Social Network "Wer kennt wen?": Das Dieter-Birgit-Kevin-Netz

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2. Teil: Das Geheimnis des WkW-Erfolges

Das Erfolgsgeheimnis ist der Mangel an Komplexität. WkW ist auch für Menschen nutzbar, für die E-Mail eine Geheimwissenschaft ist. "Für viele unserer Nutzer", sagt Ohler, "ist die Benachrichtigungsfunktion von WkW so eine Art Ersatz-E-Mail. Sie finden das viel natürlicher: Sie schreiben nicht an eine E-Mail-Adresse, sondern an eine Person mit Namen und Vornamen."

So, ist man da versucht zu sagen, sollte das ja eigentlich auch sein. Es ist Web 0.2, aber dem 2.0 (siehe Kasten unten) in vielerlei Hinsicht überlegen. Diggs, Taggings, Einbinden von Videos? Mash-ups, Geo-Funktionen, Mobileinbindung? Podcasts, Musik-Streams oder P2P? Alles Fehlanzeige.

Stattdessen: Grüße, Gedichte, liebevoll zusammengetippte ASCII-Art (siehe Bildergalerie unten). Wer darüber lächelt, hat den Knall noch nicht gehört: WkW könnte das Zeug haben, die elitäreren Social Networks mit Karacho auf die Plätze zu verweisen.

RTL im Hintergrund

Das fand man offenbar auch bei RTL. Im Februar kaufte sich der Interactive-Ableger des Kölner Senders 49 Prozent der Firmenanteile. Kurz darauf gab RTL-Miteigner Bertelsmann seinen scheintoten Social-Network-Versuch Bloomstreet auf und empfahl der kleinen Nutzer-Schar den Umzug zu WkW. Seit Juli vermarktet die RTL-Tochter IP Deutschland die Werbeplätze dort. Darüber hinaus setzt WkW auf Provisionsgeschäfte: Seit August haben WkW-Mitglieder beispielsweise kostenlosen Zugang zum Reiseclub TripHunter (sie sparen damit 12,50 Euro). Geben sie da Geld aus, klingelt auch bei WkW die Kasse.

Ob sie das schon zu Millionären gemacht hat, wollen Ohler und Jager nicht verraten. Wahrscheinlich ist es nicht. Aber es könnte ja noch werden: RTL hat eine Vorkaufsoption. Wie viel der Sender für die ersten 49 Prozent bezahlt hat, ist nicht bekannt. Sollte aber Rupert Murdoch anrufen, um WkW zu kaufen, müsste der sich an RTL richten - ohne den starken Partner aus Köln geht nichts mehr.

WkW selbst ist von Koblenz nach Köln gezogen, beschäftigt mittlerweile 36 Mitarbeiter. Es dürften noch mehr werden, denn Größe schafft auch Probleme - alle Social Networks haben das erfahren müssen. Und natürlich gibt es auch bei WkW Gruppen mit reichlich eindeutigen Interessen: über 400 Gruppen tragen das Wort "Flirt" im Namen, rund 6900 "Sex". Etwa 60 Gruppen diskutieren über "Seitensprung", und selbst "Notgeil" ist noch bei 35 Namensbestandteil.

Bussis und Blümchen

Noch setzt WkW vor allem auf die aktive Mithilfe der Community, um den Stall sauber zu halten. Noch gab es keine größeren Probleme, weder mit abgedrehten Nazis noch mit Kinderpornografen. Tatsächlich scheinen die Selbstreinigungskräfte besser zu funktionieren als bei anderen Networks: In einigen der "Sex"-Foren (bei vielen ist der Namensbestandteil nur Teil eines Gags) zensieren die Gruppengründer gründlich die Schreibereien unwillkommener Schmierfinken. Doch natürlich gibt es auch reichlich deftige Gruppen. Unter dem Strich jedoch ist WkW ungewöhnlich unbrisant.

Denn obwohl WkW kein Thema vorgibt, hat es sein Thema irgendwie gefunden: freundlicher Sozialkontakt. Nicht von ungefähr bringen viele WkW'ler bei einem ersten Besuch auf der Profilseite dem Anderen virtuelle Blümchen mit. Natürlich ist WkW dabei auch eine Zoten-Zone, ein Ort für Gags und Schenkelklopfer. Während die Gruppe "Astronomie für Anfänger" elf Mitglieder zählt, kommt "Gefangene der Gastronomie" auf 1611. Chuck-Norris-Gruppen gibt es über 300. Da ist es dann auch klar, dass sich hier nicht nur Papa einloggt, sondern auch der 15-jährige Sohnemann.

