Sicherheitslücke: IT-Forscher enttarnen Internetsurfer

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Anonym surfen im Web? Das war einmal. IT-Forschern ist es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen gelungen, Internetsurfer mit einem einfachen Trick namentlich zu identifizieren. Von der Sicherheitslücke sind Millionen Teilnehmer sozialer Netzwerke betroffen - es droht ein Datenschutz-GAU.

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Deanonymisierung: Big Browser is watching you
Es ist ein Horrorszenario für Datenschützer, was Thorsten Holz, Gilbert Wondracek, Engin Kirda und Christopher Kruegel in ihrem 15-seitigen Aufsatz beschreiben ( PDF-Datei hier, 803 KB): Die Experten vom Isec-Forschungslabor für IT-Sicherheit, einer Kooperation der Technischen Universität Wien, dem Institute Eurécom und der University of California, dokumentieren einen technisch eher simplen Angriff, der eine seit zehn Jahren bekannte Sicherheitslücke ausnutzt. Betroffen sind alle Mitglieder von sozialen Netzwerken, die sich Netzwerk-Gruppen angeschlossen haben.

Was viele Menschen nicht wissen: Die jeweiligen Gruppenmitgliedschaften ergeben ein einzigartiges Profil, das Angreifer wie einen Fingerabdruck aus dem Browser ablesen können: "In einem sozialen Netzwerk gibt es eben nur sehr wenige Menschen, die in denselben Gruppen eingetragen sind", erklären Holz und Wondracek im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Bei Xing sind 1,8 Millionen Mitglieder in etwa 6500 öffentlichen Gruppen organisiert. Über 750.000 davon haben eine einzigartige Gruppenkonstellation, einen eindeutigen Fingerabdruck."

Wenn eine präparierte Website ihren Besuchern diesen Fingerabdruck abnehmen und mit einer Kartei aller Nutzer eines Netzwerks vergleichen kann, ist der anonyme Websurfer enttarnt.

Wer Mitglied bei Xing ist, kann es auf einer eigens von den Forschern eingerichteten Website gleich selbst ausprobieren: Man muss keine Daten eingeben, nicht einmal im sozialen Netzwerk eingeloggt sein. Die Experiment-Website errät - wenn ein paar Voraussetzungen erfüllt sind - den Namen des Surfers allein anhand der Spuren, die das Business-Netzwerk im Browser hinterlassen hat. Gegen den neuen Angriff hilft nur strikte Datenhygiene - und ein gehöriges Maß Paranoia.

Gilbert Wondracek kam die Idee zu diesem Ansatz, als er die Links in seinem Xing-Profil inspizierte. Er bemerkte: "Da werden personenbezogene Daten vom Browser gespeichert." Er besprach den Fund mit seinem Kollegen Thorsten Holz: "Solche Daten lassen sich mit Hilfe einer uralten Sicherheitslücke abgreifen, dem History Stealing."

Um bereits besuchte Links in einer anderen Farbe darstellen zu können, erhalten Websites Zugriff auf den Browserverlauf. Dass dies ein erhebliches Problem für die Privatsphäre eines Surfers darstellt, ist schon seit Jahren bekannt. Längst gibt es Scherzseiten, die sich das History Stealing zunutze machen: Didyouwatchporn.com erkennt, ob ein Webbesucher zuvor auf bekannten Pornoseiten surfte, Whattheinternetknowsaboutyou.com listet gleich die gesamte archivierte Surf-Vergangenheit des Besuchers auf. Solche Seiten schickt man Freunden zu, damit sie sich ertappt fühlen.

Automatisierte Anfragen beim Browser

Doch was die Sicherheitsforscher herausgefunden haben, ist kein Scherz. Dank History Stealing können sie auf die Gruppenzugehörigkeit eines spezifischen Surfers in sozialen Netzwerken schließen. "Wir waren richtig überrascht, wie einfach das geht", sagt IT-Experte Wondracek.

Nicht nur sie: Prompt erreichte die jungen Forscher eine Einladung zum nächsten " IEEE Symposium on Security & Privacy", einer renommierten Expertenkonferenz. Dort werden sie präsentieren, wie sie das History Stealing mit Hilfe einer entsprechend präparierten Website automatisieren: War unser Besucher schon einmal im Forum der Gruppe XY im sozialen Netzwerk YZ? Aus den Rückmeldungen können sie automatisiert ein Profil erstellen.

