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Silicon Valley Reporter Maschinen verdrängen Menschen

Montage in GM-Werk in Michigan: "Die Liste der Tätigkeiten, in denen Menschen besser als Maschinen sind, schrumpft rasant"Zur Großansicht
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Montage in GM-Werk in Michigan: "Die Liste der Tätigkeiten, in denen Menschen besser als Maschinen sind, schrumpft rasant"

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Es gibt wenige Orte auf der Welt, die so technologiefreundlich und fortschrittsgläubig sind wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Aber ausgerechnet von hier kommt nun eine eindringliche Warnung: Die digitale Revolution wird zum globalen Problem für die Arbeitsmärkte, denn sie vernichtet Jobs schneller als sie neue schafft. Die Folge: Dauerhaft höhere Arbeitslosigkeit und sinkende Löhne - wie in den USA bereits jetzt der Fall. Es droht "eine tektonische Verschiebung in der Arbeitswelt", warnt Andrew McAfee, Direktor am Center for Digital Business des MIT.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Erik Brynjolfson forscht er seit Jahren über die Auswirkungen des IT-Fortschritts auf die Wirtschaft. Die Schlussfolgerung der beiden Ökonomen: Im Kampf Mensch gegen Maschine ziehen wir dank immer billigerer und besserer Hardware und Software zunehmend den Kürzeren. Diese Entwicklung ist schon länger spürbar: Kassiererinnen werden durch Selbstbedienungskassen verdrängt, Fluggesellschafts-Mitarbeiter durch Check-in-Kioske, Börsenhändler durch Algorithmen. "Das ist aber bislang alles nur ein Vorgeschmack, in den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir den Wandel weltweit erst richtig zu spüren bekommen", betonte McAfee, als ich ihn unlängst am MIT besuchte.

Die MIT-Ökonomen hatten ihre Forschungsergebnisse vor zwei Jahren erstmals veröffentlicht und damit in Fachkreisen für Aufruhr gesorgt. Inzwischen haben sie weiteres Datenmaterial gesammelt und dabei festgestellt: Die Entwicklung hat sich beschleunigt. "Die Liste der Tätigkeiten, in denen Menschen besser als Maschinen sind, schrumpft rasant", sagt McAfee. Anders als bei vorangegangenen technischen Revolutionen sind nicht nur einzelne Branchen bedroht; etwa Fließbandarbeiter in der Autoproduktion, die durch Roboter ersetzt werden. Zwar wird auch die Fabrikautomatisierung immer besser und billiger. Aber es geht vor allem um die breite Mitte von Dienstleistern und Angestellten: Call-Center-Mitarbeiter werden durch Telefon-Roboter ersetzt, Anwaltsgehilfen durch Computerprogramme, die Dokumente schneller und besser durchkämmen.

Untermauert werden die Beobachtungen der MIT-Forscher durch Wirtschaftsdaten aus den USA, die Ökonomen und Politikern schon seit Jahren Sorgen bereiten: Die Produktivität der größten Volkswirtschaft der Welt nimmt rasant zu, die Zahl der Arbeitsplätze aber stagniert. Die 2000er waren das erste Jahrzehnt seit der Depression, an dessen Ende es netto nicht mehr Jobs gab als zu Anfang - obwohl in den USA die Wirtschaftsleistung je Einwohner um ein Drittel höher liegt als vor 20 Jahren. Auch die aktuelle US-Arbeitslosenstatistik von Anfang April scheint das nur zu bestätigen: Trotz guten Wirtschaftsklimas und steigender Konsumlaune wurden viel weniger Jobs geschaffen als erwartet. Prompt brachen die Börsenkurse ein.

Die beiden MIT-Ökonomen sind deswegen nicht mehr alleine mit ihren Warnungen. Politiker und Wissenschaftler aller ideologischen Lager teilen inzwischen ihre Bedenken - darunter etwa der liberale Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman genauso wie der konservative Wirtschafts-Nobelpreisträger Gary Becker.

Auch den IT-Pionier Jaron Lanier beschäftigt das Thema. Nächste Woche erscheint sein neues Buch "Who Owns the Future?". Darin beklagt er, dass die "narzisstischen" neuen Technologie-Giganten wie Google und Facebook mehr Jobs vernichten als schaffen. Der große Verlierer der neuen digitalen Weltordnung sei die Mittelklasse. Gehe die Entwicklung so weiter, würden zwangsweise "die Märkte schrumpfen und der Kapitalismus kollabieren".

Larnier mag zwar etwas zu klassenkämpferisch klingen. Nicht von der Hand zu weisen ist aber, dass die Technologisierung der Arbeitswelt zu einer gesellschaftlichen Verschiebung beiträgt, die schon länger zu beobachten und durch harte Daten belegt ist: Die Wohlstandsgewinne werden überproportional von den obersten Einkommensgruppen eingesteckt. Der Druck auf die unteren Einkommensgruppen nimmt gleichzeitig zu. Denn mit der Technisierung steigt auch die Komplexität der Jobs - und damit die Konkurrenz um die Arbeitsplätze, die weniger Fähigkeiten und Bildung verlangen.

Im aktuellen SPIEGEL habe ich mich ausführlicher mit dem Thema befasst.

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92 Leserkommentare
Diskutieren Sie mit!
Dudenquatscher 29.04.2013
Aber das ist doch nun leider alter Wein in neuen Schläuchen. Schon die Maschinenstürmer waren der Meinung, dass die Maschinen ihre Lebensgrundlage bedrohen. Gut finde ich aber, dass sich Ökonomen mit diesem Thema befassen, wenngleich fraglich ist, wie man das Dilemma lösen könnte, denn wie sollte man so etwas regulieren? Da fallen mir zuerst Anreize wie Subventionen ein und das wäre sicherlich eine schlecht Lösung. Wie so oft wird man für sich zu dem Ergebnis kommen, dass die moralischen Grundlagen unserer Gesellschaft am Wanken sind.
vajk 29.04.2013
nichts neues
wer denkt die Welt steht still und alles bleibt wie es ist erliegt einem Fehler der so alt ist wie die Fähigkeit zu denken. Veränderungen und dadurch neu entstehende Probleme werden nicht durch Jammern und Zurückdrehversuche gelöst. Es heißt neue Wege suchen und finden und nicht Zeigefinger heben und blöken!
lupo2357 29.04.2013
Unglaublich das sowas erst noch erforscht werden muss, dass Automatisierung in der Tendenz Arbeitsplaetze kostet ist doch klar. Das ist doch gerade die Idee. Niemand macht sich den Aufwand der Autmatisierung wenn er dadurch keine Arbeit einspart. Das Problem ist doch in Wirklichkeit was mit dem erwirtschafteten Gewinnen passiert und nicht das einfache, schwere und gefaehrliche Arbeit immer weniger von Menschen erledigt wird. Die alten Rezepte scheinen nicht mehr zu passen und die Gesellschaft wird sich wohl aendern muessen. Ansonsten war das Ende doch schon lange absehbar.
FloatingTom 29.04.2013
Die digitale Revolution ist zwar noch lange nicht vorbei, aber wenn ich an all jene Schreibkräfte und Bandarbeiter denke, die schon jetzt der "Rationalisierung" zum Opfer gefallen sind - und das noch nicht der Höhepunkt gewesen sein sollte, kommt mir das kalte Grausen. Irgendwann in naher Zukunft werden also ein paar Prozent der Bevölkerung (arbeitend) die Wertschöpfung erledigen und der größte Teil mittels TV, Videospielen und Sozialhilfe ruhig gestellt? (.......) Lesen ist zwar aus der Mode - ich hoffe dennoch auf eine Revolution im Sinne von Marx und Lenin (vielleicht wird das Kapital ja noch von irgendwelchen subversiven Kräften verfilmt und bei YouTube veröffentlicht).
olli08 29.04.2013
Wir werden in Zukunft um drei Maßnahmen zur Entschärfung des "Rationalisierungsproblems" nicht herumkommen: 1. Kopplung der Solzialversicherungsbeiträge an die Unternehmensumsätze statt an die Löhne. 2. Erheblich größere Anstrengungen zur Höherqualifizierung aller Menschen. 3. Flächendeckende Arbeitszeitverkürzungen um die Verteilung der Arbeit zu verbessern. Leider ist die Politik noch immer im Tiefschlaf ...
wittigofranko 29.04.2013
Automationsdividende bzw. bedingungsloses Grundeinkommen erforderlich! Geistige Arbeit (geronnen in Maschinen, Computerprogrammen und Algorithmen) ist Arbeit und e r s p a r t (Routine-)Arbeit. Doch wie soll die dadurch geschaffene Wertschöpfung verteilt werden? Durch eine gerechtere Verteilung der Einkommen in Form einer höheren MwSt (die EU lässt derzeit einen MwSt-Höchstsatz von 25% zu) und eines dadurch finanzierten bedingungslosen Grundeinkommens! Praktisch betrachtet ist dies ein ausgezahlter bzw. mit der Einkommensschuld verrechneter Steuer-Freibetrag. Dabei ist gerade die MwSt die Steuer der weltweiten Arbeitsteilung, sie wird letztlich dort erhoben wo die Wertschöpfung - an ihrem höchsten Punkt - in den Konsum übergeht. Insofern würde durch Automatisierung das erreicht, was der bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts - John Maynard Keynes - aufgrund der Produktivitätssteigerungen prognostiziert hat: eine tägliche Erwerbs-Arbeitszeit von 3 - 4 Stunden!
