Social-Networking: Path lädt Nutzer-Adressbücher auf eigene Server

Schon wieder greift eine App ungefragt auf persönliche Daten zu und überträgt sie an Fremdserver. Die Social-Networking-App Path bedient sich an den Adressbüchern ihrer Nutzer. Die Verantwortlichen geloben Besserung.

Zeigefreudige Netzbewohner nutzen gern die Möglichkeiten der Social-Networking-App Path. Mit ihr kann jeder seinen Lieben alles aus seinem Leben offenbaren. Bei iTunes werden die durch das Progrämmchen vermittelten Inhalte so beworben: "Ihre Gedanken, die Musik, die Sie gerade hören, wo und mit wem Sie unterwegs sind, wann Sie aufstehen und wann Sie schlafen gehen." Das klingt für normale Menschen vielleicht ein bisschen unheimlich. Erst recht nach einem Bericht, demzufolge Path noch weitere Daten ungefragt abgreift. Arum Thampi, einem iOS-Entwickler aus Singapur, fiel bei näherer Untersuchung der App auf, dass sein gesamtes Adressbuch mit vollständigen Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen an die Path-Server übertragen wurde. Und zwar ohne dass er dazu seine Erlaubnis gegeben hätte.

Dieses Verhalten der App tritt allem Anschein nach schon direkt bei der Registrierung auf. Dort werden dann eben nicht nur die Daten des neuen Mitglieds abgefragt und übertragen, sondern auch dessen komplettes Adressverzeichnis. Auch wenn Thampi den Path-Machern nicht unterstellen mochte, mit seinen Daten Schindluder treiben zu wollen, fühlte er sich dann doch getäuscht. Und: "Ich frage mich, wie viele andere iOS-Apps dasselbe tun…" Path-Ceo Dave Morin war die Angelegenheit offensichtlich ziemlich peinlich, umgehend meldete er sich zu Wort. Er erklärte, die Adressdaten würden einzig zu dem Zweck verwendet, um Nutzern den Kontakt zu anderen Freunden und Verwandten zu erleichtern. Eine Funktion zum Freunde finden ist in der Welt der Social Networks in der Tat nichts Neues - das Auslesen von Adressbüchern aber hat auch bei Facebook schon für viel Unmut gesorgt.

Vor dem Durchforsten der eigenen Datenbestände muss der User nun in der Regel seine explizite Zustimmung geben. Dieses Opt-In versprach Morin nun als Standard für die aktualisierten Path-Versionen. Die nächste iOS-Version 2.0.6 soll darüber verfügen, ebenso wie das bereits "vor einigen Wochen" durchgeführte Update für Android. Derzeit warte man noch auf die Freischaltung durch die Apple-Kontrolle. Was denjenigen nicht viel hilft, deren Adressdaten schon auf den Path-Servern gelandet sind. Anscheinend ist es ziemlich umständlich, ein Adressbuch von dort wieder zu entfernen. Einen direkten Zugriff gebe es für betroffene Nutzer nicht, sie müssten sich per E-Mail an service@path.com wenden, berichtet Fsklog.

meu

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Abschreiben konnte Gutenberg besser!
Thomas4321 08.02.2012
Zitat von sysopSchon wieder greift eine App ungefragt auf persönliche Daten zu und überträgt sie an Fremdserver. Die Social-Networking-App Path bedient sich ungefragt an den Adressbüchern ihrer Nutzer. Die Verantwortlichen geloben Besserung. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,814002,00.html
Gutenberg mag ja die Fußnoten vergessen, aber wenigstens hat er richtig zitiert. Bei euch ist es genau umgekehrt! Ihr verweist zwar mit einem Link auf die Quelle, aber leider war die in englischer Sprache verfasst und der Schreiberling anscheinend nicht in der Lage, korrekt ins deutsche zu übersetzen. Denn dort steht, das Arum Thampi eine "Mac OS X" -Variante von Path implementieren wollte und dazu die iOS-Variante bzw. speziell deren APIs analysiert hat um dies bewerkstelligen zu können. Hätte der Autor seinen Beitrag mal Korrekturlesen lassen oder würde etwas von der Materie verstehen, so wäre der Fehler aufgefallen. Wie kann man denn als "Netzwelt"-Journalist iOS und OS X in einen Top werfen?
2. Datenklau
Bundeskanzler Ackermann 08.02.2012
---Zitat--- Auch wenn Thampi den Path-Machern nicht unterstellen mochte, mit seinen Daten Schindluder treiben zu wollen [...] ---Zitatende--- Warum nicht? Wenn sie lautere Absichten hätten, könnten sie einfach fragen.
3. Unglücklicher Zufall
mitchomitch 09.02.2012
"Die Verantwortlichen geloben Besserung." Das ich nicht lache. So eine Funktion muss doch auch erst einmal programmiert und implementiert werden. Das geschieht doch nicht aus Versehen. Mit Adressdaten lässt sich heutzutage nun einmal ungeheuer viel Geld verdienen. Da wird halt nichts unversucht gelassen. Doch statt dazu zu stehen, verstricken sich die Verantwortlichen in lächerliche Erklärungsversuche.
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