Das ist der digitale Fingerabdruck, auf den es die Forscher abgesehen haben. Den müssen sie nur noch mit einem Index aller Mitglieder aller Gruppen eines Netzwerkes vergleichen - nach dem Muster: Nenne mir die Namen aller Personen, die in den Gruppen X, Y und Z eingetragen sind - und Mehrfachnennungen mit einem Profilcheck ausschließen. "Letztlich," so Thorsten Holz, "bleibt typischerweise nur eine Person übrig, auf die alle Merkmale passen." (siehe Kasten)

In vier Schritten zum Klarnamen
1. Schritt
Die Forscher setzen einen Surfroboter, einen sogenannten Webcrawler, auf ein soziales Netzwerk an. Der meldet sich wie ein Mensch an, durchforstet nach und nach alle Nutzergruppen und speichert die Namen der jeweiligen Mitglieder in einer Datenbank: einer Nutzerkartei, sortiert nach Nutzergruppen.
2. Schritt
Besucht ein potentielles Opfer die präparierte Website, startet ein Javascript-Programm den History-Stealing-Angriff: Es prüft in Sekundenschnelle zehntausende Link-Adressen, die der Webcrawler in Schritt 1 gesammelt hat. Geht alles gut, weiß die Website nun, in welchen Nutzergruppen der Besucher aktiv ist. Der Name ist ihr noch unbekannt.
3. Schritt
Dieses Gruppenprofil wird mit der Nutzerdatenkbank des Webcrawlers vergliche: Welche Nutzer (mit Namen) sind in folgenden Gruppen aktiv: X, Y, Z. Trifft das auf mehrere Nutzer zu (was selten vorkommt), prüft das Programm, ob Links zu den jeweiligen Profilen in der Browser-History der verbliebenen Kandidaten zu finden sind.
4. Schritt
Steht der Nutzer theoretisch fest, holt sich das Programm den entsprechenden Nutzernamen aus dem Profil. Der Websurfer ist enttarnt.

Noch ist der von ihnen vorgeführte Angriff relativ plump: Er dauert mehrere Minuten und erkennt Gruppenmitgliedschaften nur, wenn man kürzlich in einer Gruppe aktiv war, Cookies und Javascript aktiviert hat. Das liegt aber auch daran, dass sich die Gruppe aus forschungsethischen Gründen mit ihrem Angriff zurückhalten musste: "Ein Angreifer, der diesen Einschränkungen nicht unterliegt", gibt Wondracek zu bedenken, "könnte noch viel mehr Tricks anwenden." So jemand könnte hartnäckiger im Browser auf Spurensuche gehen, Daten auslesen, unauffälligere Angriffsmethoden wählen. Die Forscher sind davon überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt.

Geld durch Deanonymisierung

Denn wer den Namen eines Webbesuchers kennt, hält ein mächtiges Werkzeug in der Hand: Damit kann man Surfer erpressen, ihnen passgenaue Spam- und Phishingmails zuschicken, kann Konkurrenten oder Nebenbuhler auf der eigenen Website identifizieren, sie mittels Social Engineering zur Herausgabe von brisanten Informationen bringen. Unterdrückungsregimes könnten Fallen auslegen, etwa Webserver mit regierungskritischen Inhalten, und sogar Besucher identifizieren, die über einen Anonymisierungsdienst auf die Inhalte zugreifen - denn auch die verhindern nicht die Übertragung der beschriebenen digitalen Fingerabdrücke. Vor allem aber könnten zweifelhafte Websites und Werbedienste diese Informationen ansammeln, aufarbeiten, verkaufen: Spyware 2.0.

Kurzum: Mit Deanonymisierung kann man Geld machen. Und wo man im Internet Geld machen kann, da schreitet die technische Entwicklung rasant voran.

