Foto-Tipps So erstellen Sie eigene Fotomosaik-Collagen

In diesem Workshop zeigt das Fotomagazin "Docma" Ihnen, wie Sie Bilder und Bildschnipsel mit Adobe Photoshop kreativ kombinieren und zu einem Mosaik zusammenstellen können.

Fotomosaik
Daniel Matzenbacher/ Lazor Photography

Fotomosaik

Von "Docma"-Autor Olaf Giermann


Wenn Sie sehr viele Fotos verkleinert nebeneinander anordnen, spricht man von einem Fotomosaik. Es lässt sich für einen interessanten Bildeffekt nutzen, indem Sie es einem anderen Bild überlagern, wodurch dieses so wirkt, als sei es aus vielen kleinen Fotos zusammengesetzt. Einen Zauberknopf, der so ein Bild für Sie erzeugt, gibt es in Photoshop nicht - jedoch einige versteckte Funktionen und nicht offensichtliche Wege, die wir im Folgenden erklären:

01 Mosaik-Fotos

Daniel Matzenbacher

Zunächst benötigen Sie eine ausreichende Anzahl an Fotos, aus denen Sie das Mosaik erzeugen möchten. Um nicht zu viele auf den ersten Blick sichtbare Wiederholungen zu erhalten, ist eine Mindestanzahl von 100 Fotos empfehlenswert. Nutzen Sie nach Möglichkeit Fotos, die alle die gleichen Proportionen und die gleiche Ausrichtung (Hochformat oder Querformat) aufweisen. Nur so erhalten Sie in den nachfolgenden Schritten ein lückenloses Fotomosaik. Im Beispiel habe ich aus Stockfotos in Adobe Bridge eine Sammlung aus 100 Fotos zusammengestellt und brachte die vielen unterschiedlichen Bildproportionen in ein quadratisches Format. Wie das am schnellsten geht, erfahren Sie im nächsten Schritt.

02 Format vereinheitlichen

Daniel Matzenbacher

Um alle Fotos in ein quadratisches (oder das von Ihnen bevorzugte) Format zu bringen, nutzen Sie "Camera Raw". Die Fotos müssen dazu im Raw-, JPEG- oder TIFF-Format vorliegen. Markieren Sie alle Fotos in Adobe Bridge und drücken Sie "Strg/Cmd-R", um sie in "Camera Raw" zu öffnen. Nutzen Sie beim "Freistellungswerkzeug" die Vorgabe "1:1" und schneiden Sie das erste Bild zu (a). Selektieren Sie dann alle Fotos ("Strg/Cmd-A") und wählen Sie im sich öffnenden Dialog "Einstellungen synchronisieren" ("Alt-S") (b) mit "Teilmenge: Freistellen".

Scrollen Sie anschließend durch die Fotos und korrigieren Sie bei einzelnen Bildern gegebenenfalls die Freistellung, falls nicht der gewünschte Bildbereich gezeigt wird. Selektieren Sie zum Abschluss wiederum alle Fotos und klicken Sie auf "Fertig". Dadurch wird der Bildbeschnitt als Entwicklungseinstellung in die Metadaten der Bilder geschrieben. In Adobe Bridge sollten anschließend alle Fotos im gewählten Format angezeigt werden (c).

Daniel Matzenbacher

Achtung: Da Sie die Originaldateien bei dieser Vorgehensweise nicht ändern, sondern der Bildbeschnitt nur in Form von Metadaten gespeichert wird, sehen und öffnen Sie in sämtlichen Nicht-Adobe-Programmen nach wie vor die Dateien in ihrem Originalzustand.

03 Mosaik erzeugen

Daniel Matzenbacher

Damit Sie nicht alle Fotos von Hand nebeneinanderstellen müssen, nutzen Sie den Dialog "Kontaktabzug II", den Sie in Photoshop unter "Datei > Automatisieren" finden. Bequemer ist es jedoch, bereits in Adobe Bridge alle gewünschten Bilder zu markieren und dort denselben Dialog über "Werkzeuge > Photoshop" aufzurufen. Das spart das Hangeln durch die Ordnerstruktur per "Wählen" (a).

Zum Autor
  • Daniel Matzenbacher
    Daniel Matzenbacher, Jahrgang 1955, betreibt seit 1986 ein grafisches Atelier in Hamburg. Seit 1995 setzt er sich intensiv mit den Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung auseinander, die schnell seine zentrale Arbeitstechnik wurde. Als Altmeister der digitalen Collage illustriert er seitdem für große Werbeagenturen sowie renommierte Zeitschriften wie SPIEGEL, "Stern" oder das "Zeit-Magazin".
  • Homepage von Daniel Matzenbacher

Im Bereich "Dokument" legen Sie die Abmessungen des zu erzeugenden Kontaktabzugs fest. "Breite" und "Höhe" (b) sollten hierbei den von Ihnen in Schritt 2 festgelegten Proportionen entsprechen. Bei diesem Beispiel sind beide Parameter identisch, da ein quadratisches Format gewählt wurde. Deaktivieren Sie die Checkbox "Alle Ebenen reduzieren" (c), damit die Bilder als einzelne Ebenen mit zugehörigen Masken erhalten bleiben. Dadurch können Sie später noch Korrekturen durchführen.

