Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Sicherheitslücke: IT-Forscher enttarnen Internetsurfer

Von

2. Teil: Was Kriminelle mit den Daten machen könnten

Meint es ein Angreifer ernst, wird er es wohl nicht wie Holz und Wondracek bei der Suche nach Namen belassen. Je nachdem, wie offenherzig ihre Opfer aber mit Profildaten in sozialen Netzwerken umgehen, könnten sie auch dessen Wohnort, Arbeitgeber, Freunde, Partner, Interessen, Bilder erfahren. Ein Schatz für Internetkriminelle, Überwachungsregimes, zwielichtige Internetwerber. Ein Dilemma für die Surfer: Die müssen nun zwischen Nutzbarkeit eines sozialen Netzwerkes, dessen Essenz die Exposition ist, und dem Datenschutz entscheiden.

Dabei hilft es nicht einmal, es den Angreifern nur schwerer zu machen. Internetgauner sind äußerst geringe Trefferquoten gewohnt: "Wenn einer 20 Millionen Spam-Mails verschickt", gibt Holz zu bedenken, "ist es schon lukrativ, wenn jeder Tausendste klickt." Mit Hilfe personalisierter E-Mails ließe sich diese Quote ganz einfach und risikolos steigern.

Auch die Betreiber von sozialen Netzwerken haben nicht viel Spielraum für Sicherheitsmaßnahmen. Holz und Wondracek schlagen zwar vor, an jeden Link innerhalb eines sozialen Netzwerks eine Zufallszahl anzuhängen, um Angreifern die Identifizierung von Personen zu erschweren. Allerdings kostet so eine Maßnahme viel Geld und Serverkraft. Die Surfer bemerken die Vorkehrungen vor allem daran, dass sie derartig geschützte Links nicht mehr als Lesezeichen speichern können - also als Surfhindernis.

Auch eine Blockade der für den Angriff so wichtigen Webcrawler scheint schier unmöglich: Ein illegaler Angreifer könnte einfach ein Botnet mieten und zehntausende Privatrechner die Recherchearbeit durchführen lassen - keine Chance für das soziale Netzwerk, so eine Attacke zu parieren.

Folgende Szenarien schweben den Forschern vor
Erpressung
Sie stellen Fallen im Netz auf, etwa Sammlungen von illegalen Videos. Der böswillige Website-Betreiber meldet sich beim Surfopfer, droht damit, all dessen Freunden von dem Surfausflug zu erzählen.
Phishing & Spam
Das Opfer erhält anscheinend im Namen eines Freundes eine E-Mail: Hey Frank, ich find deine Handy-Nummer nicht mehr. Kannst du sie mir noch mal zuschicken. VG Dirk. PS: Hast Du die Bilder von Manuela schon gesehen?
Banking-Betrug
Dank History-Stealing weiß der Angreifer, dass das Opfer Onlinebanking-Kunde einer bestimmten Bank ist. Das nutzt er für einen Angriff in Namen eines Freundes aus: Hey Frank, hab mit meiner Bank gesprochen, das Bankingportal ist kaputt. Probier’s hier nochmal aus: www.betrugsseiteXY.bös
Politische Kontrolle
Wer surft eine Website mit regierungskritischen Inhalten an, in welchen nicht-öffentlichen Facebook-Gruppen ist er Mitglied? Welche Online-Freunde hat er?
Soziale Kontrolle
Welche verflossene Liebe schaut sich mein Weblog an, welche Konkurrenten interessieren sich für mein Produkt? Welche Personen schauen sich gerade meine Stellenanzeigen an, wofür interessieren sie sich besonders, ist die clevere Produktmanagerin aus der Konkurrenzfirma dabei?
Herauszufinden, wie sich trotzdem Schutzmaßnahmen ergreifen lassen könnten, ist nun eine gemeinsame Aufgabe von Sicherheitsexperten und Netzwerk-Anbietern. Von SPIEGEL ONLINE auf das Datenschutzproblem aufmerksam gemacht, hat Xing die beiden Forscher nun eingeladen, an einem Sicherheitskonzept für das Netzwerk zu arbeiten, teilt die Pressestelle mit. Aber auch andere Netzwerke sollten zügig Schutzvorkehrungen treffen, fordert Holz. Gerade in Netzwerken mit jungen Nutzern ist es sehr populär, sich in vielen Gruppen einzutragen: "Je mehr Gruppen, desto besser funktioniert unser Angriff."

Dabei muss man gar nicht einmal das Schlimmste befürchten: Wahrscheinlich verwenden Angreifer das History Stealing eher dazu, alte Angriffsmethoden zu verfeinern. Wer bisher Spam-Mails an per Zufallsgenerator erzeugte E-Mail-Adressen schickt, kann jetzt echte Namen beschicken. Wer Onlinebanking-Teilnehmer mit Phishing-Attacken zur Herausgabe von PIN- und TAN-Nummern bringen will, kann sie jetzt unter ihrem echten Namen als vermeintlich echter Freund ansprechen. Die nächste Betrugs-E-Mail kommt plötzlich von einem echten Firmenkontakt statt von einem Ölbaron aus Nigeria. Und will sich ein Internetangreifer noch glaubwürdiger als Freund ausgeben, ruft er einfach auf dem Handy an - die Nummer kennt er aus dem Netzwerk-Profil.