mrotz 29.04.2013
Der Mensch ist auch für etwas besseres da, als für Erwerbsarbeit. Wenn es Sinn des Lebens wäre, zu arbeiten, weshalb hat es dann je Sklaven gegeben? Es wird Zeit die Konsequenzen zu ziehen: Abkopplung des Lebensunterhalts von der Arbeit. Was ist dran so schlimm, wenn die Maschinen arbeiten und der Mensch sich vermehrt der Wissenschaft, Kunst und sonstiger Muse zuzwendet?
legastenie 29.04.2013
Deja vu
Erinner mich gerade an die Druckerstreiks in den 70 ern. Ist anders gekommen, Untergangsstimmung, no Future, kommt jetzt das Ganze von vorn? Guck ich mir das untere Drittel an, jepp
Spiegelleserin57 29.04.2013
wer das Buch " die Globalisierungsfalle " gelesen hat weiß das alles schon lange. Circa 20% der Arbeitnehmer werden in Zukunft nur noch eine Job haben. Der Rest wird wird mit kleine Zugaben "bei Laune" gehalten um gesellschaftlichen Aufruhr zu verhindern oder klein zu halten. Aus jahrelanger Erfahrung mit der Technik kann ich allerdings auch bestätigen: "jeh mehr Technik, jeh mehr defekt"! Man muss nicht glauben dass die Technik den Menschen voll ersetzen kann. Außerdem wird dem Arbeitnehmer immer Arbeit zugeteilt und das spart auch Arbeitplätze. Ob die Qualität bleibt darf in Frage gestwellt werden. Die Unternehmer wollen deie Arbeitsplätze gering halten, ganz zum Profit der Investoren!
mescal1 29.04.2013
Warum sollte ich rationalisieren wenn ich dadurch nicht einsparen kann? Wenn der Lebensstandard steigen soll, dann muss rationalisiert werden. Stellt euch mal die Massen in der Landwirtschaft vor, die jetzt noch die Sensen schwingen würden. Die Massen werden sich Betätigungsfelder suchen müssen, die jetzt noch unvorstellbar sind. Oder man hält sie mit Drogen ruhig. Wer sich entscheidet, vor dem Fernseher ruhig sein Leben zu "verzappen", der wird alimentiert - er darf nur keine Kinder mehr bekommen.
rvdf11974 29.04.2013
Nicht die Mittelklasse wird rein zahlenmäßig schrumpfen nein sie wird größer also rein zahlenmäßig. Nur das dann die sogenannte Mittelklasse höherer Lohnkonkurrenz ausgesetzt wird(was im Prinzip schon lange läuft) und somit weniger verdienen. "Studieren" ja schon so viele um die "besseren" Jobs machen zu dürfen. Ach ja das Problem lässt sich im übrigen ziemlich einfach lösen. Besteuerung der weggefallenen Arbeitsplätze. Auch wenn ich sonst nicht für "der Markt regelt das von alleine schon" bin dort wird er es tun...
mwinter 29.04.2013
Das ganze ist doch nur die alte Geschichte von der kleinen Klasse der ausbeutenden Besitzer der Produktionsmittel und der großen Mehrheit der Lohnabhängigen, die sich nun wieder einem Crashpunkt nähert, wie er zuletzt während der (ersten) industriellen Revolution erzwungen wurde und in entsprechenden Arbeiterrevolutionen mündete. "Marx reloaded" sozusagen. Und da die kapitalistische Elite heute genauso uneinsichtig ist wie damals, wird wohl die kommende Revolution genauso blutig ausfallen wie die damalige.
yota 29.04.2013
Deshalb braucht es das bedingungslose Grundeinkommen.
felixmax 29.04.2013
Diese Erkenntnis ist nicht neu, schon in der Zeit als die Automatisierung begann wurde darüber nachgedacht eine Ausgleichssteuer auf jede Machine einzuführen welche Arbeitskräfte einspart. Damit die daraus entstehenden Ausfälle von Sozialbeiträgen nicht nur zur Lasten der Lohnempfänger gehen und die dadurch die sinkende Zahl der Lohnempfänger nicht die steigende Anzahl der Nicht- bzw. Minderbeschäftigten ausschliesslich aus Ihren Sozialbeiträgen schultern muss.
studibaas 29.04.2013
Erinnert mich an die Weberaufstände, Buchhaltungsprogramme etc. Der technologische Fortschritt ist richtig um die Menschen zu entlasten. Wichtig ist nur, das die so gewonnene Zeit nicht zur mehr Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen führt, sondern das endlich der Technologiefortschritt durch sinkende Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich kommt. Dann hätten alles was davon. Wenn es so weiterläuft wie bisher produzieren Maschinen vollautomatisch Geräte, Autos oder was auch immer die keiner mehr kauft weil sie sich keiner leisten kann.
togral 29.04.2013
Wo ist bitte da die Neuigkeit?
crossbow17 29.04.2013
Verstehe, und die Kaufkraft gibts dann auch nur noch digital, ja?
achim-kn 29.04.2013
Das ist ja mal ne interessante neue Erkenntnis. Ich kann nicht glauben, dass die Meldung von 2013 stammt. Dies zeigt nur, dass Wirtschaft keine Wissenschaft ist. Nun gut, da die richtige Analyse nach 40 Jahren auch in den Köpfen dieser Leute ankommt, möchte ich dazu beitragen, dass bis zum Finden einer Lösung vielleicht mal auf bestehende Überlegungen zugegriffen wird. Also mal folgende (zugegeben überspitzte) Polemik lesen: http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit
Sgt.Moses 29.04.2013
Himmel auf Erden
Perfekt! Sollte es so weitergehen müsste man also nur etwas am System schrauben, so dass alle von der Entwicklung profitieren und am ende könnten wir alle mit einer 20 h-Woche glücklich werden. Die paar armen Schweine, die sich nur über ihre Arbeit und Geld definieren können dürfen gegen einen Obulus natürlich gerne auch länger machen. Klingt fast wie beiRaumschiff enterprise ;-)
KuGen 29.04.2013
Hier gibt es nur eine Möglichkeit : Maschinensteuer. Und die Einssicht, dass Familienpolitik zwecks Bevölkerungswachstum ein Rezept von vorgestern ist . Sinnvoll wäre eine sinkende Bevölkerungsanzahl.
stscon 29.04.2013
.
das ist aber ein problem "unseres" wirtschaftssstems und nicht des fortschritts und der technologie. weder kann man die zeit zurückdrehen, noch den fortschritt aufhalten. ein gesellschaftlicher wandel ist irgendwann notwendig.
Barath 29.04.2013
Oh rly?
Benbuntu 29.04.2013
Tja, da ham was ma wieder: Die drohende Zwei-Klassen-Gesellschaft mit großer Bildungslücke zwischen Groß- und Nichtsverdiener. Mal gucken, wie viele Länder demnächst die Merkel machen und eine Bildungsrepublik ausrufen *lach*
hr_schmeiss 29.04.2013
Tja, ohne eine "Studie" weiss man heutzutage ja schon nicht mehr, wie das aktuelle Wetter ist. Wenn die jetzt noch rausfinden, dass für den Arbeiter nur noch die billigeren Jobs über bleiben, wenigstens so lange die Arbeit billiger als die Automation ist, dass die Arbeiter zusehens härter um die verbleibenden Jobs -gegenseitig- kämpfen werden, dass in der Folge das Steueraufkommen sinkt und der Sozialstaat ruiniert wird, dass man dran denken muss, das Wahlrecht zu ändern, um diesen "Fortschritt" nicht zu gefährden, was machen wir dann? Sehen wir dann ein, dass das Ende der Fahnenstange auch dann erreicht wird, wenn man immer schneller klettert? Endlich einsehen, dass Autos keine Autos kaufen? Oder wird dann der neue Feudalismus mit blankem Zwang erhalten, dankt Terrorangst sind die Infrastrukturen ja geschaffen?