Gefunden in

Unter "Miniaturen" sollten Sie die Anzahl der "Spalten" und "Zeilen" so wählen, dass das erzeugte Mosaik die ganze Seite füllen kann (d). Im Beispiel wurden 100 Bilder verwendet, die ein Raster von 10 mal 10 füllen. Deaktivieren Sie "Automatischer Zeilenabstand" und tragen Sie einen Abstand von Null für "Vertikal" und "Horizontal " ein, damit die Bilder nahtlos aneinandergefügt werden (e). Deaktivieren Sie auch "Drehen, um Platz optimal zu nutzen" (f), da sonst bei einem Mix aus Hoch- und Querformatbildern einige Bilder nicht mehr aufrecht gezeigt würden.

04 Kontaktabzug korrigieren

Daniel Matzenbacher

"Kontaktabzug II" berücksichtigt die zuvor in Camera Raw vorgenommenen Änderungen, seine Erzeugung dauert jedoch je nach Anzahl der gewählten Fotos eine Weile. Sollten Sie auf einzelne Fehler (a) stoßen, bei denen die Miniaturen nicht das gesamte Quadrat wie gewünscht füllen (zum Beispiel weil der Zuschnitt vergessen oder nicht angewendet wurde), ist eine manuelle Korrektur oft schneller, als den Kontaktabzug erneut berechnen zu lassen. Wählen Sie die gewünschte Ebene mit einem Klick ins Bild aus, deaktivieren Sie die Verkettung von Ebene und Ebenenmaske (b) und vergrößern Sie die Miniatur über die "Transformationssteuerung", bis sie die gesamte Maskenfläche füllt und so nahtlos an die angrenzenden Bilder stößt.

Tipp: Etwaige Ränder an den Bildkanten müssen Sie mit dem "Freistellungswerkzeug " wegschneiden, um im nächsten Schritt keine auffälligen Wiederholungsmuster zu erzeugen.

05 Muster anlegen

Daniel Matzenbacher

Damit Sie das Fotomosaik auf Bilder beliebiger Größe gekachelt anwenden können, sollten Sie es als Muster speichern. Wählen Sie dazu "Bearbeiten > Muster festlegen" und vergeben Sie im sich öffnenden Dialog einen Namen für die Vorgabe (a). Über "Ebene > Neue Füllebene > Muster" wenden Sie das Muster auf andere Dateien nicht-destruktiv an. Im Dialog der Musterebene können Sie bei Bedarf die Miniaturgröße skalieren (b). Beim Vergrößern sollten Sie sich aus Qualitätsgründen eher zurückhalten, Verkleinern ist dagegen vergleichsweise unproblematisch. Legen Sie also das Fotomosaik mit dem Dialog "Kontaktabzug II" nicht zu klein an. Ideal wäre es, für jeden Anwendungsfall ein Muster exakt in der benötigten Größe anzulegen, sodass Sie durch das Skalieren keine Bildqualität verschenken.

06 Muster anwenden

Daniel Matzenbacher

Im Mischmodus "Normal" überdeckt die Muster-Füllebene das darunterliegende Bild. Probieren Sie hier verschiedene Mischmodi aus, indem Sie das "Verschieben-Werkzeug" aktivieren und diese mit gehaltener "Shift"-Taste und "0" (Null) beziehungsweise "-" (Minus) vorwärts oder rückwärts durchschalten. Empfehlenswert sind in den meisten Fällen "Ineinanderkopieren" (a) oder "Weiches Licht".

Lazor Photography - Adobe Stock #131321115

Am besten wirkt der so erzeugte Fotomosaik-Effekt, wenn das zugrundeliegende Foto nicht zu unruhig ist und klare Formen zeigt. Das hier verwendete Beispielfoto hat einen gleichmäßigen Hintergrund, das Porträt ist großflächig mit abgegrenzten Formen (b). Dadurch ist es auch nach der Überlagerung mit dem Fotomosaik noch klar erkennbar, so wie auf dem Titelbild zu diesem Workshop.


Den kompletten Workshop zu digitalen Collagen finden Sie in der "Docma" 84 (Heft 5/2018) auf den Seiten 18 bis 29.



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