Experimentierfreude jedenfalls werden Internetgauner sicherlich entwickeln: "Diese neue Angriffsmethode ist so simpel, dass auch technisch nicht sehr versierte Hacker sie umsetzen können", meint Thorsten Holz. Vermutlich ist das alles noch nicht einmal illegal. Wer History Stealing betreibt, nutzt ein völlig legales Feature jedes Webbrowsers. Das automatisierte Durchkämmen von sozialen Netzwerken verstößt vielleicht gegen die Nutzungsbedingungen der Anbieter - trotzdem bieten ganz legale Dienstleister so einen Service im Netz für ein paar Dollar an.

Opfer-Dossiers vom Cyberverbrecher

Der Hack hat es in sich: Wer etwa eine Sicherheitslücke bei Facebook nutzt, spielt mit den Daten von 350 Millionen Mitgliedern weltweit. Besonders verlockend für Holz und Wondracek: Es gibt Millionen von Gruppen. Verbindet man diese Daten mit anderen Informationen aus Datenraubzügen, könnten Cyberverbrecher wahre Opfer-Dossiers erstellen - automatisch, billig, hochaktuell.

Und so ist auch das Schadenspotential der neuen Angriffsmethode noch gar nicht ausgelotet. Zumal wirklichen Schutz vor diesem Angriff nur das konsequente Abschalten der Surf-History bietet, eine Möglichkeit, die beispielsweise der Google-Browser Chrome nicht einmal anbietet. Nur wer dort konsequent im "Inkognito"-Modus surft, ist vor der Deanonymisierung sicher.

Mit Firefox, Internet Explorer und Opera lässt sich der Surfverlauf zwar komplett abschalten, damit büßt man aber auch Internetbequemlichkeit ein. Dass sich das Gros der Internetsurfer das antut, ist unwahrscheinlich - vor allem, weil es einiges technisches Verständnis vom Browser erfordert. Holz: "Die Erfahrung zeigt, dass nur wenige solche Sicherheitsmaßnahmen freiwillig ergreifen."

Vor allem aber machen sich die Wiener Forscher Sorgen, dass ihr Angriff nicht nur auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Xing funktioniert, sondern auch auf Shopping-Plattformen, in Foren, Beratungsnetzwerken, Preissuchmaschinen - eigentlich allem, was unter dem Begriff Web 2.0 firmiert.

Thorsten Holz: "Prinzipiell sind alle Internetangebote betroffen, in denen sich Leute unter ihrem Klarnamen anmelden und in Gruppen organisieren."

