Simon Unge vs. Mediakraft "Das ist schon ein Imageschaden"

Mit Simon Unge verlässt einer der bekanntesten deutschen Videomacher sein YouTube-Netzwerk. Was bedeutet das für Mediakraft und dessen Konkurrenten? Wir haben die YouTuberin Marie Meimberg gefragt.

YouTuberin Marie Meimberg: Eine Zeitlang hat sie bei Mediakraft gearbeitet

YouTuberin Marie Meimberg: Eine Zeitlang hat sie bei Mediakraft gearbeitet

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#Freiheit - auch zwei Tage nach dem Wutvideo von YouTube-Star Simon Unge stand dieses Stichwort noch in den Twitter-Trends. Unges Mediakraft-Abschied und das zugehörige Hashtag werfen altbekannte, aber selten so emotional diskutierte Fragen auf: Wie wichtig sind Netzwerke wie Mediakraft, denen sich die meisten bekannteren YouTuber angeschlossen haben? Nehmen sie den Künstlern einen Teil ihrer Freiheit? Ziehen sie ihnen gar das Geld aus der Tasche? Im Video-Interview mit SPIEGEL ONLINE greift Unge Mediakraft an und sagt, dass er und andere YouTuber sich von der Firma nicht ernst genommen fühlten.

Marie Meimberg ist für dieses Thema eine spezielle Ansprechpartnerin. Sie hat einen eigenen YouTube-Kanal, hat aber auch einige Monate bei Mediakraft gearbeitet, als "Head of Partner Relation and Creation", oder, wie sie es nennt, als "gute Fee". Dann kündigte sie, wegen "unüberbrückbarer inhaltlicher Differenzen", deren Details sie für sich behalten will. Ihrem YouTuber-Kollegen Unge schrieb Meimberg am Samstag, sie möchte sich vor seinem Mut verbeugen. Sie habe beeindruckt, dass er für seine Überzeugung einen komplett neuen Kanal starte, erläutert sie gegenüber SPIEGEL ONLINE, und seine beiden bisher sehr erfolgreichen Channels einstellen wird.

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Die Kündigung von Unge - die möglicherweise noch ein juristisches Nachspiel haben wird - stellt nicht ausschließlich den Videomacher vor eine Herausforderung, glaubt Meimberg. Auch Mediakraft müsse aufpassen, wie das Netzwerk wahrgenommen werde. "Das ist schon ein Imageschaden, dass LeFloid gegangen ist und jetzt auch noch Simon", sagt sie. "Die beiden stehen für etwas, sie werden über YouTube hinaus wahrgenommen." Wenn solche Künstler ein Netzwerk verlassen - ob nun Mediakraft oder einen Konkurrenten - könne dies auch für andere ein Anlass sein, ihre Zugehörigkeit zu überdenken. "Jedes Netzwerk muss sich überlegen, was es langfristig für seine großen YouTuber zu bieten hat. Der Druck ist gestiegen, weil immer klarer wird, dass es auf YouTube um die Macher geht, um Gesichter."

Ist unabhängig doch besser?

Dass sich YouTube-Stars von ihrem Netzwerk trennen, um auf eigene Faust Videos zu machen, kommt immer mal wieder vor. Möglicherweise werden die Vorteile der Partnerschaften - vor allem Beratung, Vermarktung, Networking - ab einer gewissen Bekanntheit nicht mehr so positiv wahrgenommen wie am Anfang. Diesen Herbst spielte sogar der schwedische Videomacher PewDiePie mit dem Gedanken, ein eigenes Netzwerk zu gründen. Sein Videospielkanal kommt auf fast 33 Millionen Abonnenten, das ist weltweiter Rekord.

In der deutsche Szene gehört man schon mit einigen hunderttausend Abonnenten zur Spitzengruppe. Simon Unge kommt mit "Ungespielt" auf 1,37 Millionen und mit "Ungefilmt" auf 816.000 Abonnenten. Er ist ein großer Name, mit treuen Fans, von denen schon mehr als 500.000 seinen neuen Kanal Unge abonniert haben. Mediakraft-Mitarbeiter, aber auch Partnerkanäle, sind nach Unges Abschiedsvideo teils heftig über die sozialen Netzwerke attackiert worden. Geschehnisse, die den Videomacher dazu veranlassten, per Facebook-Podcast darum zu bitten, dass dieses "Haten" wieder aufhöre.

Bei den Zuschauern haben die YouTube-Netzwerke ein eher schlechtes Image: Viele verbinden sie vor allem mit dem Thema Geldverdienen, mit Werbung. Da hilft auch der Gedanke nicht, dass es etwa bei Mediakraft Hunderte Videomacher zu geben scheint, die mit der Zusammenarbeit zufrieden sind, schließlich besteht das Netzwerk aus mehr als 2500 Kanälen.

