Österreich Agentur manipulierte Onlinemeinung für ÖVP-Minister

Die Österreichische Volkspartei gehört angeblich zu den Kunden, genauso Staatsbetriebe, Banken und Pharmakonzerne: Eine Wiener Agentur soll massenhaft mit bezahlten Onlinekommentaren Stimmung gemacht haben.

Johannes Hahn, EU-Kommissar für Erweiterungsverhandlungen: Gefälschte Postings
DPA

Johannes Hahn, EU-Kommissar für Erweiterungsverhandlungen: Gefälschte Postings


Die österreichische Firma Modern Mind Marketing verspricht ihren Kunden "innovative Marketing-Konzepte in den sozialen Netzwerken und Medien" und "Online-Reputationsmanagement". Nach Information des Magazins "Datum" hat die Agentur aus Wien versucht, mit Hunderttausenden Postings von gefälschten Onlineidentitäten die Meinung im Internet zu manipulieren.

Laut "Datum" hat zum Beispiel die Österreichische Volkspartei (ÖVP) Jubelpostings bestellt, um im Jahr 2009 ihren Vorsitzenden und Wissenschaftsminister zu unterstützen. Damals protestieren Studenten unter dem Motto "unibrennt". In einem der gefälschten Postings wurde Johannes Hahn für sein "Verständnis" für die Proteste gelobt.

Ebenfalls sollen sich die Bank Austria, die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und Postbus, Mobilkom Austria, Bayer Austria, Tui Österreich und Universal Österreich Jubelpostings von sogenannten Sockenpuppen bei der Agentur bestellt haben. "Datum" liegen nach eigenen Angaben Zehntausende bezahlte Einträge vor, außerdem die Aussagen ehemaliger Mitarbeiter.

"Nur unter dem Deckmantel der Anonymität konnte sich ereignen, was man den größten Internetskandal nennen kann, seit Österreich online ist", schreibt das Magazin. Der Geschäftsführer der Werbeagentur hat nach "Datum"-Angaben weiterhin vor, anonyme Schreiber ins Netz zu schicken. Modern Mind Marketing nennt sie euphemistisch "Online-Journalisten". Dass die Schreiber bezahlt werden und von wem, will der Geschäftsführer auch weiterhin nicht offenlegen. Vertretern von Firmen, die sich als solche zu erkennen geben, werde schließlich nichts geglaubt.

ore

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insgesamt 16 Beiträge
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TBF 06.11.2014
1.
Willkommen in der Realität. Das macht jedes Unternehmen und wahrscheinlich auch jede Regierung. Von Russland, GB und den USA ist eindeutig belegt, auch bei der KAS würde es mich nicht wundern.
laurent1307 06.11.2014
2. Upps, sowas!
Wer hätte das gedacht? Sowas passiert doch ständig, sogar im SPON Forum. Man braucht sich zb nur die Beiträge zum Thema Uber hier anschauen!
SchmidtPe 06.11.2014
3. Was ist daran denn außergewöhnlich?
Ich habe mich längst daran gewöhnt: Absichtliche Falschmeldungen sind bei uns längst normal. Hinter jeder Nachricht steckt ein Interessent. Wer sich durchsetzen kann, dessen Meinung wird in den Medien vervielfältigt.
Gottloser 06.11.2014
4. Nicht nur Regierungen und Unternehmer
Z.B. sieht es so aus, dass die Gegner von Stuttgart 21 nichts anderes zu tun haben als die Foren zu fluten, wenn über das Thema berichtet wird.Die sind sehr erfinderisch und arbeiten mit einer Vielzahl von Identitäten. Manchmal vergessen Sie aber, dass die gerade das Gleiche unter einem anderen Namen gepostet haben. Aber das ist eher eine Provinzposse. Die meisten Leute machen sich ohnehin nichts aus Forenbeiträgen.
reifenexperte 06.11.2014
5. Umgekehrt
zensieren auch die Betreiber der Foren massiv die Beiträge der Kommentatoren aus wirtschaftlichen Interesse. Das wird besonders deutlich bei (Werbe)artikeln für die Autoindustrie, da haben kritische Kommentare keine Chance. Bei anderen Themen wird es dann nicht anders sein. Was die Presse nicht begreift ist, dass der nächste Schritt dann die Pressezensur sein wird.
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