ArnoNyhm1984 29.04.2013
Es muss darauf hinauslaufen, dass die "Lohnsteuer" des Menschen gegen die "Maschinensteuer" des Roboters ersetzt wird.
seldon-x 29.04.2013
Welche Überraschung, vielleicht hätte man mal Marx lesen sollen: Die Maschinerie bringt dieselben Wirkungen auf viel größrer Stufenleiter hervor, ... indem die Maschinerie da, wo sie neu eingeführt wird, die Handarbeiter massenhaft auf das Pflaster wirft, und da, wo sie ausgebildet, verbessert, durch fruchtbarere Maschinen ersetzt wird, Arbeiter in kleinem Haufen abdankt. Wir haben oben in raschen Zügen den industriellen Krieg der Kapitalisten untereinander geschildert; dieser Krieg hat das eigentümliche, daß die Schlachten in ihm gewonnen werden weniger durch Anwerben als durch Abdanken der Arbeiterarmee. .., die Kapitalisten, wetteifern untereinander, wer am meisten ... entlassen kann. Die Ökonomen erzählen uns allerdings, daß die durch Maschinen überflüssig gewordnen Arbeiter neue Beschäftigungszweige finden. Sie wagen nicht direkt zu behaupten, daß dieselben Arbeiter, die entlassen worden sind, in neuen Arbeitszweigen unterkommen. Die Tatsachen schreien zu laut gegen diese Lüge. Sie behaupten eigentlich nur, daß für andre ..., z.B. für den Teil der jungen Arbeitergeneration, der schon bereit stand, um in den untergegangnen Industriezweig einzutreten, sich neue Beschäftigungsmittel auftun werden. Es ist das natürlich eine große Genugtuung für die gefallnen Arbeiter. Es wird den Herren Kapitalisten nicht an frischem exploitablem Fleisch und Blut fehlen, man wird die Toten ihre Toten begraben lassen. Es ist dies mehr ein Trost, den die Bourgeois sich selbst, als den sie den Arbeitern geben. Wenn die ganze Klasse der Lohnarbeiter durch die Maschinerie vernichtet würde, wie schrecklich für das Kapital, das ohne Lohnarbeit aufhört, Kapital zu sein! Gesetzt aber, daß die durch Maschinerie direkt aus der Arbeit Verdrängten und der ganze Teil der neuen Generation, der schon auf diesen Dienst lauerte, eine neue Beschäftigung finden. Glaubt man, daß dieselbe so hoch bezahlt werden wird wie die verlorengegangne? Es widerspräche dies allen Gesetzen der Ökonomie. Wir haben gesehn, wie die moderne Industrie es mit sich bringt, stets eine einfachere, untergeordnetere Beschäftigung der zusammengesetzten, höheren unterzuschieben. Man hat als Ausnahme die Arbeiter angeführt, die in der Fabrikation der Maschinerie selbst arbeiten. Sobald mehr Maschinerie in der Industrie verlangt und verbraucht werde, müßten die Maschinen notwendig zunehmen, also die Maschinenfabrikation, also die Beschäftigung der Arbeiter in der Maschinenfabrikation, und die in diesem Industriezweig verwandten Arbeiter seien geschickte, ja selbst gebildete Arbeiter. Seit dem Jahre 1840 hat diese schon früher nur halbwahre Behauptung allen Schein verloren, indem immer vielseitiger Maschinen zum Fabrizieren von Maschinen nicht mehr nicht minder angewandt wurden als zum Fabrizieren von Baumwollengarn, und die in den Maschinenfabriken beschäftigten Arbeiter, gegenüber von höchst kunstvollen, nur noch die Stelle von höchst kunstlosen Maschinen spielen konnten. http://www.mlwerke.de/me/me06/me06_397.htm
Sozioökonomikus 29.04.2013
Der technische Fortschritt verdrängt schleichend geschätzte 0,5% des Arbeitsvolumens pro Jahr - und das seit den 1970 Jahren. Tendenz steigend. Das klingt zunächst nicht dramatisch - hat sich in 40 Jahren aber auf stolze 20% summiert. Langsam wird es augenfällig. Ich fand das Thema übrigens wichtig genug, um ihm meine gesamte Dissertation (2012) zu widmen.
quadratwurzel 29.04.2013
Dann wäre es jetzt wohl langsam Zeit für eine Maschinensteuer.
rumloler 29.04.2013
Das ist etwas Gutes. Was wir nur noch brauchen ist die gesellschaftliche und politische Weichenstellung, dass wir durch Automatisierung nicht mehr Arbeitslosigkeit, sondern mehr Freizeit haben.
DumDum 29.04.2013
Logisch wäre es eigentlich, die zu leistenden pro Woche Arbeitsstunden zu senken um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass wir wie immer unter stärkeren Konkurrenzdruck geraten, und für weniger Geld mehr Stunden schuften dürfen. So war zumindest die Tendenz in den letzten Jahrzehnten, die mit wachsenden Produktivität Hand in Hand ging.
Xircusmaximus 29.04.2013
Diese Entwicklung hat bereits Karl Marx vorher gesehen. Der alte Besserwisser bietet immer noch die sauberste Analyse über die Struktur und Funktionalilität der kapitalistischen Produktionsweise. http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/capriccio/karl-marx-100.html
welthungerkrise 29.04.2013
"Vernichtet die digitale Revolution womöglich doch mehr Arbeitsplätze, als sie schafft? Verdrängt die Automatisierung den Menschen aus der Arbeitswelt? Zwei renommierte Ökonomen befürchten: Ja." ... zum Glück gibs die renommierten Ökonomen.
mwinter 29.04.2013
Das ganze ist doch nur die alte Geschichte von der kleinen Klasse der ausbeutenden Besitzer der Produktionsmittel und der großen Mehrheit der Lohnabhängigen, die sich nun wieder einem Crashpunkt nähert, wie er zuletzt während der (ersten) industriellen Revolution erzwungen wurde und in entsprechenden Arbeiterrevolutionen mündete. "Marx reloaded" sozusagen. Und da die kapitalistische Elite heute genauso uneinsichtig ist wie damals, wird wohl die kommende Revolution genauso blutig ausfallen wie die damalige.
Soll das ein Witz sein? Das ist doch eine ganz offenkundige Binsenweisheit, dass das so ist.
indosolar 29.04.2013
@benbuntu die Bildungsrepublik wird es nicht geben, denn die digitale Revolution verhindert diese, weil immer mehr Spiele, entworfen von den digitalen "Revolutionären" dermaßen viel Gehirnmasse des kreativen Hirnpotentails aufsaugen, dass sich im digitalen Prekariat gar keine aktive Gegenwehr mehr entwickeln kann. anders gesagt, die erste Revolution die ein Nachwachsen von verändernden Menschen schon im Ansatz verhindert, indem es diese in die Endlosschleife des elektronsichen Entertainments schickt!
nic 29.04.2013
Diese Tatsache ist mehr als hundert Jahre alt. Der Ausweg aus dem Dilemma ist die Erhebung von "Maschinensteuer".
innajjanni 29.04.2013
"Im Kampf Mensch gegen Maschine ziehen wir dank immer billigerer und besserer Hardware und Software zunehmend den Kürzeren." Wie verquer doch unsere Logik ist! Wir kämpfen NICHT mit den Maschinen; wir lassen sie FÜR UNS arbeiten. Für unseren PROFIT. "Die Wohlstandsgewinne werden überproportional von den obersten Einkommensgruppen eingesteckt." Und genau da steckt der Teufel im Detail. Es profitieren längst nicht alle gleichermaßen von der Technologie. Maschinen sind nicht unsere Feinde!
chaos2534 29.04.2013
Das ist doch schon lange klar, dass der Mensch von der Technik abgelöst wird. Und dennoch gibt es uneinsichtige Politiker in Massen, die immer noch daran festhalten, mehr Menschen (Kinder )zu erzeugen. Diese Kinder tun mir schon heute leid, da es in den nächsten Generationen nicht nur 50% sondern bis 75 % Jugendliche ohne Arbeit geben wird.
Datensatz 29.04.2013
Dolle Erkenntnis. Und so neu. Automatisierungstechnik ersetzt bereits seit Jahrzehnten Arbeitsplätze, das ist der Hauptgrund für ihre Einführung. Ja, es gibt weitere Gründe. Teilweise ist die Qualität durch Automatisierung besser, manche Produkte lassen sich nur automatisiert herstellen, z.B. wegen Miniaturisierung. Aber in erster Linie dient Automatisierung dazu, manuelle Arbeit aus Kostengründen durch maschinelle Arbeit zu ersetzen.
Olaf 29.04.2013
Zitat von sysopSilicon Valley Reporter: Maschinen verdrängen Menschen
Nehmen wir mal an das stimmt, dann ist die Frage, ob wir nicht genau so eine Entwicklung brauchen, angesichts des demographischen Wandels. Denn wie sonst sollen immer weniger Junge immer mehr Alte versorgen, wenn nicht durch enormen Anstieg der Produktivität?
ubs 29.04.2013
Das mag für viele jetzt ein Schock sein, aber Automatisierung hat immer das Ziel, Arbeit zu reduzieren. Wenn das nicht so wäre, wäre es ja ziemlich dämlich soviel Geld in Maschinen zu investieren. Das eigentliche Problem ist, dass die meisten Menschen nicht über die Disziplin verfügen, einen Kapitalstock zu erwirtschaften, der es Ihnen erlauben würde, von der erhöhten Effizienz zu profitieren. Die kontinuierliche Enteignungsbestrebungen staatlicherseite machen dies natürlich auch unnötig schwer.
blanker 29.04.2013
Die einzige Lösung die mir für dieses Problem einfällt: Maschinensteuer. Und das damit eingenommene Geld als leistungsunabhängiges Grundgehalt den Menschen zukommen lassen.
cato-der-ältere 29.04.2013
Schwarzgelb repräsentiert jedenfalls die quasi religiöse Kraft des "weiter so!". Wenn sich überhaupt etwas ändert dann darf es noch ein wenig mehr sein für die oberen 10%. Das ist die Kombination aus sturem Konservativismus und neoliberalem Verteilungskampf, dem Daseinszweck der FDP. Man muss aber dringend anfangen neue Modelle zu suchen und zu akzeptieren, Grundsicherung zum Beispiel aber auch Entwicklung von qualitativem Wachstum durch mehr Bildung und Kultur. "Umverteilung", vor allem von oben nach unten hat leider schon den Klang von "Ketzerei". Aber ohne wird es nicht gehen, wenn wir nicht zivilisatorisch zurück in den Feudalismus wollen.
