Smartphone-Verschlüsselung FBI-Chef fordert Abhörschnittstellen

FBI-Chef James Comey wettert öffentlich gegen Verschlüsselung auf Smartphones und bittet Unternehmen um Hilfe: Sie sollen Abhörfunktionen in ihre Produkte einbauen. Datenschützer sind entsetzt - und warnen vor solchen Einfallstoren.

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FBI-Chef James Comey: Drängt Unternehmen zum Einbau von Abhörmechanismen in Gadgets und Software
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FBI-Chef James Comey: Drängt Unternehmen zum Einbau von Abhörmechanismen in Gadgets und Software


FBI-Chef James Comey hat am Donnerstag seinen Feldzug gegen die Verschlüsselung von Smartphones fortgesetzt. Bei einer Rede in Washington betonte Comey erneut, wie wichtig es sei, auf die Smartphones der Bürger zugreifen zu können. So sollen Straftäter verfolgt und Verbrechen aufgeklärt werden. "Die Technologie ist zum Werkzeug der Wahl für einige sehr gefährliche Menschen geworden", sagte der FBI-Chef. "Unglücklicherweise hat das Gesetz nicht Schritt halten können mit der Technologie." Das bedeute eine Gefahr für die öffentlichen Sicherheit.

Nun fordert Comey die Tech-Konzerne dazu auf, den Behörden beim Datenzugriff zu helfen. "Wir sind nicht auf der Suche nach einer Hintertür", sagte der FBI-Chef. Man wolle die Vordertür benutzen. Mit Offenheit und Transparenz und nach klaren rechtlichen Regeln.

Der Sicherheitsspezialist Robert Graham sieht das anders. Er wirft dem FBI-Chef vor, in seiner Rede für einen Polizeistaat zu argumentieren. Zwar sage Comey, dass man keine Hintertüren in der Software fordere. Doch der FBI-Chef fordere Abhörlösungen, die bereits in Software eingebaut sein sollen. Abhörfunktionen, die in Telefone eingebaut werden, "sind nichts anderes als Hintertüren", sagt Graham. "Das Recht auf individuelle Verschlüsselung ohne staatliche Hintertüren ist das wichtigste Menschenrecht, das die Technologie hervorgebracht hat."

Auch Laura Murphy, die Chefin der Rechtsabteilung der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union, äußerte ihre Bedenken gegenüber dem Tech-Magazin "ArsTechnica": "Ob es das FBI nun eine Vorder- oder eine Hintertür nennt, jeder Versuch des FBI, die Verschlüsselung zu schwächen, macht unsere sehr persönlichen und geschäftlichen Informationen verwundbar für Hacker-Angriffe von ausländischen Regierungen und Kriminellen."

Eine Neuauflage des "Crypto Wars" der Neunzigerjahre?

Bereits vor einigen Wochen hatte der FBI-Chef seine Botschaft verbreitet. Auch bei seiner Rede in Washington sprach er davon, dass die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden ein Pendel zum Schwingen gebracht hätten, das vielleicht schon "zu weit geschwungen" sei.

Anlass für seinen Appell an die Wirtschaft sind die Ankündigungen von Apple und Google, ihre mobilen Betriebssystem komplett abzuschotten. Nach Angaben der Online-Riesen sollen die Daten so gut gesichert werden, dass weder das Unternehmen selbst, noch Strafverfolgungsbehörden auf die Informationen zugreifen können, die auf dem Smartphone gespeichert sind.

Nach dem erneuten Vorstoß der Strafverfolgungsbehörden, die Verschlüsselung zu unterwandern, sprechen einige Datenschützer bereits von einer Neuauflage der "Crypto Wars". Der tobte in den neunziger Jahren. Damals geriet der Programmierer Phil Zimmermann ins Visier des US-Justizministeriums. Zimmermann hatte das Verschlüsselungsprogramm Pretty Good Privacy entwickelt, das Daten vor fremden Zugriffen schützt. Die Ermittler sahen darin einen Angriff auf die Polizeiarbeit. Für seine Erfindung wäre Zimmermann beinahe inhaftiert worden.

