Geld verdienen mit Stille: "Sleepify"-Album nicht mehr auf Spotify

Vulfpeck-Website: Mit den Einnahmen wollte die Band eine Tour finanzieren Zur Großansicht

Vulfpeck-Website: Mit den Einnahmen wollte die Band eine Tour finanzieren

Zahlt sich Nichtstun aus? Mitte März landete die US-Funk-Band Vulfpeck einen Coup, als sie ein Album voller Stille auf Spotify veröffentlichte. Doch mittlerweile ist das Werk offline, die Überweisung der Streaming-Einnahmen steht noch aus.

"Eine clevere Nummer" - das hatte ein Spotify-Sprecher im März über "Sleepify" gesagt, ein Musikalbum voller Stille. Die Musiker von Vulfpeck waren seinerzeit von Medien und Internetnutzern für eine simple wie intelligente Idee gefeiert worden, über Spotify Geld zu verdienen: Die Band hatte ihre Fans aufgefordert, das neue Album mit zehn kurzen Titeln einfach nachts laufen zu lassen.

Pro gestreamtem Stück bekomme die Band einen halben Cent, hieß es in einem Promo-Video. Schon nach wenigen Tagen war jedes der insgesamt zehn Stücke rund 250.000-mal abgerufen worden. Rund 20.000 Dollar soll die Band auf diese Weise eingespielt haben.

Einige Wochen nach Veröffentlichung des Albums scheint nun aber offen, ob Spotify das Geld wirklich auszahlt. Seit Ende April ist "Sleepify" online nicht mehr verfügbar: Wer bei Spotify nach der Band sucht, findet nur noch andere Alben.

Verstoß gegen die Spotify-Bestimmungen

Es wirkt, als hätte Spotify der "Sleepify"-Hype irgendwann gereicht: Ende April soll das Unternehmen eine E-Mail an die Band geschrieben haben, mit der Aufforderung, das Werk offline zu nehmen. Man habe das Album witzig gefunden, allerdings verstoße es gegen die Bestimmungen für Spotify-Inhalte.

Vulfpeck-Mitglied Jack Stratton erzählt diese Episode in einem Stück namens "#Hurt", das er bei Spotify hochgeladen hat. "Ich bin verletzt, durcheinander, weiß nicht, mit wem ich sprechen soll", sagt Stratton darin, "also spreche ich zu dir." Auf seine Stellungnahme folgt auf dem Mini-Album "Official Statement" ein Stück mit dem Titel "#Reflect". In bester "Sleepify"-Manier besteht es aus 31 Sekunden Stille.

Ob Vulfpeck für die "Sleepify"-Zugriffe trotz des Verstoßes gegen die Bestimmungen Geld bekommt, soll sich in den kommenden Tagen zeigen: Laut Jack Stratton zahlt das Unternehmen mit rund zwei Monaten Verzögerung aus. Auf eine aktuelle "The Daily Dot"-Anfrage reagierte ein Spotify-Sprecher abweisend: "Ich fürchte, wir haben zu dem Thema nicht mehr wirklich etwas zu sagen. Tut mir leid."

mbö

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Damit ich es richtig verstehe,
mescal1 08.05.2014
Die Musiker von Vulfpeck haben ein Album mit außerordentlich kreativen Nichts bei Spotify eingestellt und dann die "Fans" aufgefordert, bei Nacht ständig dieses Nichts zu hören um Spotify zu nötigen, dann Geld an die Band auszuzahlen? Super, die Kuh die Milch gibt, muss man melken bis sie tot umfällt und man gefällt sich noch dabei. Naja, wer das lustig findet, der findet dann auch gut, dass so Spotify kaputt gemacht werden soll. Viel Spaß dabei.
2. Das geht doch mit jedem Album
thsherlok 08.05.2014
Das geht doch mit jedem Album. Ob die Lautsprecher nun eingeschaltet sind, oder ob das Gerät stumm geschaltet ist, bekommt Spotify doch gar nicht mit. Oder gibt es Geräte ohne 'Mute' funktion?
3. Und wenn nicht ausgezahlt wird,
lores 08.05.2014
behält Spotify dann die 20.000 Dollar?
4.
fridolingehaus 08.05.2014
Wie thsherlok richtig sagt, muss man nicht "aufwendig" geräuschlose Stücke bereitstellen, Nachts laufen lassen und Boxen aus hat die selbe Wirkung. das wahrhaft geniale ist die PR darum, wer kannte bis jetzt diese Band, und wer kennt sie jetzt alles... deutlich deutlich mehr Wert als 20.000 Okken. Und ich bin sicher das Spotify dadurch keinen Schaden hat, auch da ist sie PR doch mehr wert als die Kosten für Bereitstellung von 250.000 Abrufen...
5. Bestimmungen?
spon-facebook-10000449440 08.05.2014
Gegen welche Bestimmung genau haben sie verstoßen? Geht es darum, dass Musik nur etwas ist, wo man etwas hört. Oder zahlt Spotify demnächst auch einfach nicht, wenn ihnen die Musik zu simpel erscheint? Als Spotifiy-Kunde zahle ich doch Geld dafür, dass ich mir anhören kann, was angeboten wird. Spotify hat ja auch offensichtlich das "Album" angenommen und angeboten. Also müssen sie aus meiner Sicht auch bezahlen. Das sie das Angebot löschen ist ja eine ganz andere Sache. Aber wenn sie das selbst versäumen haben sie halt Pech gehabt.
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