VoIP-Telefonie: Skype speichert angeblich Chat-Protokolle
Informanten berichten der "Washington Post" von Veränderungen bei Skype: Der Chat- und Internettelefoniedienst soll zu mehr Kooperation mit Ermittlungsbehörden bereit sein, Chat-Protokolle würden 30 Tage lang gespeichert. Skypes Antwort: Man kooperiere, soweit "rechtlich und technisch möglich".
Der Voice-over-IP-Dienst Skype hat mehreren Berichten zufolge seine Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden ausgeweitet und stellt Ermittlern Chat-Protokolle sowie Nutzerdaten wie Adressen und Kreditkarteninformationen zur Verfügung. Derartige Gerüchte kursieren bereits seit Wochen. Die "Washington Post" berichtet nun über die neue Kooperation der Microsoft-Tochter, unter Berufung auf Informationen von beteiligten Personen sowohl auf Seiten der Behörden als auch aus der Branche. Der "Washington Post" zufolge speichert Skype Chat-Protokolle 30 Tage lang.
"Superman ohne seine Kräfte", nennt einer der in dem Artikel Zitierten das heutige Skype, das sich kaum mehr von seinen Wettbewerbern unterscheide. Kritiker glauben, dass die neuen Eigner die Ideale der Gründer verraten haben, zu denen hohe Sicherheitsstandards und ein erhebliches Maß an Unabhängigkeit von Regierungen gehörten. Früher galt die Software als quasi undurchdringlich und war gerade deshalb eines der beliebtesten Kommunikationsmittel für Menschen, die aus verschiedenen Gründen einer Kontrolle entgehen wollten.
Skype hatte sich bereits vor einer Woche kurz zu den Vorwürfen geäußert. Ein Firmensprecher habe die Gerüchte weder bestätigt noch dementiert, schreibt das Online-Magazin Slate, sondern lediglich die Firmenpolitik zitiert. Diese besage längst, dass das Unternehmen so viel mit Ermittlern zusammen arbeite wie "rechtlich und technisch möglich".
Und bei den technischen Möglichkeiten soll sich etwas Wesentliches geändert haben. Was vorher schlicht nicht möglich war, soll Berichten zufolge dank neuer Infrastruktur machbar sein. Um nach den schlimmen Ausfällen 2010 ein stabileres System gewährleisten zu können, habe Skype entschieden, manche Daten künftig durch zentrale Server zu leiten, schreibt die "Post" unter Berufung auf Branchenvertreter.
Stabiler, aber angeblich nicht mehr abhörsicher
Früher waren Skype-Telefonate kaum abzufangen, da die teilnehmenden Rechner über ein P2P-Netzwerk miteinander verbunden waren anstatt über Zentralrechner unter Firmenkontrolle. Die Einführung von Linux-Rechnern als sogenannte "Supernodes" soll die Stabilität erhöhen, aber auch die Zugriffsmöglichkeiten auf Kommunikationsinhalte verbessern.
Das Unternehmen jedoch beharrt darauf, dass sich durch diese "Supernodes" nichts geändert habe. Skype-Produktentwickler Mark Gillett sagte etwa gegenüber dem Blog "Extreme Tech", die P2P-Infrastruktur bleibe unangetastet. Auch würden Anrufe nicht durch die "Supernode"-Rechner geleitet.
Sicherheitsbehörden hatten seit Jahren darüber geklagt, dass die Skype-Technologie für sie ein schwarzes Loch bei der Überwachung von verdächtiger Kommunikation sei.
Nachtag: Skype dementiert, die Veränderungen bei der Infrastruktur hätten einen Zusammenhang mit einer neuen Haltung gegenüber Ermittlungsbehörden. Skype-Manager Mark Gillett schreibt: "Der Wechsel zu intern gehosteten 'supernodes" schafft keine Grundlage für eine Überwachung oder ein Mitschneiden von Telefonaten." Die Haltung der Firma zur Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden habe sich nicht geändert: "Wir hatten immer die Position, dass wir antworten, wenn wir rechtlich dazu verpflichtet sind und es technisch möglich ist und die Behörden den angemessenen Verfahren folgen." Gillett verweist für weitere Informationen auf die Datenschutzrichtlinie Skypes. Unter Punkt 12 dieser Richtlinie heißt es, Skype speicherte Chatnachrichten bis zu 30 Tage lang - es sei denn, man sei gesetzlich zu anderen Speicherfristen verpflichtet.
can
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Freitag, 27.07.2012 – 13:02 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 11 Kommentare
- Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test
