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Social Network: Facebook lässt Nutzer Fremden folgen

Facebook baut weitere Abstufungen ins eigene Netzwerk ein. Künftig kann man nicht nur einfacher seinen digitalen Bekanntenkreis in Untergruppen einteilen. Facebook führt auch eine Follower-Funktion ein: Damit kann man künftig Menschen lauschen, die man gar nicht kennt. Wie bei Twitter.

Facebook: Anleihen bei Google+ und Twitter Zur Großansicht
AFP

Facebook: Anleihen bei Google+ und Twitter

Facebook stülpt sein Freundeskreis-Prinzip um: Nach den neuen Gruppen-Funktionen stellte das soziale Netzwerk nun auch sogenannte Facebook-Abonnements vor. Damit können Mitglieder des Social Networks Einträge und Status-Updates von Personen außerhalb ihres eigenen Freundeskreises abonnieren.

Zusammen stehen die jetzt vorgestellten Funktionen für ein neues, transparenteres Facebook - das dem Mitglied im Kontakt mit anderen Mitgliedern erheblich mehr Kontrolle über seine Daten gibt als zuvor. Fürderhin können Facebook-Mitglieder unter ihrem Namen strategisch mit verschiedenen Web-Identitäten umgehen: Die Kollegin sieht nur die seriösen Status-Updates, der Partner nur die unkritischen, die besten Freunde einfach alle.

Damit macht Zuckerbergs Riesenfirma Schluss mit dem zuckerbergschen Dogma "Eine Person, eine Identität": Zuckerberg sagte dem Buchautor David Kirkpatrick ("The Facebook Effect") einmal, mehr als eine Identität zu besitzen, sei "ein Beispiel für einen Mangel an Integrität". Nicht nur angesichts des gekonnten, abgestuften Identitäts-Managements jeder modernen Person ist diese These anmaßend und bevormundend.

Deutlich von Twitter und Google+ inspiriert

Aber die neuen Facebook-Funktionen führen auch zu neuen Zugriffsmöglichkeiten aus dem anonymen Raum aller anderen Facebook-Mitglieder. Bislang konnten die nur automatisch Neuigkeiten aus ihrem Freundeskreis erhalten oder manuell in fremden Profilen nach "öffentlichen", also für alle einsehbaren Inhalten suchen. Dank der "Abos" erhalten sie leichter als öffentlich gekennzeichnete - oder aus Versehen nicht als privat eingestufte - Informationen.

Die neuen Funktionen sind ein erheblicher Fortschritt für Facebook - und kommen überraschend spät. Auf so einem "Abo"-Prinzip beruht das soziale Netzwerk Twitter, auch Google+ kennt diese Funktion nebst dem erweiterten Identitäts-Management über die Kontaktgruppen "Circles". Schon seit über zehn Jahren können Website-Inhalte per RSS-Feed abonniert werden.

Schwache Verbindungen ausbeuten

Facebooks Zögern - diese Funktion war sicherlich schon lange im Gespräch - könnte neben einem Ideologie-Wandel ("Nur eine Identität") auch darauf zurückzuführen sein, dass ein Abonnement eine sehr schwache soziale Beziehung mit geringem Nutzwert (für Facebook) bezeichnet. Einer saugt an den Informationen eines passiven anderen. Dabei entsteht keine soziologische Netzwerk-Magie, sondern ein einseitiger Austausch. Facebook war traditionell aus auf enge soziale Verbindungen: Freundschaften, Familienverbände, Kollegenkreise. Das Abonnement fügt nun auch den Unbekannten hinzu: Den Künstler, Politiker, Journalisten, dessen (öffentliche) Facebook-Einträge man verfolgen, oder die Angebetete, der man sich nicht all zu deutlich offenbaren will.

Die neue "Abonnieren"-Schaltfläche wird das soziale Netzwerk in den nächsten Tagen nach und nach in öffentlichen Profilen freischalten. Über sie können Facebook-Mitglieder auch einstellen, welche öffentlichen Informationen sie in ihrer eigenen Neuigkeiten-Liste sehen wollen: Alle, die meisten, nur die wichtigsten; Fotos, Spiele, Status-Udates. Wer selbst anderen Facebook-Mitgliedern eigene Inhalte als Abonnement anbieten will, muss Einträge nur als "Öffentlich" kennzeichnen - damit sind sie automatisch abonnierbar.

Das heißt auch: Wer verhindern will, dass sensible Einträge künftig für die ganze Welt (oder gar den Partner) zu sehen sind, sollte sich vor dem Absenden eines neuen Eintrags die korrekte Veröffentlichungsweite überprüfen.

fko

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Soziale Netzwerke
Facebook
DPA
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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