Anti-Internet-Songs Bitte teilen - Social Media nervt

Bands wie die Fantastischen Vier und Deichkind haben es vorgemacht, nun widmen sich auch Wiz Khalifa und Snoop Dogg sozialen Netzwerken: Die Rapper geben sich genervt - bewerben ihren Song aber über die kritisierten Kanäle.

Rapper Snoop Dogg bei einem Auftritt: Anti-Social-Media-Song mit Wiz Khalifa
REUTERS

Rapper Snoop Dogg bei einem Auftritt: Anti-Social-Media-Song mit Wiz Khalifa

Von


Überwachung im Netz, Online-Narzissmus und schwindende persönliche Kontakte: Die Stars der Musikbranche beschäftigen sich in ihren Songs immer wieder mit dem Internet. Diese Woche hat Rapper Wiz Khalifa zusammen mit Snoop Dogg einen Anti-Social-Media-Song veröffentlicht - der prompt tausendfach über Twitter und Facebook geteilt wurde.

Wir stellen fünf Songs vor, in denen sich Bands und Sänger mit dem Internet beschäftigen - mal eher ironisch, mal ernsthafter.

Wiz Khalifa feat. Snoop Dogg - "No Social Media"

Der eingangs erwähnte US-Rapper Wiz Khalifa fühlt sich offenbar von Twitter, Facebook und Instagram gestört - und zwar bei seinen Flirtversuchen. In dem Song "No Social Media" macht der HipHop-Star seinem Ärger nun Luft und beklagt sich zusammen mit Snoop Dogg darüber, dass angeblich alle Frauen nur auf ihr Smartphone starren und sich nicht für ihn interessieren. "Mädchen, du siehst so gut aus ohne Social Media", heißt es in dem durchaus deftigen und stellenweise sexistischen Song, den Khalifa bei Soundcloud hochgeladen hat.

Die Empfehlung, Social Media seltener zu nutzen, gilt dabei wohl nur für andere. Snoop Dogg jedenfalls verbreitet den Song über seinen Twitter-Kanal, Wiz Khalifa schickt den Link zum Lied über Facebook an seine Fans. Und diese Verbreitung lohnt sich auch: Das Lied wurde bereits zehntausendemal geteilt.

Deichkind - "Like mich am Arsch"

Die Hamburger Gruppe Deichkind lässt bereits im Titel ihres Songs keinen Zweifel an der Botschaft. Bei "Like mich am Arsch" vom aktuellen Album "Niveau Weshalb Warum" teilen die Musiker gegen den Selbstdarstellungs-Wahn der Facebook-Nutzer und gegen belanglose Statusmeldungen aus. "Stern-App, Bahn-App, Tier-App, Skype-App, Wein-App, interessiert mich 'n Scheißdreck", heißt es in dem Lied. "Ich stecke meinen Avatar in die Tonne."

Doch wie bei so vielen Deichkind-Texten ist der Inhalt eher ironisch gebrochen. Denn mit knapp 800.000 Facebook-Fans und etwa 200.000 Twitter-Followern beweist die Band immer wieder, wie gut sie sich mit Social Media auskennt - auch, wenn Beiträge wie "Ich hab den Schädel des Monats" nicht immer den großen Nutzwert haben, den die Musiker in ihrem Lied fordern.

Die Fantastischen Vier - "Lass sehen"

Die Fantastischen Vier gehen die Netz-Kritik in ihrem Lied "Lass sehen" subtil an. Erst im zweiten Vers beklagen die HipHop-Künstler ganz offensichtlich den Trend, sich hinter einer Online-Fassade zu verstecken. In dem Song vom 2014er-Album "Rekord" heißt es: "Schuhe aus, Hose runter, genug gepost, was ist los da drunter."

In ihrem Song rufen die Rapper dazu auf, den persönlichen Kontakt mit Freunden nicht zu vernachlässigen - und sich häufiger mal wieder offline zu treffen. "Alle haben nen iPhone, ich hab Langeweile, keiner will vorbei kommen, jeder will dabei sein."

Die Fantastischen Vier: Die Musiker empfehlen, sich lieber persönlich zu treffen Udo Jürgens - "Du bist durchschaut"

Sogar Udo Jürgens widmete sich in einem seiner Lieder dem Internet. Im Gegensatz zu manch anderem Künstler zieht der 2014 gestorbene Sänger nicht pauschal über soziale Medien oder übermäßigen Online-Konsum her, sondern greift sich einen bestimmten Aspekt heraus.

In seinem Lied "Du bist durchschaut" beklagt Jürgens die schwindende Privatsphäre der Bürger durch die Digitalisierung. "Die Welt ist eine Google", singt er, "da bleibt gar nichts mehr geheim. Ob Wohnung, Haus, ob Garten, jeder schaut da online rein."

Udo Jürgens: "Du bist durchschaut" prangert den Trend zum gläsernen Bürger an
Getty Images

Udo Jürgens: "Du bist durchschaut" prangert den Trend zum gläsernen Bürger an

Von wegen Lisbeth - "Sushi"

Auch die bisher relativ unbekannte Berliner Band "Von wegen Lisbeth" singt gegen die "Alles teilen"-Kultur in den sozialen Netzwerken. Bisher hat das Video ihres Songs "Sushi" gut 100.000 Klicks gesammelt - soll sich wirklich etwas ändern, muss das noch mehr werden.

Mit ihrem Lied richten sich die Jungs vor allem an Essensbilder teilende Nutzer: Im Songtext zu "Sushi" beschreiben sie klassische Instagram-Motive: "Deine Füße sind am Meer, du bist in love mit deinen neuen Nike Air". Dann folgt der Refrain: "Lina, ich will dein Sushi gar nicht sehn! Warum ist dein Leben so prima und du immer so wunderwunderschön?".

