Sicherheitsmängel in Siemens-Anlagen Hacker, hereinspaziert!

Das Passwort lässt sich nicht ändern, ist aber gar nicht geheim? Ein US-Experte hat haarsträubende Sicherheitslücken in Siemens-Anlagen entdeckt, mit denen Kraftwerke und Fabriken gesteuert werden. Für Kriminelle und Geheimdienste sind die Schwachstellen geradezu eine Einladung zur Attacke.

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Potentielles Hacker-Ziel Industrieanlage (Archivbild): Einladung zum Angriff
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Potentielles Hacker-Ziel Industrieanlage (Archivbild): Einladung zum Angriff


Mit "Basisk" kommt man überall rein. So einfach lässt sich die wichtigste Erkenntnis eines Sicherheitsexperten aus den USA zusammenfassen. Auf der Black-Hat-Sicherheitskonferenz in Las Vegas präsentierte er am Mittwoch einen Reigen von Sicherheitslücken in Industriesteuerungsanlagen von Siemens. Die schlimmste davon betrifft eine Anlage namens Simatic S7-300. In bestimmten Modellen dieses Typs ist das Wort "Basisk" als Passwort und Benutzername unveränderlich in die Hardware eingebrannt. Jedermann, der den gar nicht geheimen Begriff kennt, kann sich Zugang verschaffen.

In "Wired" erklärt der Entdecker dieser Lücke, Dillon Beresford, wie er sich mit diesem Passwort Zugang zu den von Siemens hergestellten Steuerungsanlagen verschaffte: "Ich konnte mich per telnet und http einloggen, den Speicher auslesen, Dateien löschen und Befehle geben."

Wie brisant Beresfords Entdeckungen sind, kann man daran ablesen, dass er die Lecks ursprünglich bereits auf einer Konferenz im Mai veröffentlichen wollte, diesen Plan dann aber auf Drängen von Siemens und der amerikanische Heimatschutzbehörde (Department of Homeland Security, DoHS) verwarf. Man wollte erst Zeit haben, Software-Patches zu entwickeln, mit denen die klaffenden Löcher gestopft werden können.

Wie viele Anlagen von den Sicherheitsproblemen betroffen sind, ist schwer abzuschätzen. Die Simatic-Anlagen gelten als Standard für die Steuerung industrieller Prozesse. Egal ob irgendwo auf der Welt Kartonverpackungen zusammengeklebt oder Ampel umgeschaltet werden müssen, ob Kraftwerke gekühlt oder der Ölfluss in Pipelines geregelt wird, sehr oft sind dabei solche Siemens-Anlagen im Spiel.

Dass die nicht unfehlbar sind, hatte sich bereits 2010 gezeigt, als der Stuxnet-Computerwurm Furore machte. Stuxnet war in die Steuerungsrechner iranischer Atomaufbereitungsanlagen eingeschleust worden. Er manipulierte offenbar monatelang unentdeckt die Drehzahlen der zur Urananreicherung benutzten Zentrifugen, welche durch die Unregelmäßigkeiten schadhaft wurden, ausfielen und ersetzt werden mussten.

Kommandos ohne Verfallsdatum

Die Untersuchungsergebnisse, die Beresford nun in Las Vegas präsentierte, legen nahe, dass es für Kriminelle oder Geheimdienst reichlich Optionen gibt, dem Stuxnet-Vorbild zu folgen und Industrieanlagen, Kraftwerke oder Pipelines per Schadsoftware lahmzulegen oder zumindest ihre Prozesse zu stören. Denn neben den fest vergebenen Passwörtern hat Beresford noch ein Dutzend weiterer potentieller Einfallstore für Hacker in den Siemens-Kontrollanlagen ausfindig gemacht. Unter anderem konnte er einige der für Stuxnet typischen Verhaltensweisen demonstrieren. Er manipulierte die Systeme so, dass sie falsche Kommandos ausführten oder inkorrekte Daten an ihre Leitstelle ausgaben. Sogar die Zugangspasswörter konnte er ändern.

Viele dieser Sicherheitslücken, aber nicht alle, kann Hersteller Siemens mit Softwareflicken verschließen. Wie Beresford in "Wired" erklärt, gibt es aber auch konzeptionelle Probleme in den Anlagen, beispielsweise die Möglichkeit, Befehlsketten auf einer solchen Anlage aufzuzeichnen und auf einer beliebigen anderen wieder abzuspielen. Auf diese Weise könnte man beispielsweise die Befehlsfolge zum Schließen eines Ventils an eine Pipeline oder den Kühlkreislauf eines Kraftwerks senden und so einen Ausfall herbeiführen.

Zwar müssten manche Befehle direkt von einem mit dem PLC-System vernetzten Computer aus erteilt werden, doch gebe es verschiedene Möglichkeiten, sich Zugang zu solchen Rechnern zu verschaffen. Etwa, indem man einen manipulierten USB-Stick mit Schadsoftware in eine Anlage einschleust. Dabei sei es gleichgültig, ob ein Steuerungsrechner oder ein beliebiger anderer Arbeitsplatz befallen werde, weil die Siemens-PLCs keinen Unterschied machen, woher ihre Befehle kommen. Eine Einschränkung, etwa, dass nur ein Computer mit einer definierten IP-Adresse berechtigt ist, gibt es nicht.

Wer hat das Easter Egg eingeschmuggelt?

Aufgeschreckt von Beresfords Berichten veröffentlichte das amerikanische Industrial Control Systems Cyber Emergency Response Team (ICS-CERT) eine Warnung an Benutzer der betroffenen Steuerungssysteme. Siemens allerdings konnte zwischenzeitlich klären, dass nicht etwa alle Simatic-Steuerungsanlagen von den Schwachstellen betroffen sind. Nur bestimmte, ältere Geräte mit einer nicht mehr aktuellen Firmware seien gefährdet. Besitzer solcher Maschinen sollen sich an den Siemens-Support wenden, um weitere Informationen und Hilfe zu bekommen.

Bei Siemens selbst dürfte man dagegen gerade intensiv auf der Suche nach einem Spaßvogel sein, der ein vermeintlich lustiges "Easter Egg", einen Programmiererscherz, in der Software der Simatics untergebracht hat, das Beresford ebenfalls entdeckt hat. Es besteht in einer roten Website auf der Zeichnungen von spielenden Affen zu sehen sind und der Satz "Nix hören, nix arbeite, einfach nur..."

Ob sich dieses "Easter Egg" benutzen lässt, um Schadcode in die Maschinen einzuschmuggeln, will der Sicherheitsexperte erst noch untersuchen. Das Siemens-Management allerdings habe sehr aufgeregt reagiert, als er dem Unternehmen von seinem kuriosen Fund berichtete, sagte er der "Wired": "Sie waren nicht gerade glücklich."



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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
abryx 04.08.2011
1. unglaublich ...
... aber es funktioniert :-) Nix gepatcht :-( Ich glaub ich zieh mal ein paar Dörfer weiter weg von den Bayer Werken hier 8-0
Volker Hett, 04.08.2011
2. Pragmatische Lösung
solche Systeme gehören in ein eigenes Netzwerk OHNE Verbindung zur Aussenwelt. Mit geeigneten Firewalls und Proxys kann man dann dafür Sorgen, dass z.B. Statusmeldungen an andere Orte gehen. Aber Telnet von aussen, womöglich über das Internet, auf Steuerungssysteme ist -ich sag mal so- unklug. Da reiß ich mir ja den Arsch mehr auf um Exchange abzusichern!
cerebus, 04.08.2011
3. na und?
Für diese Geräte gilt: die Rechner sind durch geeignete Zugangskontrolle zu sichern. Am Internet haben sie eh nichts zu suchen. Gerade im industriellen Bereich sind sicherheitsfanatische Maßnahmen am System kontraproduktiv bis unmöglich. Da müssen teilweise moderne Systeme mit Legacy-Systemen zusammenarbeiten, die zu Zeiten entstanden sind, zu denen es noch keine SSH, SFTP etc. gab, manchmal sogar Systeme, die überhaupt keine Authentifizierung kennen. Da kann man nicht einfach mal eine komplette Systemebene rauswerfen, an der u.U. Betriebsgenehmigungen hängen, nur weil irgendjemand sich mal wieder irgendein neues Sicherheitsprotokoll ausgedacht hat. Und diese Legacy-Systeme haben schon viele Moden kommen und gehen sehen... Daher setzen wirklich sensible Industriebetriebe auf eine mindestens dreistufige Zutrittskontrolle: - Personenüberprüfung im Vorfeld - Zutritt zum Gelände - Zutritt zu den Systemen
jaybee 04.08.2011
4. Auch nicht schlecht:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Industrieanlagen-Steuerungen-ungeschuetzt-im-Netz-1317959.html Die kann man sogar per google finden...
Kurt aus Kienitz, 04.08.2011
5. Für Siemens ...
... spricht Siemens! Der Slogan ist zwar alt aber immer noch aktuell :-)
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