Silk Road So jagte das FBI den Online-Drogenboss

Sie verkauften ihm Kokain und ließen sich für Auftragsmorde anheuern: Verdeckte FBI-Ermittler haben dem mutmaßlichen Chef der Internet-Drogenplattform Silk Road monatelang Scheingeschäfte angeboten. Womöglich half bei der Verhaftung nur ein Zufall.

Verdächtiger U.: Der 29-Jährige soll die Handelsplattform Silk Road betrieben haben

Verdächtiger U.: Der 29-Jährige soll die Handelsplattform Silk Road betrieben haben


Ross U. soll über Jahre hinweg eines der bekanntesten Online-Foren für illegale Drogengeschäfte betrieben haben. Der in San Francisco verhaftete 29-jährige Physiker soll als Chef der berüchtigten Handelsplattform Silk Road Millionen verdient und Morde in Auftrag gegeben haben. So steht es in zwei Anklageschriften.

Aus den Dokumenten geht hervor, dass das FBI dem Silk-Road-Betreiber seit Jahren nachstellte, unter anderem mit verdeckten Ermittlern. Wann und warum die Beamten dem Pseudonym "Dread Pirate Roberts" den jungen Mann Ross U. zugeordnet haben, geht allerdings nicht aus den Dokumenten hervor. Vielleicht hatten die Ermittler großes Glück, vielleicht hat sie auch systematische Online-Überwachung zu dem nun Verhafteten geführt.

Hier die aus den Gerichtsdokumenten bekannten Strategien der Ermittler im Überblick:

Verdeckte FBI-Ermittler

Ein FBI-Beamter aus dem US-Bundestaat Maryland war seit April 2012 in Kontakt mit dem Silk-Road-Betreiber "Dread Pirate Roberts". Der Ermittler gab sich als Drogenschmuggler aus. Er gab vor, große Mengen Kokain über Silk Road an Kunden absetzen zu wollen. Das geht aus der in Maryland eingereichten Anklageschrift hervor.

Drogengeschäft mit dem FBI

Bei Verkaufsverhandlungen in verschlüsselten Chats im Dezember 2012 bot der Silk-Road-Betreiber dem verdeckten Ermittler einen Käufer für ein Kilo Kokain an. Das FBI schickte im Januar 2013 ein Kilo "Substanzen mit einem nachweisbaren Anteil Kokain" an die vereinbarte Adresse, der Käufer zahlte umgerechnet 27.000 Dollar in Bitcoins. Wegen dieses Geschäfts ist der Verdächtige nun wegen Drogenhandels angeklagt.

Mordauftrag an verdeckten FBI-Ermittler

Ende Januar 2013 fragte der Silk-Road-Betreiber den vermeintlichen Drogenschmuggler, ob er nicht einen Mitarbeiter umbringen könne. Ein Silk-Road-Administrator war verhaftet worden, der Betreiber fürchtete, dass der Mann in Haft auspackt. Er bot 80.000 Dollar als Bezahlung. Die FBI-Beamten schickten gestellte Fotos der vermeintlichen Folterung, später ein Foto der vermeintlichen Leiche. Nach Erhalt der Fotos wies der Silk-Road-Betreiber die zweite Hälfte der vereinbarten Zahlung an.

Gefälschte Ausweise - ein Zufallsfund?

In der zweiten, in New York eingereichten Anklageschrift gegen den Verdächtigen finden sich weitere Hinweise auf das Vorgehen der Ermittler. Kanadische Grenzbeamte fingen am 10. Juli ein Paket mit neun gefälschten Ausweisen ab, es war an den nun verhafteten U. adressiert. Ermittler trafen U. am 26. Juli 2013 in San Francisco an der beim Paket angegebenen Versandadresse.

Sie verhörten ihn, befragten seine Mitbewohner und stellten fest, dass U. ständig in seinem Zimmer am Rechner arbeitete und nicht klar war, woher er die tausend Dollar Miete nahm. U. sagte nicht, warum und wo er die gefälschten Dokumente gekauft hatte, verwies nur vage auf die Handelsplattform Silk Road, wo jeder so etwas kaufen könne.

Womöglich haben Ermittler erst durch diesen Zufallsfund die wahre Identität des Silk-Road-Betreibers entdeckt. Aus den Anklageschriften geht nicht hervor, wann und wie die Computer des Verdächtigen durchsucht wurden und ab welchem Zeitpunkt seine Online-Aktivitäten überwacht wurden. Denkbar ist, dass die Ermittler erst nach dem 26. Juli online gezielt Beweise dafür suchten, dass U. hinter dem Silk-Road-Betreiber "Dread Pirate Roberts" steckt.

Nachrichten in Internetforen

Wann FBI-Ermittler die Online-Spuren des Silk-Road-Betreibers bis zum Verdächtigen U. verfolgt haben, geht aus den Anklageschriften nicht hervor. Womöglich haben sie diese Beweiskette erst nach dem 26. Juli 2013 recherchiert. Vielleicht ermittelten die Beamten aber schon zuvor die wahre Identität des Silk-Road-Betreibers und sammelten über Monate hinweg Beweise und überwachten seine Kommunikation.

