Handy-Knigge Ist es okay, auf dem Klo sein Smartphone zu benutzen?

Viele checken sogar auf der Toilette ihr Smartphone, andere regt das auf. Dabei ist das Verhalten löblich - und kein Grund, sich zu schämen, sagt unser Autor. Und wie halten Sie es mit dem Handy auf dem WC?

Pissoirs in Paris
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Pissoirs in Paris

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Toilettengänge sind langweilig, vergeudete Zeit. Nicht, dass man deswegen auf sie verzichten sollte, aber man kann die Zeit besser nutzen. Und viele tun das schon: Man sieht Männer, die am Urinal stehend eine freie Hand nutzen, um sich ihr Handy vors Gesicht zu halten. Es ist mir auch schon passiert, dass eine Freundin im Restaurant den Tisch in Richtung Klo verlässt und kurz darauf konnte ich verfolgen, wie sie von dort aus Facebook-Bilder geliked und in gemeinsame WhatsApp-Gruppen Nachrichten geschickt hat.

Wir haben es also mit einem weitverbreiteten Verhalten zu tun - das gesellschaftlich immer noch zu wenig Anerkennung findet: Die Männer am Pissoir stecken das Handy meist sofort weg, wenn sie merken, dass sie nicht allein sind. Und die Freunde, die am Tisch sitzen geblieben sind, witzeln über Nachrichten der Toilettengängerin. Die Toilette hat sich lange den Ruf als Ort der Unerreichbarkeit bewahrt, galt als Funkloch im Alltagsleben. Nun bröckelt diese Bastion - und das ist auch gut so.

Es gibt keinen Grund, sich für die Smartphone-Zuwendung am stillen Örtchen zu schämen oder gar zu versuchen, sie zu unterlassen. Es ist nicht nur praktisch, sondern sogar umsichtig, auf der Toilette das Smartphone zu benutzen, um Nachrichten zu lesen oder zu chatten.

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Hand aufs Herz: Benutzen Sie ihr Smartphone auf der Toilette?

Unhöflich sind vielmehr diejenigen Nutzer, die aufgeschreckt von jedem Vibrieren des Telefons ständig auf das Handy blicken, selbst mitten in Gesprächen. So wie die Freunde am Tisch, die auf ihren Smartphones die Aktivitäten der Toilettenbesucherin verfolgen, statt sich zu unterhalten.

Vorbildlich ist im Gegensatz dazu das Benehmen der Freundin auf dem Klo. Sie checkt in einem einsamen Moment Nachrichten, schließlich hat sie gerade wirklich Zeit dafür.

Gefahren für die Gesundheit

Einige Risiken birgt diese Art löblichen Sozialverhaltens allerdings. Da ist zum einen die Keimbelastung in Toiletten. Sie kann sich leicht auf das Smartphone-Display übertragen, dass man regelmäßig reinigen sollte.

Natürlich ist nicht jede Toilette und jeder Moment des Toilettenbesuchs für die Smartphonenutzung geeignet. Und: Ja, das Gerät kann in die Toilette fallen. Das kommt sogar ziemlich häufig vor. Eine große Zahl der bei Apple mit einem Wasserschaden eingesendeten iPhones teilt angeblich genau dieses Schicksal.

Allerdings: Wer sein Smartphone in der Hand hält, um es zu benutzen, ist vor dieser Gefahr gefeit. Es dürfte jedermann bekannt sein, dass Mobiltelefone besonders gefährdet sind, wenn sie in der hinteren Hosentasche verstaut sind. Wie viele Besitzer eines Geräts mit Wasserschaden haben sich wohl schon gewünscht, sie hätten das Handy in der Hand gehabt und nicht in der Hosentasche, von wo aus es ins Wasser geplumpst ist?