Business Ethics 29.04.2013
Einer der Kernsätze des Artikel ist folgender: "Die Produktivität der größten Volkswirtschaft der Welt nimmt rasant zu, die Zahl der Arbeitsplätze aber stagniert." Das Problem ist nämlich, dass die Bevölkerung nicht am der wachsenden Produktivität partizipiert; wäre es so, bräuchten wir uns auch nicht um die gesetzliche Rente zu sorgen, denn die wachsende Produktivität fängt den demographischen Effekt mit Leichtigkeit auf bzw. könnte ihn auffangen. Aber weder ist dies politisch gewollt noch läßt unser Wirtschaftssystem mit seinem unermeßlichen Hunger nach immer höherer Rendite dieses zu. Und genau deshalb wird es bald einen riesigen Knall und Reset geben, so wie alle ca. 60 bis 80 Jahre.
karlsiegfried 29.04.2013
Die absolute Neuigkeit. Habe ich noch nicht gewusst.
a24 29.04.2013
Das ist doch eine gute Nachricht - es muss nur gleichgestellt werden, dass die Früchte des Produktivitäsfortschritts gleichmäßig in der Gesellschaft verteilt werden. Dann können die Menschen mehr Zeit mit ihren Familien, Hobbies, ehrenamtlichen Tätigkeiten usw. verbringen.
solaris_fan 29.04.2013
Beobachtung ist korrekt. Ich arbeite in der IT und komme aus der Automatisierungstechnik. Mir hat sich deshalb schon vor einem viertel Jahrhundert die Frage gestellt: Wenn Maschinen alle Jobs übernehmen - ist dann das System unserer arbeitsteiligen Welt inklusive Vergütung, welches seit der Jungsteinzeit funktioniert und in der Antike perfektioniert wurde noch haltbar ? Auch wenn mir das Grundeinkommen nicht schmeckt - u.U. bleibt uns nichts anderes übrig, als von der 40 Stunden Woche als Rechtfertigung für unser Gehalt Abschied zu nehmen. Das könnte die wirkliche Zerreissprobe werden (Maschinenstürmer) - und was machen wir mit den ganzen Menschen, die dann nur noch "abhängen" ?
ernstl1704 29.04.2013
Es ist doch ganz einfach, wenn man weniger Arbeit braucht und sogar noch mehr produziert, arbeiten wir alle weniger und erfreuen uns der Freizeit! Leider wird genau das von den "Linken" mit ihrer einseitigen Fixierung auf Arbeit als Lebenszwecke verhindert. Hier spielen SPD und leider auch Gewerkschaften den Kapitalbesitzern in die Hände.
papayu 29.04.2013
Also, dass die erst jetzt darauf kommen, durften frueher wohl nicht?! Nehmen wir mal als Beispiel den heissumkaempften S21, der vor lauter Reisenden aus allen Naehten platzt!! Daher muss unbedingt ein neuer her. Meine Prognose, der wird nie zu Ende gebaut. Damals so in den 1960 Jahren wimmelte es nur so von BAHNBEDIENSTETEN. Da gab es 12? Schalter fuer die Fahrkarten, Gepaecktraeger waren auch noch vorhanden. Wollte man auf die Bahnsteige musste man an 12? Knipsern vorbei und dafuer benoetigte man eine Bahnsteigkarten -,10 DM. aussem eisenen Beamtenapparat! War man endlich im Zug lief da einer den Bahnsteig herunter und knallte die Tueren zu. Dann setzte sich ein Anderer die Muetze auf, nahm den Stab hoch und pfiff. Der Heizer hatte schon vorgearbeitet uns los gings.Einige Beamte liefen mit dem Kursbuch unterm Arm auf und ab, die hatten fast alles im Kopf, wo und wann man z.B. umsteigen muss. Und heute??? Das ist nur ein Beispiel, was an Arbeit automatisiert wurde und den Menschen ueberfluessig machte. Oder denken Sie mal an die Grenzuebergaenge, an die Binnenzollaemter. Heute sitzen im ALDI 5 oder 6 Kassiererinnen, hinten laufen 2 Einsortierer rum. Und ALDI ist gleich 8 Tante Emma Laeden!! Seltsam, es werden immer mehr Abgeordnete ohne Berufserfahrung. Daher kommt auch die allg. Volksverdummung! Da melden z.B. die Autohersteller Rekorde, ueber 6Millionen Fahrzeuge 2012!! Die Mittelschicht, also Selbststaendige und gut bezahlte Angestellte und Arbeiter werden immer weniger. Armes Deutschland, Du gehst einen schweren Weg!! Natuerlich nur weil so ein paar Idioten sich hervortun wollten und wollen. Da wurden die Deutschen Mittenrand oder besser ohne verkohlt. Der Euro, der Euro macht jeden REICH! Stimmt, mit sehr schlechten Erfahrungen. Selbst die Bauern verschwinden, sie koennen einfach nicht mehr weitermachen. Apfel aus Neuseeland,Weintrauben vom Cap, Spargel aus Asien und der Beruf Schneider ist spurlos verschwunden. In meiner Kindheit gab es noch 2 Schneidermeister im heutigen ABC Viertel, die machten ein gutes Geschaeft mit Paradeuniformen. Hinterher hiessen die dann VAN DER STANG und heute C&A. usw. und geschneidet wird in Fernost!!!
Oberleerer 29.04.2013
Diese Entwicklung ist offensichtlich und wünschenswert. 40h-Woche, Wasserklosett und Warmwasser für alle sind Folge der Entwicklung. Und unsere Regierung kauft Arbeit indem die Menschen gezwungen werden ABMs zu absolvieren, zahlt an Firmen, damit diese Arbeitsplätze schaffen, die sie nicht brauchen. Rente mit 70 und sogar die Samstage sollen wieder Arbeitstage werden. Am Ende gelangt man wieder zu Marx/Engels, dass das eigentliche Problem das private Eigentum an Produktionsmitteln ist. Die oben erwähnte Roboter-Steuer gibt es gewissermaßen: die Gewerbesteuer. Es mag ungerecht sein, wenn die wenigen Produktiven alle anderen versorgen, aber anders ist das Problem nicht zu lösen.
hliepelt 29.04.2013
Einige Kommentatoren beklagen, was das Neue an der Erkenntnis sein soll. Es ist aber nicht so gelaufen wie sie glauben. Lange Zeit war die Ausweitung der Kompentenzen von Maschinen reine Science-Fiction. Man glaubte in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts fest daran, demnächst Maschinen um sich zu haben, die so intelligent sind wie Menschen. Doch es war eine ziemlich scharfe Grenze da, über die Maschinen einfach nicht kamen. Erst durch die immense Verstärkung der Rechenleistung, Vergrößerung des Speichers und immer ausgeklügeltere Software wird diese Grenze zu komplexen, intelligenten Entscheidungen eingerissen, die vorher nur durch Menschen stattfinden konnten. Anfangs konnte tatsächlich Entwarnung gegeben werden, weil einfach klar war, dass eine Kassiererin oder Telefonistin nicht ersetzt werden kann. Der Effekt der Weiterentwicklung würde erst richtig greifen, hätte man das Gehirn noch besser verstanden und könnte diese echte Intelligenz und Lernfähigkeit auf Maschinen übertragen. Daran wird ja gearbeitet. Dies hätte in der Tat zur Folge, den Menschen in der Arbeitswelt überflüssig zu machen. Den Stand wissenschaftlich zu erfragen, wie weit man in diesem Vorhaben schon ist, ist keineswegs "alter Wein in neuen Schläuchen".
sponcon 29.04.2013
Fast 200 Jahre nach David Ricardo seinen Vorstellungen, dass mit zunehmender Produktivität immer mehr Arbeitsplätze wegfallen, kommt man wieder drauf. Damals gab es aber nur ca. eine Milliarde Menschen auf der Erde.
LesterBurnham 29.04.2013
Die nächste
große Automatisierungswelle wird wohl die Transportbranche betreffen.GPS gesteuerte LKW währen sicherer und effizienter.
gegenrede 29.04.2013
Alter Wein in neuen Schläuchen. Maschinensteuer, geringere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn und BGE sind die Maßnehmen dagegen, letztendlich muss das Vermögen wieder in die andere Richtung verteilt werden und die verbleibende Arbeit gerechter verteilt werden, sonst drohen auf Dauer wieder faschistische Zustände und /oder Bürgerkriege.