"Die Szene ist zu einer Branche geworden"

Marie Meimberg stört, dass so emotional über Netzwerkzugehörigkeiten diskutiert wird. In einem ihrer Videos vergleicht sie die Diskussionen mit Streits über das Thema Glauben und Religion.

Mit befreundeten YouTubern wie LeFloid und Daaruum hat Meimberg mittlerweile einen Verein mit dem Namen 301+ gegründet. Unabhängig von der Netzwerkzugehörigkeit der Mitglieder soll hier in einem Freundeskreisumfeld über Inhalte debattiert werden, etwa über innovative Formate und über den Umgang mit Product Placements. Doch auch um das Thema Netzwerkverträge komme man nicht herum: "Die Szene ist zu einer Branche geworden", sagt Meimberg.

Die Sorge, dass sich diese Professionalisierung negativ auf die Inhalte auswirkt, scheint manchen YouTuber zu umtreiben. LeFloid sagte dem Magazin "Krautreporter", dass er darunter leidet, wie sehr die kommerziellen Netzwerke den Nachwuchs beeinflussen: "Heute werden Nachwuchs-YouTuber herangezüchtet, mit dem Versprechen, sie werden der nächste große, geile Shit", ließ er sich zitieren. "Dieser Anspruch auf Erfolg, der da künstlich eingeimpft wird in jeden kleinen Hoffnungsträger, macht meiner Meinung nach vieles kaputt, was den kreativen Input angeht, die reine Motivation aus sich selbst heraus."

Mehr Nüchternheit bei Diskussionen

Firmen wie Mediakraft lassen diese Kritik nicht gelten. So schreibt Mediakraft etwa in einem FAQ: "Das Unternehmen diktiert keine Inhalte und schränkt die Partner in ihrer Kreativität nicht ein."

Marie Meimberg ist der Auffassung, dass man die Netzwerke schlicht als Dienstleister sehen sollte - wie Mobilfunkanbieter. "Man schaut, was ein Anbieter zu welchen Kosten bietet und entscheidet danach, bei wem man den Vertrag unterschreibt." Es sei aber völlig normal, dass man vielleicht irgendwann wieder woanders hingeht, wenn es dort ein besseres Angebot gebe: "Und außerdem: Wichtiger als die Frage, wo man seinen Vertrag hat, sind am Ende ja die Gespräche, die man führt."

Sehen Sie hier die Langfassung des Interviews mit Simon Unge:

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insgesamt 60 Beiträge
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Seite 1
doublebass 23.12.2014
1.
die Stellungnahme von medicraft ist beeindruckend gut formuliert. https://www.facebook.com/MediakraftNetworks/posts/573327879466908 wenn die worte die der ceo gewählt hat wahr sind, ist er ein wahrer Altruist, Humanist und anthropophil bis zur schmerzgrenze. ich glaub ich bewerb mich da mal für den Job als "gute fee"
DjaliZwan 23.12.2014
2. Bitte, Bitte,
ich kriege schon genug, wenn mir auf YouTube überall diese aufmerksamkeitsheischenden Videos entgegenspringen, da brauche ich diese Kreaturen nicht auch noch in den Nachrichten. Absolut künstlich aufgebauschte Debatte, wer sich schon mal ein oder zwei Videos angeschaut hat, weiß, wie schnell ein unwichtiges Furzthema "epische" Ausmaße annimmt, und sowieso jeder Gag "Hammerlustig" ist. Diese Herren sind selbst Meister vom Fach, wenn es um Kommerz und Vermarktung geht.
kbfo 23.12.2014
3. Ich versteh' das nicht...
Nach dem Artikel in Spiegel Online habe ich mir drei Videos des Herrn Unge auf Youtrube angeschaut. Wieso schaut sich das überhaupt jemand an? Zum Zeit totschlagen? Interessant wie früher das Testbild im Fernsehen. Aber ok, ich bin ja auch behindert: ich bin 58 Jahre alt.
p2063 23.12.2014
4.
wer schaut sowas überhaupt? früher hat man noch selbst gespielt und seine freunde besucht statt anderen dabei zu zu sehen...
kbfo 23.12.2014
5. Ich versteh' das nicht...
Habe mir mal drei Videos des Herrn Unge angesehen. Warum schaut sich das überhaupt jemand an ??? Zum Zeit totschlagen??? Interessant wie früher im Fernsehen das Testbild. Aber ok, ich bin ja auch behindert: ich bin 59 Jahre alt.
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