Site-Sperre aufgehoben Wikipedia.de ist wieder da

Der Spuk ist vorbei: Nach zweieinhalb Tagen ist die Sperre von wikipedia.de beendet - der Linken-Politiker Lutz Heilmann wehrt sich nicht länger gegen seinen Lexikoneintrag. Die Betreiber der Site hätten die Sache allerdings lieber vor Gericht ausgefochten.

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Jetzt sieht die Seite wieder aus, wie man sie kennt. Ein einfaches Textfeld, daneben der Schalter "suchen" - wikipedia.de ist nach zweieinhalb Tagen Sperre zur Routine zurückgekehrt. Die Seite des Vereins Wikimedia bietet das gewohnte Bild: Man gibt eine Suchanfrage ein und wird von dort auf de.wikipedia.org weitergeleitet, das deutschsprachige Lexikon-Angebot der Wikipedia-Zentrale in den USA.

Auch "Lutz Heilmann" kann man wieder eingeben - und wird dann zu dessen Eintrag weitergeleitet.

Linken-Politiker Heilmann: Reue nach der Sperre
Deutscher Bundestag / Lichtblick / Achim Melde

Linken-Politiker Heilmann: Reue nach der Sperre

Lutz Heilmann ist der Mann, der die Sperrung von wikipedia.de durchgesetzt hatte. Statt des gewohnten Suchfeldes begrüßte die Seite den Nutzer mit dem Hinweis, man dürfe vorerst nicht mehr "auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterleiten". Heilmann hatte eine entsprechende einstweilige Verfügung beim Landgericht Lübeck erwirkt, weil er den Eintrag über seine Person kritisierte. Schon am Sonntag hatte Heilmann jedoch mitgeteilt, er bedauere, dass durch die einstweilige Verfügung die Wikipedia.de-Nutzer keinen "direkten Zugriff mehr auf die Wikipedia-Inhalte" gehabt hätten. Ihm sei es nicht "um Zensur, sondern schlicht um eine wahre Tatsachendarstellung" gegangen. Der juristische Weg habe sich "insoweit als problematisch erwiesen, als durch die Struktur von Wikipedia die anderen Userinnen und User in Mitleidenschaft gezogen werden".

Insgesamt vier konkrete Passagen hatte eine Lübecker Anwaltskanzlei in Heilmanns Namen gegenüber dem Landgericht Lübeck als Begründung angegeben, die Weiterleitung von wikipedia.de auf de.wikipedia.org per einstweiliger Verfügung zu untersagen. In dem Antrag, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es, in den "Beiträgen" würden "oft falsche Tatsachen wiedergegeben", und zwar "sogar wahrscheinlich absichtlich". Das Landgericht Lübeck verfügte daraufhin die Sperrung - "wegen Dringlichkeit ohne vorherige mündliche Verhandlung". Nach eigenen Angaben hat Heilmann gegen mehrere Wikipedia-Nutzer, die den Beitrag zu seiner Person bearbeitet haben, auch Strafanzeige gestellt.

Thorsten Feldmann, der den deutschen Verein Wikimedia, den Betreiber von Wikipedia.de, in der Sache vertritt, ist über den Ausgang der Sache trotz des Erfolgs nicht vollständig glücklich. Zwar sei es erfreulich, dass deutsche Nutzer nun auch über wikipedia.de wieder auf das Angebot in den USA zugreifen könnten. Der Antrag, ist Feldmann überzeugt, hätte in seiner vorliegenden Form aber ohnehin kaum Bestand gehabt - er hätte die Sache lieber bis zum Ende durchgefochten: "Wir hätten gerne eine Aufhebung der Verfügung wegen Unbegründetheit der Ansprüche gehabt", sagt Feldmann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Nun aber besteht die Gefahr, dass andere mehr oder minder prominente Menschen den Fall als Inspiration nehmen und ihrerseits versuchen, erneut eine Sperrung von wikipedia.de zu erwirken - und sei es nur, dass irgendwelche Unternehmen billige Eigen-PR machen wollen.

Ein Gutes hatte die Sperrung für wikipedia.de immerhin - das Spendenaufkommen für die Online-Enzyklopädie nahm aufgrund des heißdiskutierten Falls am Wochenende drastisch zu.

mit Material von ddp

Wikipedia-Inhalte finden sich auch auf der größten kostenlosen Recherche-Datenbank im deutschsprachigen Internet, SPIEGEL WISSEN.