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1. Freiheit statt Angst
cosmo72 02.02.2010
Ist doch ganz im Interesse der Eu - das wünscht sich der Staat, das waren ausserdem die Ziele der Einführung und des Angebotes der Social networks! siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Information_Awareness_Office dieser Verein förderte Überwachung Indect – der Traum der EU vom Polizeistaat Ein Forschungsprojekt soll Wege finden, Informationen aus dem Netz, aus Datenbanken und von Überwachungskameras zu verbinden – zu einem automatischen Bevölkerungsscanner. Eine Nation unter Beobachtung, so ungefähr ließe sich die Inschrift übersetzen, die der Künstler Banksy als Kritik an der massiven Videoüberwachung in London hinterlassen hat Die Europäische Union finanziert seit Jahresbeginn ein Forschungsprojekt, das all die bestehenden Überwachungstechnologien zu einem Instrument verbinden soll. "Indect" soll es möglich machen, dass alles gesehen und alles verfolgt werden kann. Insgsamt 14,86 Millionen Euro lässt sich die EU das auf fünf Jahre angelegte Projekt kosten. Anzeige (...) Indect ist ein Akronym von "Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment". Daher ein Informationssystem zur Unterstützung der Suche, der Entdeckung und der Überwachung von Bürgern in städtischen Umgebungen. Ziel: Erhöhung der Sicherheit.(...) Unter anderem soll es dazu dienen, das Internet zu durchforsten. Das Projekt will erforschen, wie sich im Netz mit automatisierten Suchroutinen "Gewalt", "Bedrohungen" und "abnormales Verhalten" finden lassen. Gleichzeitig soll es für die Polizei zum Werkzeug werden, um "verschiedenste bewegliche Objekte" zu observieren. "Indect" soll also Daten auswerten können, um die Bewegungen von Menschen, Fahrzeugen oder Schiffen nachzuvollziehen. (...) Es geht nicht in erster Linie darum, Informationen aus dem Netz zu filtern. Vor allem sollen diese mit anderen Datenbanken verknüpft werden. Beispielsweise mit Bildern von Videoüberwachungskameras oder mit Daten von Mobiltelefonen. Das Ziel, so scheint es: In irgendeiner Weise auffällig gewordene Menschen in der Realität schnell entdecken und langfristig verfolgen zu können. Wer beispielsweise bei YouTube ein Drohvideo gepostet hat, der soll mithilfe von Überwachungskameras gesucht, via Suchmaschine identifiziert und mittels tragbarer Geräte von Polizisten verfolgt werden können. (...)Außerdem wolle man eine Suchmaschine zur schnellen Ermittlung von Personen und Dokumenten und Suchprogramme, die "ständig" und "automatisch" öffentliche Quellen wie Websites, Foren, Usent-Gruppen, Fileserver, P2P-Netzwerke und "individuelle Computersysteme" durchsuchen. Wird das Projekt umgesetzt, wäre es der Albtraum jeder Bürgerrechtsbewegung. Verbindet es doch alle einzelnen Überwachungsinstrumente, die bereits jetzt installiert sind wie Videokameras, Vorratsdatenspeicherung, Handyortung, Gesichtserkennung oder Telefonüberwachung zu einem einzigen Spähprogramm. Die britische Zeitung Telegraph, die gerade darüber berichtet hatte, nennt es daher nicht umsonst einen "Orwellschen Plan", in der Öffentlichkeit nach "auffälligem Verhalten" zu suchen. (http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2009-09/indect-ueberwachung?page=all) Wenn Leute dann für Internet-Rechte demonstrieren gehen - kommt die Prügeltruppe! http://www.youtube.com/watch?v=c8vo6qqT9pI http://www.youtube.com/watch?v=UL6MAeFy42I&NR=1
2. hahaha
ichgucke 02.02.2010
Zitat von sysopAnonym surfen im Web? Das war einmal. IT-Forschern ist es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen gelungen, Internetsurfer mit einem einfachen Trick namentlich zu identifizieren. Betroffen sind praktisch alle Teilnehmer von sozialen Netzwerken - es droht ein Datenschutz-GAU. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,675395,00.html
selten so laut gelacht.... also wen ihr denkt das diese geschichte neu ist dann solltet ihr erst ma lernen wie ma mit pc`s/html/ssql usw umgeht. genau aus diesem grund halte ich seit dem aufkommen dieser sogenannten möchtegern communitys nichts. jeder der sich da anmeldet und freudig mit macht weils ja so einfach ist wird jetzt abgestraft. dummheit tut leider weh. mfg ps: ich finds gut
3. Wen juckts?
Schalke 02.02.2010
Wen juckts? Ich speichere keine Passwörter auf dem Rechner und nach der Surfsitzung werden die Daten geschreddert. Manipulierte bzw. gefährliche Webseiten fängt der Browser bzw. die Sicherheitsprogramme auf dem Rechner ab. Angst davor muß nur der 08/15-Surfer haben, der für jeden Mist Ja drückt, Virenscanner für ein medizinisches Gerät hält und am Ende ziemlich viele Biester auf seinem Rechner hat, die den Inhalt von ebendiesem in die Welt telefoniert. Seit dem ich den Mozilla benutze, Avast als Virenscanner und Spybot und AdAware für die anderen kleinen Biester habe, ist auf meinem Rechner Ruhe. Und das seit seligen XP-Zeiten. OK, mein Beruf bringt eine etwas kritischere Sichtweise mit dem Internet-Umgang mit sich, trotz daß ich Mitglied in verschiedenen sozialen Netzwerken bin.
4. "Gläserne Web 2.0 Deppen" - das Problem lösen unsere Kinder
mpunto 02.02.2010
Das Problem, das der Artikel adressiert, ist in der Tat riesigm und angesichts des (hier nicht angesprochenen) systematischen Missbrauchs sozialer Netzwerke durch ihre Kapitalgeber ist es sogar noch gravierender. Zum Glück gibt es auch Gegenbewegungen. Wenn SPON schreibt: "Prinzipiell sind alle Internetangebote betroffen, in denen sich Leute unter ihrem Klarnamen anmelden und in Gruppen organisieren." ... dfann denke ich mit grosser freude daran, dass heute schon 12 Jährige Kinder viel schlauer sind, als wir es je waren. Keine Klarnamen, keine authetischen Portraitfotos, keine Adressen, mehrere E-Mail Accounts... das ist für viele medienkompetente Kinder heute schon eine Selbstverständlichkeit um sich kindersicher in Schüli VZ zu bewegen....
5. Link Down!
Zylex 02.02.2010
Der Link zum selber testen funktioniert nicht... http://www.iseclab.org/people/gilbert/experiment/ Der Server überlastet oder schon vom Netz genommen (geklagt?)
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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