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Daten-Verschlüsselung: Selbsthilfe auf der Cryptoparty
Auch in Deutschland spielt die Verschlüsselung eine immer größere Rolle bei der Strafverfolgung. Auf eine kleine Anfrage der Linkspartei hin teilte das Bundesinnenministerium mit, dass die Auswertung der Beweismittel auch hierzulande durch "die technischen Möglichkeiten der Sicherung" zunehmend verhindert oder erschwert werde. Andrej Hunko (Die Linke) hält das jedoch für die richtige Entwicklung. "Ich freue mich, dass die NSA-Affäre zu mehr Bewusstsein für die Absicherung von Kommunikation im Internet geführt hat", sagt der Bundestagsabgeordnete. Die Bundesregierung müsse sich damit abfinden dass es Orte gebe, an denen die Menschen privat bleiben wollen. Auch im Internet.

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Phienchen 17.10.2014
1.
Die tun gerade so, als wenn es keine anderen Möglichkeiten gäbe. Ja, man kann auch gute alte Wanzen anbringen und Observieren. Das dieser Aufwand natürlich nur bei echten Verbrechen lohnt ist klar und ist die Grenze die jetzt viel zu weit überschritten wurde. Die echten Profis lachen sich doch eh schon kaputt... Stichwort: Wegwerfhandys. Die einzigen die es jetzt trifft sind massenhaft Unschuldige, die sich nicht mehr trauen offen zu reden.
hemtech 17.10.2014
2. Einerseits
kann man das Begehren der Strafverfolgungsbehörden durchaus nachvollziehen, denn das Abhören von solchen Leuten brachte schon sehr gute Erkenntnisse. Andererseits wäre eine volle Kontrolle aller Kommunikationswege eine sehr düstere Aussicht auf einen- übrigens überall möglichen- Polizeistaat. Dem würde absolut nichts verborgen bleiben, alles wäre seiner Kontrolle unterworfen. Die finstersten Zukunftsvisionen könnten wahr werden. Dem sollte man besser gleich einen Riegel vorschieben und dem Wert der freien Kommunikation einen höheren Stellenwert einräumen als den möglichen Erfolgen bei der Überwachung von Verdächtigen. Das muß dann eben auf andere Weise geschehen.
kleinhev 17.10.2014
3. Ist seit sehr vielen Jahren Standard bei BlackBerry
Was soll das Theater? BlackBerry's haben dies seit vielen Jahren. Deswegen hat Mr. Obama eins und die Bundesregierung nun auch.
SchnurzelPuPu 17.10.2014
4. Der FBI darf also nicht
Aber die anderen Geheimdienste können die Dinger abhören/manipulieren wenn sie wollen. Wetten! Aber wahrscheinlich ist es eine Nebelkerze des FBI - "wir können euch nicht abhören, dann telefoniert mal schön."
RogerRabit1962 17.10.2014
5. Smartphones sind Wanzen
schon immer gewesen. Deswegen ist es besser Skype zu nutzen, dann muss das FBI nicht erst aufwändig die Stimme dem Nutzer zurodnen.... Es ist wie mit allen anderen "Bürgerrechten". Es gibt sie nicht mehr. Bankgeheimnis? Unschuldsvermutung? Terrorlisten? Kataster? Waffenregistrierung? Der Staat sieht Bürgerrechte als Bedrohung seiner Existenz. Das einzige Korrektiv, welches einmal gab, ist nicht mehr in den Parlament und hat sich mit anderen, unwichtigen Themen ruiniert. Erst wird nun postuliert, dass Hintertüren eingebaut werden müssen, dann werden einige Beispiele durchs Dorf getrieben, dass irgend ein Kinderschänder oder Drogenverticker ein verschlüsseltes Smartphone hatte, dann wird Verschlüsselung verboten und strafbar, weil "ordentliche" Menschen so was ja nicht machen....
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