LK1 29.04.2013
So sieht die Realität aus. Stetiger Wegfall von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Soweit nichts Neues. Darum rege ich mich auch immer auf, dass für die Familienförderung soviel Geld umverteilt wird. Wir haben nicht zu wenig Kapazitäten auf dem freien Arbeitsmarkt sondern heute und auch morgen viel zu viele. Aber mit Elterngeld und Herdprämien der Zielgruppe einreden, sie würden da etwas besonders Sinnvolles für die Gesellschaft erbringen. Ausser Spesen in Summe nix gewesen... Will man den Kokolores weiterhin betreiben und die Neuverschuldung halbwegs in Grenzen halten, kommt man um eine Art der Maschinensteuer nicht umhin, um den Wegfall der Sozialkasseneinnahmen kompensieren zu können. Passieren wird hier von politischer Seite nichts, solange die Notwendigkeit nicht absolut zwingend wird.
neutron76 29.04.2013
Die USA ist in dieser Richtung ein Entwicklungsland. Die werden noch richtige Probleme bekommen. Ich habe noch nie so viele Leute in Dienstleistungsjobs gesehen, wie dort. Da arbeiten 10 Leute in einem kleinem Supermarkt, wo bei uns drei Verkäuferinnen rumlaufen würden. Wenn die Amerikaner einmal auf die Idee kommen ihre Einkäufe selbst einzupacken oder auf ein paar Schaffner zu verzichten, werden sie ein riesiges Arbeitslosenproblem bekommen.
EmmaDiel 29.04.2013
"Im Kampf Mensch gegen Maschine ziehen wir... den Kürzeren". Na, das geht ja ein bisschen an der Sache vorbei, denn das "Wir" in dem Satz ist sinnfrei. Die Maschinen kämpfen nicht, sie sind als Technologie erst mal neutral. Die Frage ist eher, wie die Maschinen eingesetzt werden. Und zwar: von Menschen eingesetzt werden. Richtiger müsste es also heissen: Im Kampf maschinenloser Mensch gegen maschinenbesitzenden Mensch ziehen die Ersteren den Kürzeren. Früher hätte man diese beiden Gruppen bezeichnet als: Lohnarbeiter und Kapitalist. Eigentlich sollte der Sozialstaat diesen Kampf ja abmildern. Was ist mit ihm eigentlich passiert, hat die Beerdigung schon stattgefunden? Heute ist wieder Feudalismus angesagt!
bernb 29.04.2013
Wieso wird eigentlich immer behauptet, dass Menschen zum Überleben Jobs bräuchten, als wäre das eine biologische Gesetzmäßigkeit? Was Menschen brauchen ist die Befriedigung ihrer (echten) Bedürfnisse. Schon jetzt wäre es unter optimaler Nutzung der globalen technischen und natürlichen Ressoucen machbar, dieses jedem Menschen zu ermöglichen. Und je besser die Technologie wird, desto einfacher wäre dieser Zustand zu erreichen. Klingt wie eine Utopie? Keine Ahnung wie sich das je ändern soll? Nun, das ist gewollt. Das Problem sind nicht Maschinen, die immer besser werden, sondern Entscheider, die gar nicht mehr wissen was echte Bedürfnisse sind und wirtschaftliche und politische Systeme, die das auch noch fördern.
cosicosa 29.04.2013
Bedingungsloses Grundeinkommen könnte eine Lösung sein. Derzeit läuft eine EU-weite Petition: die EU soll sich mit den Konzepten für ein Grundeinkommen näher befassen (schon 33.000 Unterschriften) http://basicincome2013.eu/ubi/de/ Deutsche Zeitungen berichten bislang leider nicht über die Petition.
gankuhr 29.04.2013
Es kann nicht Sinn der Sache sein, dass der Mensch Arbeit erledigt, die genausogut auch von dummen Maschinen gemacht werden kann. Natürlich stimmt es, dass ein Teil der Arbeit wegfällt. Wir müssen aber damit lernen umzugehen und die Menschen dann eben für andere Dinge sinnvoll einsetzen, anstatt zu hadern oder Weltuntergangsszenarien heraufzubeschwören. Früher arbeitete ein Großteil der Menschen auf den Feldern. Seit es Traktoren und Mähdrescher gibt, kann sich eben ein größerer Teil der Menschen mit Dienstleistungen, Forschung und sonstigen Dingen beschäftigen. Geschadet hats uns und unserem Wohlstand sicherlich nicht. Und genau, wie sich die ersten Arbeitslosen Bauern im 18. Jhd. nicht vorstellen konnten, dass es irgendwann mal Jobs wie Kirmeskarusselbetreiber, Informatiker oder Reisebürokaufmann gibt, wissen wir jetzt noch nicht, was kommt. Aber irgendwas kommt.
gankuhr 29.04.2013
Es kann nicht Sinn der Sache sein, dass der Mensch Arbeit erledigt, die genausogut auch von dummen Maschinen gemacht werden kann. Natürlich stimmt es, dass ein Teil der Arbeit wegfällt. Wir müssen aber damit lernen umzugehen und die Menschen dann eben für andere Dinge sinnvoll einsetzen, anstatt zu hadern oder Weltuntergangsszenarien heraufzubeschwören. Früher arbeitete ein Großteil der Menschen auf den Feldern. Seit es Traktoren und Mähdrescher gibt, kann sich eben ein größerer Teil der Menschen mit Dienstleistungen, Forschung und sonstigen Dingen beschäftigen. Geschadet hats uns und unserem Wohlstand sicherlich nicht. Und genau, wie sich die ersten Arbeitslosen Bauern im 18. Jhd. nicht vorstellen konnten, dass es irgendwann mal Jobs wie Kirmeskarusselbetreiber, Informatiker oder Reisebürokaufmann gibt, wissen wir jetzt noch nicht, was kommt. Aber irgendwas kommt.
Das einzige, was unser wankendes Gesellschaftssystem noch vor dem Absturz bewahrt, ist der alte römische Trick des "Panem et circenses" - Brot und Spiele. Die Erhöhung der HartzIV-Armeen sowie das Niveau der quotenstärksten Fernsehprogramme (Dschungelcamp & Co.) weisen seit langem in diese Richtung. Der arbeitende Pöbel stört die Spekulanten beim Geldverdienen, und daher ist das Zuschauen beim Verzehr von Känguruh-Hoden durch C-Promis zum kulturellen Highlight aufgestiegen. In diesem Sinne: Weiter so, westliche Welt.
duschinabuschi 29.04.2013
Die Menschen müssen sich völlig neu der Technologie gegenüber positionieren. Maschinen sind nicht nur antropophil, also 'nützliche Werkzeuge'. Wir müssen ganz neu definieren, was 'Mensch sein' heutzutage und in Zukunft bedeuten wird. Die Fähigkeiten der neuesten Expertensysteme (Deep Q&A) lassen ahnen, dass bald Ärzte und Ingenieure nicht mehr in dem Maße benötigt werden, wie jetzt, und das wirs sich immer schneller fortsetzen. Wenn aber die Maschinen am Ende tatsächlich alles besser können, wozu 'braucht' man dann überhaupt noch Menschen? Wir müssen darüber nachdenken, was unser aller Zweck ist und am allerdringlichsten, wie Menschen dann entlohnt werden und wofür? Woran es absolut mangelt, ist Forschung auf diesem Gebiet! Der Staat und die Fakultäten müssen investieren in die Erforschung neuer Lebensmodelle. Die Zielsetzungen von Technologien müssen viel stärker bedacht und analysiert werden.
schlachtross 29.04.2013
Es ist historisch gesehen gar nicht so lange her, da waren 8 von 10 Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt. Mittlerweile arbeiten nur noch etwas mehr als 1% aller Beschäftigten in der Landwirtschaft. Und es werden immer noch weniger werden. Und ist das schlimm? Wollen wir da die alten Zeiten zurück? Der technologische Fortschritt kommt und ihn zu verhindern wäre kontraproduktiv (im wahrsten Sinne des Wortes) und völlig an der Realität vorbei. Statt darüber zu jammern, sollte die Gesellschaft (Politik, Wirtschaft, Wissenschaft) sich üebr die Gestltung des Fortschritts verstärkt Gedanken machen - und nicht nur bei Symposien mit so schönen Titeln wie 'Die Arbeitsweolt im Wandel' o.ä.
Vor 30, 40 Jahren wurden sich schon Lösungen überlegt. Na ja, die haben wir nicht angenommen und heute wird man zum Idioten erklärt wenn man diese Vorbringt, unsere heutige Lösung ist alles so zu produzieren das es nach 4 Jahren kaputt geht und die 50% Arbeitslosigkeit in Europa umzuverteilen. Aber wenn man wollte könnte man es auch gerecht verteilen und alle angenehm leben lassen. Man kann noch mehr machen als 40 Std. arbeiten - aber das ist wieder eine These die für unmöglich gehalten werden wird. Wenn die Resourcen zum Leben da sind könnte man sich geistig und kulturell weiterentwickeln. Tatsächlich sind Länder wo man nur arbeiten muss um das Leben zu sichern in der Steinzeit verblieben. Gibt es ja. Nur dort wo Zeit ist um sich Gedanken zu machen, Ideen auszuprobieren, etc. hat eine grosse Weiterentwicklung stattgefunden. Man kann die Zeit auch sinnvoll nutzen, auch wenn man Modelle wie die 20Std. Woche für alle umsetzen würde. Tatsächlich würde es die Menscheit weit nach vorn bringen wenn die andere Zeit kreativ genutzt wird. Aber... na ja, das wird man niemand beibringen können das sein 50Std-Woche-Job einem anderen seinen Job kostet. Aber so ist das eben. Für viele ist soviel Arbeit wie möglich der einzige Lebenssinn. Ist so, wird man noch nicht so einfach ändern können.
ADie 29.04.2013
Hat das nicht ein gewisser Karl Marx schon vor rund 150 Jahren vorhergesagt? Inklusive solcher Krisenerscheungen wie dem Abfluss der Kaufkraft in obskure Finanzwetten (er nannte das nur "Wechselgeschäfte")? Erstaunlich, wie lange das die US-amerikanisch geprägte Vodoo-Wirtschaftslehre so lange ignorieren konnte.
mantrid 29.04.2013
Viele US-Jobs wurden nach Asien ausgelagert, z.B. Call-Center (Mitarbeitern wurde sogar Texas-Akzent beigebracht), Anwaltsgehilfen, Analyseabteilungen von Wirtschaftsberufen usw. Das ist für den deutschen Sprachraum zum Glück nur eingeschränkt möglich. Bei pflegerischen oder kreativen Berufen ist ein Wandel auch noch nicht eingetreten. Die Fingernagel-Schneide-Maschine, die ohne die Finger zu verletzen schneidet, gibt es immer noch nicht. Und auch Fisch oder Fleisch sauber zu zerlegen, schafft kein Roboter.
deSelby 29.04.2013
Da lohnt ein zweiter Blick...
Zitat von neutron76Die USA ist in dieser Richtung ein Entwicklungsland. Die werden noch richtige Probleme bekommen. Ich habe noch nie so viele Leute in Dienstleistungsjobs gesehen, wie dort. Da arbeiten 10 Leute in einem kleinem Supermarkt, wo bei uns drei Verkäuferinnen rumlaufen würden. Wenn die Amerikaner einmal auf die Idee kommen ihre Einkäufe selbst einzupacken oder auf ein paar Schaffner zu verzichten, werden sie ein riesiges Arbeitslosenproblem bekommen.
Genau das was Sie da beschreiben ist auf den zweiten Blick vielleicht sogar das Gegenteil von "Entwicklungsland". Wir werden uns umsehen müsssen, weil wir immer noch glauben Rationalisierung und das auskommen mit möglichst wenig Arbeitskräften sei ein guter und richtiger Weg, während er in Wahrheit die Grundlagen unserer Gesellschaft langsam aber sicher zerstört. Fakt ist nun aber nicht jeder ist für einen hochqualifizierten Job geeignet und wir müssen versuchen, damit umzugehen: Entweder wir lernen uns von der Fixierung auf Lohnerwerbsarbeit zu lösen, was ich angesichts der häufigkeit und der Vehemenz einer eigentlich viel zu kurz greifenden Kritik an richtigen Ansätzen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen für einen sehr schwierigen Weg halte oder wir werden zusehen müssen, daß aus einfachen Produktionsarbeiten einfache Dienstleistungstätigkeiten werden. Die Alternative wäre Erosion von Arbeitsplätzen und damit erosion von Teilhabe am Wohlstand immer größerer Teile der Bevölkerung und das überlebt keine Gesekllschaft auf dauer. Abgesehen davon wäre eine solche Gesellschaft ethisch-moralisch in jeder Hinsicht untragbar.
VincentVegas 29.04.2013
Wie amüsant. Als ich in der 12. Klasse vor ca. 30 Jahren in einer SoWi Klausur die Aufgabenstellung bekam, einen Weg für unaufhörliches wirtschaftliches Wachstum zu beschreiben, habe ich als Mathematiker und Informatiker natürlich erkannt, dass es so etwas nicht gibt. Damals beschrieb ich den Tomminimus, bei dem Arbeiter durch Roboter ersetzt werden und die Unternehmen dann 50%-80% der Ersparnisse direkt zur Unterstützung der entlassenen Arbeiter zahlen müssen. Marx kannte ich damals nur vom Namen her. Ich hätte doch in die Wirtschaft oder die Politik gehen sollen. :-)
baynado 29.04.2013
Na das ist doch klasse, wenn wir das Joch der arbeit endlich abwerfen könnten. Es wird dann nur schwieriger für Diejenigen die glauben die Macht zu haben, weil dann die Menschen mehr Zeit haben werden darüber nachzudenken, was die da oben falsch machen. Meiner Meinung nach könnten wir schon heute unser Leben erheblich entspannter und gerechter gestalten, wenn wir uns von der Vorstellung lösen könnten, unseren Lebensunterhalt durch stupide Arbeit verdienen zu müssen.
deedl 29.04.2013
Langfristig führt kein Weg an einer Arbeitszeitverkürzung und damit der 30-Stunden-Woche vorbei. http://deedls.blog.de/2013/02/19/30-stunden-woche-15547486/
AnKai 29.04.2013
Im Westen nichts neues... Der technologische Fortschritt hat auch seinen Vorteil, der Mensch könnte mal darüber nachdenken sinnvolles mit seiner Zeit anzufangen, wenn er nicht mehr an der Kasse, dem Fließband oder im Sekretariat arbeiten muss. Zusätzlich kann sich die Arbeitslast je Arbeitnehmer auch weiter reduzieren und die so frei werdende Zeit und Energie in Freunde, Familie und Selbstverwirklichung gesteckt werden. Es arbeiten aber jetzt schon Leute 60 Stunden die Woche - das wird in 10 Jahren auch noch so sein. Gewisse Gesetzmäßigkeiten werden sich dabei nie ändern! Weniger polarisieren bei solchen Themen würde ich meinen. PS: Paul Krugman hat mir mal gesagt, er hat auch nicht immer recht ;)
vandenplas 29.04.2013
Genau dafür wäre das bedingungslose Grundeinkommen eine mögliche Lösung. Immerhin nehmen uns Maschinen, Roboter, Informationssysteme und Kommunikationssnetzwerke immer mehr Arbeit ab - nicht nur in Produktions-, sondern zunehmend auch in Administrations- und Verwaltungsprozessen. Das ist nicht etwa eine schlechte, sondern sehr begrüssenswerte Entwicklung! Nur gehen wird damit (noch) falsch um: Mit einem zunehmenden Automatisierungsgrad bestünde die Chance grosse Teile der Bevölkerung aus abhängiger (zu grossen Teilen stumpfsinnigen) Lohnarbeit zu befreien und ihr mehr Verfügungsgewalt über die eigene Lebenszeit zu geben.
JohnStan 29.04.2013
Ich hasse Artikel mit rhetorischen Fragen als Titel
CHANGE-WECHSEL 29.04.2013
Die Maschine verdrängt den Menschen! Dies gilt wohl nicht nur für die Arbeit, sondern im Endstadium wohl auch für die Erde. Die Endlösung der Menschheit initiiert durch Maschinen. Letztlich werden ein paar Reiche mit ihren Fabriken und Maschinen übrig bleiben.
ostap 29.04.2013
Die neue Qualität der Analysen von Erik Brynjolfson und Andrew McAfee ergibt sich aus zwei Gesichtspunkte: Erstens hat die Technologie mit dem allgegenwärtigen Einsatz von Sensoren und der Möglichkeit, dass Maschinen und Anlagen miteinander drahtlos kommunizieren können, eine neue Qualität von Maschinen hervorgebracht, die ihre Umwelt analysieren und auf der Basis von allgemeinen Vorgaben in der Lage sind, Entscheidungen treffen und diese nahezu weltweit zu kommunizieren ("Internet der Dinge"). Zweitens führt die damit mögliche unerhöhrte Steigerung der Arbeisproduktivität in nahzu allen Berecihen menschlicher Tätigkeit unter den gegebenen gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu immer größeren Verwerfungen in der Gesellschaft in immer kürzerer Zeit. Das haben die beiden Autoren brillant herausgearbeitet (auf der Basis von offiziellen statistischen Daten der USA). So ist der Median des Haushaltseinkommens in den vergangenen 15 Jahren in den USA leicht rückläufig (um die 60.000$), während das BIP pro Einwohner in diesem Zeitraum um rund 30% gestiegen ist. Die Erklärung ist einfach: Der Wohlstandszuwachs ist in diesem Zeitraum ausschließlich bei den Kapitaleigner angekommen. 1% der US-Haushalte haben 65% allen Einkommenszuwachses seit 2002 vereinnahmt, oder noch drastischer: die 0,01% Familien der USA mit dem höchsten Einkommen haben ihren Anteil am Nationaleinkommen zwischen 1995 und 2007 von 3% auf 6% gesteigert.
mitreder1 29.04.2013
Vorsichtig mit Maschinensteuer oder besser Wertschöpfungsabgabe. Was würde denn passieren, wenn eine solche erhoben würde? Unternehmen wandern ab und somit haben wir mit dem Schinken nach der Wurscht geschmissen! Solange es eine globalisierte Welt gibt, sollte man mit mit solchen Begriffen extrem vorsichtig sein. Unternehmer können nun mal machen was sie wollen und müssen dies auch. Dem Anreiz, durch Automatisierung wettbewerbsfähiger zu werden, kann weder Politik noch Arbeitnehmer etwas entgegensetzen. Leider muss man sagen. Aber um immer, Alles und das Neuste zu halbwegs erschwinglichen Preisen zu erweben, ist das nunmal so.
Gerdd 29.04.2013
Nun ja, wenn hier einer ein Deja Vu erlebt - gut. Aber der Trend ist in der Tat seit längerem auf Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Einige Veränderungen in der Umsetzung von IT-Lösungen haben in der Tat sehr weitreichende Wirkungen und es werden nunmehr auch zum ersten Mal die Zahl und Qualifikation von IT-Mitarbeitern rückläufig werden. Allerdings, nicht alles ist negativ zu sehen: >>Call-Center-Mitarbeiter werden durch Telefon-Roboter ersetzt.> Anwaltsgehilfen durch Computerprogramme, die Dokumente schneller und besser durchkämmen.
haraldkaffee 29.04.2013
War das nicht der Traum der Menschheit, dass eines Tages Maschinen die Arbeit übernehmen? Ist doch also eine gute Sache. Allerdings nur, wenn sich die Gesellschaftsstruktur dieser Tatsache anpasst und die Konzerne, die dadurch viel Geld verdienen, den Gewinn mit den Menschen teilt. Denn Geld ist genug da, um alle zu versorgen. Deshalb sind Vorschläge wie das bedingungslose Grundeinkommen in Verbindung mit Besitzobergrenzen und drastisch höheren Steuern für Reiche die Modelle der Zukunft, die zwangsläufig kommen müssen, um eine weltweite Oligarchie der Großkonzerne, d.h. eine Herrschaft weniger Reicher über eine breite Masse Gering- und Normalverdiener, zu verhindern. Denn das wäre das Ende der Demokratie und würde in einer Diktatur der Ökonomie münden. Die Wirtschaft muss wieder dem Leben der Menschen untergeordnet werden und nicht das Leben der Wirtschaft. Nur wenn die Gesellschaft ihr Gesamtwirtschaften als gemeinsame Anstrengung begreift und die Gewinne an alle verteilt werden, unabhängig von Herkunft und Status, kann ein Basiswohlstand für alle erreicht werden. Die Menschen hätten durch die Übernahme der Arbeit durch Maschinen dann die Muse und Zeit, sich vorwiegend dem Menschsein zu widmen. Arbeit von Menschen für Menschen stünde dann im Vordergrund, also vor allem soziale Arbeit, das Kümmern um die Erziehung und Bildung, die humane Versorgung von alten Menschen, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung bzw. wäre allgemein ein gesünderes Leben möglich, die Achtung und Bewahrung der Natur, intensive Grundlagenforschung der Wissenschaften, um den Menschen immer bessere Möglichkeiten an die Hand zu geben, Probleme zu lösen, usw. usw. Die Möglichkeiten sind enorm, doch stecken wir derzeit in einem Zeitalter des Übermenschen, des "Titanismus" bzw. der "Herrschaft der Titanen", wie Ernst Jünger es einst umschrieben hatte. Momentan herrscht die Gier, das Ego, Individualstreben, soziale Kälte. Das wird sich erst ändern, wenn es zur weltweiten Katastrophe kommt, einer Reinigung, die mit großen Opfern und Schmerzen für alle einhergeht.
guent 29.04.2013
Die Lösung ist ein bedingungsloses Grundeinkommen, denn Tätigkeiten gibt es genug, das muss aber keine Erwerbsarbeit sein. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen sind die Menschen befähigt tätig zu sein, auch ohne zusätzlichen Lohn, denn das Einkommen zum Leben ist bereits vorhanden
fwohlgemuth 29.04.2013
Dass sich Wissenschaft heute noch gefordert fühlt, diese Binsenweisheit zu untermauern, wirft kein gutes Licht auf diese Wissenschaft. Ich bin gespannt, wann sie merkt, dass es nicht nur die gefährlichen und monotonen Arbeitsplätze sind, die durch Computer ersetzt werden, sondern auch die, die sie (noch) nicht ersetzen können, indem die Produktivität der dort sitzenden und scheinbar unersetzlichen Menschen durch Computer vervielfacht wird.
alaf 29.04.2013
Zitat von fwohlgemuthDass sich Wissenschaft heute noch gefordert fühlt, diese Binsenweisheit zu untermauern, wirft kein gutes Licht auf diese Wissenschaft. Ich bin gespannt, wann sie merkt, dass es nicht nur die gefährlichen und monotonen Arbeitsplätze sind, die durch Computer ersetzt werden, sondern auch die, die sie (noch) nicht ersetzen können, indem die Produktivität der dort sitzenden und scheinbar unersetzlichen Menschen durch Computer vervielfacht wird.
Na und? Dann wird es neue Arbeitsplätze geben, die der entsprechenden Produktivitätsentwicklung angepasst sind. Sollte die Robotik sich entwickeln, wird sich ein riesiger Berufszweig entwickeln, der Einrichtung, Instandhaltung & Wartung, Verkauf, Organisation und Anwendungsplanung umfasst. IBM hat in den 60er Jahren behauptet, dass Computer nur für Spezialisten geeignet seien und dass es von diesen Spezialisten maximal 10000 weltweit gäbe. Heute hat jeder einen Computer auf dem Schreibtisch und die IT-Industrie ist eine der größten Branchen und Joblieferanten weltweit geworden. Im 17. Jahrhundert existierten 70% der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft. Heute in Deutschland, gerade noch ca. 1%. Wenn die Welt nach Ihrer ludditischen Vorstellung funktionieren würde, gäbe es in jedem Industrieland ununterbrochen 69% Arbeitslose.
bebelondon 29.04.2013
Wenn wir eine Gesellschaft hinkriegen, wo in der Erwerbswelt zwanzig Wochenstunden Arbeit die Regel sind, wo der Geldwert der gesamten Wirtschaftsleistung halbwegs gerecht auf alle verteilt wird, wo die meisten Leute wieder im eigenen Garten ihre Nahrung ziehen, selber kochen und backen, alle möglichen handwerklichen und sozialen Arbeiten um ihrer selbst willen verrichten, in der Mußezeit lesen, singen, tanzen - ja dann wird's uns gut gehn. Das Paradies liegt um die Ecke. Aber lieber schinden wir uns gegenseitig zu Tode.
pi26 29.04.2013
Oberste Priorität unserer Primitivität ist doch unsere Beschäftigung ergo Unfreiheit. Es ist der Fluch unseres Urfehlers des paradoxen Besitzes, der letztlich gewaltsam das Ende jeder Freiheit als Folge totaler Besetzung erwirkt. Der besetzte ergo verarschte Planet ist eine zu Urzeiten von Primitiven erzwungene und deren Irrsinn fortspinnende primitive Scheinwelt, welche nun schon fast das perfekte Negativ einer zivilsierten Welt ist – eine gewaltgetränkte Wirklichkeit gegen die Freiheit, gegen die Wahrheit und gegen das Leben. In dieser höllischen Scheinwelt quälen und schlagen wir uns, und so verwirken wir unsere Lebendigkeit und letztlich auch unser Leben. Die Menschheit hat der Wirklichkeit von Primitivität viel zu wenig entgegen gewirkt oder ist zu primitiv geblieben oder geworden. Hoffentlich waren positiv wirkliche Menschen immer nur zu naiv, tolerant, ängstlich oder passiv. Die resultierende Scheinwelt wurde jedenfalls viel zu lange und unkritisch als Wahrheit oder Normalität wahrgenommen, daher ist die Primitivität des Urfehlers jetzt unsere dominante Wirklichkeit. Also muss sich sehr bald zeigen, ob die Menschheit noch aufersteht, oder ob wir als verkörperter Urfehler bloß noch unsere eigene Auslöschung erwirken müssen. Wider penetrant Verleitenden, welche per Missbrauch von Technik alle schrillen Alarmsignale durch ausgestrahlte irrelevante und falsche Wahrheit sowie ebensolche Wirklichkeit überstrahlen, müssen wir jetzt den Urfehler ultimativ unwirklich machen. Immer penetranter täuscht, verleitet, beschäftigt und instrumentalisiert uns diese Scheinwelt zwecks unserer Unfreiheit und Unwirklichkeit. Solange wir dem Wachstum der Scheinwelt als Konsumenten und Beschäftigte dienen, erkaufen ergo besitzen und erarbeiten ergo verdienen wir immer perfektere Unfreiheit! Sobald wir die Unfreiheit nicht mehr durch Wachstum steigern ergo alsbald minimale Freiheit keimt, müssen wir über extremen Krieg und Zerstörung wieder unsere stabile Unfreiheit erkämpfen! Das ist unsere lapidare Wirklichkeit, aber das kann unmöglich unsere Wahrheit bleiben!
alaf 29.04.2013
Zitat von bebelondonWenn wir eine Gesellschaft hinkriegen, wo in der Erwerbswelt zwanzig Wochenstunden Arbeit die Regel sind, wo der Geldwert der gesamten Wirtschaftsleistung halbwegs gerecht auf alle verteilt wird, wo die meisten Leute wieder im eigenen Garten ihre Nahrung ziehen, selber kochen und backen, alle möglichen handwerklichen und sozialen Arbeiten um ihrer selbst willen verrichten, in der Mußezeit lesen, singen, tanzen - ja dann wird's uns gut gehn. Das Paradies liegt um die Ecke. Aber lieber schinden wir uns gegenseitig zu Tode.