Heraus kommt dabei eine eigentümliche Demografie. Es ist das Mittensegment der Gesellschaft, dass sich hier zusammenfindet, vorzugsweise das mittlere Alterssegment und deren Kinder. Ihre Fußballvereine haben eigene Gruppen, ihre Schulen, ihre Dörfer und die Stadtteile, aus denen sie einst kamen. Am Dienstagnachmittag gab es allein 982 Gruppen, die das Wort "Einschulung", einen Jahrgang und einen Schulnamen im Namen trugen.

Es wird immer wahrscheinlicher, dass da auch Ihre erste Klasse dabei ist.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. Kann man haben, muß man aber nicht
Muggenhorst 15.08.2008
Vor etwa 9 Monaten bin ich eher zufällig über "Wer kennt wen?" gestolpert und obwohl ich (als 36jähriger) sowohl bei MySpace (nutze ich täglich, aber eigentlich ausschließlich für internationale Kontakte, die Web-Version der guten, alten Brieffreundschaft) und auch bei Facebook (gefällt mir nicht und wird äußerst selten aufgesucht) registriert bin, sah und sehe ich "WKW" eigentlich nach wie vor nur als kostenfreie Alternative zu "Stayfriends". Soll heißen, es dient nur dazu, die (wie hier im Osten besonders üblich) über das ganze Land verstreuten ehemaligen Mitschüler wiederzufinden bzw. den Kontakt zu ihnen zu halten. Denn im Gegensatz zu erwähnter Seite darf ich nicht erst mal löhnen, nur wenn ich eine an mich gerichtete Nachricht lesen möchte. Auf meine Liste kommen also tatsächlich nur Personen, die ich auch wirklich persönlich kenne und die nicht gerade um die Ecke wohnen. Als Social Network im weiteren Sinne ist es mir tatsächlich etwas zu spartanisch.
2. Einfach oder schon fehlerhaft?
daybyter 15.08.2008
Hab mich jetzt also auch mal zu WkW einladen lassen, und bin doch arg enttäuscht, nachdem hier fast jeder in meiner Umgebung drin zu sein scheint. Eine einfache Suche mit Umlauten überfordert die Software schon. 'Träge' wäre noch eine freundliche Umschreibung der Reaktionszeit der Server. Bin vielleicht von vielen Foren verwöhnt, aber derm Minimalismus scheint mir doch übertrieben zu sein...
3. wkw - doch toll, oder?
Wilmi 15.08.2008
Hallo zusammen, also ich bin seit ein paar Monaten bei wkw. Erst habe ich mich standhaft geweigert. Denn so etwas ist ja immer mit Arbeit verbunden. Einloggen, bestätigen, ausloggen etc. Ich bin jedoch mehr als positiv überrascht. Alte Schulkameraden, Weggefährten und natürlich Bekannte alter Art trifft man hier wieder. Ich finde wkw super. Natürlich liegt es an einem selbst, ob man jeden Kontaktwunsch bestätigt oder doch mehr Wert auf Qualität legt. Wkw und da hat mein Vorredner recht, ist schneller gewachsen als die Technik. Bei neuen Nachrichten erhält man keine Mail. Die Suche nach Bekannten ist oft schwierig und sehr einfach gestaltet. Hier sollte kurzfristig nachgebessert werden. Auch die Erreichbarkeit ist oft nicht gewährleistet oder sehr sehr langsam. Dennoch finde ich ist es ein super schönes Tool um Leuten wieder in Kontakt zu treten, nachdem man sich aus den Augen verloren hat. Man gut die "Welle" beobachten. Von NRW nach Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen. Parallel Berlin. Nach Bayern ist wkw noch nicht vorgedrungen. Doch dies ist eine Frage der Zeit. :-))
4. Bayern!?!?!
Imbulc 10.09.2008
Hallo!!! Ich habe das Virus WKW letztes Jahr mit nach Bayern gebracht und es sind schon Einige infiziert!!! WKW ist ne super Sache und der Bericht trifft den Nagel auf den Kopf!!! Gruß
5. BAYERN/ MÜNCHEN & das FREUNDESNETZ
Mariokasp 28.09.2009
Zitat von ImbulcHallo!!! Ich habe das Virus WKW letztes Jahr mit nach Bayern gebracht und es sind schon Einige infiziert!!! WKW ist ne super Sache und der Bericht trifft den Nagel auf den Kopf!!! Gruß
In Bayern ist doch das neue Freundesnetz.net verbreitet?!
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