Damit rührt der Angriff an den zwei Säulen des modernen Umgangs im Internet: Der relativen Anonymität beim Surfen und der Tendenz zur Entblößung in sozialen Netzwerken. Seine technische Einfachheit demonstriert, dass im Internet viele Datenschutzrisiken auf so tiefer Ebene im Design angelegt sind, dass es wirklichen Schutz nicht geben kann: Wer von der Entblößung profitieren will, muss auch das Risiko einer Entblößung tragen. Der Traum vom anonym nutzbaren Medium ist ausgeträumt.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Freiheit statt Angst
cosmo72 02.02.2010
Ist doch ganz im Interesse der Eu - das wünscht sich der Staat, das waren ausserdem die Ziele der Einführung und des Angebotes der Social networks! siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Information_Awareness_Office dieser Verein förderte Überwachung Indect – der Traum der EU vom Polizeistaat Ein Forschungsprojekt soll Wege finden, Informationen aus dem Netz, aus Datenbanken und von Überwachungskameras zu verbinden – zu einem automatischen Bevölkerungsscanner. Eine Nation unter Beobachtung, so ungefähr ließe sich die Inschrift übersetzen, die der Künstler Banksy als Kritik an der massiven Videoüberwachung in London hinterlassen hat Die Europäische Union finanziert seit Jahresbeginn ein Forschungsprojekt, das all die bestehenden Überwachungstechnologien zu einem Instrument verbinden soll. "Indect" soll es möglich machen, dass alles gesehen und alles verfolgt werden kann. Insgsamt 14,86 Millionen Euro lässt sich die EU das auf fünf Jahre angelegte Projekt kosten. Anzeige (...) Indect ist ein Akronym von "Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment". Daher ein Informationssystem zur Unterstützung der Suche, der Entdeckung und der Überwachung von Bürgern in städtischen Umgebungen. Ziel: Erhöhung der Sicherheit.(...) Unter anderem soll es dazu dienen, das Internet zu durchforsten. Das Projekt will erforschen, wie sich im Netz mit automatisierten Suchroutinen "Gewalt", "Bedrohungen" und "abnormales Verhalten" finden lassen. Gleichzeitig soll es für die Polizei zum Werkzeug werden, um "verschiedenste bewegliche Objekte" zu observieren. "Indect" soll also Daten auswerten können, um die Bewegungen von Menschen, Fahrzeugen oder Schiffen nachzuvollziehen. (...) Es geht nicht in erster Linie darum, Informationen aus dem Netz zu filtern. Vor allem sollen diese mit anderen Datenbanken verknüpft werden. Beispielsweise mit Bildern von Videoüberwachungskameras oder mit Daten von Mobiltelefonen. Das Ziel, so scheint es: In irgendeiner Weise auffällig gewordene Menschen in der Realität schnell entdecken und langfristig verfolgen zu können. Wer beispielsweise bei YouTube ein Drohvideo gepostet hat, der soll mithilfe von Überwachungskameras gesucht, via Suchmaschine identifiziert und mittels tragbarer Geräte von Polizisten verfolgt werden können. (...)Außerdem wolle man eine Suchmaschine zur schnellen Ermittlung von Personen und Dokumenten und Suchprogramme, die "ständig" und "automatisch" öffentliche Quellen wie Websites, Foren, Usent-Gruppen, Fileserver, P2P-Netzwerke und "individuelle Computersysteme" durchsuchen. Wird das Projekt umgesetzt, wäre es der Albtraum jeder Bürgerrechtsbewegung. Verbindet es doch alle einzelnen Überwachungsinstrumente, die bereits jetzt installiert sind wie Videokameras, Vorratsdatenspeicherung, Handyortung, Gesichtserkennung oder Telefonüberwachung zu einem einzigen Spähprogramm. Die britische Zeitung Telegraph, die gerade darüber berichtet hatte, nennt es daher nicht umsonst einen "Orwellschen Plan", in der Öffentlichkeit nach "auffälligem Verhalten" zu suchen. (http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2009-09/indect-ueberwachung?page=all) Wenn Leute dann für Internet-Rechte demonstrieren gehen - kommt die Prügeltruppe! http://www.youtube.com/watch?v=c8vo6qqT9pI http://www.youtube.com/watch?v=UL6MAeFy42I&NR=1
2. hahaha
ichgucke 02.02.2010
Zitat von sysopAnonym surfen im Web? Das war einmal. IT-Forschern ist es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen gelungen, Internetsurfer mit einem einfachen Trick namentlich zu identifizieren. Betroffen sind praktisch alle Teilnehmer von sozialen Netzwerken - es droht ein Datenschutz-GAU. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,675395,00.html
selten so laut gelacht.... also wen ihr denkt das diese geschichte neu ist dann solltet ihr erst ma lernen wie ma mit pc`s/html/ssql usw umgeht. genau aus diesem grund halte ich seit dem aufkommen dieser sogenannten möchtegern communitys nichts. jeder der sich da anmeldet und freudig mit macht weils ja so einfach ist wird jetzt abgestraft. dummheit tut leider weh. mfg ps: ich finds gut
3. Wen juckts?
Schalke 02.02.2010
Wen juckts? Ich speichere keine Passwörter auf dem Rechner und nach der Surfsitzung werden die Daten geschreddert. Manipulierte bzw. gefährliche Webseiten fängt der Browser bzw. die Sicherheitsprogramme auf dem Rechner ab. Angst davor muß nur der 08/15-Surfer haben, der für jeden Mist Ja drückt, Virenscanner für ein medizinisches Gerät hält und am Ende ziemlich viele Biester auf seinem Rechner hat, die den Inhalt von ebendiesem in die Welt telefoniert. Seit dem ich den Mozilla benutze, Avast als Virenscanner und Spybot und AdAware für die anderen kleinen Biester habe, ist auf meinem Rechner Ruhe. Und das seit seligen XP-Zeiten. OK, mein Beruf bringt eine etwas kritischere Sichtweise mit dem Internet-Umgang mit sich, trotz daß ich Mitglied in verschiedenen sozialen Netzwerken bin.
4. "Gläserne Web 2.0 Deppen" - das Problem lösen unsere Kinder
mpunto 02.02.2010
Das Problem, das der Artikel adressiert, ist in der Tat riesigm und angesichts des (hier nicht angesprochenen) systematischen Missbrauchs sozialer Netzwerke durch ihre Kapitalgeber ist es sogar noch gravierender. Zum Glück gibt es auch Gegenbewegungen. Wenn SPON schreibt: "Prinzipiell sind alle Internetangebote betroffen, in denen sich Leute unter ihrem Klarnamen anmelden und in Gruppen organisieren." ... dfann denke ich mit grosser freude daran, dass heute schon 12 Jährige Kinder viel schlauer sind, als wir es je waren. Keine Klarnamen, keine authetischen Portraitfotos, keine Adressen, mehrere E-Mail Accounts... das ist für viele medienkompetente Kinder heute schon eine Selbstverständlichkeit um sich kindersicher in Schüli VZ zu bewegen....
5. Link Down!
Zylex 02.02.2010
Der Link zum selber testen funktioniert nicht... http://www.iseclab.org/people/gilbert/experiment/ Der Server überlastet oder schon vom Netz genommen (geklagt?)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: