schädlinge, wenn sie einmal eingedrungen sind, in ihren Netzen schnell verbreiten können. Zum anderen verfügen sie aber auch über IT-Spezialisten, die Bedrohungen wie der aktuellen Internet-Explorer-Sicherheitslücke mit anderen Mitteln begegnen können als Otto-Normalverbraucher.

Die Deutsche Telekom Chart zeigen beispielsweise hat sogenannte Honeypots - das sind ungeschützte Rechner, die neue Schadprogramme anlocken sollen - zur Früherkennung von Angriffen im Einsatz. Diese Systeme wiesen seit einige Tagen darauf hin, dass die am Montag von Microsoft gemeldete Sicherheitslücke bereits genutzt werde. Befallene Rechner wurden von den Angreifern über sogenannte Command-and-Control-Server ferngelenkt.

Genau dieser Fernsteuerungsmöglichkeit haben die Spezialisten der Telekom nun einen Riegel vorgeschoben: "Wir haben die IP-Adressen dieser Command-and- Control-Server im internen Domain-Name-Server und den WWW-Proxy-Servern gesperrt. Infizierte Rechner werden von Schadsoftware gereinigt", erklärte ein Telekom-Pressesprecher SPIEGEL ONLINE. Für die Mitarbeiter der Telekom ist die Gefahr damit offenbar minimiert.

Für Außenstehende gilt das freilich nicht, und so wundert es kaum, das auch die Telekom sagt: "Wir raten allen Internetnutzern, den Empfehlungen des BSI zu folgen". Also lieber einen Alternativ-Browser installieren.



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salamicus 18.09.2012
1. Midori...
Zitat von sysopDPAFür jeden Nutzer ist es der absolute Alptraum: Unbekannte entern den Rechner, plündern die Daten. Genau das ermöglicht das Sicherheitsleck in Microsofts Internet Explorer, einem der meistverbreiteten Webbrowser. Im Netz kursieren Programme, mit denen Angreifer die Lücke ausnutzen können. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,856516,00.html
...ist als GUI Browser ok. Und wer spielen will; na dafür gibt's doch Spielplätze. Arora ist auch nicht so übel. Na und wer IE benutzt, will es doch nicht anders.
totalmayhem 18.09.2012
2.
Meine Guete, vier Artikel bei SPON zum selben Thema an einem Tag. Wenn Sie noch ein bisschen weiterrecherchieren finden Sie ja vielleicht noch was im Maja Kalender oder bei Nostradamus zum Thema Internet Explorer und Weltunergang.
twan 18.09.2012
3.
Zitat von salamicus...ist als GUI Browser ok. Und wer spielen will; na dafür gibt's doch Spielplätze. Arora ist auch nicht so übel. Na und wer IE benutzt, will es doch nicht anders.
Mal ne Frage es gibt es analog zum GUI Browser auch Kommandozeilenbrowser? Hat nicht jeder Browser eine grafische Benutzeroberfläche. Pleonasmus?
Atheist_Crusader 18.09.2012
4.
Der Internet Explorer hat nur eine wesentliche Funktion: die anderen Browser downloaden können. Okay, aber mal im Ernst: Der IE hat meiner Erfahrung nach nur eine wesentliche Zielgruppe: Leute, die alle zwei Wochen mal ins Internet gehen, und dafür nicht noch extra nen besonderen Browser brauchen. In meinem Bekanntenkreis ist es praktisch der Ausweis derer, die schon Probleme haben, den Rechner überhaupt anzuschalten. Und nichtmal das ist von Dauer. Wann immer irgendein technikaffinerer Mensch gebeten wird, bei irgendeinem Problem zu helfen... "Müssen wir nur nen neuen Treiber laden. Wart mal, Du hast noch den IE? Dann laden wir Dir auch schnell noch nen vernünftigen Browser." Die einzigen Orte, bei den ich flächendeckenden IE-Einsatz gesehen habe, waren Unternehmen. Aber auch bloß die normalen Rechner, nicht die der IT-Abteilung ^^
Otto Extremverbraucher 18.09.2012
5. Als Linuxadmin
Zitat von sysopDPAFür jeden Nutzer ist es der absolute Alptraum: Unbekannte entern den Rechner, plündern die Daten. Genau das ermöglicht das Sicherheitsleck in Microsofts Internet Explorer, einem der meistverbreiteten Webbrowser. Im Netz kursieren Programme, mit denen Angreifer die Lücke ausnutzen können. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,856516,00.html
lehnt man sich da entspannt zurück und greift nach dem Popcorn
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