Doch bis sich diese Erkenntnis endlich durchsetzt, werden wohl noch viele zu Unrecht ignorierte Telefone auf diesem Weg ertränkt werden.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
grumpy53 05.07.2016
1. jede/r wie er/sie mag?!
Leute, ernsthaft. Gibt es denn neben dem komatösen Tiefschlaf keine Momente mehr im Leben, an denen man nicht erreichbar sein muss, will, soll? Braucht es dafür ein Regelwerk, dass ich erkenne, Toiletten können unhygienisch sein, die Hände wasche ich hinterher, das Smartphone auch? Muss jede Tätigkeit, jede Empfindung unmittelbar mitgeteilt werden? Notfalls auch noch ein Selfie beim pinkeln? Bin ich soooooo wichtig? Wartet die Welt rund um die Uhr auf das, was ich da poste? Vielleicht ist man bei den alten Römern gemeinsam auf dem Donnerbalken gesessen und fand das natürlich. Ich hoffe doch, dass wir uns über die ein oder andere frühgeschichtliche Verhaltensweise inzwischen entwickelt haben. Ich mag weder die volle Windel des allerliebsten Nachwuchses meiner Freundin besichtigen, noch die Verdauungsgeräusche bei Telefonaten mit Kollegen hören. Ich mag Diskretion, Rücksichtnahme und Stil. Und wenn ich mit Freunden im Restaurant sitze, und ein dringendes (wirklich dringendes) Gespräch erwarte, wird das nach höflichem Hinweis mit Vibrationsalarm geschaltet und dann gehe ich raus oder in eine Ecke, wo ich niemand störe. Nicht auf's Klo. So essentiell kann kein Posting auf Facebook sein, dass ich im Sekundentakt lesen und antworten muss. Darunter leidet nicht nur der Umgang mit anderen Menschen face to face, sondern auch die Qualität der Inhalte, einfach (schlechte) Luft verbreiten ob nun real oder digital ist überflüssig. Kann man sich selbst nicht mal erst fragen, ob das wirklich sein muss, dass man alles tut, was andere meinen tun zu müssen und ob man jedem Trend hinterher laufen muss?
mirror2000 05.07.2016
2. verrückt
Bei so einem Foto gibt es für mich Wichtigeres als die Frage, ob man sein Handy checken soll. Diese Toiletten sind sexistisch!
barlog 05.07.2016
3.
Das mit der "Keimbelastung" sollte der Autor dieser Überlegungen mal näher erläutern. Denn woher soll diese kommen, wenn man sich auf der Keramik niederlässt, das Smartphone zückt, nach einer angemessenen Zeit wieder einsteckt, sich dann erhebt, Kleidungsverschlüsse verschließt, um alsbald das Örtchen wieder zu verlassen? Belastungen schaffen jene Zeitgenossen, die sich die Hände nicht waschen, aber dann nicht nur auf Ihrem Smartphone, sondern überall dort, wo sie ihre Griffel nach dem WC-Besuch hinzustecken pflegen.
louis.cyphre 05.07.2016
4. Warum?
Zitat von mirror2000Bei so einem Foto gibt es für mich Wichtigeres als die Frage, ob man sein Handy checken soll. Diese Toiletten sind sexistisch!
Warum sollten die gezeigten Schüsseln sexistisch sein? Das sind Objekte, keine Subjekte, die objektifiziert werden. Es gibt auch keine unterschiedlichen Machtebenen, die zu einer Diskriminierung führen könnten. Es sind Objekte! Gehen Sie doch einfach weiterhin zum Lachen in den Keller und suchen weiter nach Sexismus.
grumpy53 05.07.2016
5. Toiletten-Keramik
was das Signal eines weit geöffneten und lächelnden rotlippigen Frauen?-Mundes als Klobecken wohl über die Gedanken desjenigen aussagt, der das Foto ausgesucht hat, der dieses Foto gemacht und verkauft hat, vom Keramikhersteller - und dem Käufer der Ware mal ganz zu schweigen? Münder sind dafür da, dass man in sie pinkelt?! Und das finde ich so oder so grauslig, egal welches Geschlecht da seine Lippen hinhält.
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