Ringelpitz war schon. Bündische Jugend (http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndische_Jugend) Anscheinend haben Sie noch nie versucht, umfänglich Landwirtschaft zu betreiben. Selbst wenn Insekten usw. nicht alles auffressen, werden Sie wahrscheinlich übers Jahr gesehen verhungern, weil Sie es nicht schaffen werden, die für Ihre Versorgung notwendige Fläche zu nutzbar zu machen. Selbst wenn Sie aufgrund günstiger Voraussetzungen über diese Hürde kommen sollten, werden Sie nichts anderes mehr tun können. D.h. Ihr Arbeitseinkommen ist anschließend = 300g Brot / Tag + 1 Hühnerschenkel. Ob das nachher ein Anlass zu großen Gesängen sein wird, wage ich sehr zu bezweifeln. Landwirtschaft ist ein hochspezialisierter und effizienter industrieller Wirtschaftszweig, der enormes Knowhow und Kapital voraussetzt, der außerdem seine Produktivität schneller steigert als die Industrie. Landwirtschaft kapitalintensives Gewerbe - www.proplanta.de (http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Agrarwirtschaft/Landwirtschaft-kapitalintensives-Gewerbe_article1331364529.html)
knowit 29.04.2013
Ein wichtiger Faktor
wird oft ausgeblendet: wir leben in EINEM globalen Markt. Wir können höhere als die in China gezahlten Löhne nur durch Technologie- oder Produktivitätsvorsprung gerechtfertigen. Das sich hieraus ergebende Gleichgewicht stellt die machbare Lohn- und Arbeitszeitpolitik dar. Bei den verständlichen Rufen nach Betätigung der Stellschrauben sollte dies berücksichtigt werden.
gegenrede 29.04.2013
@knowit Sie vergessen etwas Wesentliches, nämlich die Kosten für Umwelt und Soziales, wenn China auf Kosten der Menschen und Umwelt produziert, dann kann dies nicht der Maßstab für unsere Produktivität sein. Produktionskosten werden erst dann wirklich vergleichbar, wenn die ökologischen/sozialen/ethischen Faktoren halbwegs gleich sind.
pi26 29.04.2013
Bravo knowit, Sie sind ein Negativ, wie es die Scheinwelt als Leistungsträger prägt und preist – indem sie es glauben: "Ein wichtiger Faktor wird oft ausgeblendet: wir leben in EINEM globalen Markt. Wir können höhere als die in China gezahlten Löhne nur durch Technologie- oder Produktivitätsvorsprung gerechtfertigen. Das sich hieraus ergebende Gleichgewicht stellt die machbare Lohn- und Arbeitszeitpolitik dar. Bei den verständlichen Rufen nach Betätigung der Stellschrauben sollte dies berücksichtigt werden." Im Positiv stellt es sich so dar: Eine irrsinnige Totalität wird meist ausgestrahlt: wir leben in EINEM globalen Markt. Unser Volk ist teils ungerechtfertigt, weil nur Maschinen billiger als die Chinesen produzieren. Dank dem hieraus ausgelösten Fallbeil kann die machtlose Politik das Gleichgewicht verkünden. Die schreiende Volk soll einfach nicht berücksichtigt werden.
pi26 29.04.2013
Nur negative Maschinen verdrängen Menschen. Positive Maschinen befreien und bedienen Menschen. Alles im Universum inklusive allen Lebens ist jederzeit Resultat aller vorhergehenden Wirkungen ergo Wirklichkeiten. Aufgrund verinnerlichter natürlicher Gesetzlichkeit wird Wirklichkeit oft als Wahrheiit verstanden, obwohl diese in unserer Scheinwelt immer seltener Einheit sind. Da nur natürliche Wirklichkeit definitiv gleich Wahrheit ist, kann menschliche Wirklichkeit nicht ungeprüft als Wahrheit angenommen werden. Definitiv verändern jetzt also Wirklichkeiten die Welt – positiv oder negativ und mehr oder weniger. Oft stösst eine kleine Wirklichkeit viel größere Folgewirklichkeiten an, wodurch sogar kleinste Lebewesen und Pflanzen sehr bedeutende Wirklichkeit haben können. Folgewirklichkeiten der Wirklichkeiten der Bienen sind z.B. die Befruchtung von Blüten für das folgliche Wachstum von Früchten und für die folgliche Ernährung anderer Lebewesen. Indem Wirklichkeiten jedenfalls mehr oder weniger die Entwicklung der Welt verändern, verewigt sich auch minimale Wirklichkeit. Per Verbreitung und verzweigende Folgewirklichkeiten können Wirklichkeiten auch sehr lange stark wirken und über die Zeit immer mächtiger werden. Die Gesamtwirklichkeit irdischer Natur ist Folgewirkung aus wenigen Wirklichkeiten in ferner Vergangenheit. Über das Wachstum von Folgewirklichkeiten aus Wirklichkeiten sind manche menschliche Pflanzungen negativer Wirklichkeit extrem gefährlich, indem die folgliche eintretende Negativwirklichkeit über die Zeit stetig mächtiger und letztlich vernichtend wirken kann. Unsere ganze Scheinwelt resultiert aus sämtlichen menschlichen Wirklichkeiten in der Vergangenheit, und unsere Krisen und Kriege sind zwangsläufige Folge von stetig wachsender und schließlich dominierenden Negativwirklichkeiten besonders aus unseren fatalen Urfehlern. Manche Urfehler wirken nun ungeheuer mächtig und machen die Scheinwelt inkluisive Menschheit immer negativer. Also müssen wir jede Wirklichkeit bewerten, negative Wirklichkeiten unwirklich machen und positiv wirklich sein. Besonders müssen wir endlich die Urfehler beseitigen, die uns zwangläufig immer wieder durch Kriege zurück werfen – offenbar macht uns die Negativwirklichkeit in unserer Scheinwelt zukunftslos. Die Natur ist und bleibt wahre Wirklichkeit, indem gegen die natürliche Wahrheit und Wirklichkeit wirkendes Leben hierin offenbar keine Zukunft hat.
An alle, die hier das bedingungslose Grundeinkommen fordern: Ich stelle eine Bedingung: im Durchschnitt nicht mehr Nachkommen als 1/Person (Empfänger), sonst geht das alles irgendwann in die Hose. Wünschenwert wäre
bebelondon 30.04.2013
Hallo, Alaf! Klar, Sie verdienen Ihre Brötchen in der Bienenvergiftungschemieagrarindustrie. Wunderbar für Sie, aber nicht für die Bienen et cetera. Außerdem ist klar, dass gärtnerische Bodennutzung grundsätzlich intensiver und insofern effizienter ist als großflächiger Anbau. Ihr Modell gilt allenfalls für Getreideanbau. Mir ist klar, dass mein Modell etwas Romantisch-Utopisches an sich hat. Die meisten Leute verzappen lieber ihre Zeit vor einem Bildschirm, als dass sie einem Krautkopf zum Wachsen verhelfen. Aber ich hoffe, dass in der postindustriellen Epoche eine GROSSE Minderheit ein Stück ökologisch vernünftige Nah- und Selbstversorgung in ihr Leben integrieren wird.
pi26 30.04.2013
Der Mensch ist inzwischen auch selbst erschreckend maschinell instrumentalisiert und unsensibel, indem wie und was er produziert. Der extraordinäre private Besitz von Natur und deren natürlicher Grundleistung ist eine naturgesetzliche Unmöglichkeit. Eine Spezies, welche also die Natur unfrei macht ergo besetzt hat naturgesetzlich keine Zukunft. Die Spezies trainiert fortan praktisch nur ihre negativen Wirklichkeiten, wie sie der Besetzung dienen. Indem Besetzung eben definitiv Unfreimachung ist, befindet sich die Spezies definitiv im ewigen Krieg von wechselnder Intensität. Die Wirklichkeiten der Lüge, der Täuschung und der Gewalt müssen zwangsläufig dominieren. Und zwangsläufig verschärfen Not, Gier, Geiz und Hass die Negativwirklichkeit. Die zyklische und letzlich finale Selbstzerstörung infolge wachsender Negativwirklichkeit ist unvermeidlich. Seid ihr noch wirklich wahr lebendig?
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Zum Autor
  • Sarah Girner
    Thomas Schulz ist USA-Korrespondent des SPIEGEL, zunächst vier Jahre in New York, jetzt in San Francisco. Studium der Politikwissenschaften in Frankfurt und der Kommunikationswissenschaften in Miami, Fulbright-Stipendiat, Forschungssemester in Harvard. Anschließend mehrjähriges Intermezzo bei einem Frankfurter Internet-Start-up, erlebte dort Aufstieg und Fall der New Economy.

    Seit 2001 beim SPIEGEL im Ressort Wirtschaft. Ausgezeichnet mit dem Henri-Nannen-Preis, Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik, Reporter des Jahres.

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