Mitarbeit: Moritz Stadler



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Phil_iP 12.09.2015
1. Auch hier ...
die inzwischen allgegenwärtigen Buttons "Teilen", "Empfehlen", ... . "Folgen sie *austauschbarer Zeitschriftenname* auf Facebook" fehlt noch - oder hatte ich das tatsächlich überlesen? Das Produkt muss um jeden Preis verkauft werden und der breiten Masse ist nunmal Massentierhaltung einfacher (billiger) zu verkaufen als tatsächliche Qualität. In Form von hochkarätigem, seriösem und ehrlichem Journalismus versteht sich. Ein gesunder Umgang mit dem Netz ergibt sich sicher daraus, dass soziale Medien auch(!) eine Komponente des alltäglichen Lebens darstellen können(!). Aktuell scheint es aber, als ob die breite Masse völlig ungeschult auf Tierversuche losgelassen wird (eine Doppeldeutigkeit dieser Aussage ist nicht beabsichtigt) und jeder produziert und metzelt, was sein persönlicher Instinkt ihm völlig ohne jegliches Feingefühl, das ihm die reale Welt in einer aufwändigen Kindheit anerzogen wurde, zulässt. Schadensbegrenzung? Im 'Realen Leben' = Faust in Fresse -, was für jahrtausendealte kulturelle Regulationsmechanismen spricht, die sich eindeutig bewährt haben. Wohingegen im Netz die übelste Hetze gerade mal eine zaghafte Strafanzeige produziert. Und sich dann herausstellt, dass ein computersüchtiger Familienvater das neben seiner World-of-Warcraft-Rolle als Purpurtroll des Südens in seiner Rolle als Verteidiger des Abendlandes bei Facebook gepostet hatte - Nachts um 4:32 Uhr, kurz vor Schichtbeginn in einem Autoverwertungsbetrieb. Mildernde Umstände? Oder "Wer sich in die Bar begibt, wird darin umfallen"? Andererseits - wen interessieren irgendwelche Kommentare bei Facebook, oder Jnanamarga Vrindavan (der indischen Version) und vor allem: Wer nimmt die noch ernst? Das Ausweichpotential, ein sinnvolles Leben - resp. sinnvolle Hilfe - zu strukturieren, ist jedenfalls enorm ... und kinderleicht. Na immerhin beschäftigen sich Satiriker, Philosophen und einige hochintellektuelle Bands inzwischen mit diesem Phänomen. Und freuen sich über die vielen 'likes'. Es kann also nur besser werden ... :-D
sir_popper 12.09.2015
2. Gelassen bleiben
Warum diese Aufregung? Viele tun so, als könne man die Welt besser machen, indem man Facebook (oder andere soziale Netzwerke) zensiert. Wenn - wie das viele deutsche "Blockwarte" gern hätten - alle Posts gelöscht werden, die nicht der eigenen (Mainstream-)Meinung entsprechen, verschwinden diese Haltungen ja nicht auf wundersame Weise. In den Köpfen sind sie dann immer noch. Indem Meinungen (ja, auch schlimme) geäußert werden, kann ich damit umgehen, kann ich mich damit auseinandersetzen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Postings, die von dumpfem Hass und blinder Wut geprägt sind, irgendeinen verhängnisvollen Einfluss auf andere Menschen haben können (im Sinne von "Ansteckung"). Weder moralisch gefestigte noch eher indifferente Menschen werden durch negative Äußerungen in den sozialen Netzwerken automatisch zu "Wutbürgern". Ich halte es da nach wie vor mit dem großen Voltaire...
basic11 13.09.2015
3. Dreiste Vertragsbedingungen
... wurden von FB nochmal in eine neue Dimension gehoben... alle müssen nachziehen..Zugriff auf alle Nutzerdaten ... von jeder nochso unwichtigen app... aber scheint ja niemand zu stören...die Daten werden ja schliesslich nuuur im Interesse der user gesammelt...
neugut.buch 13.09.2015
4. und dann gibt's da noch
den Song "Sch... auf Facebook" https://youtu.be/wSUpZqOhRdI von Cris Cosmo (u.a. Teilnehmer beim BundesVision Song Contest 2012) der mit spitzer Feder und sonnigem Groove fuer das reale Leben anstelle des kuenstlichen plaediert :)
j.vantast 14.09.2015
5. Irrtum
Zitat von sir_popperWarum diese Aufregung? Viele tun so, als könne man die Welt besser machen, indem man Facebook (oder andere soziale Netzwerke) zensiert. Wenn - wie das viele deutsche "Blockwarte" gern hätten - alle Posts gelöscht werden, die nicht der eigenen (Mainstream-)Meinung entsprechen, verschwinden diese Haltungen ja nicht auf wundersame Weise. In den Köpfen sind sie dann immer noch. Indem Meinungen (ja, auch schlimme) geäußert werden, kann ich damit umgehen, kann ich mich damit auseinandersetzen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Postings, die von dumpfem Hass und blinder Wut geprägt sind, irgendeinen verhängnisvollen Einfluss auf andere Menschen haben können (im Sinne von "Ansteckung"). Weder moralisch gefestigte noch eher indifferente Menschen werden durch negative Äußerungen in den sozialen Netzwerken automatisch zu "Wutbürgern". Ich halte es da nach wie vor mit dem großen Voltaire...
Viele User sind aber weder moralisch gefestigt noch indifferent. Viele User springen auf den Zug auf (hat ja auch keine Konsequenzen).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.