Silicon-Valley-Kantinen Futtern wie bei Google

Karamellisiertes Fenchel-Relish, kandierte Pekannüsse, Schweinefilet in Kräuterkruste: IT-Firmen im Silicon Valley locken Mitarbeiter mit Edel-Kantinen zum Nulltarif. Ein Futter-Besuch bei Google, Ebay und Yahoo.


San Jose - Nicht nur im Geschäftsleben, auch in der Cafeteria mancher Firmen stehen die Menschen vor schweren Entscheidungen. Curtis Kroeker weiß nicht recht, ob er sich für das knusprige Steak oder vielleicht doch für das frische Biogemüse mit kandierten Pekannüssen, Blauschimmelkäse, karamellisiertem Fenchel-Relish und Sherry-Vinaigrette entscheiden soll.

Ebay-Leckereien: Curtis Kroeker, Manager beim Online-Auktionshaus, begutachtet das Fenchel-Relish in der Kantine der Zentrale in San Jose
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Ebay-Leckereien: Curtis Kroeker, Manager beim Online-Auktionshaus, begutachtet das Fenchel-Relish in der Kantine der Zentrale in San Jose

In einer normalen Firmenkantine steht man wohl nur selten vor derart schwierigen Problemen, sehr wohl aber in einem Café des Internet-Auktionshauses Ebay. Wie bei einigen anderen Firmen im Silicon Valley versucht man auch hier, eine Verbindung von Hightech und Haute Cuisine zu finden.

"Ein wichtiger Teil der Ebay-Philosophie ist die Balance von Leben und Arbeit. Die Menschen sollen wirklich ermutigt werden, sich hinzusetzen, um ihre Kollegen besser kennenzulernen", sagt Ebay-Sprecherin Kim Rubey. "Der Aufbau dieser Beziehungen ist wichtig, wenn man auch beruflich Erfolg haben will. Ein großer Vorteil dieses Cafés ist seine Bequemlichkeit, aber wir wollen auch ein kulinarisches Erlebnis bieten."

Statt Fleischklöpsen mit Nudeln gibt es Schweinefilet in Kräuterkruste. "Essen und Trinken sind Wettbewerbsfaktoren geworden", erklärt Scott Hume, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Restaurants & Institutions".

Regionale Küche im Café 150

Führend auch in diesem Bereich ist natürlich Google, das als Unternehmen von Arbeitnehmern und Gästen auch wegen des kostenlosen und exquisiten Essens geschätzt wird. Im Google-Hauptquartier in Mountain View in Kalifornien gibt es 18 Cafés, die so ziemlich alles vom frisch gebratenen Fleisch bis zum hauseigenen Brot (natürlich aus Bio-Mehl) bieten. Das Café 150 setzt auf eine umweltbewusste regionale Küche, bei der alle Zutaten aus einem Umkreis von 150 Meilen kommen. Im Pure Ingredient Café gibt es nur Produkte, die ohne chemische Zusatzstoffe auskommen.

"Wir haben in jedem Café ein eigenes Konzept, damit es interessant bleibt", sagt Scott Giambastiani, Chefkoch von einigen der kulinarischen Treffpunkte, darunter auch des Pure Ingredient Cafés.

Er war Chefkoch in einigen der besseren Restaurants im Gebiet von San Francisco, bevor er zu Google ging. "Ich suchte etwas Neues und auch Spaß und Google bot mir die Möglichkeit, Kreativität im Essen umzusetzen."

Googler futtern gratis

Dass das Essen wie bei Google kostenlos ist, ist nicht überall der Fall, aber es ist an der Westküste keineswegs ungewöhnlich, dass Unternehmen das Essen finanziell unterstützen, wie Hume erklärt.

Die in Palo Alto ansässige Firma Bon Appetit Management ist für das Essen bei Ebay, Yahoo, und Oracle verantwortlich und gehörte zu den Pionieren des guten Essens in den Firmenkantinen. Das Unternehmen sei Ende der achtziger Jahre mit dem Ziel gegründet worden, die Firmenkantine zu revolutionieren, erklärt Vizepräsidentin Maisie Greenwald. Inzwischen betreibt das Unternehmen das Catering in 28 US-Staaten, darunter im Modern Art Museum in Fort Worth in Texas und in der Firmenzentrale von Best Buy in Minnesota.

"Das Silicon Valley startete damals durch und es gab diese neuen Firmen, die Innovationen wollten und ständig im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter miteinander lagen. Die wollten schnell eine Unternehmenskultur aufbauen und Arbeitsplätze bieten, die anders sind", sagt Greenwald. "Essen ist ein guter Weg, um Gemeinschaft und ein Gefühl für einen Ort zu schaffen."

Michelle Locke, AP



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