Die Indizien aus der Anklageschrift im Überblick:

  • Am 27. Januar 2011 schreibt ein Nutzer namens "Altoid" in einem Online-Forum für Psilocybin-Fans, er habe eine tolle neue Plattform namens Silk Road entdeckt.
  • Am 29. Januar 2011 empfiehlt ein Kommentator namens "Altoid" in einem Bitcoin-Forum Silk Road als "anonymes Amazon", wo es auch Heroin geben solle.
  • Im September 2011 suchte "Altoid" im selben Bitcoin-Forum nach IT-Experten, die ihm bei einem Bitcoin-Start-up helfen sollten. Als Kontakt gab er eine E-Mail-Adresse mit dem echten Namen des nun Verhafteten U. an.
  • Die Ermittler führen viele weitere Indizien dafür an, dass U. der Silk-Road-Betreiber ist - Logins auf seinem Rechner, verwendete IP-Adressen und Details aus Chatnachrichten.

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Seite 1
hanfpiraten 04.10.2013
1. O ja, ein ganz Schlimmer... super Erfolg...
Es ist schon bemerkenswert wie deutsche Medien von der Tatsache abzulenken versuchen, dass die etablierten Parteien durch die Drogenprohibition mit voller Absicht Kriminalität, Gewalt, Krankheit und Elend erzeugen, um der Allgemeinheit "Schutz" in Form von Resourcenverschwendung, Überwachung und Rechteabbau anzudrehen und Märkte zugunsten weniger Profiteure zu verzerren. Ist es etwa nicht die Pflicht der Presse, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass diese Demagogen aus reinem Eigennutz volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe und unermessliches menschliches Leid verursachen? Dass sie kriminelle Strukturen fördern, die auch für Menschenhandel etc. genutzt werden? Dank Verboten bleiben nicht Millionen von Menschen einfach nüchtern, sondern werden allenfalls dem Alkohol, Tabak, Medikamenten, Forschungschemikalien, legalen Naturdrogen, "Schnüffelstoffen" etc. zugetrieben. Hinzu kommen im Falle der willkürlich illegalisierten Substanzen der Reiz des Verbotenen, die effektive Verunmöglichung von Jugendschutz und Schadensminimierung, Szenenbildung und finanzielle Anreize durch überhöhte Preise. Prohibition tötet und steht im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
westenmax 04.10.2013
2. ein bisschen breaking bad
Wieder ein Beispiel aus dem realen Leben, das zeigt, wie ein bisschen außerhalb des Gesetzes konsequent zum mafiösen Schwerverbrecher führt. Ähnlich wie die fiktive Entsprechung Walter White hat dieser talentierte Mann Stück für Stück, ohne das große Ganze im Blick zu haben, anscheinend ein kriminelles Imperium aufgebaut, wo es keinen Weg zurück mehr gab und Probleme nur noch mit Kapitalverbrechen zu lösen sind. Jetzt hat er den Salat und muss mit einer Mordversuchsanklage zurecht kommen.
cyn 04.10.2013
3. Yeah, Zufallsfund!
Habt ihr gehört? Zufallsfund! Also verlasst euch nur weiter auf TOR und Bitcoin, ihr Kriminellen. Berichte, dass die NSA hunderte von TOR Nodes betreibt und dass in der Blockchain leicht Zahlungen zurückverfolgt werden können sind stark übertrieben. Zufallsfund! Zufallsfund!
ghm20 04.10.2013
4.
Zitat von hanfpiratenEs ist schon bemerkenswert wie deutsche Medien von der Tatsache abzulenken versuchen, dass die etablierten Parteien durch die Drogenprohibition mit voller Absicht Kriminalität, Gewalt, Krankheit und Elend erzeugen, um der Allgemeinheit "Schutz" in Form von Resourcenverschwendung, Überwachung und Rechteabbau anzudrehen und Märkte zugunsten weniger Profiteure zu verzerren. Ist es etwa nicht die Pflicht der Presse, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass diese Demagogen aus reinem Eigennutz volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe und unermessliches menschliches Leid verursachen? Dass sie kriminelle Strukturen fördern, die auch für Menschenhandel etc. genutzt werden? Dank Verboten bleiben nicht Millionen von Menschen einfach nüchtern, sondern werden allenfalls dem Alkohol, Tabak, Medikamenten, Forschungschemikalien, legalen Naturdrogen, "Schnüffelstoffen" etc. zugetrieben. Hinzu kommen im Falle der willkürlich illegalisierten Substanzen der Reiz des Verbotenen, die effektive Verunmöglichung von Jugendschutz und Schadensminimierung, Szenenbildung und finanzielle Anreize durch überhöhte Preise. Prohibition tötet und steht im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Sie wollen also, dass Kokain und Heroin in Deutschland auf jedem Schulhof frei verkauft werden dürfen. Auch an Ihre Kinder? Übrigens, der vom FBI gefasste Silk Road Treiber hatte einen ähnlich harmlos klingenden Nick wie "Hanfpiraten". Er hat sich als "Dreads Pirate Roberts" ausgegeben. Finde ich irgendwie interessant...
Brown_Jenkin 04.10.2013
5. Hab ich das richtig verstanden?
Das FBI hat Stoff ueber den Verdaechtigen vertickt und nutzt dies um diesen dem Drogenhandel anzuklagen? Ein FBI-Ermittler wird vom Verdaechtigen beauftragt jmd zu ermorden? Ich kann mir nicht helfen, habe aber das Gefuehl, dass hier ordentlich nachgeholfen wurde. Unabhaengig davon ob nun der Verdaechtige schuldig ist oder nicht kann ich mir gut vorstellen, dass die Idee mit dem Mord vom FBI-Ermittler kam. Mal abgesehen davon, dass dies ja die eigentliche Motivation ist den Verdaechtigen einzubuchten. Das ist so billig.
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