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Forum - Wikipedia-Eklat - Fehlt Politikern die Netz-Kompetenz?
insgesamt 617 Beiträge
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Seite 1
doctorwho 16.11.2008
1.
Zitat von sysopDie umstrittene Sperrung der deutschen Wikipedia-Seite wirft die Frage auf, ob die deutschen Politiker nicht Nachholbedarf im Umgang mit dem Internet haben. Was denken Sie, sind die Politiker auf der Höhe der Zeit?
ich finde auf wiki in deutsch alles ganz normal vor , zb. : http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Linke was ist denn jetzt genau "gesperrt" ? bei der eingabe : "sind die Politiker auf der Höhe der Zeit?" hat natürlich wiki auch keine antwort ..... aber wiki läuft sonst ganz normal , gibr es da vielleicht ein kleines "missverständnis" ?
cobra77 16.11.2008
2.
Komisch wie der Vorfall wieder aufgebauscht wird. Zweifellos ist es eine höchst frawürdige Aktion, aber dennoch rechtlich korrekt. Bis der Fall entschieden ist, hat die Verfügung Bestand, mit Zensur hat das wenig zu tun. Dass gegen eine Seite vorgegangen wurde, die deutsche Behörden sowieso nicht sperren können, zeigt das widersinnige dieser Aktion, denn es war ebenso wirkungslos wie auch politisch unvernünftig. Zumal durchaus nicht wenige staatliche und private Akteure Wikipedia bearbeiten, war der Rechtsweg vermutlich die schlechteste Alternative. Naja, es gibt bekanntlich keine schlechte Publicity, vielleich wollte Heilmann einfach mal in die Schlagzeilen.
forumgehts? 16.11.2008
3.
Zitat von sysopDie umstrittene Sperrung der deutschen Wikipedia-Seite wirft die Frage auf, ob die deutschen Politiker nicht Nachholbedarf im Umgang mit dem Internet haben. Was denken Sie, sind die Politiker auf der Höhe der Zeit?
Seien wir doch froh über diese Kostprobe linken Demokratieverständnisses! Generell müssten Politiker im Umgang mit vielen Fragen manches nachholen. Sie sehen aber im Allgemeinen keinen Bedarf hierfür.
kurosawa 16.11.2008
4. Umstrittener Eintrag: Linke-Politiker lässt wikipedia.de sperren ..
Zitat von doctorwhoich finde auf wiki in deutsch alles ganz normal vor , zb. : http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Linke was ist denn jetzt genau "gesperrt" ? bei der eingabe : "sind die Politiker auf der Höhe der Zeit?" hat natürlich wiki auch keine antwort ..... aber wiki läuft sonst ganz normal , gibr es da vielleicht ein kleines "missverständnis" ?
Er ist Abgeordneter der Linken, hat eine Stasi-Vergangenheit - und sah wegen eines Wikipedia-Eintrags sein Persönlichkeitsrecht verletzt: Lutz Heilmann ließ die deutsche Seite des Online-Lexikons sperren. Nutzer müssen jetzt einen Umweg nehmen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...590643,00.html
werner51, 16.11.2008
5. Zu kurz gesprungen?
Zitat von sysopDie umstrittene Sperrung der deutschen Wikipedia-Seite wirft die Frage auf, ob die deutschen Politiker nicht Nachholbedarf im Umgang mit dem Internet haben. Was denken Sie, sind die Politiker auf der Höhe der Zeit?
Ich denke, daß SPON mit dieser Fragestellung etwas zu kurz springt. Die Frage sollte vielmehr lauten: Kommen unsere Politiker mit den neuen Kommunikationsmitteln klar und sind sie auf der Höhe der Zeit? Wenn ich mir dann diesen Artikel hier aus der New York Times reinziehe, "Say Goodbye to BlackBerry? Yes He Can, Maybe" http://www.nytimes.com/2008/11/16/us/politics/16blackberry.html?scp=1&sq=obama+blackberry&st=nyt dann denke ich mal, daß *unsere* Politiker sicherlich nicht auf der Höhe der Zeit sind. Man stelle sich das mal vor: Der "arme" President-elect kriegt Entzugserscheinungen, wenn er auf seinen Schreibtisch nicht wenigstens ein Notebook haben darf. Bei unseren Politikern sieht das Computergedöns auf deren Schreibtisch (wenn denn vorhanden) immer recht eingestaubt aus.
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