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Bezahlen im Internet: Reiseportal darf Kunden nicht zur "Sofortüberweisung" drängen

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Bahn-Reiseportal start.de: Das Gericht sieht "erhebliche Risiken für die Datensicherheit" beim Bezahlen Zur Großansicht

Bahn-Reiseportal start.de: Das Gericht sieht "erhebliche Risiken für die Datensicherheit" beim Bezahlen

Viele Onlineshopper kennen das Problem: Auf alltägliche Zahlungswege wird eine Extragebühr aufgeschlagen - nur Zahlungsoptionen wie die "Sofortüberweisung" sind kostenlos. Das Landgericht Frankfurt stellt diese Praxis nun infrage.

Wer im Internet für etwas bezahlen will, egal ob einen Einkauf oder eine Reise, steht manchmal vor einem Dilemma: Für die Bezahlung per Kreditkarte oder einem anderen bekannten Zahlungsmittel fällt eine hohe Bearbeitungsgebühr an. Umsonst ist nur ein Zahlungsweg, etwa die sogenannte "Sofortüberweisung" der Firma Sofort.

Das Landgericht Frankfurt hat nun im Sinne von Kunden geurteilt, die eine solche Bevorteilung der "Sofortüberweisung" ärgert. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte Klage gegen die DB Vertrieb GmbH eingereicht, weil die auf ihrem Reiseportal Start.de nur die "Sofortüberweisung" als gebührenfreies Zahlungsmittel anbiete.

In einem jetzt veröffentlichten und noch nicht rechtskräftigen Urteil von Juni heißt es, das Zahlungsmittel "Sofortüberweisung" sei gängig, aber "unzumutbar" und dürfte daher nicht die einzige Möglichkeit sein, ohne Zusatzkosten zu bezahlen.

Konkret sei die Nutzung des Dienstes für den Verbraucher unzumutbar, "da er hierzu nicht nur mit einem Dritten in vertragliche Beziehungen treten muss, sondern diesem Dritten auch noch Kontozugangsdaten mitteilen muss und in den Abruf von Kontodaten einwilligen muss."

Kunden müssen ihre Pin eintippen

Der bei der "Sofortüberweisung" übliche Bezahlprozess, bei dem der Dienst zum Beispiel Pin- und Tan-Nummern wissen will, birgt nach Ansicht des Landgerichts "erhebliche Risiken für die Datensicherheit". Zudem würden "erhebliche Missbrauchsmöglichkeiten eröffnet." Banken wie die Commerzbank (Link zu einem PDF) weisen üblicherweise in ihren Geschäftsbedingungen zum Online-Banking darauf hin, dass diese "personalisierten Sicherheitsmerkmale" nur auf den eigenen Websites eingegeben werden dürfen.

Das Gericht betont bei seinem Urteil, dass es in dem Rechtsstreit nicht darum gegangen sei, ob Start.de oder andere Portale "Sofortüberweisung" als Bezahlsystem anbieten dürfen oder sollten: "Der Beklagten ist es lediglich untersagt, durch den Druck der einzig nicht kostenauslösenden Zahlungsart den Kunden dazu zu zwingen, [...] mit einem nicht beteiligten Dritten zu kontrahieren und diesem hochsensible Daten übermitteln zu müssen."

In einer Stellungnahme gegenüber SPIEGEL ONLINE wehrt sich Sofort-Geschäftsführer Jens Lütcke gegen das Urteil: Sein Unternehmen sei nicht verfahrensbeteiligt gewesen und habe sich also nicht zu den Vorwürfen der Verbraucherschutzzentralen äußern können.

"Verbraucher zahlen indirekt mit"

Lütcke meint, dass durch das Urteil "in keinem Punkt" die konkrete Sicherheit der "Sofortüberweisung" angezweifelt werde; sie gehöre zu den sichersten Bezahlverfahren weltweit. PIN und TAN würden "zu keinem Zeitpunkt" von einem Mitarbeiter der Sofort GmbH oder von außen eingesehen oder gespeichert.

Das Urteil des Landgerichts Frankfurt hält der Geschäftsführer sogar für abträglich für die Verbraucher: "Das führt dazu, dass die Verbraucher, die die für den Händler günstigen Zahlarten wählen, den Preis teurer Zahlverfahren indirekt mitzahlen, da der Händler die Kosten der teuren Zahlverfahren dann umlegen wird."

Laut einer Studie, an der 2040 Kunden von 600 Onlineshops beteiligt waren, machten Sofortüberweisungen im Jahr 2014 einen Anteil von sechs Prozent an den Online-Ausgaben der Konsumenten aus. Damit steht "Sofortüberweisung" auf Platz 5 der meistbenutzen Online-Zahlmittel.

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1. Gangstermethoden
jj2005 14.07.2015
Gutes Urteil! Vor einiger Zeit hat ein bekanntes Onlineportal fuer professionell verlinkte Menschen mich mit einem fiesen Trick beinahe dazu gebracht, ihnen meine private Emailadresse samt Passwort zu verraten. Das sind Praktiken, fuer die der CEO in den Knast wandern sollte.
2.
Goimgar 14.07.2015
Zitat von jj2005Gutes Urteil! Vor einiger Zeit hat ein bekanntes Onlineportal fuer professionell verlinkte Menschen mich mit einem fiesen Trick beinahe dazu gebracht, ihnen meine private Emailadresse samt Passwort zu verraten. Das sind Praktiken, fuer die der CEO in den Knast wandern sollte.
Trick? Da ist kein Trick und nichts. Die Funktion zu benutzen ist ziemlich doof aber Trick ist da keiner bei... User haben auch eine Gewisse Eigenverantwortung. Wer ernst genommen werden will muss anerkennen wenn er selbst Teil des Problemes ist. (und das ist jeder der Freiwillig Daten für irgendwelche Accounts an Dritte gibt.)
3. Trick
jj2005 14.07.2015
Zitat von GoimgarTrick? Da ist kein Trick und nichts. Die Funktion zu benutzen ist ziemlich doof aber Trick ist da keiner bei... User haben auch eine Gewisse Eigenverantwortung. Wer ernst genommen werden will muss anerkennen wenn er selbst Teil des Problemes ist. (und das ist jeder der Freiwillig Daten für irgendwelche Accounts an Dritte gibt.)
Doch doch, das ist ein Trick! Wirklich professionell gemacht, der User merkt zunaechst garnicht, was ihm da abverlangt wird - aber es ist eindeutig ABSICHTLICH so gestyled, dass ein Moment der Unachtsamkeit ausreicht. Ich bin ja nicht darauf reingefallen, mit dreissig Jahren Computererfahrung haette ich mich auch gewaltig geschaemt. Aber der Durchschnittsuser muss schon hoellisch aufpassen, sonst hat irgendein Databasemanager bei DumbedIn Zugriff auf allerprivateste Geheimnisse. Ob die das dann ausnutzen, haengt natuerlich vom Goodwill der Firma ab. Und das ist mir persoenlich viel zu wenig, deswegen halte ich meine Forderung aufrecht: Ab in den Knast, so wie man das auch mit Typen macht, die liebe Omis mit Tricks um ihr Erspartes bringen.
4. Lösung
andreas.koehler.eu 14.07.2015
Ganz einfache Lösung: Gebühr für Sofortüberweisung und diese Kunden sind wieder zufrieden.
5. ist ganz einfach
pevoraal 14.07.2015
Transaktion abbrechen ubd den Betreibern der Seite mitteilen das man das für unseriös hält. Ich habe sogar eine Klage gegen mich gewonnen wo man mich zwingen wollte die Transaktion abzuschliessen.
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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.


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